Kurzmitteilungen

  • Mangel behoben (einstweilen)

    Vorher / nachher:

    Am Sonntag den Mängelmelder genutzt und bereits Montag Vollzug festgestellt. Wie nachhaltig das ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Dieser Gehweg wird wegen der auf der Straße parkenden Fahrzeuge regelmäßig befahren und dadurch zunehmend beeinträchtigt. Meines Erachtens liegt die vorgeschriebene Restbreite freier Straße von mindestens 3,05 Meter neben den parkenden Fahrzeugen nicht vor, ich lege mich dort aber auch nicht mit einem Zollstock hin.

  • Radikaler Linksliberalismus

    Robert Misiks Plädoyer für einen radikalen Linksliberalismus in den „Blättern“ März 2026 holt mich auf fast unangenehme Art gut ab, fasst der Autor die Kritik an den zwei Polen, zwischen denen ich schwanke, Linksliberalismus und „Linkspopulismus“, Moderation und Radikalität, doch exzellent zusammen.

    Vor allem der laue, gemäßigte, vernünftige Linksliberalismus, man könnte auch sagen „die Ampel“, wird gut getroffen: seine Kapitulation vor den Realitäten, die Erstarrung im Status quo, die Ideenlosigkeit.

    Ich würde meine derzeitige Positionierung zwar nicht als linkspopulistisch bezeichnen, erkenne die Kritik aber wieder, etwa den Hang zur Vereindeutigung der Welt, den ich in den zahllosen Ismen erkenne, die sich alle gegenseitig bewirken sollen. Schlimmer noch ist die regressive Linke, die Anträge gefühlt nur noch zum Zweck des anschließenden Insta-Reels beschließt.

    Misik weiter:

    Der Königsweg wäre so etwas wie ein »radikaler Linksliberalismus«, wenn es denn so etwas gäbe.

    Und das ist in der Tat die Frage: Gibt es so etwas? Wie sähe das aus? Sicher nicht wie eine „Ampel plus“, schon alleine, weil ein radikaler Linksliberalismus, wie ich ihn verstehe, nicht durch Parteien vertreten werden könnte, die Repräsentanten in Parlamente schicken. Repräsentation ist Teil des Problems, vielleicht sogar der Kern. Wie ich gerne sage, sollte man in der Begriffskopplung „repräsentative Demokratie“ (oder besser: „demokratische Repräsentation“) einfach weniger Repräsentation wagen. Gewissermaßen echte Bürgerräte (ohne Zufallselement).


    Titelbild: Beaumont Machine for Digging Tunnels in Soft Rock,1867. Aus Grands Tunnels et Railways Metropolitains , Les Nouvelles Conquêtes de la Science

    Fediverse-Reaktionen
  • Gelesen: Manon Garcia – Mit Männern leben

    Überlegungen zum Pelicot-Prozess stellt die Philosophin Garcia in diesem Reportageessay an. Ein nachdenklicher, kenntnisreicher und subjektiver Text, der dem Altbekannten wenig Neues hinzufügt, aber das muss er auch nicht. Die Scham muss die Seite wechseln.

  • Gelesen: Dirk Baecker –  ̶D̶̶i̶̶g̶̶i̶̶t̶̶a̶̶l̶̶i̶̶s̶̶i̶̶e̶̶r̶̶u̶̶n̶̶g̶

    Als ich vor ein paar Jahren von Berufs wegen mit dem Nonsens-Thema Industrie 4.0 befasst war, bot Dirk Baeckers Band 4.0 oder Die Lücke die der Rechner lässt einen willkommenen Ausblick über den Hype hinaus. Baecker denkt und schreibt Gesellschaft und ihre Evolution auf originelle Art systemtheoretisch, schwer zugänglich, aber so, dass stets einige gute Ideen hängen bleiben.

    Digitalisierung lese ich als konzeptionelle Fortentwicklung vieler Ideen aus 4.0: die Frage, welche Begriffe dabei helfen, zu verstehen, wie sich die Gesellschaft auf ihre Digitalisierung einlässt. Künstliche Intelligenz scheint dabei eine weitere, notwendige Stufe der Digitalisierung der Gesellschaft zu sein:

    Nicht mehr der Turing-Test, sondern ein Durkheim-Test ist das Maß aller Dinge. [..] die Fähigkeit der Maschine, sich kooperativ in soziale Systeme der Interaktion auch mit Menschen einzufinden.

