Kurzmitteilungen

  • WordPress ins Fediverse – ein Update

    Ich teste nach einigen Monaten mal wieder das Friends-Plug-in für WordPress, welches es mir ermöglicht, meinen Blog nicht nur zum Sender von Updates und Beiträgen ins Fediverse zu ertüchtigen, sondern damit auch zu empfangen, also Accounts zu folgen. So würde ich es zumindest in eigenen Worten schildern.

    Bei früheren Versuchen habe ich das Plug-in nicht zur Funktionstüchtigkeit bewegen können. Das scheint jetzt anders: Ich sehe jüngere Beiträge gefolgter Accounts, kann die Timeline manuell aktualisieren und auf Beiträge reagieren.

    Kurios bleibt, dass ich das alles wider Erwarten nicht sehe, wenn ich mich mittels eines weiteren Plug-ins, Enable Mastodon Apps, bei einem Mastodon-Client anmelde, aktuell https://pinafore.social/. Darin sehe ich nur, was ich selbst schreibe, und die sporadischen Reaktionen darauf.

    Seltsam auch, dass das WordPress-Backend einen eigenen Bereich namens „Mastodon-Beiträge“ vorhält. Dort landen Beiträge, die ich im obigen Client verfasse, sie sind von außen aber nicht einsehbar, außer per Direktlink (Beispiel).

    Sicher folgt das alles einer präzisen Logik, die technisch so und nicht anders sein kann. Mir erschließt sie sich nur mühsam. Dennoch bleibt es beachtlich, dass Leute daran arbeiten, diese Dinge immer besser in Funktion zu bringen. Gerne weitermachen!


    Titelbild: Alexander Graham Bell, 1903–9. Public Domain Image Archive

    Fediverse-Reaktionen
  • Was hat Lars Klingbeil in seiner Rede bei der Bertelsmann Stiftung eigentlich gesagt?

    Lars Klingbeil hat in seiner Funktion als Bundesfinanzminister am 25. März 2026 eine Rede bei der Bertelsmann Stiftung in Berlin gehalten. Sie wurde auf der Website des Ministeriums veröffentlicht mit dem üblichen Hinweis, es gelte das gesprochene Wort.

    Die Rede erfährt vor allem in der Presse beachtlichen Zuspruch, so etwa in diesem Kommentar von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio, die unter dem Motto Jetzt muss Tempo her wiederum eine Ruck-Rede des Bundeskanzlers fordert. Auch der Koalitionspartner CDU lobt den Vorstoß, die CSU hingegen nicht – pikant! So erkennt Henkel prompt Söder als den maßgeblichen Bremser – als sei schon irgendwer losgefahren.

    Was Klingbeil eigentlich gesagt hat, lässt sich abseits von sinnfreien Appellen und unbelegbaren Befunden wie dem, dass Deutschland unter Stillstand leide, nur mühsam ergründen. Nun wird niemand ernsthaft erwarten, dass ich die Rede lese – da sei Gott vor.

    Aber Claude eine flotte Zusammenfassung erstellen zu lassen, halte ich in diesem Fall für legitim; wahrscheinlich hat es die Rede auch geschrieben. Dafür genügt Sonnet 4.6 mit dem schlanken Prompt welche konkreten politischen Vorhaben nennt Lars Klingbeil in dieser Rede? Hier der Output für die Wiedervorlage in – sagen wir – zwölf Monaten:

    Arbeitsmarkt & Steuern

    • Abschaffung des Ehegattensplittings für zukünftige Ehen
    • Prüfung der Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern in der GKV
    • Reform der Einkommensteuer zur Entlastung von 95 % der Beschäftigten (jeweils einige hundert Euro im Jahr)
    • Reform der Transferentzugsraten, damit sich Mehrarbeit finanziell lohnt
    • Verlängerte Befristungsmöglichkeiten für Unternehmen mit Tarifvertrag und Betriebsratszustimmung
    • Aktivrente: steuerliche Anreize für Weiterarbeit nach Renteneintritt
    • Stärkere Orientierung der Rente an Beitragsjahren statt Renteneintrittsalter
    • Beschleunigte Berufsanerkennung und Arbeitserlaubnis nach drei Monaten für Asylbewerber

