Notizen aus der Tagespresse

Ich bin jetzt auch wieder bei Instagram, um ein wenig vom anhebenden Landtagswahlkampf mitzubekommen. Selbstverständlich unterhält niemand aus dem Kreis der Bochumer Kandidatinnen und Kandidaten ein auffindbares Profil im Fediverse. Wäre ja auch Unsinn: Weitgehend unreflektiert bleibt schließlich, dass die Linkspartei Berlin digital vollkommen unsouverän, nämlich auf Instagram und Tiktok gewonnen haben dürfte. Ferat Koçak soll seine Verlautbarungen sogar auf „X“ verbreitet haben. Schlimm. Aber morgen ist ja erster Sonntag im Monat, da dürfen sie dann auch „auf die gute Seite wechseln„. Passend dazu:

Fritz B. Simon lenkt immer wieder den Blick darauf, dass Moralismus eine Machtstrategie ist: Jede öffentlich ausgetragene „Moralismus-Olympiade“, ob es nun um die Forderung nach dem Ausschluss Israels vom ESC gehe oder um die Frage, ob man noch Müllermilch trinken dürfe, sei ein Kampf um politischen Einfluss jenseits von Parteipolitik.

Nina Apin in der taz über den Essay „Moralisieren: Waffe im Kulturkampf“ von Fritz B. Simon, der (interessant!) dabei Luhmanns Systemtheorie zur Anwendung bringe, so Apin.

Ebenfalls in der taz (und dort im großem „literataz“-Teil) bespricht Hanno Rehlinger Philip Manows „Spaltungs­-linien – Europas Parteien­systeme und die De­konsolidierung des Nationalstaats“, das ich mit großem Interesse gelesen habe:

Dieses Paradigma diene, so Manow, vor allem der „bürgerlichen Linken“, die „faktisch-praktisch einverstanden mit den spätkapitalistischen Verhältnissen scheint, die sie so grundlegend zu kritisieren glaubt“.

Nicht einverstanden ist Tom Krebs, dessen Buch Kapital und Krise ich gerade lese (nach wohlwollender Besprechung im Salon der Neuen Zwanziger). Ob er sich mit dem Zitat „Die Gewerkschaften müssen mehr Marx wagen“ einen Gefallen tut, bleibt abzuwarten. Viel mehr nerven mich jedoch Sätze wie „Auch die Ampel hat wirtschaftspolitische Fehler gemacht„, weil sie der Rahmung des Richtigmachens zuspricht, die wiederum ein politisches Verständnis ausdrückt, welches nicht das meine ist. Keine Regierung wird keine Fehler machen.


Titelbild: Frederick Burr Opper: „The Fin de Siècle Newspaper Proprietor“, in: Puck, Bd. 35, Nr. 887 (1894). Quelle: Public Domain Image Archive. Gemeinfrei.

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