• KI ≠ KI

    We are now in a position where a tiny proportion of the population uses Fable or soon GPT-5.6, while everyone else’s experience of AI is 8-30b-model level – Google’s AI Overviews, Meta AI in WhatsApp, ChatGPT free tier, maybe MS Copilot at best. People outside of tech must be completely baffled how this is supposed to take their job, and annoyed that hundreds of billions are being poured into it.

    Peter Gostev bei LinkedIn

    Genau das verzerrt auch die ganzen „KI im Journalismus“-Debatten: Weder ist KI = KI, noch ist Journalismus = Journalismus.

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  • Gelesen: Arne Semsrott – Gegenmacht

    Gerade hat die Koalition ihr Reformpaket beschlossen, welches unter anderem die Abschaffung des Informationsfreiheitsgesetzes umfasst (während die Öffentlichkeit über das Krankschreiben diskutiert). Das betrifft die von Arne Semsrott geleitete Plattform FragDenStaat unmittelbar:

    Bisher wurden über FragDenStaat rund 330.000 IFG-Anfragen von mehr als 100.000 Menschen gestellt. Die Regierung will dieses Recht auf Informationsfreiheit jetzt abschaffen. Der Angriff auf das IFG und jede Reform müssen jetzt gestoppt werden. Das IFG darf nicht angetastet werden!

    Dem folgenden Appell, den SPD-Abgeordneten im Bundestag zu schreiben, schließe ich mich an. Die Adressen und ein Formulierungsvorschlag stehen im verlinkten Beitrag. Das Buch ist auch ganz gut.

  • Konzerte im Ruhrgebiet

    Gewalt hätte ich mir ja angeguckt, wäre das Konzert in der Zeche Carl nicht wegen zu geringem Zuspruch im Vorfeld abgesagt worden.
    Wasser auf meine Mühlen, dass man im Troglodyten-Ruhrgebiet zwar generischen Provinzstudentenpunk, der auf asi tut, und klischeetriefendsten Bauern-Metal von und für Ü40-Bandshirt-Spießer haben möchte und haben kann bis der Pathologe kommt, wirklich gute Musik und tatsächlich interessante Bands jetzt aber nicht so wirklich gefragt sind.

    Guter Rant drüben bei Krach und so … und leider wahr: Ich war seit meinem Umzug ins Ruhrgebiet 2019 so selten bei Konzerten, dass ich das an zwei Händen abzählen könnte. Zu Gewalt wäre ich aber bestimmt wahrscheinlich vielleicht gegangen.

    Direkt in Bochum scheint wirklich selten was zu sein, darüber hinaus bekomme ich es mangels Kenntnis selten mit, und falls ja, wäre meine Willenskraft, mich abends mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthinzubegeben und anschließend wieder zurück, sicher gering ausgeprägt.

    Aber das ist mein persönliches jämmerliches Problem, daher die Frage: Wo liest man von interessanten (interessanten!) Konzerten im Ruhrgebiet?

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  • Björk – Utopia

    An jedem Monatsersten vervollständige ich meine Musiksammlung, derzeit mit dem Werk von Björk. Die jüngeren Björk-Alben erschließen sich mir nur langsam. Sie klingen homogener, aber eben auch gleichförmiger. Sollte die musikalische Innovationskraft wie bei den frühen Alben darinstecken, dann muss ich sie noch entdecken. Aber es wäre eher überraschend, müsste man sich Björk-Alben nicht erarbeiten. Ich freue mich jedenfalls darauf.

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  • Ruhrgebiet: kein sicherer Hafen, nirgends?

    Wie ich hier schrieb, ist die Umsetzung der Stadt Bochum, was die Forderungen von Seebrücke.org hinsichtlich des Status „Sicherer Hafen“ betrifft, offenbar ausbaufähig. Also habe ich nachgeschaut: Welche der 8 Seebrücke-Forderungen haben die Ruhrgebiets-Kommunen umgesetzt?

