Kategorie: Allgemein

  • CORRECT!V

    Am Dienstag war ich bei CORRECT!V, dem gemeinnützigen Recherchebüro und durfte an einer spannenden Führung durch die Redaktionsräume teilnehmen, gefolgt von einer kleinen Veranstaltung zu einem der Themen, die CORRECT!V bearbeitet:

    https://twitter.com/correctiv_org/status/621009476469063680?s=09

    Als Mitglied erhielt ich das aktuelle bookzine von CORRECT!V kostenlos. Und ich bin  praktisch ununterbrochen begeistert, wie schön das Teil ist. Es handelt sich tatsächlich um ein gebundenes Buch von 230 Seiten Länge mit rund 20 Storys und Reportagen:

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    CORRECT!V finanziert sich aus Spenden und Zuwendungen von Mitgliedern und Stiftungen. Die Mitgliedersäule soll aber im Verhältnis deutlich wachsen: Das Ziel sind 5000 Mitglieder bis Jahresende. Wer sich für eine Mitgliedschaft interessiert, findet hier weitere Informationen dazu.

  • Verzwergung des Parlaments

    Ihr seid die, die kontrollieren sollen. Das Bundeskanzleramt und der BND sind die Kontrollierten. Richtig?

    So sollte es sein.

    Und jetzt sagen die Kontrollierten: Wie ihr uns kontrollieren wolltet, das passt gerade nicht so. Wir haben einen Vorschlag, wer uns kontrolliert…

    „Wir suchen uns unsere Kontrolleure selbst aus.“

    Die Regierung stellt sich eben aus Union und SPD, aber das ist sowieso ein Problem unseres Parlaments, der letzten Jahre und Jahrzehnte: Die Abgeordneten verstehen sich wirklich wie die Leibgarde ihrer Regierungen. Das hat zu einer totalen Verzwergung des Parlaments geführt.

    Tilo Jung im Interview mit Konstantin von Notz über dessen Arbeit im NSA-Untersuchungsausschuss 

  • Kooperative Existenz

    Ich halte alles, was Wolfgang Michal hier schreibt für mindestens bedenkenswert, wenn nicht für richtig. Es ist bedauerlich, dass die Konzepte der Hegemonietheorie durch Antiamerikanismus und Verschwörungstheorien verdeckt worden sind.

    9. Die Abrüstung des militärisch-informationellen Komplexes wäre nur zu erreichen, wenn die Militärdoktrin des „War on Terror“ durch ein neues Konzept vertrauensbildender Maßnahmen abgelöst werden könnte. Dieses Konzept (Bahr nennt es „kooperative Existenz“) müsste auch den Abbau der weltweiten sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten und die Anerkennung anderer politischer Kulturen und Systeme beinhalten. Ein solcher politischer Richtungswechsel könnte nur gemeinsam mit der Mehrheit der US-Gesellschaft bewerkstelligt werden.

    Die Bahr-Rede lege ich mir auf jeden Fall für später raus.

  • Mello Music Group

    OK, ich hab schon immer auch ein wenig Hiphop gehört und ich hatte auch immer ein paar der guten und besseren Labels (unabhängig vom Genre) parat, aber wenn mir vor einem Jahr jemand erzählt hätte, dass ich (a) im vergangenen Jahr mehr Hiphop als jedes andere Genre gehört hätte und (b) praktisch jeden Release des Labels Mello Music Group blind kaufe, hätte ich dieser Person wohl doch eher einen Vogel gezeigt.

    Dieses Interview mit dem Labelgründer Michael Tolle bei Bandcamp (wo die MMG-Veröffentlichungen natürlich auch feilgeboten werden) gibt einen guten Einblick in die Motivation und den Ethos des Labels:

    I’ve always defined it internally as music from the heart of American culture. We’ve never gravitated toward thugs or gangsters. Most of our producers and MCs are average people who are talented and a part of this culture. That was appealing to me. I don’t like the lottery of it, people going for broke. I always wanted musicians, people who made beats or started rapping but were trying to become something more — like Oddisee, who’s now a fully fledged musician. To me we are very middle-American. Red Pill, our new guy from Detroit, exemplifies that, and someone like Apollo Brown, who’s very blue-collar.

  • Der Spiegel

    Wie es Der Spiegel immer schafft, seine Titel so hart an der Grenze zur Unseriösität zu fahren, dass ich selbst Geschichten, die mich eigentlich interessieren könnten, niemals lesen werde.

