Bandcamp Daily, das empfehlenswerte redaktionelle Portal des Musikdistributors, feiert ihr neues Album, das offenbar nach zehnjähriger Auszeit (man kriegt ja nichts mehr mit) entstanden ist, gehörig ab:
Set of All Sets is a triumph on an epic scale. A culmination and expansion of Parts & Labor’s established aesthetic, the record is a galaxy of sound, a maximalist ode to the constant futures previously mapped out by the band.
Cool, und ungehört gekauft. Natürlich bei … Bandcamp.
Der Text 1776 oder die Vereinigten Staaten als Avantgarde von Winfried Thaa in den aktuellen Blättern verstärkte einen Eindruck, den ich in der Vergangenheit schon mal gelegentlich hatte: dass es lohnenswert sei, sich mit der amerikanischen Verfassungstradition auseinanderzusetzen, beispielsweise den sogenannten Federalist Papers.
Ich verstehe mich und äußere mich gerne als Kritiker des repräsentativen Moments der repräsentativen Demokratie, weil ich glaube, dass sie nicht mehr die richtige Antwort auf die Frage ist, und in der Folge ihre Nebenkosten, etwa Elitenbildung, überwiegen. Insbesondere durch Philip Manows (Ent-)Demokratisierung der Demokratie glaubte ich, Repräsentation als Überbleibsel von Aristokratie entlarvt zu haben.
Zwar räumt auch Thaa ein:
Die Amerikanische Revolution dagegen steht unter dem Verdacht, lediglich der Klassenherrschaft der sklavenhaltenden Großgrundbesitzer und der reichen Kaufleute der Ostküste eine moderne politische Form gegeben zu haben.
Das kratzt aber lediglich an der Oberfläche der modernen Repräsentationsdiskussion, die sich offenbar auch fruchtbar mit der Französischen Revolution und deren Vordenkern auseinandergesetzt hat.
Auf der Suche nach der richtigen Lektüre erwarb ich dann – antiquarisch, wie so ein KI‑Hersteller – The Debate on the Constitution der Library of America:Federalist and Antifederalist Speeches, Articles and Letters During the Struggle over Ratification: schlanke zweitausend Seiten, die zuende zu lesen ich keine Wetten annehmen würde.
We are now in a position where a tiny proportion of the population uses Fable or soon GPT-5.6, while everyone else’s experience of AI is 8-30b-model level – Google’s AI Overviews, Meta AI in WhatsApp, ChatGPT free tier, maybe MS Copilot at best. People outside of tech must be completely baffled how this is supposed to take their job, and annoyed that hundreds of billions are being poured into it.
Gerade hat die Koalition ihr Reformpaket beschlossen, welches unter anderem die Abschaffung des Informationsfreiheitsgesetzes umfasst (während die Öffentlichkeit über das Krankschreiben diskutiert). Das betrifft die von Arne Semsrott geleitete Plattform FragDenStaat unmittelbar:
Bisher wurden über FragDenStaat rund 330.000 IFG-Anfragen von mehr als 100.000 Menschen gestellt. Die Regierung will dieses Recht auf Informationsfreiheit jetzt abschaffen. Der Angriff auf das IFG und jede Reform müssen jetzt gestoppt werden. Das IFG darf nicht angetastet werden!
Dem folgenden Appell, den SPD-Abgeordneten im Bundestag zu schreiben, schließe ich mich an. Die Adressen und ein Formulierungsvorschlag stehen im verlinkten Beitrag. Das Buch ist auch ganz gut.
Gewalt hätte ich mir ja angeguckt, wäre das Konzert in der Zeche Carl nicht wegen zu geringem Zuspruch im Vorfeld abgesagt worden. Wasser auf meine Mühlen, dass man im Troglodyten-Ruhrgebiet zwar generischen Provinzstudentenpunk, der auf asi tut, und klischeetriefendsten Bauern-Metal von und für Ü40-Bandshirt-Spießer haben möchte und haben kann bis der Pathologe kommt, wirklich gute Musik und tatsächlich interessante Bands jetzt aber nicht so wirklich gefragt sind.
Guter Rant drüben bei Krach und so … und leider wahr: Ich war seit meinem Umzug ins Ruhrgebiet 2019 so selten bei Konzerten, dass ich das an zwei Händen abzählen könnte. Zu Gewalt wäre ich aber bestimmtwahrscheinlich vielleicht gegangen.