    Die Quelle ist https://www.seebruecke.org/sichere-haefen/haefen, abgerufen am 28.06.2026 und sortiert nach Anzahl umgesetzter Forderungen. Seebrücke.org schreibt, dass die Liste aktuell nicht laufend aktualisiert wird und keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat.

    Die acht Forderungen werden hier ausführlich erläutert.

    StadtΣSoli-ErklärungSeenotrettungAufnahme+QuoteAufnahmeprogr.AnkommenVernetzungStädtebündnisTransparenz
    Gladbeck5
    Oberhausen5
    Bergkamen4
    Castrop-Rauxel4
    Datteln4
    Dinslaken4
    Herne4
    Hünxe (Gemeinde)4
    Moers4
    Schwerte4
    Unna (Kreis)4
    Witten4
    Bochum3
    Bottrop3
    Hagen3
    Hamm3
    Marl3
    Rheinberg3
    Alpen (Gemeinde)2
    Duisburg2
    Haltern am See2
    Herten2
    Kamp-Lintfort2
    Mülheim an der Ruhr2
    Recklinghausen2
    Unna2
    Waltrop2
    Wetter (Ruhr)1
    Dortmund0

    Legende: ✅ umgesetzt · ⬜ nicht umgesetzt · ❔ unbekannt (Quelle: „Unbekannt ob umgesetzt“).

    Hinweise: Essen und Gelsenkirchen fehlen – sie haben sich (anders als die übrigen Ruhr-Großstädte) nie zum Sicheren Hafen erklärt. Dortmund hat sich erklärt (2019), aber bei allen 8 Forderungen steht „entschieden · Unbekannt ob umgesetzt“.

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  • „Metapolitik“ in Ländern und Kommunen

    Arne Semsrott stellt in „Gegenmacht“ die Kleine-Anfrage-Pipeline dar, welche von der AfD im Bundestag, aber auch in diversen Landtagen betrieben wird. Knapp zusammengefasst:

    1. Die Fraktion stellt eine Kleine Anfrage, beispielsweise zu Fördergeldern an nicht genehme Einrichtungen.
    2. Es folgt Berichterstattung von Rechtsaußen: Antworten der Regierungen werden direkt entsprechenden Hetzportalen zugesteckt.
    3. Die Berichterstattung wandert über BILD in den Mainstream.

    Darauf folgen Versuche der Versachlichung, Gegenwehr aus der Mitte der Gesellschaft und Debatten, in denen beide Seiten gehört werden. Das Thema ist damit gesetzt, ein weiterer Erfolg in der „Metapolitik“ wurde errungen.

    So erklärt sich die sinnlose Fragenflut im NRW-Landtag, die ich bereits thematisiert hatte. Längst nicht alles davon verfängt. Aber auch im Bochumer Stadtrat wurde unlängst ein AfD-Antrag dank völlig unnötiger Aufmerksamkeit geadelt.

    Dass man im Nachhinein über Seenotrettung sprach, ist zu begrüßen. Dass und wie man das besser machen könnte, legte aber erst vor wenigen Monaten eine Anfrage der Fraktion Die Linke (zur Antwort der Verwaltung) offen:

    Nach Angaben der Initiative „Sicherer Hafen Bochum“ wurden bislang jedoch lediglich folgende Maßnahmen umgesetzt:

    • eine öffentliche Solidaritätserklärung
    • punktuelle Unterstützung der zivilen Seenotrettung (z. B. durch Spendenaktionen)

    Weitere im Kontext des Bündnisses diskutierte Maßnahmen, etwa die zusätzliche Aufnahme von Geflüchteten über die Quote hinaus, die Unterstützung von Aufnahmeprogrammen, die Stärkung kommunaler Ankommens-Strukturen sowie die Vernetzung im Rahmen systematischer Aufnahmeprogramme, wurden bislang nicht realisiert.

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  • Im Gerichtssaal

    Der Ventilator ist angestellt, denn es ist Hochsommer.

