»Mach dir keine Sorgen«, schrieb sie einmal, gezeichnet vom Knochenkrebs, an dem sie im Alter von fünfzig Jahren starb, als Rat an sich selbst, »alles wird vergebens gewesen sein – wie bei allen Menschen vor dir.«
Bild: David Ramsay Hay, „Mapping of Colour onto Musical Notes“, aus The Laws of Harmonious Colouring (1838). Quelle: Internet Archive / The Getty, via Public Domain Image Archive. Gemeinfrei.
And yet the progressive left remains entranced by a technology that makes all participants stupider, more cynical, and more dismissive: social media.
Ich bin schon nicht mehr bei Instagram (und habe in dem Zuge auch BlueSky gelöscht), weil das Ausmaß des eigenen Suchtverhaltens mich schnell die Notbremse treten ließ; es ist schockierend, entzieht sich – so lange die App verfügbar ist – jeglicher Willenskraft, die ich aufbringen könnte und funktioniert für mich ungefähr so, wie „Gelegenheitsrauchen“: gar nicht.
Was die wahlkämpfenden Menschen machen werden, ist mir im Grunde auch egal. Persönlich finde ich, dass, wer für einen Landtag kandidiert, sich auch eine Homepage leisten kann – vielleicht sogar mit einem Newsletter dran. Aber was weiß ich schon?
Ob mich die Social Media-Nutzung gemäß obigem Zitat „dümmer“ gemacht hat, weiß ich nicht, könnte es ja aber auch nicht beurteilen, wäre es so. Unerheblich bleibt einstweilen, ob „X“, ehemals „Twitter“, doch wieder gut ist: Dabei kann ich die Beobachtung John Grubers, wonach man dort interessante Posts sieht, durchaus nachvollziehen. „X“ scheint nach wie vor die Plattform für Politik zu sein, so wie ich BlueSky in popkultureller Hinsicht durchaus etwas abgewinnen konnte. Manuela Schwesig bringt dort ihr Mitgefühl für Bärbel Bas zum Ausdruck, Ferat Koçak gab dort auch irgendwas bekannt. Aber es sind eben nur interesting posts, Minimalinhalte, unterhaltsam und mundgerecht. Mehr nicht.
Eins meiner größeren Probleme beim Bloggen: Ich vergesse, was ich geschrieben habe und was ich daran anknüpfend eigentlich noch schreiben wollte.
Das liegt auch daran, dass ich Kategorien und Schlagworte eher lax und wenn, dann pflichtschuldig vergebe: Die sinnfreien Fallback-Kategorien Allgemein und Uncategorized haben 109 bzw. 483 Beiträge. Das müsste mindestens zum Teil auch einer der diversen Umzüge und Artikelimports von sonstwo geschuldet sein. Ich habe aber auch verschwindend wenig Lust, mich hier um die „Bürokratie“ zu kümmern – das mache ich schon bei der Arbeit zur Genüge (und weiß darum eigentlich, dass es sich lohnt); hier möchte ich reibungsarm losschreiben und niederschwellig veröffentlichen.
Ein wenig habe ich mich nun aber doch wieder gekümmert, und Einstiegsseiten zu den Themen Gelesenes, Bewegtbild und Musik angelegt; das legt noch nicht die Themen der eher essayistischen Beiträge offen, aber ein Anfang ist gemacht.
Heute habe ich AntennaPod vom Smartphone gelöscht, nachdem ich ein Backup der Bibliothek erzeugt habe (so viel Vorsicht muss sein). Podcasts zu hören nahm einfach zu viel Zeit in Anspruch, ohne für mich hinreichend Sinn zu stiften.
Das gilt insbesondere für die diversen polit-journalistischen Formate, die ich gerne hörte. Das Wissen darum, was Merz, Klingbeil, Reiche und dergleichen wem gesagt haben, wer wann was wusste und nicht angerufen hat etc. hat für mich als Bürger dieses Gemeinwesens nüchtern betrachtet nicht den geringsten Wert jenseits von Unterhaltung und dem Gefühl, gut informiert zu sein (ohne es zu sein).
Natürlich gab es noch viele andere Formate, die ich gerne hörte und vielleicht baue ich mir beizeiten auch einfach eine neue Liste an Podcasts auf, die ich in Zukunft hören werde. Einstweilen möchte ich es aber einfach mal ganz ohne probieren.
