Am 4. November 1991 – vor fünfunddreißig Jahren – erschien „Loveless“ von My Bloody Valentine

Am 4. November 1991 – vor fünfunddreißig Jahren – erschien „Loveless“ von My Bloody Valentine

Die 26. Anne Frank Kulturwochen starten:
ein buntes Novemberangebot erwarten die Gäste im Gerther Kulturrat. Die 26. Anne Frank Kulturwochen bieten mit unterschiedlichen Livekonzerten, intimen Lesungen und Theateraufführung wieder für jeden Geschmack etwas Besonderes. Gleich zu Beginn ein sehr ungewöhnliches Konzert mit Klavier, Sopranstimme und verschiedenen Klangkörpern…
Just lernte ich, dass es eine Luhmann-Tagung 2026 in Dubrovnik gab, von der Gunnar Sohn gar nicht mal so sehr berichtet, sondern direkt anhand eines dort referieten Textes in medias res geht: Das Ich im Antwortautomaten: Luhmann und die generative KI nach der Tagung in Dubrovnik.
Bücher enthalten bereits formulierte Sätze. Ein Sprachmodell erzeugt auf eine konkrete Eingabe hin neue Vorschläge aus statistisch erlernten Zusammenhängen.
Der Text ist sehr dicht, ausführlich und lesenswert und ich bin ein bißchen ratlos, warum mir sein Blog bislang zwar bekannt war, ich es (es heißt schließlich das Blog) aber erst jetzt bewusst wahrnehme.
Natürlich mache ich meine vollständige Podcastabstinenz und meine voranschreitende Social Media-Entsagung dafür verantwortlich, wegen der ich nämlich erstens mehr schreibe (nicht nur, aber überwiegend in dieses Blog), dadurch mehr Freude habe und womöglich auch mehr Blogs wahrnehme. Der Vorsatz, weniger zu lesen, geht durchaus in eine ähnliche Richtung.
Passend dazu schrieb ich vor zwei Jahren, dass ich „vor fast zehn Jahren“ Niklas Luhmanns Zettelkasten in der Bielefelder Kunsthalle bewunderte. Die Bilder datieren auf den 19. Juli 2015:

