• Was bisher geschah: von bochum.transparent.ruhr zum RIS-Register

    Verortbare Vorgänge auf einer Karte, erreichbar unter https://bochum.transparent.ruhr/karte

    Seit einigen Monaten versuche ich, die politischen Inhalte, mit denen sich der Rat der Stadt Bochum, seine Ausschüsse und die Bezirksvertretungen der Stadtteile befassen, zugänglicher zu machen. Möglich gemacht hat das zunächst Claude Code, mit dem ich die Software dafür gebaut habe (die Inhalte selbst verarbeitet ein Sprachmodell auf dem eigenen Rechner, kein externer Anbieter), gefolgt von dem Umstand, dass die Stadt wohl zum Jahresbeginn einen API-Zugang zum Ratsinformationssystem eingerichtet hat.

    Bochum.transparent.ruhr

    Das System läuft inzwischen unter bochum.transparent.ruhr, liest Vorlagen ein, erzeugt mit einem lokalen Sprachmodell Zusammenfassungen, bietet eine Suchfunktion an, verortet wo möglich den Sachverhalt auf einer Karte, erzeugt einen RSS-Feed (mein persönlicher Game Changer), verschickt Newsletter und postet ins Fediverse sowie die ATmosphere. Ich versuche, mich immer noch nicht daran zu gewöhnen, dass das alles jetzt einfach möglich ist.

    Weitere Kommunen und Dossiers

    Anschließend habe ich das System auf weitere Ruhrgebietskommunen ausgerollt, die ebenfalls bereits den API-Zugriff ermöglichen, darunter das „Ruhrparlament“ des Regionalverbandes Ruhr, Essen und Hamm, und alles unter die Domain transparent.ruhr gehängt. Dort laufen inzwischen auch übergreifende Artikel, die ich Dossiers nenne: Längere Recherchen quer durch die angebundenen Ratsinformationssysteme zu Fragen wie dem Umgang mit Bürgereingaben, Baumfällungen und -pflanzungen, künstlicher Intelligenz in den Kommunen und dem erst vor wenigen Wochen hochrelevanten Thema Hitzeschutz.

    Das RIS-Register

    Weil mich auch interessierte, wie verbreitet solche Zugriffsmöglichkeiten auf kommunale Daten sind, habe ich ein RIS-Register zu errichten begonnen, das alle Gebietskörperschaften in Deutschland daraufhin prüft, welches System läuft, ob es eine offene Schnittstelle (OParl) hat und auf welcher Stufe es Auskunft gibt: nur Termine, oder auch Unterlagen und Ergebnisse. Das funktioniert leidlich gut: Von den 11.835 Gebietskörperschaften konnten bei 6.001 ein System belegt werden, 5.834 sind ungeprüft. Das heißt nicht, dass sie keins haben, sondern dass die Maschine auf der Startseite der Kommune keinen Hinweis fand oder die robots.txt sie nicht hineinließ. Was das Register über die offenen Schnittstellen herausgefunden hat, ist einen eigenen Beitrag wert.

    Ist das transparent?

    Zugänglicher, transparenter, niederschwelliger – das sind Attribute, die ein Verhältnis beschreiben: Was vorher in den mir verhassten PDF-Dateien stand, steht nun auch als Kurzzusammenfassung auf einer Website, die auf vielfältige Weise abonniert werden kann. Objektiv ist das zugänglicher und auch niederschwelliger. Transparenz ist hingegen ein Ausdruck, bei dem ich inzwischen hadere. Transparenz impliziert Reibungslosigkeit, einfachen und schnellen Durchblick, der sich aber nicht einstellen wird. Dagegen spricht schon die schiere Zahl an Vorgängen allein in einer Großstadt wie Bochum, zum Beispiel auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Rates.

    Ich bin davon überzeugt, dass es möglich sein wird, Politik publizierbar zu machen, sie also der Öffentlichkeit zuzuführen, ihre Komplexität also abzuschichten. Dabei wird Technologie ebenso eine Rolle spielen wie ein zeitgemäßes Verständnis von Redaktion und Massenmedien und Prozessen, die beides verbinden.

