Wolf Witte

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Politik der Öffentlichkeit zuführen | Komplexität abschichten | Ambient, Drone & Noise

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Kategorie: Allgemein

  • Netzkultur

    Just kehre ich zurück von der netzkultur-Veranstaltung der bundeszentralefürpolitischebildung und den Berliner Festspielen. Betrachtet und belauscht wurden Darbietungen zum Thema „E-Kampagnen in der Kultur“ (spontan von der Referentin Paula Hannemann zu irgendwas interessanterem umbenannt) und zu der Entscheidungssoftware Liquid Feedback. Der Diskussion ‚E-Books, Apps und Nachrichten auf Karton: Wie Systeme gehackt werden‘ habe ich zwar beigewohnt, sie aber nicht verstanden.

    Bemerkenswert an den beiden erstgenannten Sessions erscheint mir, dass alle ReferentInnen nicht sehen, oder aussprechen wollen, dass sie im Grunde Werkzeuge zur Selbstorganisation der Gesellschaft erschaffen haben. Gut, im Fall von change.org ist das in Teilen nachvollziehbar, geht es dabei doch um Petitionen und die brauchen eine Adressatin. Nicht umsonst unterhält der Bundestag ja einen Petitionsausschuss. Andererseits räumte selbst die Referentin ein, dass es bei den dort initiierten Petitionen in erster Linie um öffentliche/mediale Aufmerksamkeit geht.

    Im Fall von liquid Feedback finde ich es aber noch offensichtlicher, dass hier ein Tool vorgestellt wurde, welches „möglichst herrschaftsfreie Aushandlungsprozesse unter Verschiedenen“ ermöglicht.

    Im Grunde wäre es sehr gewinnbringend, beide Tools zusammen zu denken: etwas wie liquid Feedback, um Entscheidungsvorschläge zur Diskussion zu stellen. Und etwas wie Change.org, um für sie zu werben. Und für den Gedanken hat sich die Veranstaltung gelohnt. Auch wenn diese Band aus Österreich mehrere Größenordnungen zu klamaukig war. These: Livemusik, zu der getanzt werden kann, ist schlecht.

  • Wie die Schulklassen von Jahr zu Jahr immer ‚deutscher‘ wurden #schauhin

    Denke ich an systematischen Rassismus in Deutschland, dann fällt mir immer die Schulzeit ein. Und zwar von der ersten bis zur dreizehnten Klasse. Als ich eingeschult wurde, 1986, hatte ich erstmals Kontakt mit ‚Ausländern‘. Ein Viertel, vielleicht ein Drittel der Klasse bestand aus Kindern, die, oder deren Eltern, das weiß ich nicht, einen Migrationshintergrund hatten.

    Was mich rückblickend daran so fasziniert, ist, dass es mich, und ich glaube auch die anderen ‚autochthonen‘ Kinder, überhaupt nicht interessiert hat. Es war keine relevante Kategorie. Ich habe es nicht wahrgenommen. Das waren alles für mich neue und unbekannte, und zwar gleichermaßen neue und unbekannte Kinder. Den Namen Tilmann kannte ich vorher ebenso wenig, wie den Namen Murat.

    Besonders eindrücklich erinnere ich dabei meinen ersten Kindergeburtstag, zu dem ich mit völliger Selbstverständlichkeit auch Hamid und Markus eingeladen habe. Markus war, glaube ich, russlanddeutscher Herkunft. Eindrücklich vor allem deshalb, weil ich mich erinnere, dass meine Eltern – leider – gewisse Bedenken wegen Hamid und Markus hatten. Das war neu. Kannte ich vorher nicht. Wohl mein erstes Erlebnis mit Rassismus, rückblickend. Hamid und Markus waren jedenfalls trotzdem da.

