Was Inside CDU für mich in schockierendster Weise offenlegt, ist die völlig enthemmte Sprache hinsichtlich der vermeintlichen Krise, in der sich die Bundesrepublik befinden soll. Am deutlichsten wird das in den Szenen, in denen Linnemann seinen Podcast Einfach mal machen vor Publikum und mit Gästen aufnimmt und am Ende Entrüstung darüber herrscht, dass gar nicht über Politik und die Lage gesprochen worden sei, obwohl doch die Geduld am Ende sei und irgendwer auch auf die Barrikaden zu gehen drohe.
Aber auch unter sich und vor den Kameras beten die Parteifunktionäre mantrahaft herunter, wie schlecht die Lage sei und dass das Land am Boden liegt und so weiter und so fort, dass es nicht zu ertragen ist, weil ja auch völlig fernab der Realität. Sicher gibt es eine Krise, so wie es schon früher Krisen gegeben hat. Es war aber stets das unwahrscheinlichste aller Szenarien, dass es einfach beschaulich für immer so weitergeht mit zwei oder drei Prozent Wachstum pro Jahr und Exportweltmeister und Billiggas aus Russland und der Sohnemann schafft beim Daimer und so weiter. Und von den echten Krisen wie dem Klimawandel reden wir da gar nicht.
Zu gerne möchte man den Anzugträgern von der CDU, deren Parteichef Millionär ist, oder den Camp David-Rentnern, die beim Linnemann in der Paderborner Mehrzweckhalle sitzen, zurufen, dass sich sich vielleicht doch mal ein wenig zusammenreißen und etwas mehr Durchhaltevermögen an den Tag legen könnten.
Es ist mit Händen greifbar, wie sich hier eine Stimmung längst verselbstständigt hat und jeder noch ein Grad mehr Schärfe in die Sprache bringen muss, wie sich hier eine Lust am Niedergang breitgemacht hat, vielleicht auch gerade damit man so enthemmt sprechen kann, denn hinter der Geduld, die am Ende sein soll, steckt ja eine unausgesprochene Drohung.