    Fediverse reactions
  • organic fun

    Landschaftsbau Strassenbau; er wünschte sich eine Strasse ohne Schrift, eine Stadt ohne Botschaft. Megaplay. Combination Activity. Ein Land ohne Sprache. Organic Fun. Zur Postkutsche rauchen sie vor der Tür und bewahren ihren Stolz. Honey Hair. Wird hier jemals keine Baustelle sein? Hörakustik.

    Wechselnder Mittagstisch. Darten, Knobeln und Klönen. Dein Geheimnis für Cremigkeit. Textilreinigung – Enjoy. Fliesen und Baustoffe. Abholservice. Ready to create.

    Fediverse reactions
  • Gelesen: ‚Beautiful World, Where are You?‘ von Sally Rooney

    Ich würde aus Gründen kein Geld mehr für ein Buch von Sally Rooney ausgeben, aber in unserem Appartment stand dieses, welches ich gerne las. Ihre Bücher scheinen sich nicht nennenswert voneinander zu unterscheiden: Irische Millenials und ihre Probleme, überragend gut gezeichnete Figuren und irreal intelligente Dialoge.

  • what the hell is substack?

    Ich las im Perlentaucher vom Stand der Musikkritik und aus einem Stück der Plattform embedded wurde ein Pitchfork-Kolumnist mit dem Hinweis auf eine Menge Rezensions-Substacks zitiert. Dass embedded selbst ein Substack ist, darf natürlich nicht unerwähnt bleiben. Jedenfalls würde mich gute Musikkritik durchaus interessieren, im Stile von Pitchfork in den Nullerjahren, oder verstorbener Magazine wie Spex oder Intro.

    Schaue ich auf Substack, überrascht als erstes die Menge hochkarätiger Publizisten, Autorinnen und – for lack of a better word – Influencer, die mir dort feilgeboten werden: Anne Applebaum, Timothy Snyder, Paul Krugman, Slavoj Žižek, Naomi Klein, Margaret Atwood, Bernie Sanders, Cory Doctorow. Und das ist nur die obere Hälfte der Empfehlungen der Plattform.

    Es sind offenbar im Großen und Ganzen alle da und sie schreiben alle fortwährend. Die Startseite weist eine mich überraschende Social-Networking-Qualität auf. Was haben Sie auf dem Herzen?, werde ich gefragt und kann ein Posting anreichern mit Bildern, Videos, einer Umfrage und weiteren Features. Dabei wüsste ich gar nicht, wem diese Mitteilung dort gelten würde: Folgen die Leute, denen ich folge, mir dort auch? Schreibt Žižek, was er auf dem Herzen hat? Die gesamte Mechanik der Plattform erscheint intransparent.

    In Redaktionsschluss schrieb Stefan Schulz:

    Wer eine Zeitung las, informierte sich nicht nur darüber, was in der Welt vor sich ging. Er informierte sich auch darüber, was Menschen, die Zeitung lasen, lasen, wenn sie sich darüber informierten, was in der Welt passierte.

    Bei Substack wird, so mein Eindruck, unfassbar viel Text produziert. Viele Leute schreiben viel und sie schreiben vornehmlich lange Stücke. Öfter, als ich zählen könnte, hatte ich schon Substacks abonniert und dann gekündigt, weil mir die plattgewalzte Prosa nicht zusagt, die sich gerne an angloamerikanischen Essayformaten orientiert, die zu beherrschen eben auch anspruchsvoll ist und sich nicht immer gut für einen Screen eignet. Medium und Inhalt passen auf seltsame Art nicht zusammen.

    Dennoch war Substacks Versprechen, Journalisten und Publizisten eine neue Heimat zu bieten, für einige Zeit wohl sehr erfolgreich, so dass viele Leute dort nach wie vor schreiben, als schrieben sie für eine Zeitung, obschon sie längst für einen labyrinthischen, entgrenzten Publishing-Moloch schreiben. Was mir als Leser spürbar fehlt, ist die Zeitung: Was ist wirklich wichtig, wie viel davon habe ich bereits, wie viel muss ich noch lesen und was macht Arminia Bielefeld?

    Nun ist dies kein Plädoyer für die Zeitung. Ich abonniere Zeitungen und lese sie manchmal sogar. Sie sind kaum besser darin, der Gesellschaft ein Bild der Gesellschaft zu verschaffen. Medium und Inhalt passen auf seltsame Art nicht zusammen.