    Investitionen & Wirtschaft

    • 500 Mrd. Euro Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz (bereits beschlossen)
    • Bonus-Malus-System für schnelle und wirksame Mittelverwendung (ans Haus angewiesen)
    • Zusammenlegung von Förderprogrammen, Ausrichtung auf Spitzencluster (KI, Climate Tech, Life Sciences)
    • Weiterentwicklung des Deutschlandfonds zu einem „Resilienzfonds“ für Rohstoffe und Energiewende
    • E6-Format mit Frankreich für beschleunigten EU-Kapitalmarkt
    • Verpflichtende kapitalgedeckte Betriebsrente

    Energie & Preise (im Kontext des Iran-Kriegs)

    • Abschöpfung von Übergewinnen der Energiekonzerne
    • Verbindliche Preisgrenzen für Energie
    • Rückgabe abgeschöpfter Gewinne an Bürger (Mobilitätskosten, befristete Senkung der Energiesteuer)

    Wohnen

    • Gründung einer staatlichen Wohnungsbaugesellschaft des Bundes
    • Absenkung von Baustandards
    • Stärkeres Mietrecht und Mietpreisbegrenzung

    Steuergerechtigkeit

    • Reform der Erbschaftsteuer (Einnahmen zweckgebunden für Bildung)
    • Digitalsteuer auf Plattformgewinne (Einnahmen für Medienvielfalt und Journalismus)
    • Aktionsplan gegen Steuerbetrug

    Standort- und Industriepolitik

    • Gezielte Zölle zum Schutz heimischer Unternehmen
    • „Buy European“- und Local-Content-Vorgaben in strategischen Bereichen
    • Schärfung des Investitionsschutzes bei Auslandsübernahmen
    • Joint-Venture-Pflicht für ausländische Unternehmen in Bereichen mit technologischem Rückstand

    Titelbild: Truth, ca. 18th century. [Old juvenile woodcuts], University of California Special Collections

    Fediverse-Reaktionen
  • Mangel behoben (einstweilen)

    Vorher / nachher:

    Am Sonntag den Mängelmelder genutzt und bereits Montag Vollzug festgestellt. Wie nachhaltig das ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Dieser Gehweg wird wegen der auf der Straße parkenden Fahrzeuge regelmäßig befahren und dadurch zunehmend beeinträchtigt. Meines Erachtens liegt die vorgeschriebene Restbreite freier Straße von mindestens 3,05 Meter neben den parkenden Fahrzeugen nicht vor, ich lege mich dort aber auch nicht mit einem Zollstock hin.

  • Radikaler Linksliberalismus

    Robert Misiks Plädoyer für einen radikalen Linksliberalismus in den „Blättern“ März 2026 holt mich auf fast unangenehme Art gut ab, fasst der Autor die Kritik an den zwei Polen, zwischen denen ich schwanke, Linksliberalismus und „Linkspopulismus“, Moderation und Radikalität, doch exzellent zusammen.

    Vor allem der laue, gemäßigte, vernünftige Linksliberalismus, man könnte auch sagen „die Ampel“, wird gut getroffen: seine Kapitulation vor den Realitäten, die Erstarrung im Status quo, die Ideenlosigkeit.

    Ich würde meine derzeitige Positionierung zwar nicht als linkspopulistisch bezeichnen, erkenne die Kritik aber wieder, etwa den Hang zur Vereindeutigung der Welt, den ich in den zahllosen Ismen erkenne, die sich alle gegenseitig bewirken sollen. Schlimmer noch ist die regressive Linke, die Anträge gefühlt nur noch zum Zweck des anschließenden Insta-Reels beschließt.

    Misik weiter:

    Der Königsweg wäre so etwas wie ein »radikaler Linksliberalismus«, wenn es denn so etwas gäbe.

    Und das ist in der Tat die Frage: Gibt es so etwas? Wie sähe das aus? Sicher nicht wie eine „Ampel plus“, schon alleine, weil ein radikaler Linksliberalismus, wie ich ihn verstehe, nicht durch Parteien vertreten werden könnte, die Repräsentanten in Parlamente schicken. Repräsentation ist Teil des Problems, vielleicht sogar der Kern. Wie ich gerne sage, sollte man in der Begriffskopplung „repräsentative Demokratie“ (oder besser: „demokratische Repräsentation“) einfach weniger Repräsentation wagen. Gewissermaßen echte Bürgerräte (ohne Zufallselement).


