Im Videoformat von TAKDIR. Die Anerkennung (2021) bringt die Künstlerin Ülkü Süngün Teilnehmenden die korrekte Aussprache der Namen der zehn Mordopfer des NSU bei. Nach einem Lauttraining für die Aussprache von »r« »z«, »ı« »ç« als Vorübung, werden zunächst die einzelnen Namen von ihr vorgesprochen, dann nachgesprochen und schließlich gemeinsam mit den Teilnehmenden laut vorgetragen.
Enver Şimşek. Abdurrahim Özüdoğru. Süleyman Taşköprü. Habil Kılıç. Mehmet Turgut. İsmail Yaşar. Theodoros Boulgarides. Mehmet Kubaşık. Halit Yozgat. Michèle Kiesewetter.
Aus dem Essay Wie wir erinnern von Leh-Wei Liao, erschienen in der Edit No. 95
Felix Schwenzel hat Glockenläuten gefilmt – „ein höllenlärm“ – und beim Schauen fragte ich mich, ob Läuten einst das lauteste Geräusch im Alltag der Menschen gewesen sein mag. Wahrscheinlich nicht, meint Claude in einer hinreichend plausiblen Antwort, die auf das Feld der akustischen Ökologie führte. Hier eine eindrucksvolle Stoffsammlung dazu.
In his 1964 classic, The Machine in the Garden: Technology and the Pastoral Ideal in America, the late cultural historian Leo Marx remarked upon the frequency with which a certain anecdote appeared in the letters of early 19th-century American writers. The recurring anecdote was an account of when and where the writer first heard the distinctive whistle of a train.
Was ist das charakteristische Geräusch der Postmoderne? Sicher jenes, welches wir nicht zuordnen können.Beispielsweise der mysteriöse Knall – ein beliebtes Thema der Lokalpresse.
„Dominique Pelicot fand mehr als 70 Männer, die seine betäubte Frau vergewaltigen wollten – in einem Radius von maximal 50 Kilometern. Und Mazan ist eine kleine Gemeinde, nicht Berlin oder Paris. Im vergangenen Monat wurde eine Facebook-Gruppe mit 32.000 italienischen Männern entdeckt, die sexy Fotos ihrer Ehefrauen ohne deren Einwilligung teilten. Im Dezember haben Journalistinnen eine Telegram-Gruppe mit 70.000 Mitgliedern infiltriert, die sich dabei unterstützten, ihre Partnerinnen unter Drogen zu setzen und zu missbrauchen. Das heißt, viele Männer sind bereit, zu vergewaltigen.“
Hierzu die inhaltliche Rahmung des Perlentauchers: „Jolinde Hüchtker unterhält sich für die Zeit mit Manon Garcia, Professorin für Praktische Philosophie an der FU Berlin, über den Prozess gegen Dominique Pelicot, den Garcia gerade in ihrem Buch „Mit Männern leben“ verarbeitet hat. Man spürt im Interview, wie geschockt sie immer noch ist von den bloßen Tatsachen, die im Prozess aufgedeckt wurden.“
Diese Saison mal wieder mit Stecktabelle (erstmal nur zweite Liga, ich bin nicht so der Bastler). Hier der prognostizierte Tabellenstand zum Saisonabschluss.
Zumindest am letzten Tag wollte ich im neuen Lohrheidestadion noch ein wenig Leichtathletik gucken. Das hat Spaß gemacht, vor allem der Stabhochsprung.
Das Drumherum nervte geringfügig: Tickets gab es nur online, an den Kiosken galt hingegen ausschließlich Barzahlung.
Vor allem kam man mit dem Bus 365 zwar hin, aber nicht weg, denn die Haltestelle direkt am Stadion ist ebenso aufgehoben wie die nächste. Begründung: wegen einer Veranstaltung — also genau der Grund, der funktionierende Busse eigentlich nahelegen sollte.
Über dem Museum unter Tage grasen die Kanadagänse oder tun einfach, was sie tun, während Menschen zu Fahrrad und zu Fuß das Café mit dem keinesfalls ernstzunehmenden Namen Baristoteles aufsuchen oder es verlassen.