Direkt in Bochum scheint wirklich selten was zu sein, darüber hinaus bekomme ich es mangels Kenntnis selten mit, und falls ja, wäre meine Willenskraft, mich abends mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthinzubegeben und anschließend wieder zurück, sicher gering ausgeprägt.
Aber das ist mein persönliches jämmerliches Problem, daher die Frage: Wo liest man von interessanten (interessanten!) Konzerten im Ruhrgebiet?
An jedem Monatsersten vervollständige ich meine Musiksammlung, derzeit mit dem Werk von Björk. Die jüngeren Björk-Alben erschließen sich mir nur langsam. Sie klingen homogener, aber eben auch gleichförmiger. Sollte die musikalische Innovationskraft wie bei den frühen Alben darinstecken, dann muss ich sie noch entdecken. Aber es wäre eher überraschend, müsste man sich Björk-Alben nicht erarbeiten. Ich freue mich jedenfalls darauf.
Wie ich hier schrieb, ist die Umsetzung der Stadt Bochum, was die Forderungen von Seebrücke.org hinsichtlich des Status „Sicherer Hafen“ betrifft, offenbar ausbaufähig. Also habe ich nachgeschaut: Welche der 8 Seebrücke-Forderungen haben die Ruhrgebiets-Kommunen umgesetzt?
Die Quelle ist https://www.seebruecke.org/sichere-haefen/haefen, abgerufen am 28.06.2026 und sortiert nach Anzahl umgesetzter Forderungen. Seebrücke.org schreibt, dass die Liste aktuell nicht laufend aktualisiert wird und keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat.
Die acht Forderungen werden hier ausführlich erläutert.
Stadt
Σ
Soli-Erklärung
Seenotrettung
Aufnahme+Quote
Aufnahmeprogr.
Ankommen
Vernetzung
Städtebündnis
Transparenz
Gladbeck
5
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⬜
⬜
✅
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Oberhausen
5
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⬜
⬜
✅
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Bergkamen
4
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⬜
⬜
⬜
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Castrop-Rauxel
4
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⬜
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Datteln
4
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⬜
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Dinslaken
4
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Herne
4
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Hünxe (Gemeinde)
4
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⬜
⬜
⬜
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Moers
4
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⬜
⬜
⬜
⬜
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Schwerte
4
✅
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⬜
⬜
⬜
✅
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Unna (Kreis)
4
✅
⬜
⬜
⬜
⬜
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Witten
4
✅
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⬜
⬜
⬜
✅
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Bochum
3
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⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
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Bottrop
3
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⬜
⬜
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⬜
⬜
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Hagen
3
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⬜
⬜
⬜
⬜
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Hamm
3
✅
⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
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Marl
3
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⬜
⬜
⬜
⬜
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⬜
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Rheinberg
3
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⬜
⬜
⬜
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Alpen (Gemeinde)
2
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⬜
⬜
⬜
❔
⬜
⬜
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Duisburg
2
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⬜
⬜
⬜
⬜
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Haltern am See
2
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⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
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Herten
2
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⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
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Kamp-Lintfort
2
✅
⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
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Mülheim an der Ruhr
2
✅
⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
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Recklinghausen
2
✅
⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
✅
Unna
2
✅
⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
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Waltrop
2
✅
⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
⬜
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Wetter (Ruhr)
1
❔
⬜
❔
⬜
⬜
⬜
⬜
✅
Dortmund
0
❔
❔
❔
❔
❔
❔
❔
❔
Legende: ✅ umgesetzt · ⬜ nicht umgesetzt · ❔ unbekannt (Quelle: „Unbekannt ob umgesetzt“).
Hinweise: Essen und Gelsenkirchen fehlen – sie haben sich (anders als die übrigen Ruhr-Großstädte) nie zum Sicheren Hafen erklärt. Dortmund hat sich erklärt (2019), aber bei allen 8 Forderungen steht „entschieden · Unbekannt ob umgesetzt“.
Arne Semsrott stellt in „Gegenmacht“ die Kleine-Anfrage-Pipeline dar, welche von der AfD im Bundestag, aber auch in diversen Landtagen betrieben wird. Knapp zusammengefasst:
Die Fraktion stellt eine Kleine Anfrage, beispielsweise zu Fördergeldern an nicht genehme Einrichtungen.