    Nichts veranschaulicht das derzeit so gut, wie das Marketing von Anthropic und des Sprachmodells Claude: der Arbeitsplatz, als überschaubar komplexes Interaktionssystem mit vorhersagbaren Rollenmodellen.

  • Verlinkt: Jenseits der Gleichstellung

    Wir sollten mit dem Herumdoktern an den Symptomen aufhören und uns der Krankheit selbst zuwenden: der gegenseitigen Unverträglichkeit von Parlamentarismus und weiblicher Freiheit.

    Jenseits der Gleichstellung von Antje Schrupp, erschienen in der aktuellen Ausgabe der „Blätter“ …, die mich ja mit ihrer glühenden Verehrung der Repräsentation mitunter auch anstrengen. Umso wohltuender fundierte Repräsentationskritik, wie sie kaum jemand besser beherrscht als Schrupp; allenfalls die zitierte Simone Weil, die, so Antje Schrupp, „1943 in einem Plädoyer für die Abschaffung der politischen Parteien argumentiert[e]“.

    Und was könnte schöner sein?

  • Dionysos, Laios, Ödipus, Iokaste und Antigone

    Ich könnte direkt wieder von vorn anfangen. Wie ich im Social Network of Choice schrieb:

    Der Theatermarathon des Schauspielhauses Hamburg hat bereits jetzt das beste Theatererlebnis meines bisherigen Lebens bereitet. Wirklich fantastisch.

    Anthropolis

  • Wikipedia zum Doonscrollen | Mediendemokratie

    Funktioniert und macht Spaß: https://xikipedia.org/

     Post by @rebane2001@infosec.exchange   View on Mastodon     

    Johannes Hillje plädiert in den aktuellen „Blättern“ für eine wehrhafte Mediendemokratie:

    Das Konzept der »wehrhaften Demokratie« steht angesichts des Aufstiegs der AfD im Zentrum politischer Debatten. Aber rechtliche Instrumente genügen zur Verteidigung der Demokratie nicht. Daneben muss sich die Gesellschaft auch im medialen Raum, der zunehmend von digitalen Plattformen geprägt ist, zur Wehr setzen. Johannes Hillje plädiert deshalb für eine selbstbewusste Verteidigung der Demokratie durch die Medien. Eine freie Presse dürfe in der Frage »Demokratie oder Autokratie?« nicht neutral sein.

    Ich halte es stets für interessant, wenn Großbegriffe wie Demokratie, Medien, Journalismus (nicht im Teaser, aber im weiteren Text) und sogar Presse so in Wechselwirkung gebracht werden, dass ein kaum instruktiver Text entsteht. So erweckt der Autor den Eindruck, als halte er Journalismus für die einzige oder die dominierende Praxis in den Medien. Will er wiederum alle Journalist:Innen appellativ ansprechen oder für sie sprechen, schreibt er verallgemeinernd von den Medien.

    Ausgelassen wird dabei die ökonomische Logik, in der sich (vorwiegend) Redaktionsorganisationen zueinander in Konkurrenz befinden, was den Anreiz stärkt, auszuscheren und sich des Appells zu verweigern, was ja in vielfältiger Weise geschieht.

    Kein Beitrag zu Medien und Demokratie darf ohne das Zauberwort Medienkompetenz enden – eine Eigenschaft, die stets nur als Mangel formuliert wird:

    All das wird aber nur wirken, wenn auch die Informationskompetenz der Bevölkerung gestärkt wird. Grundvoraussetzung einer wehrhaften Mediendemokratie ist schließlich ein medienkompetenter Souverän.

    In diesem Sinne wird all das nie wirken. Immerhin erinnerte mich der Text an Demokratiedämmerung von Veith Selk, der daran erinnerte, „dass einem großen Teil der Bevölkerung aufgrund von schwacher Literalität und funktionalem Analphabetismus eine im Sinne der Demokratie umfassende politische Beteiligung strukturell versperrt ist„.

