Kategorie: Uncategorized

  • Aus Luhmanns „Realität der Massenmedien“

    Man kann ja die Grenzen (und damit die Einheit) einer Handlung oder eines Handelnden weder sehen noch hören. [..] Das macht zugleich die Funktion der Massenmedien in ihrem Beitrag zur kulturellen Institutionalisierung des Handelns verständlich

    Und weiter:

    Im gleichen Zuge wird das Interesse an Personen reproduziert. [..] Gerade in Zeiten, die ihre Zukunft als abhängig von Handlungen und Entscheidungen erlebt, nimmt die Orientierung an Personen offenbar zu.

    Daher vielleicht die überschießende Faszination für Dinge, die „Merz“, „Reiche“ oder „Spahn“ tun.

  • Vom TR 909 zum P-6

    Immer mal wieder schaue ich dieses Video, bei dem man Jeff Mills zuschauen kann, wie er (knieend!) einen Roland TR-909 bedient. Er behandelt die Drum Machine als das, was sie ist: ein Musikinstrument, und er beherrscht es virtuos und meisterhaft.

    Bei mir steht schon seit über zwei Jahren ein Nachfolgemodell des Instruments herum, das Mills bedient. Es hat unfassbar viele Funktionen und Features, die sich mit arkanen Tastenkombinationen und verschachtelten Menüs erreichen lassen. Diverse Versuche, es auch nur im Ansatz zu beherrschen, gab ich auf.

    Am heutigen ersten Urlaubstag startete ich einen neuen Versuch und bin einmal mehr zuversichtlich. Allerdings weiß ich auch, dass ich unweigerlich alles wieder vergessen werde, wenn ich nicht weitermache und übe. Aus den Youtube-Kommentaren:

    The true art of knowing your gear inside out.

    Fediverse-Reaktionen
  • KI ≠ KI

    We are now in a position where a tiny proportion of the population uses Fable or soon GPT-5.6, while everyone else’s experience of AI is 8-30b-model level – Google’s AI Overviews, Meta AI in WhatsApp, ChatGPT free tier, maybe MS Copilot at best. People outside of tech must be completely baffled how this is supposed to take their job, and annoyed that hundreds of billions are being poured into it.

    Peter Gostev bei LinkedIn

    Genau das verzerrt auch die ganzen „KI im Journalismus“-Debatten: Weder ist KI = KI, noch ist Journalismus = Journalismus.

  • Ruhrgebiet: kein sicherer Hafen, nirgends?

    Wie ich hier schrieb, ist die Umsetzung der Stadt Bochum, was die Forderungen von Seebrücke.org hinsichtlich des Status „Sicherer Hafen“ betrifft, offenbar ausbaufähig. Also habe ich nachgeschaut: Welche der 8 Seebrücke-Forderungen haben die Ruhrgebiets-Kommunen umgesetzt?

    Die Quelle ist https://www.seebruecke.org/sichere-haefen/haefen, abgerufen am 28.06.2026 und sortiert nach Anzahl umgesetzter Forderungen. Seebrücke.org schreibt, dass die Liste aktuell nicht laufend aktualisiert wird und keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat.

    Die acht Forderungen werden hier ausführlich erläutert.

    StadtΣSoli-ErklärungSeenotrettungAufnahme+QuoteAufnahmeprogr.AnkommenVernetzungStädtebündnisTransparenz
    Gladbeck5
    Oberhausen5
    Bergkamen4
    Castrop-Rauxel4
    Datteln4
    Dinslaken4
    Herne4
    Hünxe (Gemeinde)4
    Moers4
    Schwerte4
    Unna (Kreis)4
    Witten4
    Bochum3
    Bottrop3
    Hagen3
    Hamm3
    Marl3
    Rheinberg3
    Alpen (Gemeinde)2
    Duisburg2
    Haltern am See2
    Herten2
    Kamp-Lintfort2
    Mülheim an der Ruhr2
    Recklinghausen2
    Unna2
    Waltrop2
    Wetter (Ruhr)1
    Dortmund0

    Legende: ✅ umgesetzt · ⬜ nicht umgesetzt · ❔ unbekannt (Quelle: „Unbekannt ob umgesetzt“).

    Hinweise: Essen und Gelsenkirchen fehlen – sie haben sich (anders als die übrigen Ruhr-Großstädte) nie zum Sicheren Hafen erklärt. Dortmund hat sich erklärt (2019), aber bei allen 8 Forderungen steht „entschieden · Unbekannt ob umgesetzt“.

