• Gelesen: ‚Eine Handvoll Leben‘ von Marlen Haushofer

    Der erste veröffentliche, wenngleich nicht erste Roman von Marlen Haushofer, wenn man Hans Weigel Glauben schenkt, der ihr von der Veröffentlichung zweier älterer Manuskripte abgeraten haben soll. Bereits hier entfaltet sich die unnachahmliche Erzählkunst, die ich aus anderen Texten Haushofers kenne und naturgemäß nicht in Worte kleiden kann.

    Interessant ist Konstanze Fliedls Hinweis im Nachwort auf zwei Vorkommnisse einer „unsichtbare[n] Wand“, die Betty von den Dingen trennt. Eines davon war mir auch aufgefallen.

    Als Nächstes ist Die Tapetentür an der Reihe, zuvor wird aber ein weiterer T. Bernhard gelesen.

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  • Kunst in Duisburg: das MKM

    Sagen wir es so, das Museum Küppersmühle vertraut auf die Wirkung des wahrhaft imposanten Gebäudes und die Intelligenz seiner Besucherinnen und Besucher, die sich in den  weitläufigen Etagen schon irgendwie zurechtfinden werden. Die ständige Sammlung ist toll und zuviel für einen Besuch, wenn, wie in meinen Fall, nach anderthalb Stunden die Konzentration und Aufnahmefähigkeit nachlässt. 

    Die Jaume Plensa-Sammlung beeindruckte mich zu Beginn, ehe sie immer mehr vom immergleichen zeigte: Überwältigungskunst durch Riesenhaftigkeit, zudem werden Werke für mich leider stets unmittelbar abgewertet, wenn sie Text beinhalten.

    Dennoch will ich da nochmal hin, wenn es weniger heiß ist und ich von dem wirklich unfassbar nervigen Duisburger Hauptbahnhof nicht so angestrengt bin.

  • Gelesen: ‚Korrektur‘ von Thomas Bernhard

    Endlich wieder ein Bernhard, erneut obsessiver Bewusstseinsstrom über 300 Seiten, fordernd, zermürbend, bereichernd. Interessant an der Gesamtausgabe sind auch die Anmerkungen zur Textgestaltung wie

    S. 76: Im mit »Diese Studie, […]« (Z. 26) beginnenden Satz ist nach »[…] Studie in ihr Geistesgegenteil verkehrt habe, […]« (S. 77, Z. 7) vor »verbrennen« ein »sie« einzufügen.

    Vorweg wird diskutiert, ob die zahlreichen vermeintlichen Fehler im Sinne des Titels und Themas des Romans überhaupt korrigiert werden sollten.

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  • ge-blätter-t

    In den aktuellen Blättern für deutsche und internationale Politik fantasiert Jürgen Trittin von einem „demokratischen Kapitalismus“, so als wäre das eine selbstvertändliche, stehende Wendung und kein blühender Unsinn. Es ist ein wenig verstörend, dass Parteipolitikerinnen und -politiker keine interessanten Gedanken formulieren zu können scheinen; das war schon bei Franziska Brantners Mitte-Rechts-Bewerbungsschrift Für einen neuen Liberalismus vor zwei Monaten so.

    Dafür schürt die Professorin für Politikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle, Petra Dobner, berechtigte Zweifel am befürchteten Staatsumbau durch die AfD nach einem möglichen Wahlsieg in Sachsen-Anhalt. Das ist keine Entwarnung, wohl aber eine realistische Einschätzung der Programmatik:

    Kein Zweifel besteht, dass eine AfD-Regierung die demokratische Zivilgesellschaft, Schulen, Wissenschaft, Kultur, Landesverwaltung, Justiz und nicht zuletzt Migrant:innen sowie Frauen scharf angehen wird.

    Es verwundert, mit welcher Intensität und Faszination das Wahlprogramm dieses Landesverbandes in den vergangen Monaten Thema war, so als könnte man nicht wissen, dass Wahlprogramme noch nie umgesetzt wurden und so als wolle man der Parteigliederung geradezu Aufmerksamkeit zuschaufeln.


    Titelbild: Roy Stryker (Far Right) Reviewing Photographs with Russell Lee, Arthur Rothstein, and John Vachon (Leftmost), Beaumont Newhall. 1938

  • Björk – fossora

    Das bislang letzte Studioalbum von Björk, womit diese Reihe, in der ich an jedem Monatsersten ein Björk-Album erwarb, endet. Sie wird fortgesetzt, soviel steht fest, mit Éliane Radigue.

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  • so als ob es anders sein könnte

    Man kann die „Realität der Massenmedien“ deshalb nicht begreifen, wenn man ihre Aufgabe in der Bereitstellung zutreffender Informationen über die Welt sieht, und daran ihr Versagen, ihre Realitätsverzerrung, ihre Meinungsmanipulation mißt – so als ob es anders sein könnte.

    Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien. 2., erweiterte Auflage. Opladen: Westdeutscher Verlag 1996, S. 173 f.

  • Gelesen: ‚Mona Lisa Overdrive‘ von William Gibson

    Teil drei der Neuromancer-Trilogie und auch dieser begeistert mich nun nicht gerade. Sicher, Gibson kann mit wenigen Pinselstrichen Figuren zeichnen, erklären, was sie wollen oder wie ihnen geschieht, das gelingt ihm alles sogar geradezu meisterhaft. Aber worum geht es eigentlich? Und warum gibt es so wenig Neuromancer, Cyberspace und Co.?

    Count Zero | Neuromancer

  • Gelesen: „Plurality“

    The Future of Collaborative Technology and Democracy„, verfasst von E. Glen Weyl, Audrey Tang and the Plurality Community – ein Buch, welches als Github-Repo entworfen wurde (vermutlich stark vereinfacht und in meinen eigenen Worten ausgedrückt), mit allen Stärken und Schwächen, die so eine Produktionsweise haben muss:

    Es ist lang, oder weniger schonend ausgedrückt: Es hört. Einfach. Nicht. Auf.

    Die einzelnen Abschnitte sind von spürbar unterschiedlicher Qualität. Mal gibt es nicht enden wollende Listen, mal gut verfasste Kapitel und Abschnitte.

    Es ist radikal optimistisch und technologieoffen; eine Haltung, die man viel zu selten antrifft und die ich bewundernswert finde. Hinzunehmen ist wiederum, dass es mitunter auch pure Science-Fiction ist.

    Wahrscheinlich sollte man Plurality nicht durchlesen, sondern sich die Abschnitte herausziehen, die einen wirklich interessieren. Die Schlusskapitel Impact und Forward habe ich nur noch überflogen und das macht wahrscheinlich nichts. Den Themenbereich zu Democracy sowie die Einleitungskapitel werde ich sicher erneut lesen.

    Plurality kann hier kostenfrei gelesen und in verschiedenen Formaten bezogen werden.

  • Aus Luhmanns „Realität der Massenmedien“

    Man kann ja die Grenzen (und damit die Einheit) einer Handlung oder eines Handelnden weder sehen noch hören. [..] Das macht zugleich die Funktion der Massenmedien in ihrem Beitrag zur kulturellen Institutionalisierung des Handelns verständlich

    Und weiter:

    Im gleichen Zuge wird das Interesse an Personen reproduziert. [..] Gerade in Zeiten, die ihre Zukunft als abhängig von Handlungen und Entscheidungen erlebt, nimmt die Orientierung an Personen offenbar zu.

    Daher vielleicht die überschießende Faszination für Dinge, die „Merz“, „Reiche“ oder „Spahn“ tun.