• Log Off

    Ein Text, den ich vor anderthalb Jahren nur kurz verlinkt habe: You Can’t Post Your Way Out of Fascism:

    If there’s one thing I’d hoped people had learned going into the next four years of Donald Trump as president, it’s that spending lots of time online posting about what people in power are saying and doing is not going to accomplish anything. If anything, it’s exactly what they want.

    Die unendliche Litanei über „Merz“ und „GasKati“ auf Mastodon und mehr noch Bluesky mündete zu keinem Zeitpunkt in robuste Organisation. Allenfalls werden Petitiönchen geteilt, äußerstenfalls zu einer Demo aufgerufen, wo man lustige Schildchen fotografieren kann. Schlimmer noch: Jede Handlung und Äußerung der genannten Personen wird seziert, dadurch wiederholt und so in den Diskurs eingespeist:

    “The reality is you are oxygenating the things these people are saying even as you purport to debunk them,” Katherine Cross, a sociologist and author of Log Off: Why Posting and Politics (Almost) Never Mix, told 404 Media.

    Das gilt in keinem Fall so sehr wie in dem der Partei „Alternative für Deutschland“, um die sich im politischen Diskurs alles zu drehen hat: Im Mittelpunkt: die AfD.

    Die Gegenstrategie formuliert Anat Shenker-Osorio, zitiert aus The Persuaders:

    Rather than hiding behind milquetoast pronouncements, we can use „good riddance“ statements that are meant to turn off our 0 percenters

    Eigene Forderungen, angemessen radikal, so dass unseren politischen Gegnern vor Schreck das Frühstück aus dem Gesicht fällt, Vergesellschaftung zum Beispiel. So scheint man sogar eine Wahl gewinnen zu können.

    Fediverse reactions
  • Vogel des Jahres

    Die diesjährige Wahl zum Vogel des Jahres habe ich wohl verpasst. Mit der Gewinnerin kann ich mich aber ohne Weiteres abfinden. Herzlichen Glückwunsch, Mehlschwalbe!

    Eichler, Andreas, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

    „Leider ist der neue Jahresvogel gefährdet“, sagt NABU-Vogelschutzexperte Martin Rümmler. „Bis zu 770.000 Brutpaare gibt es noch in Deutschland. Der Bestand geht aber stetig zurück, vor allem durch illegale Zerstörung von Nestern und Vergrämungsmaßnahmen an Häusern. Moderne Architektur und die zunehmende Versiegelung machen es Schwalben oft unmöglich, ihre Nester zu bauen. Auch der Insektenschwund spielt eine Rolle, da Fluginsekten die Nahrung der Mehlschwalbe sind.“

  • vrwrfn

    Jean de Bosschère: „This Is a Real Voyage“, aus Weird Islands, 1921. Internet Archive / California Digital Library, gemeinfrei, via Public Domain Review.

    Ich sitze tagtäglich vor langen Texten, die ich überfliege, punktuell lese, zusammenfassen lasse, in Readwise speichere, einfach durchlese oder verwerfe. Nie habe ich das Gefühl, ich sollte das alles lesen. Im Regelfall liegt mir so ein Text ja bereits aufgrund meiner Filtersouveränität („Bubble“) vor, so dass eine grundsätzliche Relevanz, ein Interesse meinerseits, unterstellt werden kann. Näher liegt also: Ich wollte das alles lesen (hätte ich die Zeit, das spezifische Interesse etc.).

    So eine Transaktion, in der jemand etwas schreibt, was ich dann lesen soll, gibt es eigentlich nicht und die Fiktion scheint ein Phänomen des ehrenamtlichen Publizierens („Bloggen“) zu sein.

    Ich verwerfe meistens, und wenn ich es tue, dann entscheidungsfreudig und rücksichtslos. Gute Texte sind rar, das hat aber kaum etwas mit Prompts oder LLMs zu tun.

    Keep Rowing.

    (Die Assoziation: Verwerfen -> vrwrfn -> Stunning -> stnnng)

  • „Ich bin ein Außenseiter dieser Republik“ – Notizen

    „Studentenmusik“ ist in manchen Kreisen ja ein gern gebrauchtes Schimpfwort , aber wenn ein Student mit seinem Professor aufgrund eines Die Nerven – Tshirts bondet und daraufhin eine Band gründet, der Professor selbst mal in The Robocop Kraus gespielt hat und dadurch ein Song wie „Ich bin ein Außenseiter dieser Republik“ entsteht: hey, her mit der Stundenten-Professoren-Musik!

    Believe The Hype: Schluma & Die Zweiten

    Yup, her damit.