  • „Marktwirtschaft und Kapitalismus sind nicht dasselbe“

    Marktwirtschaft und Kapitalismus sind nicht dasselbe. Der Kapitalismus, wie wir ihn kennen, ist zwar zu einem großen Teil marktwirtschaftlich organisiert, aber weder ist die Marktwirtschaft ein notwendiges, noch ein hinreichendes Kriterium des Kapitalismus. Kapitalismus ist – wie ich ihn verstehe – vor allem das Prinzip, dass mittels Kapitalbesitz die gesellschaftliche Wertschöpfung strukturiert wird. Ob der Kapitalist die dafür eingesetzten Ressourcen an einem Markt aquirieren muss ist dabei erstmal egal. Umgekehrt kann es durchaus Wettbewerb und Marktmechanismen komplett ohne Eigentumsrecht geben.

    Endlich sagt’s mal einer, nämlich @mspro, und zwar hier.

    Überdies kommt mir da schon zum zweiten mal in zwei Tagen die Idee von der besseren weil kybernetischen Planwirtschaft unter. Das halte ich für falsch, weil der wachsenden Komplexität der Apparate (früher Bürokratien, heute oder morgen Software) die wachsende Komplexität des Planungsgegenstandes (Gesellschaften, Städte, Räume, Familien) gegenübersteht.

    Dennoch glaube ich, Seemann hat recht wenn er schreibt

    Die kybernetische Planwirtschaft kommt, aber diese Infrastruktur wird keine staatliche, oder gar Volkseigene sein, sondern höchst wahrscheinlich die eines Unternehmens.

    Sie wird kommen, nur wird sie nicht besonders gut funktionieren. Ebensowenig nämlich, wie beispielsweise all die empfehlungsalgorithmen, die unsere nächste Konsumentscheidung vorwegnehmen wollen.

  • Stop reading and writing manifestos

    Das gefällt mir:

    If you value democracy: stop reading and writing manifestos, start reading and writing policy proposals.

    You need to be able to clearly express the implementation of all of your revolutionary ideas on paper, so that their pros and cons can be debated by democratic citizen legislatures in a civil and non-violent manner.

    If you are not able to perform the above, then you are still relying on the charismatic leadership of authority figures to make decisions, regardless of the degree of ‚decentralization‘ achieved.

    (Via reddit)

    i.S.v. Sei in der Lage, deinen eigenen Gesetzentwurf zu schreiben.

  • Wir alle leben in Parallelgesellschaften

    Hannah Beitzer in der Süddeutschen: Der Rückzug ins Private muss aufhören

    Es gibt in Deutschland nicht nur eine Kluft zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen oder Pegida und Anti-Pegida. Sondern zwischen allen möglichen gesellschaftlichen Gruppen und Schichten. Die meisten umgeben sich gerne mit Menschen, die ähnliche politische Einstellungen, ähnliche Werte, einen ähnlichen Bildungsabschluss, ähnliche Lebensentwürfe haben.

    (Via Kaltmamsell)

    Das ist in der Tat eine Perspektive, die man in Berlin besonders leicht einnehmen kann. Oft genügt es, um zwei Ecken zu Biegen und sich in einem völlig anderen Kiez – mit deutlich anderer Bewohnerschaft – zu befinden.

    Bleibt die Frage, was es dann eigentlich noch ist, das „Deutschland“ zusammenhält. Und mich beschäftigt seit einiger zeit die Idee, dass das Kollektiv der „Versichertengemeinschaft“ (innerhalb der wohlfahrtsstaatlichen Sozialversicherungen) die inzwischen wirkmächtigste Klammer dieses Landes ist.

    Darum die Angst vor der „Einwanderung in die Sozialsysteme“. Darum das obszöne Saldieren von soll und haben, nutzen und last der Immigration.

    Nutznießer der bundesdeutschen Wohlfahrtsstaates zu sein gehört sicher zu den größten Privilegien des Planeten und gerade die, die noch am meisten davon profitieren, verteidigen ihn mit äußerster Inbrunst.

    Der Wohlfahrtsstaat des 20. Jahrhunderts war eine politische Form zur gerechten Verteilung wachsenden Wohlstandes. Was wir vielleicht in naher Zukunft benötigen ist eine Form des friedlichen Ausgleichs von sinkendem Wohlstand.