    Titelbild: John H. White: „Black man operating a newsstand in Chicago on the West Side …“, 1973/74. Aus dem Fotoprojekt DOCUMERICA der US-Umweltbehörde EPA. Quelle: U.S. National Archives, NAID 556209, https://catalog.archives.gov/id/556209 – via Public Domain Image Archive (The Public Domain Review). Gemeinfrei (Public Domain, US-Regierungswerk).

  • Gelesen: ‚Nein. Gegen die Militarisierung der Gegenwart‘ von Mithu Sanyal

    Wollte ich gelesen haben, ehe Die neuen Zwanziger es besprechen. Ein wahnsinnig guter und dichter Essay zu dem wohl drängendsten Thema unserer Zeit. Allein der Fußnotenapparat lohnt eine weitere Lektüre. Bestellbar bei Hanser.

  • Gelesen: ‚Tschick‘ von Wolfgang Herrndorf

    Wollte dann mal wissen, what the fuzz about is. Schöne Urlaubslektüre, las sich flott weg.

  • Gelesen: ‚The Peripheral‘ von William Gibson

    Vielleicht fühlte es sich so an, in den Achtzigerjahren Neuromancer zu lesen. Ich habe jedenfalls wirklich lange gebraucht, um zu verstehen, worum es hier geht, welche Fraktionen es gibt, welche Interessen die haben und welche Ziele sie verfolgen. Und alles habe ich immer noch nicht verstanden. Trotzdem gut und Auftakt einer Trilogie, deren zweiten Teil es auch schon gibt.

  • Das All

    Ich denke an das All und das Weltall und wie diese Begriffe über die Dichtung in die Sprache einsickerten. In Goethe, „Weltseele„:

    Verteilet euch nach allen Regionen / Von diesem heilgen Schmaus!
    Begeistert reißt euch durch die nächsten Zonen / Ins All und füllt es aus!

    Oder Hölderlin, „Hyperion“ (1797):

    Eines zu sein mit Allem, das ist Leben der Gottheit … wiederzukehren ins All der Natur.

  • nur mal laut gedacht

    Die Stadt Bochum verschlechtert ihr ÖPNV-Netz durch die Streichung von Buslinien. Die seien überwiegend nicht besonders stark ausgelastet, wie die WAZ aus der Beschlussvorlage zitiert, aber verbessern wird die Maßnahme den Ruf des öffentlichen Personennahverkehrs sicher nicht.

    Die WAZ weiter:

    „Insgesamt summieren sich die Einsparungen laut der Vorlage auf knapp 912.000 Euro im Jahr. 2025 hat die Bogestra knapp 95 Millionen Euro Verlust gemacht“

    Man spart also in Bochum (die Bogestra betreibt auch den öffentlichen Personennahverkehr in Witten und Gelsenkirchen) und im ersten Jahr 0,96 Prozent dieser Verluste ein. Das dürfte allenfalls symbolischen Charakter haben, wie ich im Social Network of Choice bereits schrieb, und könnte Anlass sein, zu erwägen, ob öffentlicher Personennahverkehr überhaupt in Kategorien wie Gewinn und Verlust gedacht werden sollte.

    Die Belehrung, dass das mit unseren Haushalten und der Finanzierung der Mobilität nun einmal so geregelt ist, wie es geregelt ist, folgte prompt, und zweifelsfrei muss man jetzt Antworten finden, aber …

    (nur mal laut gedacht)

    … wenn man ein Element der öffentlichen Daseinsvorsorge, das überwiegend schon nicht als besonders leistungsfähig angesehen wird, fortwährend als defizitär beschreibt und immer wieder neuem Spardruck aussetzt, perpetuiert man dann vielleicht ein Bild von Staat und Politik, welches auch zu Wahlergebnissen führt, wie wir sie jüngst wieder und in besonderem Maße beklagen?

    Müsste sich nicht doch vielleicht endlich mal die Politik der, nennen wir sie eben Mitte, von ihren ausgetretenen Pfaden des das ist nunmal so geregelt und des das haben wir schon immer so gemacht verabschieden und, nur als Beispiel, öffentliche Leistungen einfach – trotz Krise! – verbessern, anstatt sie zu verschlechtern?

