Am 4. November 1991 – vor fünfunddreißig Jahren – erschien „Loveless“ von My Bloody Valentine

Am 4. November 1991 – vor fünfunddreißig Jahren – erschien „Loveless“ von My Bloody Valentine

Die 26. Anne Frank Kulturwochen starten:
ein buntes Novemberangebot erwarten die Gäste im Gerther Kulturrat. Die 26. Anne Frank Kulturwochen bieten mit unterschiedlichen Livekonzerten, intimen Lesungen und Theateraufführung wieder für jeden Geschmack etwas Besonderes. Gleich zu Beginn ein sehr ungewöhnliches Konzert mit Klavier, Sopranstimme und verschiedenen Klangkörpern…
Christiane Lutz besucht für die SZ die Thomas Bernhard Ausstellung „Dem Stumpfsinn die Geisteskappe aufsetzen“ im Literaturmuseum in Wien.
Update: oder doch nochmal Hamburg
Erich Kästners „Fabian“, in der Inszenierung von Dušan David Pařízek am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, ist das Stück der Stunde, da sind sich die Theaterkritiker einig.
Spiegel_-Reporter René Pfister wurde auf der Internetmesse „re:publica„, einst ein Tummelplatz des radikalen Medienwandels, etwas unheimlich zumute, wie der Perlentaucher schreibt. Dieses Milieu habe inzwischen einen ganz eigenen Konservatismus entwickelt, der sich als links liest.
„Wahrscheinlich ist dies das Drama der re:publica: Es ist eine Konferenz, deren Teilnehmer davon geträumt haben, im Netz die nächste Stufe der Demokratie zu zünden. Und die jetzt voller Entsetzen feststellen, dass die Konservativen viel geschickter im Umgang mit den Möglichkeiten der Technik sind.“

Ich hatte hier noch gar nichts darüber geschrieben, weil das Projekt ständig im Fluss ist, aber weil es das noch eine ganze Weile bleiben wird, kann ich genausogut jetzt darüber schreiben.
Vor einigen Wochen begann ich, mit Claude und n8n die API des Ratsinformationssystems der Stadt Bochum anzuzapfen (von der ich peinlich lange nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt) und Inhalte für eine WordPress-Instanz zu generieren. Daraus ist der Ratskompass entstanden, der inzwischen recht verlässlich zu neuen Ratsunterlagen automatisch Zusammenfassungen und zu anstehenden Terminen des Rates und der Ausschüsse Ankündigungen schreibt und veröffentlicht.
Das ist längst mehr als nur eine Fingerübung, sondern eine Selbstermächtigung meines Umgangs mit prinzipiell offenen Daten und deren Verarbeitung, über die ich noch immer tagtäglich staune. Nichts davon hätte ich vor einem halben Jahr gekonnt.
Der Ratskompass ist dabei weit davon entfernt, zu leisten, was lokalpolitischer Journalismus können müsste. Aber im schlechtesten Fall schafft er eine niedrigere Zugangshürde zur formalisierten Bochumer Lokalpolitik neben dem PDF-Friedhof und im besten Fall lässt sich auf Grundlage dieser atomisierten Einzelbeiträge zu einzelnen Unterlagen etwas noch Besseres bauen.
Titelbild: „Voyages Were Made Preferably by Air-Ships.“ Camille Flammarion, 1894. Aus: Omega: the Last Days of the World.
Ich hab’s noch nicht gehört, aber was darüber geschrieben wird, macht hellhörig:
Was die vier Bandmitglieder von Schimmel über Berlin vorgelegt haben, klingt, als hätten sie einfach mal so ein perfektes Punk-Album eingespielt.
Vojin Saša Vukadinović in der „Jungle World„, der auch sehr interessant die dazugehörige ADK (Allee der Kosmonauten)-Szene tief im Berliner Osten schildert. Vor Jahren saß ich mal in Marzahn in einem Proberaum und hörte einer Band zu. Keine Ahnung, ob das dort war; wahrscheinlich nicht.
Das Album „Eisenmund“ gibt es natürlich bei Bandcamp.
DAS GRAMM ist ein Magazin für Kurzgeschichten, welches alle paar Wochen einfach eine neue Ausgabe in einem kleinen Umschlag auf den Postweg bringt, über die ich mich dann sehr freue:

