• »tief zerklüfteten Wende«

    Gestern wurden hier von einer Partei die Kandidatinnen und der Kandidat für die drei Bochumer Landtagswahlkreise gewählt, denn im nächsten Jahr findet die Wahl zum Nordrhein-Westfälischen Landtag statt. Es fühlte sich in etwa so an, wie Adam Tooze hier eine Podiumsdiskussion beschreibt, an der er teilnahm:

    And, yet – as happens quite frequently at the moment – I felt like the mad uncle in the attic, crying fire!

    Sicher wurde ein wenig zu KI gefragt – wie man sie regulieren könnte, zum Beispiel. Ansonsten hätte die Veranstaltung so auch 2016 stattfinden können; keinerlei Gespür für die oder Verständnis von der Wucht des bevorstehenden Wandels.

    Stattdessen werden bildungspolitische Wahlkampfreden gehalten, die exakt so auch vor fünf, zehn oder sogar fünfzehn Jahren gehalten worden sein dürften. Die Frage, woran es in all der Zeit gehapert haben könnte, wird nicht gestellt.

    Ohnehin verwundert, wie wenig Ernsthaftigkeit einem Mandat in der Legislative einer der dichtestbesiedelten und wirtschaftlich stärksten Regionen Europas entgegengebracht wird. Kandidierende stellten ihr politisches Lieblingsthema vor, so als könnten sie sich in einer Landtagsfraktion genau darin nach Belieben entfalten und seien keiner Fraktionsdisziplin ausgesetzt, die vielleicht entscheidet, dass man doch erstmal fünf Jahre im Petitionsausschuss verbringt. Zudem hängt die Frage, ob man überhaupt Gesetzgebung mit Aussicht auf Inkrafttreten betreiben kann, schon auch davon ab, ob man Teil einer Koalition sein wird. Alles sehr ernüchternd.

    Tooze schließt mit einem Zitat aus dem Vorsatz des Zauberberg. Dem schließe ich mich an:

    Die hochgradige Verflossenheit unserer Geschichte rührt daher, daß sie vor einer gewissen, Leben und Bewußtsein tief zerklüfteten Wende und Grenze spielt … Sie spielt, oder, um jedes Präsens geflissentlich zu vermeiden, sie spielte und hat gespielt vormals, ehedem, in den alten Tagen, der Welt vor dem großen Kriege, mit dessen Beginn so vieles begann, was zu beginnen wohl kaum schon aufgehört hat.

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  • Max Florian Kühlem ist in der SZ ziemlich begeistert davon, was die Künstlerin Meredith Monk an der Folkwang-Universität der Künste in Essen im Rahmen ihrer Pina-Bausch-Gastprofessur mit ihren Studenten anstellt: Monk schafft eine „ausgelassene Stimmung der Veränderung, das Momentum, in dem alles möglich scheint: eine neue Kunst, eine neue Gesellschaft, eine neue Politik – im Zeichen von Liebe und Frieden.“ Mehr hier.

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  • Bestsellerlisten

    In der Zeit macht sich Götz Hamann Sorgen:

    „Rechte“ Autoren wie Ulf Poschardt, Pauline Voss und Julian Reichelt besetzen die Bestsellerlisten – wo sie dann in der Regel allerdings die kulturelle Hegemonie der „Linken“ beklagen.

    9punkt – Die Debattenrundschau

    Ich stand neulich auch in einer Buchhandlung vor einem Regal, welches zu mindestens drei Vierteln oben genannte Werke aufwies, um das eine vorhandene Exemplar des Buches von A. Semsrott zu finden.

    Bestsellerlisten seien „als politischer Ideenwettbewerb zu verstehen“, wird Hamann weiter zitiert, und die Linke habe eben keine Ideen. Sehe ich auch so. Ob allerdings die linke, progressive Parteienlandschaft in einem besseren Zustand wäre, gebe es bessere Bücher, ist zweifelhaft, zumal es all die Texte ja schon gibt. Vielleicht müssen wirklich mal die Klassiker modernisiert werden.

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  • „Mit Blick auf das noch frühe Planungsstadium der in Rede stehenden Abschnitte kann noch keine Auskunft in Bezug auf Realisierungsbeginne gegeben werden.“

    Macht doch nichts, wir haben ja Zeit.

    Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage „Jahrhundertprojekt „Radschnellweg 1 – Warum geht es zwischen Bochum und Dortmund nicht voran?“

    Update: Aufmerksamkeit verdient auch der Umstand, dass es das von Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) geführte Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr ist, welches hier antwortete.

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  • Olivia Rodrigo

    Die Popkritik stürzt sich auf „You Seem Pretty Sad for a Girl So in Love“, das neue, erneut mit dem Produzenten Dan Nigro entstandene Album der Popmusikerin Olivia Rodrigo. „Den Pop-Punk der vorherigen Alben haben die beiden verworfen und sich von New Wave und Dream Pop der Achtzigerjahre inspirieren lassen“, schreibt Inga Barthels im Tagesspiegel. Entstanden ist ein Konzeptalbum, auf dem sich alle Höhen und Tiefen einer Liebesbeziehung gemeinsam mit der Künstlerin durchleben lassen.

    Niemanden geringeren als Robert Smith von The Cure hat sich Rodrigo für einen gemeinsamen Song ins Studio geholt. „Vielleicht stehen da Vergangenheit und Zukunft der Rockmusik nebeneinander auf der Bühne“, mutmaßt Elisabeth Fleschutz in der FAS

    Efeu – Die Kulturrundschau vom 13.06.2026

  • Die chronisch Gekränkten

    In der Juni-Ausgabe der „Blätter“ deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus.

    Derweil fand in Rom der Gründungsparteitag einer neuen rechten Partei namens „Futuro Nazionale“ statt. Zudem haben tausende Menschen für eine Verschärfung der Einwanderungspolitik demonstriert.

    Auch in Polen erfährt der Rechtsradikale Grzegorz Braun wachsende Zustimmung. Und auch in Deutschland wird die Enttäuschung der Narzissten angesichts der Tatsache, dass eine rechte Regierung sich nur graduell von bisherigen Regierungen unterscheiden wird, noch extremere Bewegungen befördern.

    Die chronisch Gekränkten werden sich weiterhin gekränkt fühlen und ihre Ansprüche befriedigt wissen wollen, die moralische Stumpfheit wird sich weiter Bahn brechen.

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  • Weiß zu gefallen: Cosey Mueller

    Der Sequencer ist ihr Knebel, die Stratocaster ihre Peitsche. Auf der Bühne ist Cosey Mueller eine Domina. Sie trägt Korsett, Lack-Minirock oder Hotpants, Netzstrümpfe, Lederstiefel, Lederjacke. Allein steht sie da, konzentriert. Hin und wieder steht sie am Keyboard, bei vielen Stücken spielt sie Gitarre. Cosey Mueller beherrscht und dirigiert die Menge durch ihre Präsenz und ihre treibende Musik.

    taz.de: Neuer Punk aus Berlin Angeschaltet, ausgeschaltet, ferngesteuert

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  • Die ganze Bäckerei

    Wir machen uns als Linke überflüssig und überlassen das Feld den Faschist*innen, wenn wir die Idee aufgeben, normale Leute, die keinen Kontakt zur linken Szene haben, mitzunehmen.

    Etwas Besseres als den Untergang von Johanna Schellhagen