  • Wann findet die nächste reguläre Bundestagswahl statt?

    Artikel 39 Absatz 1 Satz 3 des Grundgesetzes schreibt es vor:

    „Die Neuwahl findet frühestens sechsundvierzig, spätestens achtundvierzig Monate nach Beginn der Wahlperiode statt.“

    Der Beginn der Wahlperiode ist die konstituierende Sitzung des neugewählten Bundestags, das war am 25. März 2025.

    Das verfassungsrechtliche Zeitfenster (46 bis 48 Monate) beginnt also am 25. Januar 2029 (eigentlich also am Sonntag, dem 28. Januar) und endet am 25. März 2029 (ein Sonntag).

    Legt man zugrunde, dass Wahlen an Karneval und in Ferien oder an diese angrenzend eher gemieden werden dürften, ergibt sich folgendes Bild:

    SonntagFerien / Karneval 2029
    28. Janfrühestmöglich (46-Mon.-Grenze); Berlin/Brandenburg-Winterferien ab 29.1.
    4. FebWinterferien MV/SN/ST beginnen am Folgetag (5.2.); andere gerade vorbei
    11. FebKarnevalssonntag + Winterferien MV/SN (drin), BY/SL/TH (ab 12.)
    18. Feballe Winterferien beendet (≤17.2.), Karneval vorbei, weit vor Ostern
    25. Febkomplett zwischen den Ferien, kein Land in Ferien, kein Karneval
    4. Märzfast frei — nur Hamburg-Osterferien ab Folgetag (5.3.)
    11. MärzHamburg-Osterferien (5.–16.3.) mittendrin (sonst frei)
    18. MärzHH gerade vorbei, aber Bremen + Niedersachsen Osterferien ab 19.3.
    25. Märzspätestmöglich; Palmsonntag; SH/HB/Nds mittendrin, ~9 Länder ab 26.3.

    Mit dem 25. Februar als einem der wenigen komplett unbedenklichen Termine fände die Bundestagswahl auf den Tag genau vier Jahre nach der letzten statt(stimmt gar nicht). Das erscheint möglich.

    Andererseits wird man ein Interesse daran haben, von Wahl zu Wahl aus dem Winterwahlkampf herauszukommen, also einen frühest- oder spätestmöglichen Termin zu wählen. Zwischen 1983 und 1998 hat man das durch frühestmögliche Wahlen erreicht:

    • 06.03.1983
    • 25.01.1987
    • 02.12.1990
    • 16.10.1994
    • 27.09.1998

    Seitdem fanden alle Bundestagswahlen bis einschließlich 2021 im September statt. Diesem Weg folgend, könnte man, Winterferien in Berlin und Brandenburg in Kauf nehmend, am 28. Januar wählen. Setzt man auf einen der spätestmöglichen Sonntage, landet man in vielen Bundesländern in den oder am Beginn der Osterferien.

    All das ist aber ohnehin obsolet, wenn es zu vorgezogenen Neuwahlen kommt, wie es 2025, 2005, 1983 und 1972 bereits der Fall war.

  • Plurality 2

    Endlich bin ich in Plurality zum Kern meines Interesses vorgestoßen, dem Abschnitt über Demokratie und Erweiterte Meinungsbildung (Deliberation). Einige Notizen:

    • Wahlen, Auslosung und Verwaltung als Formen der Auswahl von Vertreterinnen und Vertretern für deliberative Prozesse sind auf den ersten Blick eine Vermengung von Politik und Verwaltung, die aber im Kontext der Deliberation vollkommen klar gehen kann.
    • Die Unterscheidung von Broadcast und Broad Listening ist interessant: Während das Senden von Mitteilungen mannigfaltig gelöst ist, wird das Rezipieren von Information, Mitteilung und Perspektiven immer aufwändiger und kostspieliger.
    • Werkzeuge und Methoden umfassen u.a.
    • ​​National Coalition For Dialogue And Deliberation
    • Group Pattern Language Project
    • https://participedia.net/
    • Liberating Structures
    • Polis:

    Polis is a prominent example of what leading ⿻ technologists Aviv Ovadya and Luke Thorburn call “collective response systems” and “bridging systems” and others call “wikisurveys

  • »tief zerklüfteten Wende«

    Gestern wurden hier von einer Partei die Kandidatinnen und der Kandidat für die drei Bochumer Landtagswahlkreise gewählt, denn im nächsten Jahr findet die Wahl zum Nordrhein-Westfälischen Landtag statt. Es fühlte sich in etwa so an, wie Adam Tooze hier eine Podiumsdiskussion beschreibt, an der er teilnahm:

    And, yet – as happens quite frequently at the moment – I felt like the mad uncle in the attic, crying fire!