Es folgt Berichterstattung von Rechtsaußen: Antworten der Regierungen werden direkt entsprechenden Hetzportalen zugesteckt.
Die Berichterstattung wandert über BILD in den Mainstream.
Darauf folgen Versuche der Versachlichung, Gegenwehr aus der Mitte der Gesellschaft und Debatten, in denen beide Seiten gehört werden. Das Thema ist damit gesetzt, ein weiterer Erfolg in der „Metapolitik“ wurde errungen.
So erklärt sich die sinnlose Fragenflut im NRW-Landtag, die ich bereits thematisiert hatte. Längst nicht alles davon verfängt. Aber auch im Bochumer Stadtrat wurde unlängst ein AfD-Antrag dank völlig unnötiger Aufmerksamkeit geadelt.
Nach Angaben der Initiative „Sicherer Hafen Bochum“ wurden bislang jedoch lediglich folgende Maßnahmen umgesetzt:
eine öffentliche Solidaritätserklärung
punktuelle Unterstützung der zivilen Seenotrettung (z. B. durch Spendenaktionen)
Weitere im Kontext des Bündnisses diskutierte Maßnahmen, etwa die zusätzliche Aufnahme von Geflüchteten über die Quote hinaus, die Unterstützung von Aufnahmeprogrammen, die Stärkung kommunaler Ankommens-Strukturen sowie die Vernetzung im Rahmen systematischer Aufnahmeprogramme, wurden bislang nicht realisiert.
„Die Neuwahl findet frühestens sechsundvierzig, spätestens achtundvierzig Monate nach Beginn der Wahlperiode statt.“
Der Beginn der Wahlperiode ist die konstituierende Sitzung des neugewählten Bundestags, das war am 25. März 2025.
Das verfassungsrechtliche Zeitfenster (46 bis 48 Monate) beginnt also am 25. Januar 2029 (eigentlich also am Sonntag, dem 28. Januar) und endet am 25. März 2029 (ein Sonntag).
Legt man zugrunde, dass Wahlen an Karneval und in Ferien oder an diese angrenzend eher gemieden werden dürften, ergibt sich folgendes Bild:
Sonntag
Ferien / Karneval 2029
28. Jan
frühestmöglich (46-Mon.-Grenze); Berlin/Brandenburg-Winterferien ab 29.1.
4. Feb
Winterferien MV/SN/ST beginnen am Folgetag (5.2.); andere gerade vorbei
11. Feb
Karnevalssonntag + Winterferien MV/SN (drin), BY/SL/TH (ab 12.)
18. Feb
alle Winterferien beendet (≤17.2.), Karneval vorbei, weit vor Ostern
25. Feb
komplett zwischen den Ferien, kein Land in Ferien, kein Karneval
4. März
fast frei — nur Hamburg-Osterferien ab Folgetag (5.3.)
HH gerade vorbei, aber Bremen + Niedersachsen Osterferien ab 19.3.
25. März
spätestmöglich; Palmsonntag; SH/HB/Nds mittendrin, ~9 Länder ab 26.3.
Mit dem 25. Februar als einem der wenigen komplett unbedenklichen Termine fände die Bundestagswahl auf den Tag genau vier Jahre nach der letzten statt(stimmt gar nicht). Das erscheint möglich.
Andererseits wird man ein Interesse daran haben, von Wahl zu Wahl aus dem Winterwahlkampf herauszukommen, also einen frühest- oder spätestmöglichen Termin zu wählen. Zwischen 1983 und 1998 hat man das durch frühestmögliche Wahlen erreicht:
06.03.1983
25.01.1987
02.12.1990
16.10.1994
27.09.1998
Seitdem fanden alle Bundestagswahlen bis einschließlich 2021 im September statt. Diesem Weg folgend, könnte man, Winterferien in Berlin und Brandenburg in Kauf nehmend, am 28. Januar wählen. Setzt man auf einen der spätestmöglichen Sonntage, landet man in vielen Bundesländern in den oder am Beginn der Osterferien.
All das ist aber ohnehin obsolet, wenn es zu vorgezogenen Neuwahlen kommt, wie es 2025, 2005, 1983 und 1972 bereits der Fall war.