• Hi Freaks

    Kurz: Das öffentliche, textbasierte Social Media ist weiter auf dem absteigenden Ast. Für Freaks gibt es die Möglichkeit, zu bloggen, aber insgesamt verschiebt sich das Ganze dann doch eher in die privaten Kanäle.

    Eine in jeder Hinsicht empfehlenswerte Ausgabe von Aus dem Internet-Observatorium #160

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  • Gelesen: ‚The First Fifteen Lives of Harry August‘ von Claire North

    Oder besser: noch einmal gelesen, denn ich hatte das Buch als gut in Erinnerung (nicht zu Unrecht), hatte aber auch keine Erinnerung mehr daran, wie es ausging (aus gutem Grund). Harry August ist dann doch ein wenig zu langweilig, so sehr sogar, dass man sich insgeheim wünscht, der Villain möge obsiegen, damit man den MacGuffin in Aktion erleben kann.

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  • Deliberative Algorithmen

    Neben der Unterscheidung zwischen den algorithmischen Social Media-Angebote und jenen, die sich dadurch auszeichnen, auf Algorithmen zu verzichten, halte ich eine weitere Kategorie für vorzüglich.

    Die Unterscheidung sollte eine zwischen deliberativen und strategischen Algorithmen sein. In den Worten von Frank Tetzel in den aktuellen Blättern:

    Habermas unterscheidet dort zwischen zwei Typen menschlichen Handelns: dem strategischen, dass den Anderen als Mittel zum Zweck behandelt, und dem kommunikativen, das auf Verständigung zielt.

    Social Media sind nahezu ausschließlich strategisch: Auf Seiten der die Verweildauer maximierenden Anbieter ebenso wie seitens vieler auf Reichweite setzenden Nutzerinnen und Nutzer.

    Kommunikative Algorithmen, die auf Verständigung, Kommunikation, Deliberation abzielen, hat es bislang soweit ich weiß noch nirgendwo gegeben. Ich ziehe es vor, von deliberativen Algorithmen zu sprechen. Sie könnten als transparente und quelloffene Sozialtechnik den digitalen Raum schaffen, der – wiederum nach Tetzel – die „Bedingung der Möglichkeit der Demokratie ist“:

    nicht die Wahlurne als solche, sondern der Prozess der öffentlichen Vernunftbildung, der ihr vorausgeht und sie trägt.

    Denn, das haben die vergangenen fast zwanzig Jahre digitaler Kommunikation abseits kurzlebiger Inseln gezeigt: Formloses Reden führte schon zu nichts, bevor die strategischen Algorithmen Einzug hielten.

  • Der lauwarme Linksliberalismus

    Lediglich rund 70.000 Menschen haben „NRW Appell: AfD-Verbot jetzt“ auf der Campact-Plattform bislang unterzeichnet. Das selbstgesteckte (Zwischen)ziel liegt bei 75.000. Bei der Landtagswahl 2022 wählten 368.271 Menschen die „Alternative für Deutschland“, das entsprach 5,2 Prozent der Erststimmen; das Zweitstimmenergebnis lag leicht darüber. Bei der Bundestagswahl wird der Stimmenanteil bereits ein Vielfaches dessen gewesen sein.

    Hätten diese siebzigtausend Menschen ihre Landtagsabgeordneten kontaktiert – per E-Mail oder Brief, gar telefonisch oder persönlich –, hätten sie womöglich mehr erreicht als mit diesem „Appell“ von dem die adressierten Personen aller Voraussicht nach nie etwas mitbekommen werden.

    Der lauwarme Linksliberalismus schafft es nicht, sich aus dem Modus der Petitiönchen, der Latschdemos mit pfiffigen Schildchen für Instagram und der Dialoge mit Ministerien im Social Network of Choice zu irgendwas aufzuraffen. Involviertheit wird gescheut. Nirgendwo wird vernehmbar die wahrscheinliche Möglichkeit erwogen, dass kein Verfassungsorgan jemals ein AfD-Verbotsverfahren anstrengen wird.

    Noch wirkungsärmer als ein Petitiönchen

    Bemerkenswert ist überdies die Begründung für die Wahl eines „Appells“:

    Leider sind in NRW öffentliche Petitionen wie beim Petitionsausschuss des Bundestages nicht vorgesehen. Der Petitionsausschuss befasst sich nur mit Eingaben einzelner Bürger:innen, die sich von einer Behörde ungerecht behandelt fühlen. Deshalb haben wir uns für den obigen Appell an die Landespolitiker:innen entschieden.

    Die Veröffentlichung einer Petition beim Deutschen Bundestag hat nicht den geringsten Einfluss auf ihre Erfolgschancen. Die Funktion dient eher als Partizipationstheater und Honey Pot. Zudem ist jede Petition eine Eingabe einer Person, die Bitten oder Beschwerden ausdrückt, so sieht es Art. 17 GG vor:

    Jedermann hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und an die Volksvertretung zu wenden.

    Das Petitionsrecht ist ein vordemokratisches Recht für Bittsteller und Untertanen. Die Urheberinnen des „Appells“ haben es vollbracht, mit diesem ein noch wirkungsärmeres Instrument als das der Petition zu schaffen.

    Bei der Gelegenheit habe ich nach dem Status der Ende letzten Jahres mit großem Eifer und wuchtigen Moralkeulen geteilten Petition 183950 Keine Führung eigener Register zur Erfassung von trans* und nichtbinärer Personen vom 14. Juli 2025 geschaut. Sie befindet sich nach wie vor in der Prüfung. Scheint inzwischen aber egal zu sein. Die Karawane zog weiter.

  • Gelesen: Max Frisch – Homo Faber

    Immer die gleichen larmoyanten Männerfiguren bei Frisch. Unerträglich.

  • Raus aus der Stadt, die Wissen schafft

    Richtung Zigarrenstadt.

  • aus einem Gedicht zitieren

    O mein Erdenmond

    erleuchte mich, nur für einen Moment,

    ich bin eine Seidenraupe

    ich spinne die Seide meiner Verzweiflung in meinem hohlen Herzen.

    Ich bin ein Maulwurf, der in der Erde wühlt, die er für den Himmel hält.

    Na, Sina? Wie macht der Maulwurf beim Graben?

    Aus dem Gedicht Der Tag, als ich meinen Nachnamen auf einem Leichentuch las von Asmaa Azaizeh, aus dem Arabischen übersetzt von Sandra Hetzl und erschienen in der „edit“ No. 96.

  • Bahnfahr’n

    Es geht erneut nach Göttingen.

  • Musik gekauft: „Volta“ von Björk

    Es ist der erste eines Monats: Der Björk-Marathon geht weiter.

  • Dortmunder Griechen

    Eine spannende Ausstellung sieht SZ-Kritiker Max Florian Kühlem im Hoesch-Museum in Dortmund: Drei Monate tauchten die Fotografen Jürgen Spiler und Thomas Strenge im Jahr 1976 in das Leben der griechischen Gastarbeiter-Community ein. Die Fotos sollten damals ursprünglich bei den Dortmunder „Auslandskulturtagen“ ausgestellt werden, wurden dann aber aus dem Programm genommen, so Kühlem, die Fotos waren dem damaligen Bürgermeister nicht „positiv“ genug.

    Via Perlentaucher

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