    Titelbild: Beaumont Machine for Digging Tunnels in Soft Rock,1867. Aus Grands Tunnels et Railways Metropolitains , Les Nouvelles Conquêtes de la Science

  • Gelesen: Manon Garcia – Mit Männern leben

    Überlegungen zum Pelicot-Prozess stellt die Philosophin Garcia in diesem Reportageessay an. Ein nachdenklicher, kenntnisreicher und subjektiver Text, der dem Altbekannten wenig Neues hinzufügt, aber das muss er auch nicht. Die Scham muss die Seite wechseln.

  • Gelesen: Dirk Baecker –  ̶D̶̶i̶̶g̶̶i̶̶t̶̶a̶̶l̶̶i̶̶s̶̶i̶̶e̶̶r̶̶u̶̶n̶̶g̶

    Als ich vor ein paar Jahren von Berufs wegen mit dem Nonsens-Thema Industrie 4.0 befasst war, bot Dirk Baeckers Band 4.0 oder Die Lücke die der Rechner lässt einen willkommenen Ausblick über den Hype hinaus. Baecker denkt und schreibt Gesellschaft und ihre Evolution auf originelle Art systemtheoretisch, schwer zugänglich, aber so, dass stets einige gute Ideen hängen bleiben.

    Digitalisierung lese ich als konzeptionelle Fortentwicklung vieler Ideen aus 4.0: die Frage, welche Begriffe dabei helfen, zu verstehen, wie sich die Gesellschaft auf ihre Digitalisierung einlässt. Künstliche Intelligenz scheint dabei eine weitere, notwendige Stufe der Digitalisierung der Gesellschaft zu sein:

    Nicht mehr der Turing-Test, sondern ein Durkheim-Test ist das Maß aller Dinge. [..] die Fähigkeit der Maschine, sich kooperativ in soziale Systeme der Interaktion auch mit Menschen einzufinden.

    Nichts veranschaulicht das derzeit so gut, wie das Marketing von Anthropic und des Sprachmodells Claude: der Arbeitsplatz, als überschaubar komplexes Interaktionssystem mit vorhersagbaren Rollenmodellen.

  • Verlinkt: Jenseits der Gleichstellung

    Wir sollten mit dem Herumdoktern an den Symptomen aufhören und uns der Krankheit selbst zuwenden: der gegenseitigen Unverträglichkeit von Parlamentarismus und weiblicher Freiheit.

    Jenseits der Gleichstellung von Antje Schrupp, erschienen in der aktuellen Ausgabe der „Blätter“ …, die mich ja mit ihrer glühenden Verehrung der Repräsentation mitunter auch anstrengen. Umso wohltuender fundierte Repräsentationskritik, wie sie kaum jemand besser beherrscht als Schrupp; allenfalls die zitierte Simone Weil, die, so Antje Schrupp, „1943 in einem Plädoyer für die Abschaffung der politischen Parteien argumentiert[e]“.

    Und was könnte schöner sein?

  • Dionysos, Laios, Ödipus, Iokaste und Antigone

    Ich könnte direkt wieder von vorn anfangen. Wie ich im Social Network of Choice schrieb:

    Der Theatermarathon des Schauspielhauses Hamburg hat bereits jetzt das beste Theatererlebnis meines bisherigen Lebens bereitet. Wirklich fantastisch.

    Anthropolis

  • Wikipedia zum Doonscrollen | Mediendemokratie

    Funktioniert und macht Spaß: https://xikipedia.org/

     Post by @rebane2001@infosec.exchange   View on Mastodon     

    Johannes Hillje plädiert in den aktuellen „Blättern“ für eine wehrhafte Mediendemokratie:

    Das Konzept der »wehrhaften Demokratie« steht angesichts des Aufstiegs der AfD im Zentrum politischer Debatten. Aber rechtliche Instrumente genügen zur Verteidigung der Demokratie nicht. Daneben muss sich die Gesellschaft auch im medialen Raum, der zunehmend von digitalen Plattformen geprägt ist, zur Wehr setzen. Johannes Hillje plädiert deshalb für eine selbstbewusste Verteidigung der Demokratie durch die Medien. Eine freie Presse dürfe in der Frage »Demokratie oder Autokratie?« nicht neutral sein.