  • Wann findet die nächste reguläre Bundestagswahl statt?

    Artikel 39 Absatz 1 Satz 3 des Grundgesetzes schreibt es vor:

    „Die Neuwahl findet frühestens sechsundvierzig, spätestens achtundvierzig Monate nach Beginn der Wahlperiode statt.“

    Der Beginn der Wahlperiode ist die konstituierende Sitzung des neugewählten Bundestags, das war am 25. März 2025.

    Das verfassungsrechtliche Zeitfenster (46 bis 48 Monate) beginnt also am 25. Januar 2029 (eigentlich also am Sonntag, dem 28. Januar) und endet am 25. März 2029 (ein Sonntag).

    Legt man zugrunde, dass Wahlen an Karneval und in Ferien oder an diese angrenzend eher gemieden werden dürften, ergibt sich folgendes Bild:

    SonntagFerien / Karneval 2029
    28. Janfrühestmöglich (46-Mon.-Grenze); Berlin/Brandenburg-Winterferien ab 29.1.
    4. FebWinterferien MV/SN/ST beginnen am Folgetag (5.2.); andere gerade vorbei
    11. FebKarnevalssonntag + Winterferien MV/SN (drin), BY/SL/TH (ab 12.)
    18. Feballe Winterferien beendet (≤17.2.), Karneval vorbei, weit vor Ostern
    25. Febkomplett zwischen den Ferien, kein Land in Ferien, kein Karneval
    4. Märzfast frei — nur Hamburg-Osterferien ab Folgetag (5.3.)
    11. MärzHamburg-Osterferien (5.–16.3.) mittendrin (sonst frei)
    18. MärzHH gerade vorbei, aber Bremen + Niedersachsen Osterferien ab 19.3.
    25. Märzspätestmöglich; Palmsonntag; SH/HB/Nds mittendrin, ~9 Länder ab 26.3.

    Mit dem 25. Februar als einem der wenigen komplett unbedenklichen Termine fände die Bundestagswahl auf den Tag genau vier Jahre nach der letzten statt(stimmt gar nicht). Das erscheint möglich.

    Andererseits wird man ein Interesse daran haben, von Wahl zu Wahl aus dem Winterwahlkampf herauszukommen, also einen frühest- oder spätestmöglichen Termin zu wählen. Zwischen 1983 und 1998 hat man das durch frühestmögliche Wahlen erreicht:

    • 06.03.1983
    • 25.01.1987
    • 02.12.1990
    • 16.10.1994
    • 27.09.1998

    Seitdem fanden alle Bundestagswahlen bis einschließlich 2021 im September statt. Diesem Weg folgend, könnte man, Winterferien in Berlin und Brandenburg in Kauf nehmend, am 28. Januar wählen. Setzt man auf einen der spätestmöglichen Sonntage, landet man in vielen Bundesländern in den oder am Beginn der Osterferien.

    All das ist aber ohnehin obsolet, wenn es zu vorgezogenen Neuwahlen kommt, wie es 2025, 2005, 1983 und 1972 bereits der Fall war.

  • Das lange zwanzigste Jahrhundert: ‚Backrooms‘

    Four Mannequins in damaged living room

    Ähnlich wie It Follows spielt auch Backrooms in einer seltsamen Nichtvergangenheit: Die Handlung ist klar datiert auf das Jahr 1990, moderne Technologie trifft man entsprechend nicht an, gleichzeitig erfordert die Handlung dies an sich nicht. Vor allem sieht der Film in gewisser Weise nicht so aus. Sein Stil und der Stil seiner Figuren könnten ihn irgendwann zwischen 1990 und der Jetztzeit verorten. So wird auch die Zeit in den Backrooms zu einer endlos, gleichförmig und ausufernd mäandernden Dimension. Auch Rückblenden wirken nicht etwa wie eine weiter zurückliegende Vergangenheit, sondern verstärken den Effekt einer monotonen Gegenwart.