    Zeugte das nicht von Gestaltungswillen und Kompetenz, von sozialer Politik für dich und, um im konkreten Beispiel zu bleiben, klimagerechter Verkehrspolitik?

  • Portrait of Dolly Madison

    Es macht was mit einem, das Kunstbetrachten. Es tut etwas mit dem- oder derjenigen, der oder die die Kunst betrachtet. Wer Kunst betrachtet, wird vom Betrachten der Kunst verändert, mehr noch, er wird anders verändert, als er von einer anderen Tätigkeit als der des Kunstbetrachtens verändert werden würde. Schließlich verändern wir uns fortwährend und sind nach jedem verstrichenen Moment jemand anders als zuvor. Das Betrachten von Kunst ruft indes besondere Veränderungen hervor, die wir aber nicht, das bringt die Ungenauigkeit des Satzes ‚Es macht was mit einem‘ zum Ausdruck, näher benennen könnten. Es wird auch selten nachgefragt, was es denn sein könnte, dieses ‚Was‘, welches ‚es‘ macht. Der Satz wird nicht in der Erwartung von Widerspruch geäußert, sonst würde er nicht geäußert, sondern er wird in der Erwartung wissenden Nickens oder andersgearteter Zustimmung geäußert. Er verbindet die Schauenden und Betrachtenden, stellt Gemeinschaft her, schließt ein und ist gleichermaßen exklusiv. Man gibt sich beim Kunstbetrachten dem hin, was es macht, wird zum Objekt, man wird verändert und also auch behandelt. Der Betrachter, der sich in der Regel ja auch zu der Kunst hin und durchaus auch durch sie hindurch bewegt, handelt dennoch nicht. Einer macht nicht was, sondern es macht was mit einem. Es handelt es, das macht, und nicht sie, die Kunst, ganz zu schweigen von ihr, der Künstlerin, oder ihm, dem Künstler, sondern allein es. So sind wir, mit denen es etwas macht, doch wieder als Handelnde, nämlich Schauende, in den Zusammenhang zurückgekehrt, waren in Wahrheit nie weg, sondern stellen uns in einen Zusammenhang zwischen ihm, das etwas macht, dem etwas, das es macht, und uns, die wir schauen, uns zu der und durch die Kunst bewegen und ja schließlich auch bezahlt haben. Wir wissen und wissen, dass diejenigen, zu denen wir den Satz ‚Es macht was mit einem‘ sagen, es auch wissen, dass es ohne uns die Kunst, das Schauen und das, was es mit einem macht, gar nicht geben könnte. Wer, wenn nicht wir, die wir zueinander den Satz ‚Es macht was mit einem‘ sagen, würde sich dieser Kunst überhaupt aussetzen wollen? Man muss jemand sein, mit dem es bereits etwas gemacht hat, damit es was mit einem machen kann. Das Betrachten bereitet auf das nächste Betrachten vor. Es ist eine Initiation, ein fortwährender Prozess, kein Lernprozess, wohlgemerkt, denn ein Lernprozess würde das Erfordernis mit sich bringen, erklären zu können, was man gelernt habe, aber ein Prozess der Formung, der uns in eine Form bringt, mit der es noch besser was mit einem machen kann als ohne diese. Diese Formung ist blind und ziellos. Wir setzen uns ihr aus, um andere ähnlich Geformte erkennen und ihnen den Satz ‚Es macht was mit einem‘ zuraunen zu können, um anschließend ein wissendes Nicken ernten zu können, oder, noch besser, selbst wissend nicken zu können, nachdem uns der Satz ‚Es macht was mit einem‘ zugeraunt wurde. Als Geformter erkannt zu werden, ist unbedingt vorzuziehen, es kommt einer Adelung gleich. Fast wird man so selbst zu einem Kunstwerk, das es zu betrachten gilt, um etwas mit jemandem zu machen. Aber so weit kommt es nie. Ausschluss und Verachtung wären die Folgen. Sich selbst zum Werk zu machen oder gar eigene Werke zu machen, wäre eine groteske Anmaßung, ein Verstoß gegen die Ordnung, die zwar nicht natürlich ist, wohl aber eingeübt, etabliert und zweckmäßig.


    Portrait of Dolly Madison, Mathew Brady. 1848