Kategorie: Bücher

  • Gelesen: Anton de Kom – We Slaves of Suriname

    Von Gustave Adolph RheingansDe Correspondent, Gemeinfrei, Link

    Während man sich in Königsberg und andernorts bereits an der Aufklärung erfreute, betrieben europäische Imperien in ihren Kolonien noch das grausame Regime der Sklaverei. Anton de Kom war Sohn eines Sklaven und konnte durch Erzählungen seiner Familie sowohl aus der Zeit der Sklaverei, als auch – durch eigenes Erleben – aus der Zeit nach deren Abschaffung berichten. Wij slaven van Suriname ist dieser Bericht. Er ist gleichermaßen Tatsachenbericht, mitunter von fast buchhalterischer Präzision, wie auch literarisches Essay.

    de Kom verbrachte einige Jahre in den Niederlanden, wurde am 7. August 1944 von der Gestapo verhaftet und verstarb am 24. April 1945 im Stammlager Stalag X-B; nach offizieller Darstellung an Tuberkulose.

  • Gelesen: Peter Watts – Blindsight

    Zu diesem Buch gibt es inzwischen einen von Fans produzierten Kurzfilm, es taucht fortwährend in den Bestenlisten auf Reddit auf, ich fand es beim ersten Durchgang gut (High Concept, nicht leicht zu lesen, aber sehr gut.), also las ich ein weiteres Mal Peter Watt’s Blindsight.

    … meine Güte ist das langweilig. Wenn man mit den Hard Scifi-Konzepten und Plot Twists vertraut ist, fällt umso mehr auf, wie viele Seiten mit fader Vorgeschichte, hölzernem Characterbuilding und umständlichen Beschreibungen von Umlaufbahnen verfüllt wurden.

    Für Blindsight gilt, was für die meiste Science Fiction gilt, die nicht von Ursula le Guin ist: hätte eine exzellente Kurzgeschichte sein können.

  • Die neuen Zeitalter

    The Primeval Storm, 1883. Ragnarok: The Age of Fire and Gravel

    Das Buch Faschismuserfahrungen im Ruhrgebiet von Lutz Niethammer beginnt mit einem Brechtzitat, welches ich in einem meiner zu vielen Notizbücher notierte und erst jetzt wiederfand:

    Die neuen Zeitalter beginnen nicht auf einmal. Mein Großvater lebte schon in der neuen Zeit. Mein Enkel wird wohl noch in der alten leben.

    Es stammt, wie ich eben recherchierte, aus dem Gedicht DIE NEUEN ZEITALTER, hier veröffentlicht.

    Das Neue löst das Alte nicht ab. Was neu und was alt ist, steht selbst nicht fest, sondern ist möglicherweise Verhandlungssache, Thema von Kommunikation, Gegenstand von Widersprüchen, von Streit. Der iPhone-Moment war 2007, das iPhone-Zeitalter begann vielleicht schon 1907.

    Zugleich wissen wir nicht, welche Zeitalter bereits begonnen haben. Sind wir die Enkel, sind wir die Großväter?

  • Gelesen: Thomas Bernhard – Das Kalkwerk

    Band drei aus der Gesamtausgabe und der erste, von dem ich zumindest schon mal gehört habe. Hier gewinnt der typische ThB-Stil erstmals seine (mutmaßlich) endgültige Form. Nicht endenwollender Text, der die Obsession mit einem Text, den zu Papier zu bringen nicht gelingen will, zum Thema hat. Ort und Zeit, Zeiten und Beziehungen werden abgerichtet, verweigern sich der Zurichtung, was bleibt ist Wahnsinn und Tod. Herrlich.

  • Sarah Wynn-Williams – Careless People

    Die ehemalige Direktorin der Global Public Policy bei Facebook schildert ihre Erfahrungen mit Zuckerberg und dem erweiterten Konzernmanagement. Als „Facebook-Diplomatin“ war Wynn-Williams zuständig, wenn es um das Aufheben von Netzwerk-Blockaden in bestimmten Ländern, den generellen Zugang und alle weiteren Fragen ging, bei denen das Netzwerk sich mit Regierungen, Juntas und Staatschefs auseinandersetzen musste.

    Die Fahrlässigkeit der Careless People um Zuckerberg soll uns als warnendes Beispiel dienen, wenn es um Macht über Technologie geht. Das gilt nicht minder für sog. künstliche Intelligenz, wie die Autorin im Epilog darlegt.

  • Thomas Bernhard – Verstörung

    Herrlich.

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  • Gelesen: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Teil 2

    ‚Im Schatten junger Mädchenblüte‘ ist ein überaus schwülstiger Titel. Es bleibt herausfordernd, dieser Art der Literatur zu folgen, die ich durchaus mit gepflegter Langeweile beschreiben würde. Eine gute Übung in Konzentration ist das allemal. Jetzt schiebe ich erstmal wieder einen Bernhard ein.

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  • Ginster

    In der editorischen Notiz zu Kästners Fabian oder der Gang vor die Hunde entdecke ich einen Verweis auf den Roman Ginster von Siegfried Kracauer. Gemeinsam haben sie das Thema der als Drückeberger bezeichneten Menschen, das mich unmittelbar reizt. Prompt leihe ich Ginster in der sog. OnLeihe via Stadtbücherei Bochum und lese es nun also im Browser. Ich freue mich schon auf Seite 7 über Ginsters Bewunderung der Telegrammtechnik: Alles teilt sich heute so schnell mit.

  • Gelesen: Dorothee Elmiger – Die Holländerinnen

    Sprachlich auf höchstem Niveau, erzählerisch nicht minder herausragend. Ein beklemmender Roman.

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  • Gelesen: Lutz Niethammer: Faschismuserfahrungen im Ruhrgebiet

    Gelesen: Lutz Niethammer: Faschismuserfahrungen im Ruhrgebiet

    Das Buch ist der erste von zwei Bänden, die aus dem Oral-History-Projekt „Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930 bis 1960“ (LUSIR) hervorgingen, das Lutz Niethammer 1980 an der Universität Essen auf den Weg gebracht hat. Lesenswert in jedem Fall.

    Hinter dem Umschlag eine schöne, alte Ausleihkarte der Stadtbücherei, wo ich das Buch ebenfalls entlieh, wenngleich volldigital:

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