    Mannequin men in damaged living room

    Backrooms klingt außerordentlich gut. Das liegt vor allem an dem Dark-Ambient-Score von Kane Parsons und Edo Van Breemen. Ein Stück aber ragt heraus, nämliches eines von dem Album Everywhere at the End of Time, das James Leyland Kirby als The Caretaker veröffentlicht hat. Darin werden verlangsamte Samples alter Ballroom-Musik geloopt und zu chaotischen Noise Soundscapes verzerrt. Der Effekt ist beklemmend und nostalgisch zugleich. Inspiriert wurde Kirky von der Ballroom-Szene aus Kubricks The Shining. Mit Everywhere at the End of Time wollte er das Fortschreiten von Demenz und ihre Auswirkungen auf das Bewusstsein erforschen.

    „Von Album zu Album verblassen die wehmütigen Jazz-Melodien mehr und mehr, nur ein paar Fetzen, einzelne nachhallende Töne bleiben länger erkennbar“, schreibt Jürgen Ziemer über das Album. Das Unheimliche sei dabei in Kirbys Musik durchgängig präsent, überzogen von einer sonderbaren Melancholie, der jeder Glaube an die Zukunft fehlt.

    Damaged living room with mannequins

    Menschen in den Backrooms arbeiten an sich, wollen sich ändern, kommen aber nicht weiter. Am Ende erhält man die Erlaubnis, zu bleiben, wie man ist: Absolution für die eigenen Unzulänglichkeiten und den Jähzorn. Wir wussten bereits 1990 alles, was wir wissen mussten, um die Weichen zu stellen. Das lange zwanzigste Jahrhundert erstreckt sich nun bereits ein Vierteljahrhundert in das unsrige. Wir werden von Wiedergängern regiert. „Fast meint man, dem Land wäre es am liebsten, insgesamt als Weltkulturerbe Bundesrepublik Deutschland geschützt und von dem Zwang, die eigene Zukunft erfinden zu müssen, befreit zu werden“, formulierte es Nils Minkmar in Der Zirkus.

    Mother mannequin and a child under a basement lean-to shelter

    Wahlen werden entschieden werden, Regierungskünste scheitern und Weltordnungen wanken, um das lange zwanzigste Jahrhundert zu bewahren, nur noch ein paar Jahre mehr. Nur so lange wie Sie und ich, so lange wir noch am Leben sind. Erst die nächste Gesellschaft stelle sich einer unbekannten Zukunft, so Dirk Bäcker. Wir jedoch sind diese Gesellschaft nicht. Unsere Erinnerungen verzerren wir zu Monstern und auf der Flucht vor ihnen verlaufen wir uns in einer ewigen Gegenwart.


    Bilder stammen vom Public Domain Image Archive aus der Kollektion Operation Doorstep (1953)

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  • Plurality 2

    Endlich bin ich in Plurality zum Kern meines Interesses vorgestoßen, dem Abschnitt über Demokratie und Erweiterte Meinungsbildung (Deliberation). Einige Notizen:

    • Wahlen, Auslosung und Verwaltung als Formen der Auswahl von Vertreterinnen und Vertretern für deliberative Prozesse sind auf den ersten Blick eine Vermengung von Politik und Verwaltung, die aber im Kontext der Deliberation vollkommen klar gehen kann.
    • Die Unterscheidung von Broadcast und Broad Listening ist interessant: Während das Senden von Mitteilungen mannigfaltig gelöst ist, wird das Rezipieren von Information, Mitteilung und Perspektiven immer aufwändiger und kostspieliger.
    • Werkzeuge und Methoden umfassen u.a.
    • ​​National Coalition For Dialogue And Deliberation
    • Group Pattern Language Project
    • https://participedia.net/
    • Liberating Structures
    • Polis:

    Polis is a prominent example of what leading ⿻ technologists Aviv Ovadya and Luke Thorburn call “collective response systems” and “bridging systems” and others call “wikisurveys