    Gestern habe ich erneut den BespokeSynth installiert und anhand dieses Tutorials zu nutzen begonnen. Die Hoffnung auf eine ähnlich chaotisch randomisierbaren Tracker wie Jeskola Buzz könnte sich erfüllen.


    Aus dem heutigen 9punkt:

    Was tun angesichts gewalttätiger Proteste (in Frankreich) und immer größerem Zulauf zu extremistischen Parteien in Europa? Vielleicht mehr Bürgerbeteiligung wagen, schlägt Philipp Bovermann in der SZ vor und verweist auf erfolgreiche Beispiele in New York, Britannien und Taiwan. „Die Herrschaft der Lautesten, die Verfechter der repräsentativen Demokratie fürchten, ist auf der Ebene der politischen Willensbildung längst etabliert. Medial existiert eine gefährlich überdrehende Basisdemokratie, ein Mangel an Delegation – von dem die Politik umgekehrt zu viel hat. Das passt nicht zusammen. Deshalb das ‚Die da oben‘-Gefühl der Entkoppelung.“

    Weiter geht es mit interessanten Ausführungen zu Marina Weisbands Projekt Aula.

  • lost souls

    Ich halte generell wenig von der Psychologisierung von Politik, die ja zuallererst ein soziales System ist, aber das hier fand ich doch interessant:

    In dem Artikel „Democracy’s challengers: need for chaos and desire for greatness in German political culture“ kombinieren Achim Goerres und Conrad Ziller das Konzept des Need for Chaos (NC) mit einer Desire for Greatness (DG) und konstruieren auf Grundlage einer Forsa-Quotenstichprobe aus dem Juli 2023 (n ≈ 1.875) diese Profilanalyse mit vier Gruppen:

    ProfilNCDGAnteil
    Solidary Supportersniedrigniedrig45 %
    Dominant Supportersniedrighoch24 %
    Solidary Opponentshochniedrig19 %
    Dominant Opponents („lost souls“)hochhoch11 %

    Die Gruppe der „lost souls“, die in beiden Kategorien hohe Zustimmung aufweist, hat auf allen Maßen die extremsten Werte:

    • deutlich höheres politisches Misstrauen (etwa 1,4 Standardabweichungen über der Referenzgruppe),
    • stärkere populistische Einstellungen,
    • geringeres soziales Vertrauen,
    • häufigere AfD-Präferenz.

    Was bedeuten diese Konzepte genau?

    Need for Chaos

    Das Need for Chaos-Konzept stammt von Arceneaux, Petersen, Osmundsen u. a. (2021, 2023). Die Autoren übernehmen deren Definition: der Wunsch nach einem Neuanfang durch die Zerstörung bestehender Ordnung. Die Einstellung entsteht, wenn statusorientierte Persönlichkeitszüge auf (wahrgenommene) soziale Ausgrenzung treffen. Ausgrenzung gilt dabei als notwendige Bedingung. Gemessen wird mit nur zwei Items, beide auf einer 11er-Skala:

    • „Wenn ich an unsere politischen und sozialen Strukturen denke, muss ich denken: Man sollte sie alle dem Erdboden gleichmachen.“
    • „Wir können die Probleme unserer gesellschaftlichen Institutionen nicht lösen, wir müssen sie zerstören und neu anfangen.“

    Klingt ähnlich dem Buch „Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus“ von Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey, das ich bislang nicht gelesen habe.

    Desire for Greatness

    Desire for Greatness ist eine Eigenkonstruktion der Autoren, gemessen anhand von fünf Items auf einer 5er-Skala:

    • „Ich verdiene es, als großartige Person gesehen zu werden.“
    • „Ich will, dass meine Gegner scheitern.“
    • „Die meisten Menschen sind Verlierer.“
    • „Man muss die wichtigen Leute auf seine Seite bringen.“
    • „Man muss immer Pläne machen, die einem selbst helfen und nicht anderen.“

    Klassische demokratische Appelle wie Fairness, Gegenseitigkeit und Regelbindung dürften bei den „lost souls“ wenig verfangen, so Goerres und Ziller. Die Solidary Opponents sind dagegen für echte institutionelle Reformen ansprechbar, die Dominant Supporters für Botschaften der Anerkennung („Ich höre euch“).

  • KI als Jobkiller?

    Ein allgemeiner Beschäftigungseinbruch in KI-exponierten Berufen bleibt aus. Unterm Strich haben sich diese sogar günstiger entwickelt als die weniger exponierten Berufe. Bei jungen Beschäftigten zeigt sich indes ein im Vergleich zum negativen Effekt der schwachen Konjunktur zwar geringer, aber jedoch zunehmend negativer Zusammenhang.