Ich komme vom Sport, bin mit dem Rad aus der Stadt hierher gefahren und schwitze in einem unerhörten Maße nach, meide daher die überfüllten Terrassen des Cafés und sitze drinnen. Sie machen hier einen phänomenalen Käsekuchen, den man nun Cheesecake oder sogar New York Cheesecake nennt. Weiß New York davon? Vermutlich ist es wie mit dem Döner, der hier zunehmend und unnötigerweise als Berliner Spezialität vermarktet wird. In ein paar Jahren wird es wie mit der Currywurst sein, deren Urheberschaft diverse Städte und Regionen für sich reklamieren.
Ich erwäge einen Museumsbesuch unter Tage. Es ist sehenswert, ohne zuviel Zeit in Anspruch zu nehmen. Zu dem Museum gehört zudem das angrenzende Areal Situation Kunst, dessen ständige ich ebenfalls in bester Erinnerung habe. Jedoch: nicht heute.
Inside pages for This Little Book Contains Every Reason Why Women Should Not Vote, National Woman Suffrage Publishing Company, 1917. Public Domain Image Archive
Man kann sich Wahlen als gelöstes Problem vorstellen: Stift, Papier und Urne gewährleisten Gleichheit und Geheimnis der Wahl gem. Art. 38 GG, tausende von Menschen stellen anschließend das Wahlergebnis fest und minimieren so die Manipulierbarkeit der Wahl. Die abgegebenen Stimmen liegen physisch vor und können gegebenenfalls nachgezählt werden. Das System ist nicht perfekt, aber es funktioniert hinreichend gut und möglicherweise besser als andere.
Vor ein paar Jahren, als die Protagonisten und Verfechter der Blockchain – der solution without a problem – nach Problemen suchten, die sie lösen könnten, kamen auch Wahlen in den Blick. Angenehm skeptisch äußerte sich Jesse Dunietz 2018 in einem Beitrag für Scientific American: Are Blockchains the Answer for Secure Elections? Probably Not.
Der Text fokussiert auf die Vereinigten Staaten, wo das Thema der election integrity bekanntlich überaus relevant ist – allerdings, so mein Eindruck, auch wegen des vorherrschenden Einsatzes von Wahlmaschinen. Dunietz: „nearly every electronic voting machine has proved hackable.“ Dem könne mit Blockchain aber kaum begegnet werden. Die rechtlichen und technischen Erfordernisse gingen weit über den Lösungsraum Blockchain hinaus.
Umso verdutzter war ich heute, als ich die in dem Beitrag genannten Start-ups suchte und es die meisten von ihnen noch zu geben scheint; beispielsweise – absichtlich nicht verlinkt: democracy.earth, votem.com, voatz.com. Der USP mag im einen oder anderen Fall ein wenig von Blockchain abgerückt sein, aber versprochen wird weiterhin, Wahlen technisch auf irgendeine Art besser zu machen.
Wie heißt der Gegenbegriff zum Solutionismus?
Solutionismus beschreibt nach Evgeny Morozov eine Denkweise, wonach komplexe gesellschaftliche, politische oder kulturelle Probleme durch technologische Lösungen behoben werden könnten. Dem Begriff verwandt ist der verbreitete Kult um Start-ups und ihre Gründer (Entrepreneure), die stete Suche nach Innovation, der moderne Fortschrittsglaube mit seinem unbedingten Technikfokus, versinnbildlicht im iPhone-Moment und der Suche nach dem nächsten vergleichbaren Moment (vielleicht KI?).
Ich stoße an dieser Stelle – auch in der Auseinandersetzung mit dem leidigen Smart City-Thema – immer auf eine gedankliche Nullstelle, an der mir der richtige Begriff fehlt. Damit meine ich einen Begriff dafür, dass es nicht grundsätzlich schlecht ist, wenn Dinge oder Prozesse mühsam sind, etwa weil sie Material erfordern, das bewegt werden muss, oder weil sie des Einsatzes vieler Menschen bedürfen. Unter Umständen ist die Friktion, ist die Verlangsamung, ist der Aufwand sinnhaft, zweckmäßig und erhaltenswert.