Und als schönes Kontrastprogramm dieser Rückblick auf das Buch „RIOT GRRRL REVISITED“, inzwischen in dritter Auflage erschienen:
Einen der berüchtigtsten Punkrock-Momente aller Zeiten bescherte Donita Sparks ihren Fans beim Reading Festival 1992. Die L7-Sängerin fühlte sich vom Publikum derart gegängelt, dass sie kurzerhand ihren benutzten Tampon auf der Bühne entfernte und ins Publikum warf.
So sehr ich ein Verfahren zur Prüfung eines Verbots der „Alternative für Deutschland“ durch das Bundesverfassungsgericht befürworte, weil das Instrument nun einmal zur Verfügung steht und es nicht tragbar wäre, es nicht zur Anwendung gebracht zu haben, so sehr interessieren mich auch die Argumente derjenigen, die es zumindest kritisch sehen.
Zu ihnen zählt offenbar Steffen Mau, der sich im Rahmen des 70. Jubiläums der »Blätter« am 3. Oktober auf einem Podium mit Tamara Tischendorf und Oliver Nachtwey zurückhaltend äußerte, ohne es grundsätzlich abzulehnen.
Neben den bekanntermaßen hohen Hürden bei langer Verfahrensdauer verwies Mau auf den fehlenden Rückhalt in der Bevölkerung, die ein Verbot mehrheitlich und weit über die AfD-Wählerschaft hinaus ablehne. Auch bezweifelte er die Durchsetzbarkeit, wenn eine Partei mit über 40 Prozent aus den Parlamenten entfernt und ihre Strukturen aufgelöst werden müssten.
Diese Gefahr einer schweren Legitimationskrise teilt auch Nachtwey, der aber mit dem Beispiel Weimar dagegenhält: Dort sei über ein NSDAP-Verbot so lange nur geredet worden, bis es nicht mehr durchsetzbar war.
Gangbare Wege seien Mau zufolge der Entzug des passiven Wahlrechts bei Personen aus verfassungsfeindlichen Netzwerken. Außerdem sollte die staatliche Parteienfinanzierung für Parteien bzw. Landesverbände entfallen, die gerichtsfest als verfassungsfeindlich eingestuft sind.
Keine Punkte, bei denen ich mich endgültig überzeugen lasse und sage „Dann doch nicht“, aber bedenkenswert. Allerdings halte ich es vor diesem Hintergrund nach wie vor für fraglich, ob es überhaupt zu einem Verbotsverfahren der Gesamtpartei kommt.
Diese Woche tagen in Bochum acht Gremien. Drei davon sind Etatsitzungen: Die Ausschüsse für Kultur und für Sport beraten ihre Haushaltsansätze für 2027 vor, der Betriebsausschuss die für die Schulgebäude. Die Bezirksvertretungen geben in ihren Anhörungen ihre Stellungnahmen zum Haushaltsentwurf ab. Alle Sitzungen sind öffentlich, die Tagesordnungen stehen verlinkt.
Ausschuss für Kultur und Tourismus (Etat), 14:00 Uhr. Haushaltsansätze 2027 für Stadtbücherei, Musikschule, Museum, Stadtarchiv und den übrigen Kulturbereich, dazu die Anschubfinanzierung für einen Betreiber der Markthalle im Haus des Wissens und ein Antrag zur Aufarbeitung der Kunst im öffentlichen Raum. Tagesordnung
Bezirksvertretung Bochum-Nord, 15:30 Uhr. Anhörung zum Haushalt 2027 mit einem Änderungsantrag von SPD und CDU, außerdem Anträge zu den Harpener Teichen, zu den Grummer Teichen und zu einer Arbeitsgruppe „Gerthe-Mitte“. Tagesordnung
Bezirksvertretung Bochum-Südwest, 14:00 Uhr. Anhörung zum Haushalt 2027, vier Anregungen zum selben Flächentausch an der Weitmarer-Holz-Straße und der Beschluss, dass ein Teil der Nevelstraße keine Fahrradstraße wird. Tagesordnung
Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschuss, 15:00 Uhr. Drei überplanmäßige Ausgaben (Bürgerservice, Soziales, Jugendamt), die neue Parkgebührenordnung, der Neubau des Feuerwehrhauses Langendreer und der Bericht über das Zins- und Schuldenmanagement 2025. Tagesordnung
Bezirksvertretung Bochum-Ost, 16:00 Uhr. Anhörung zum Haushalt 2027 mit einem Änderungsantrag von SPD und Grünen, Stellungnahmen zu Feuerwehrhaus, Parkgebühren und E-Scootern sowie fünf neue Anfragen, darunter zum Geh- und Radweg an der Höfestraße, dessen Sanierung seit fast fünf Jahren beschlossen ist. Tagesordnung
Beirat „Leben im Alter“, 14:00 Uhr. Konstituierende Sitzung: Wahl des Vorsitzes, Entsendung in die Fachausschüsse und die Vorstellung der neuen Leitung des Amtes für Soziales. Tagesordnung
Betriebsausschuss für die Eigenbetriebe, 15:00 Uhr. Haushaltsansätze 2027 für die schulischen Gebäude und der Bericht zum Bauprojektcontrolling für das zweite Quartal. Tagesordnung
Ausschuss für Sport, Bewegung und Freizeit (Etat), 14:00 Uhr. Haushaltsansätze 2027 der Sportförderung, ein Kunstrasenspielfeld an der Feenstraße in Riemke, der Sachstand der Sportstättenbedarfsplanung und die Schließzeiten des Sportparks Lohrheide. Tagesordnung

Bochum liest ein Buch – und ich habe es aus Versehen an einem Vormittag weggelesen. Das war so eigentlich nicht gedacht, spricht aber zweifelsfrei für „Hawaii“ von Cihan Acar. Ich empfehle es und die Stadt fängt mit ihren Aktivitäten auch erst noch an, dem Veranstaltungsplan zufolge nämlich am 4. November. Es können sich also alle getrost mehr Zeit nehmen als ich:
Gemeinsam lesen, diskutieren und nachdenken: Das ermöglicht „Eine Stadt liest ein Buch“ erstmals auch in Bochum. Ein Leseerlebnis, das die ganze Stadt zusammenbringt – egal ob in Buchclubs, Cafés, der Volkshochschule, Stadtbüchereien, Literaturkreisen oder online.
Bochum liest ein Buch