Im Corporate Therapy-Podcast hatten sie die Tage die kluge Marie Kilg zu Gast und sprachen darüber
„… wie KI auch anders wirken kann, etwa als Moderations- und Auswertungswerkzeug für bessere Diskussionen, inklusive unserer kleinen Habermas-Maschine im Unternehmensalltag.“
In diesem Kontext kam auch das Paper AI can help humans find common ground in democratic deliberation zur Sprache, das ich bereits vor einigen Monaten zwar zur Kenntnis genommen, aber nicht gelesen hatte. Mutmaßlich kam mir die Idee, KI in demokratischer Deliberation einzusetzen, abwegig vor. Nachdem sich meine Meinung zu KI mit Jahresbeginn grundlegend geändert hat, nehme ich mich selbst dem Befund der Autorinnen und Autoren gegenüber deutlich offener wahr. Interessant, wie sich Haltungen verändern.
Ebenfalls thematisiert wurden die mir seit einer Weile bekannten Demokratieexperimente aus Taiwan, die inzwischen offenbar unter dem Label Plurality firmieren. Von ihnen gibt es ein gleichnamiges Buch, kostenfrei bei GitHub verfügbar, welches ich mir in den E-Reader gelegt habe.
Abschließend ein Resultat meiner Vibecoding-Experimente: Der Nordrhein-Westfälische Landtag verfügt offenbar weder über einen RSS‑Feed noch über eine API, sondern verschickt lediglich einen Newsletter. Aus diesem befüllt mir nun ein n8n-Workflow dieses Portal, welches zudem einen RSS-Feed erzeugt; das hilft vielleicht nicht nur mir bei der Arbeit.
Zur Krise der liberalen Demokratie legt der offenbar als kontrovers geltende Professor für die Geschichte Osteuropas, Jörg Baberowski, ein kluges Essay vor, das im Kern Repräsentation und Populismus als Leitunterscheidung gegenüberstellt. Das war mir neu und daher eingängig und bettet den stets unklaren Begriff des Populismus anschlussfähig ein.
Im Kern sei es Elitenkritik, wenn nicht gar -verdruss, welche(r) die Abkehr von der liberalen Demokratie auslöst und verstärkt. Repräsentation durch – nach Michael Hartmann – Die Abgehobenen stoße auf den Unwillen des „Volkes“, Populismus verschaffe der Volkssouveränität (noch so ein unzugänglicher Grundbegriff) wieder Geltung.
Das ist alles vorzüglich beschrieben, muss einem nicht gefallen, lohnt aber die Auseinandersetzung; zum Beispiel wenn zu einem Plädoyer für den Nationalstaat angehoben wird:
Die Demokratie ist lokal, sie ist nicht universalistisch, weil in ihr immer schon der Gedanke der Pluralität, der Unterschiedenheit und der Begrenzung enthalten ist.
Nur: Warum dann so weiträumig verharren und das Lokale nicht noch lokaler fassen, nämlich kommunal? Nicht im Sinne der Kleinstaaterei, wohlbemerkt, sondern im Sinne von Subsidiarität und Föderalismus (oder Föderation?) – zwei Grundbegriffe übrigens, die in dem gesamten Buch nicht vorzukommen scheinen.
An Präzision verliert das Buch im abschließenden Kapitel Die Wiedergewinnung der Souveränität, das durchzogen ist von zahlreichen Charakterisierungen von Demokratie und Politik und von Schilderungen, was nun zu tun sei:
Die Demokratie ist eine prekäre, stets bedrohte Form der Politik
Wir müssen die Demokratie von ihren normativen Bedingungen befreien
In der Demokratie geht es um die Mobilisierung von Leidenschaften
Das Politische ist Teil der menschlichen Verfassung, ein Existential.
Nichts davon ist falsch, vieles klingt schön, aber letztlich diffundiert das Thema hier wieder in eine allgemeine, dünne politische Philosophie. Man steht erneut am Anfang: Es bleibt wahr, dass wir nicht wissen, was wir meinen, wenn wir von Demokratie sprechen.
Eigentlich ist es die schlechtestmögliche Idee, eine Science Fiction-Serie von noch unbekanntem Umfang zu lesen, ehe sie abgeschlossen ist. Wird sie jemals fertig? Bleibt sie gut? Nicht umsonst lasse ich davon, wenn irgend möglich, inzwischen die Finger.
Aber wenn die beiden The Expanse-Autoren unter ihrem gemeinsamen Pseudonym eine neue Reihe beginnen, warte ich nicht. Das zweite Buch (neben einer Novelle) ihrer neuen Reihe The Captive’s War macht eben auch Laune und das Tempo (zwei Bücher in zwei Jahren) lässt hoffen. Außerdem freut es mich, den Stoff zu lesen, bevor es die Serienadaption gibt, die selbstverständlich längst in der Mache ist.
Kurz: Das öffentliche, textbasierte Social Media ist weiter auf dem absteigenden Ast. Für Freaks gibt es die Möglichkeit, zu bloggen, aber insgesamt verschiebt sich das Ganze dann doch eher in die privaten Kanäle.
Eine in jeder Hinsicht empfehlenswerte Ausgabe von Aus dem Internet-Observatorium #160

O mein Erdenmond
erleuchte mich, nur für einen Moment,
ich bin eine Seidenraupe
ich spinne die Seide meiner Verzweiflung in meinem hohlen Herzen.
Ich bin ein Maulwurf, der in der Erde wühlt, die er für den Himmel hält.
Na, Sina? Wie macht der Maulwurf beim Graben?
Aus dem Gedicht Der Tag, als ich meinen Nachnamen auf einem Leichentuch las von Asmaa Azaizeh, aus dem Arabischen übersetzt von Sandra Hetzl und erschienen in der „edit“ No. 96.