    Sicher wurde ein wenig zu KI gefragt – wie man sie regulieren könnte, zum Beispiel. Ansonsten hätte die Veranstaltung so auch 2016 stattfinden können; keinerlei Gespür für die oder Verständnis von der Wucht des bevorstehenden Wandels.

    Stattdessen werden bildungspolitische Wahlkampfreden gehalten, die exakt so auch vor fünf, zehn oder sogar fünfzehn Jahren gehalten worden sein dürften. Die Frage, woran es in all der Zeit gehapert haben könnte, wird nicht gestellt.

    Ohnehin verwundert, wie wenig Ernsthaftigkeit einem Mandat in der Legislative einer der dichtestbesiedelten und wirtschaftlich stärksten Regionen Europas entgegengebracht wird. Kandidierende stellten ihr politisches Lieblingsthema vor, so als könnten sie sich in einer Landtagsfraktion genau darin nach Belieben entfalten und seien keiner Fraktionsdisziplin ausgesetzt, die vielleicht entscheidet, dass man doch erstmal fünf Jahre im Petitionsausschuss verbringt. Zudem hängt die Frage, ob man überhaupt Gesetzgebung mit Aussicht auf Inkrafttreten betreiben kann, schon auch davon ab, ob man Teil einer Koalition sein wird. Alles sehr ernüchternd.

    Tooze schließt mit einem Zitat aus dem Vorsatz des Zauberberg. Dem schließe ich mich an:

    Die hochgradige Verflossenheit unserer Geschichte rührt daher, daß sie vor einer gewissen, Leben und Bewußtsein tief zerklüfteten Wende und Grenze spielt … Sie spielt, oder, um jedes Präsens geflissentlich zu vermeiden, sie spielte und hat gespielt vormals, ehedem, in den alten Tagen, der Welt vor dem großen Kriege, mit dessen Beginn so vieles begann, was zu beginnen wohl kaum schon aufgehört hat.

  • Max Florian Kühlem ist in der SZ ziemlich begeistert davon, was die Künstlerin Meredith Monk an der Folkwang-Universität der Künste in Essen im Rahmen ihrer Pina-Bausch-Gastprofessur mit ihren Studenten anstellt: Monk schafft eine „ausgelassene Stimmung der Veränderung, das Momentum, in dem alles möglich scheint: eine neue Kunst, eine neue Gesellschaft, eine neue Politik – im Zeichen von Liebe und Frieden.“ Mehr hier.

  • Bestsellerlisten

    In der Zeit macht sich Götz Hamann Sorgen:

    „Rechte“ Autoren wie Ulf Poschardt, Pauline Voss und Julian Reichelt besetzen die Bestsellerlisten – wo sie dann in der Regel allerdings die kulturelle Hegemonie der „Linken“ beklagen.

    9punkt – Die Debattenrundschau

    Ich stand neulich auch in einer Buchhandlung vor einem Regal, welches zu mindestens drei Vierteln oben genannte Werke aufwies, um das eine vorhandene Exemplar des Buches von A. Semsrott zu finden.

    Bestsellerlisten seien „als politischer Ideenwettbewerb zu verstehen“, wird Hamann weiter zitiert, und die Linke habe eben keine Ideen. Sehe ich auch so. Ob allerdings die linke, progressive Parteienlandschaft in einem besseren Zustand wäre, gebe es bessere Bücher, ist zweifelhaft, zumal es all die Texte ja schon gibt. Vielleicht müssen wirklich mal die Klassiker modernisiert werden.

  • „Mit Blick auf das noch frühe Planungsstadium der in Rede stehenden Abschnitte kann noch keine Auskunft in Bezug auf Realisierungsbeginne gegeben werden.“

    Macht doch nichts, wir haben ja Zeit.

    Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage „Jahrhundertprojekt „Radschnellweg 1 – Warum geht es zwischen Bochum und Dortmund nicht voran?“

    Update: Aufmerksamkeit verdient auch der Umstand, dass es das von Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) geführte Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr ist, welches hier antwortete.

    Fediverse-Reaktionen