    Ich halte es stets für interessant, wenn Großbegriffe wie Demokratie, Medien, Journalismus (nicht im Teaser, aber im weiteren Text) und sogar Presse so in Wechselwirkung gebracht werden, dass ein kaum instruktiver Text entsteht. So erweckt der Autor den Eindruck, als halte er Journalismus für die einzige oder die dominierende Praxis in den Medien. Will er wiederum alle Journalist:Innen appellativ ansprechen oder für sie sprechen, schreibt er verallgemeinernd von den Medien.

    Ausgelassen wird dabei die ökonomische Logik, in der sich (vorwiegend) Redaktionsorganisationen zueinander in Konkurrenz befinden, was den Anreiz stärkt, auszuscheren und sich des Appells zu verweigern, was ja in vielfältiger Weise geschieht.

    Kein Beitrag zu Medien und Demokratie darf ohne das Zauberwort Medienkompetenz enden – eine Eigenschaft, die stets nur als Mangel formuliert wird:

    All das wird aber nur wirken, wenn auch die Informationskompetenz der Bevölkerung gestärkt wird. Grundvoraussetzung einer wehrhaften Mediendemokratie ist schließlich ein medienkompetenter Souverän.

    In diesem Sinne wird all das nie wirken. Immerhin erinnerte mich der Text an Demokratiedämmerung von Veith Selk, der daran erinnerte, „dass einem großen Teil der Bevölkerung aufgrund von schwacher Literalität und funktionalem Analphabetismus eine im Sinne der Demokratie umfassende politische Beteiligung strukturell versperrt ist„.

    Im Ergebnis – und das ist ein Befund, der Auseinandersetzung lohnt …

    [..] wird es zunehmend unplausibel, die westlichen politischen Regime noch als Demokratien zu beschreiben.


    Titelbild: Section of the Ripley Scroll, ca. 1600. Aus: Wellcome MS 692

  • Vom Schlaf und vom Lesen

    Der typische Effekt, wenn ich den Wecker ausstelle, weil es mal ein paar Tage nicht so entscheidend ist, wann ich aufstehe, ist, dass ich irgendwann wach werde, befürchte, dass es schon sechs Uhr ist, sehe, dass es tatsächlich vier Uhr ist, finde, dass es sich nicht lohnt, überhaupt zu versuchen, noch einmal einzuschlafen, und also früher als jemals aufstehe.

    Nun schätze ich das frühe Aufstehen durchaus. Im Sommer. Davon sind wir aber noch ein paar Wochen entfernt. Und dann stresst umso mehr das hektische Wohnungdurchlüften, ehe es heiß wird.

    Immerhin blieb mir das stetige Unausgeschlafensein erspart, was solche Manöver sonst oft nach sich ziehen. Ich komme mit wenig Schlaf wirklich nicht sehr gut zurecht.

    Den rund einhundertseitigen Essay Reflexionen über die Ursachen der Freiheit und sozialen Unterdrückung von Simone Weil hatte ich bis gestern schon gut zur Hälfte gelesen, bis ich gewahr wurde, wie fundamental gut er ist, und entschied, ihn noch einmal von vorn zu beginnen, dann aber richtig.

    Dieses Richtiglesen ist eine Sache, die ich mir stets vornehme, ohne genau zu wissen, was sie umfasst. Sicherlich Notizen und Mitschriften, Anstreichungen, wenn mir das Buch gehört, was bei diesem nicht zutrifft, grundsätzlich das Gefühl, Text und Gedankengang wirklich erfasst und verstanden zu haben, und bestenfalls für eigene Texte verarbeiten zu können, ohne zu wissen, was für Texte das eigentlich sein sollten.

    Hundert Seiten konzentriert zu lesen, sollte eigentlich möglich sein. Vielleicht im Rahmen unseres verlängerten Wochenendes in Hamburg; wobei wir auch dort ja nicht nichts vorhaben, sondern fünf Theateraufführungen binnen dreier Tage. Die erste werde, wie das SchauSpielHaus Hamburg gerade per E-Mail informierte, zwei Stunden und fünfzig Minuten einschließlich Pause dauern. Das ist durchaus schon eine Dauer, die mich ein wenig einschüchtert.


    Titelbild: In a Deep Sleep. Jean de Bosschère, 1921. Aus: Weird Islands