    Im Ergebnis – und das ist ein Befund, der Auseinandersetzung lohnt …

    [..] wird es zunehmend unplausibel, die westlichen politischen Regime noch als Demokratien zu beschreiben.


    Titelbild: Section of the Ripley Scroll, ca. 1600. Aus: Wellcome MS 692

  • Vom Schlaf und vom Lesen

    Der typische Effekt, wenn ich den Wecker ausstelle, weil es mal ein paar Tage nicht so entscheidend ist, wann ich aufstehe, ist, dass ich irgendwann wach werde, befürchte, dass es schon sechs Uhr ist, sehe, dass es tatsächlich vier Uhr ist, finde, dass es sich nicht lohnt, überhaupt zu versuchen, noch einmal einzuschlafen, und also früher als jemals aufstehe.

    Nun schätze ich das frühe Aufstehen durchaus. Im Sommer. Davon sind wir aber noch ein paar Wochen entfernt. Und dann stresst umso mehr das hektische Wohnungdurchlüften, ehe es heiß wird.

    Immerhin blieb mir das stetige Unausgeschlafensein erspart, was solche Manöver sonst oft nach sich ziehen. Ich komme mit wenig Schlaf wirklich nicht sehr gut zurecht.

    Den rund einhundertseitigen Essay Reflexionen über die Ursachen der Freiheit und sozialen Unterdrückung von Simone Weil hatte ich bis gestern schon gut zur Hälfte gelesen, bis ich gewahr wurde, wie fundamental gut er ist, und entschied, ihn noch einmal von vorn zu beginnen, dann aber richtig.

    Dieses Richtiglesen ist eine Sache, die ich mir stets vornehme, ohne genau zu wissen, was sie umfasst. Sicherlich Notizen und Mitschriften, Anstreichungen, wenn mir das Buch gehört, was bei diesem nicht zutrifft, grundsätzlich das Gefühl, Text und Gedankengang wirklich erfasst und verstanden zu haben, und bestenfalls für eigene Texte verarbeiten zu können, ohne zu wissen, was für Texte das eigentlich sein sollten.

    Hundert Seiten konzentriert zu lesen, sollte eigentlich möglich sein. Vielleicht im Rahmen unseres verlängerten Wochenendes in Hamburg; wobei wir auch dort ja nicht nichts vorhaben, sondern fünf Theateraufführungen binnen dreier Tage. Die erste werde, wie das SchauSpielHaus Hamburg gerade per E-Mail informierte, zwei Stunden und fünfzig Minuten einschließlich Pause dauern. Das ist durchaus schon eine Dauer, die mich ein wenig einschüchtert.


    Titelbild: In a Deep Sleep. Jean de Bosschère, 1921. Aus: Weird Islands

  • Gelesen: Anthropolis von Roland Schimmelpfennig

    Eine Woche, bevor wir den fünf Aufführungen binnen drei Tagen am Deutschen Schauspielhaus Hamburg beiwohnen, habe ich mir die Stoffe zu Gemüte geführt. Der ANTHROPOLIS-Marathon wird sicher eben dies – ein Marathon, aber ich freue mich: griechische Dramen in Reinform.

  • Gelesen: „Die Moskau Connection“ von Reinhard Bingener und Markus Wehner

    Wenn man noch Letztrespekt vor der SPD hatte, so wird er einem mit diesem Buch endgültig ausgetrieben. Peinlich, wie Schröder sich von Putin hat einlullen lassen (Kosakenchor, Schlittenfahrt). Unerträglich, wie Schröder, Steinmeier und Gabriel, um nur die wichtigsten zu nennen, die fortwährende Brutalisierung Russlands bis 2022 relativiert haben.

    Merkel wird zumindest ein anderer Stil bei weitgehend gleichem Kurs attestiert, aber in CDU und CSU sah es auch nur geringfügig anders aus. Die SPD hat sich allerdings aufgrund ihres Brandt/Bahr-Mythos besonders in die Irre geführt.

    Wenn man sich dann vorstellt, welche Fehler heute gerade begangen werden, ähnlich wie damals bei Schröder praktisch im Licht der Öffentlichkeit, wird einem durchaus unwohl.