
Im Radio läuft Scatman John. Der Arzt lässt sich ungewöhnlich viel Zeit mit den Spenderinnen und Spendern, die vor mir dran sind. Es ist allerdings auch voll. Selbst auf eine Liege muss ich einige Minuten warten. Blutdruck und die übrigen Zahlen seien perfekt, heißt es – wie meistens. Dennoch fließt das Blut zu Beginn etwas langsam. Die Apparatur zu meiner Rechten piept, woraufhin an der Nadel geruckelt wird, denn wenn diese zu eng an der Arterienwand liege, könne das den Blutfluss hemmen. Ich schließe und öffne langsam, rhythmisch die rechte Hand zur Faust, bilde mir ein, das könne den Fluss fördern. Nie schaue ich auf die Nadel, die in meinem Arm steckt. Ich nehme wahr, wie der Körper auf das Eindringen, auf die Wunde, mit einer Stressreaktion antworten will. Es ist zu keinem Zeitpunkt unangenehm, nur eben auch nicht angenehm. Ich schreibe diesen Text während der Spende auf dem Mobiltelefon, das lenkt ab. Die rechte Hand wird ein wenig taub. Der Schlauch ist an meinen Arm getapet und zieht minimal im Takt des Herzschlags an den Härchen. Den Verzehrgutschein tausche ich anschließend gegen eine Currywurst mit Pommes frites; Blutspenden ist nahezu der einzige Anlass, zu dem ich noch so esse. Es war meine vierzehnte Spende.
Titelbild: Anatomical Study of the Blood Vessels and Circulation, Gerard de Lairesse. 1685