„Zum Schluß stirbt ein Alter und zwei Junge heiraten sich; – das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht.“
So ist es und ich würde lügen, behauptete ich, dass die Lektüre sich nicht eher zäh gestaltete, oder – positiv gewendet – nicht beim Einschlafen half. Ich würde gerne besser verstehen, warum zu jener Zeit – vor ja lediglich vier Generationen – so geschrieben und gelesen wurde.
Das Gewicht des Romans liege nicht auf der Handlung, sondern auf den vielfältigen Dialogen, die die gesellschaftliche Wirklichkeit zur Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert offenbaren, heißt es in der Wikipedia. Das finde ich schlüssig: Der Widerstreit zwischen dem Konservativen und dem Progressiven (hier der Sozialdemokratie) ist sicher ein roter (pun intended) Faden des Romans.
Wie Deutschland aus der Wirtschaftskrise findet – und wie nicht, verspricht der Untertitel dieses Bandes, das seinem Autor zur Zeit erfreuliche Reichweite in der Publizistik zwischen Podcasts und Zeitungen einbringt. Der Ökonom schließt an eine eindrückliche und sehr aktuelle Analyse der Wirtschaftspolitik von Ampel und Merz I sein Programm einer geplanten Marktwirtschaft an.
Das ließt sich alles schlüssig, kenntnisreich und durchdacht. Mein Unbehagen schöpft sich – ähnlich wie bei Isabella Webers antifaschistischer Wirtschaftspolitik1 – aus dem Eindruck, dass wieder ein Policyvorschlag eines Autoren oder einer Autorin durch das System der Massenmedien geschleust wird, ohne spürbaren Impact in der Politik der Gesellschaft haben zu werden, so wie schon viele vor ihm.
Wenn Tom Krebs politische Scheindebatten und sogar eine „Politiksimulation“ (S. 301) beklagt, dann beleuchtet er ein Problem, welches ja nicht nur der aktuellen Regierung anzulasten ist, sondern struktureller Art ist. Nun ist es als Ökonom nicht seine Aufgabe, aber die Politikwissenschaft scheint dazu auch nicht imstande zu sein und das fängt schon bei der Problembeschreibung an. Ich würde sie mit zwei Worten einleiten: demokratische Repräsentation.
1) Vielleicht tue ich Weber damit sogar Unrecht, bei deren Buchvorstellung in Berlin höherrangige Vertreter:Innen von SPD, den Grünen und der Linkspartei vertreten gewesen sein sollen. Es scheint das Buch der Stunde für den linksliberalen Flügel zu sein, ähnlich wie „The Tyranny of Merit“ von Michael J. Sandel Olaf Scholz‘ „Respekt“-Wahlkampf beeinflusst haben soll.
Schon das „methodische Geplänkel“ ist spektakulär gut:
In über 77 Jahren Plenarsitzungen sind unfassbar viele Daten angefallen. Dementsprechend gibt es sehr viel zu erzählen. In diesem ersten Teil geht es um viel methodisches Geplänkel und einen Einblick in die Anzahl und Dauer der Sitzungen. Im zweiten Teil geht es um Zwischenrufe, Redebeiträge und SprecherInnen.
Andy Burnham hat in seiner (erstaunlich wenig beachteten?) Rede auf dem Labour-Parteitag bemerkenswerte Dinge gesagt. Mit einem Jahrzehnt Erfahrung an der Spitze von Greater Manchester ist der Machtverlust der Kommunen ein Teil dessen, was seit den 1980ern verloren ging. Das will er rückgängig machen:
„So, for the first time, we will have a national energy plan and we will bring back local democratic control through a stronger role for mayors and local leaders.“
„Mayors will have new powers to hold water companies to account, with tougher consequences for those which repeatedly fail.“
Bezogen auf leerstehende Wohnungen:
„We will give councils the power to take control of them and bring them back into the public housing stock.“
Als Anspruch an seine Amtszeit formuliert er:
„Driving power out of Whitehall and into every postcode of Wales, Scotland, Northern Ireland and England and closing divides between people and places.“
Whitehall ist eine Straße in London, an der sich zahlreiche Regierungsgebäude befinden. Natürlich will er die Zentralregierung nicht auflösen, aber wohl doch die Gewichte umverteilen.