    Das schreibt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit: KI als Jobkiller für Berufseinsteiger? Entwarnung mit Vorbehalt

  • 100/100

    • 0 Kritische Lecks
    • 0 Warnungen
    • 0 Tracker vor der Einwilligung
    • 0 Cookies insgesamt
    • 0 Externe Domains
    • 0 Außerhalb des EWR

    » https://snelle.tools/de/lektest

    Am schönsten finde ich:

    Es wurde kein Cookie-Banner gefunden, es werden aber auch keine Tracker geladen und keine einwilligungspflichtigen Cookies gesetzt. Ein Banner ist dann nicht erforderlich.

    So geht ehrenamtliches Publizieren („bloggen„).

    (Via blogsequenz.de)

  • Jetzt: Die Wand

    »Mach dir keine Sorgen«, schrieb sie einmal, gezeichnet vom Knochenkrebs, an dem sie im Alter von fünfzig Jahren starb, als Rat an sich selbst, »alles wird vergebens gewesen sein – wie bei allen Menschen vor dir.«

    Aus dem Vorwort von Antje Rávik Strubel

  • detox

    Bild: David Ramsay Hay, „Mapping of Colour onto Musical Notes“, aus The Laws of Harmonious Colouring (1838). Quelle: Internet Archive / The Getty, via Public Domain Image Archive. Gemeinfrei.


    And yet the progressive left remains entranced by a technology that makes all participants stupider, more cynical, and more dismissive: social media.

    Adam Kotsko bei Substack unter dem schönen Titel Social media is a psyop to make the left stupid.

    Ich bin schon nicht mehr bei Instagram (und habe in dem Zuge auch BlueSky gelöscht1), weil das Ausmaß des eigenen Suchtverhaltens mich schnell die Notbremse treten ließ; es ist schockierend, entzieht sich – so lange die App verfügbar ist – jeglicher Willenskraft, die ich aufbringen könnte und funktioniert für mich ungefähr so, wie „Gelegenheitsrauchen“: gar nicht.

    Was die wahlkämpfenden Menschen machen werden, ist mir im Grunde auch egal. Persönlich finde ich, dass, wer für einen Landtag kandidiert, sich auch eine Homepage leisten kann – vielleicht sogar mit einem Newsletter dran. Aber was weiß ich schon?

    Ob mich die Social Media-Nutzung gemäß obigem Zitat „dümmer“ gemacht hat, weiß ich nicht, könnte es ja aber auch nicht beurteilen, wäre es so. Unerheblich bleibt einstweilen, ob „X“, ehemals „Twitter“, doch wieder gut ist: Dabei kann ich die Beobachtung John Grubers, wonach man dort interessante Posts sieht, durchaus nachvollziehen. „X“ scheint nach wie vor die Plattform für Politik zu sein, so wie ich BlueSky in popkultureller Hinsicht durchaus etwas abgewinnen konnte. Manuela Schwesig bringt dort ihr Mitgefühl für Bärbel Bas zum Ausdruck, Ferat Koçak gab dort auch irgendwas bekannt. Aber es sind eben nur interesting posts, Minimalinhalte, unterhaltsam und mundgerecht. Mehr nicht.


    1)

    Dort geht es sehr oft darum, auf triumphalistische Weise zu verkünden, dass man auf der richtigen Seite steht.

    Inventur
    Fediverse reactions
  • taxonomies

    Eins meiner größeren Probleme beim Bloggen: Ich vergesse, was ich geschrieben habe und was ich daran anknüpfend eigentlich noch schreiben wollte.

    Das liegt auch daran, dass ich Kategorien und Schlagworte eher lax und wenn, dann pflichtschuldig vergebe: Die sinnfreien Fallback-Kategorien Allgemein und Uncategorized haben 109 bzw. 483 Beiträge. Das müsste mindestens zum Teil auch einer der diversen Umzüge und Artikelimports von sonstwo geschuldet sein. Ich habe aber auch verschwindend wenig Lust, mich hier um die „Bürokratie“ zu kümmern – das mache ich schon bei der Arbeit zur Genüge (und weiß darum eigentlich, dass es sich lohnt); hier möchte ich reibungsarm losschreiben und niederschwellig veröffentlichen.

    Ein wenig habe ich mich nun aber doch wieder gekümmert, und Einstiegsseiten zu den Themen Gelesenes, Bewegtbild und Musik angelegt; das legt noch nicht die Themen der eher essayistischen Beiträge offen, aber ein Anfang ist gemacht.


    Titelbild: Alphonse Bertillon: Synoptic Table of Physiognomic Traits: Eyes, ca. 1909. The Metropolitan Museum of Art, gemeinfrei (CC0), via Public Domain Review.