    Zumindest zum Kindergeburtstag. Ein, oder zwei Jahre später waren sie aber weg. Ob sitzengeblieben, oder weggezogen, das weiß ich nicht mehr. Jedenfalls wurden meine Klassen von Versetzung zu Versetzung immer ‚deutscher‘. Und versuche ich mich an meine Klasse nach der Versetzung aufs Gymnasium zu erinnern, dann fällt mir beim besten Willen keine/r ein, die oder der einen Migrationshintergrund hatte.

    So läuft das hier. Und das ist systematischer Rassismus. Und das ist himmelschreiend ungerecht. Und weil das in NRW war, nach grob geschätzten fuffzig Jahren SPD-Regierung, gibt es hier auch nicht den geringsten Anlass für Parteienwerbung. Thilo S. ist ja schließlich immer noch drin…

  • W. Blake – London

    I wander thro‘ each charter’d street,
    Near where the charter’d Thames does flow,
    And mark in every face I meet
    Marks of weakness, marks of woe.

    In every cry of every Man,
    In every Infant’s cry of fear,
    In every voice, in every ban,
    The mind-forg’d manacles I hear.

    How the Chimney-sweeper’s cry
    Every black’ning Church appalls;
    And the hapless Soldier’s sigh
    Runs in blood down Palace walls.

    But most thro‘ midnight streets I hear
    How the youthful Harlot’s curse
    Blasts the new born Infant’s tear,
    And blights with plagues the Marriage hearse.

    Anlass: „there is more understanding of the nature of capitalist society in a poem like ‚i wander through each charter’d street‘ than in three quarters of Socialist literature.“ (aus G. Orwells Essay ‚Charles Dickens‘)

  • Scraps of useless information

    image

    Was gut kommt: Orwells Essays im Wechsel mit den Kapiteln aus Luhmanns Soziale Systeme zu lesen. Letzterer aus der schon fast stratosphärischen Vogelperspektive in der ihm eigenen eigenen Sprache, die einem Algorithmus gleichkommt. Ersterer einer, der mitten drin steckte und genau dort sein wollte:

    „To love the surface of the earth and to take a pleasure in solid objects and scraps of useless information.“

  • ‚the living dead‘

    „Facebook is the living dead: the most popular, least relevant social network where teenagers and adults alike gather out of fear of missing out on things that don’t even make them happy.“

    via Slate

  • „Ich finde es müßig, sich an Plotholes abzuarbeiten. Die stören einen, oder sie stören einen nicht. Mich stören sie fast immer dann nicht, wenn der Film selbst nicht so tut als wäre er Wichtig mit großem W. Deswegen verzeihe ich den Avengers alles, was ich The Dark Knight nicht verzeihe.“

    Via Real Virtuality zum neuen Star Trek flick

  • Der Untertan zitierend II

    „…und des Ritters Klitzenzitz, der die Berliner roboten lehrte,…“

  • Urbane Fiktionen

    Der bestenfalls mittelmäßige Film ‚Dredd‘ hat mich mal wieder daran erinnert, wie sehr ich futuristische (und zumeist dystopische) Visionen von Städten mag. Ebenso wie in Blade Runner, Das fünfte Element, der planetenweiten Hauptstadt Coruscant aus Star Wars und natürlich Metropolis.

    Städte sind die Zuspitzung einer komplett menschengemachten Umwelt und des vollständigen Ausschlusses der Natur. Totale Kultur, wenn man so will. Sie sind damit natürlich immer auch Motiv menschlicher und technologischer Hybris (deshalb ist die entsprechende Fiktion so oft dystopisch). Städte sind auch Ausdruck von Organisation, Struktur und Kontrolle (und vor allem deren Scheitern: wieder Dystopie).

  • Der Untertan zitierend

    „er nickte schwerwiegend, als wüßte er manches.“

  • Verlinkt: Angela Merkel in Davos: “Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen!”

    Unterwerfung ist das Gebot der Stunde. Nur dann kann man auf dem Weltmarkt Führung beanspruchen. Angela Merkel formuliert damit – wie Wilhelm II. 1896 – den Übergang von der Europa- zur Weltpolitik.

    via Wolfgang Michal