Schon vor einer Weile habe ich mit mir selbst vereinbart, dass ich Bücher, die ich gerne lesen möchte, einfach beschaffe, ohne mir über Geld oder Platz im Regal Gedanken zu machen. Wobei Beschaffen auch die Stadtbücherei oder Unibibliothek umfassen kann, ebenso wie Booklooker oder antiquariat.de.
Den Regelfall stellt aber der Kauf dar, mal in der Buchhandlung, mal beim Verlag, oft auch als ebook beim großen A. Das heißt auch, dass Lesen bei mir viel Zeit in Anspruch nimmt und oft hadere ich damit, schließlich ist auch Lesen eine – vermeintlich edlere – Form der Weltflucht:
Später werde ich wissen, daß Viel-Lesen ein Narkotikum ist, mit dem man die Kanäle verstopft, aus denen die eigenen Gedanken kommen sollten.
Der Laden von Erwin Strittmatter
Das notierte ich schon am 1. Januar 2023. Daher treffe ich hiermit den Vorsatz, mir bis Jahresende einen „Handapparat“ unbedingt erneut lesewürdiger Bücher auf Grundlage der hier verbloggten Werke anzulegen und diesen im nächsten Jahr einfach erneut zu lesen (oder es zu lassen). Es werden keine weiteren Bücher erworben. Entleihbare Bücher werden in der Bücherei mit Blick auf die jeweils relevante Frage quergelesen, aber nicht entliehen.
Ein Luxusproblem? Ja, so wie das ehrenamtliche Publizieren an sich.
Titelbild: Albert Robida: „The Automatic Library“, 1894. Illustration zu Octave Uzannes „The End of Books“, Scribner’s Magazine. Gemeinfrei, via Public Domain Image Archive.
Es freute mich, in Daniela Strigls Nachwort zu lesen, dass Marlen Haushofer eine Schwäche für utopische Romane und Science Fiction-Kolportage hatte. Schließlich ist auch die titelgebende Wand ein Science Fiction-Motiv, das jedoch, kaum, dass es in die Handlung eintritt, diese in radikalsten Realismus umschlagen lässt: das Wetter, die Jahreszeiten, die Nahrungsmittelversorgung, die Tiere. Vor allem die Tiere, die ohne jede Disneyfizierung zu echten Figuren der Erzählung werden.
Wie es Haushofer gelingt, die Gleichförmigkeit ohne Monotonie zu erzählen – geradezu als Spannung ohne Spannung -, das beeindruckt auch erzählökonomisch. Wusste sie von Beginn an, wie die Geschichte enden müsste? Ich glaube, ja. Umso mehr erstaunt, wie – und wie wenig – sie die Erzählung darauf hinauslaufen lässt.
Auch aus Strigls Nachwort:
Bemerkenswert ist auch die besondere Aufmerksamkeit, die das Kultbuch anlässlich seines 60. Geburtstags in französischen Medien erhielt: Die Bloggerin Maureen Wingrove alias Diglee hatte Die Wand 2019 in einer Wühlkiste entdeckt und eine begeisterte Empfehlung publiziert – das Buch war im Nu vergriffen, die Neuauflage ein Bestseller und Haushofer als literarische Größe in Frankreich durchgesetzt.
Cate Blanchett ist natürlich grandios, so wie dieser Film auch zu weiten Teilen hervorragend inszeniert ist. Aber: Hochkultur und Kunst als Ort neoliberalen Wettbewerbs, intriganter Machtspiele und erbarmungsloser Leistungsschau habe ich nach Filmen wie Whiplash oder auch Black Swan ein bißchen über.
Es wirkt fast, als solle bloß niemand auf die Idee kommen, künstlerisches Schaffen könne auch abseits von Wertschöpfung stattfinden. Was sie im Fall der Filmindustrie ja tatsächlich kaum tut.
Mal ein Sprachmodell eine Liste von Filmen, in denen Kunst Spaß macht, kompilieren lassen:
Kunst im Alltag, ohne Verwertungsabsicht
- Paterson (Jim Jarmusch, 2016): Ein Busfahrer schreibt Gedichte in ein Notizbuch, ohne jeden Gedanken an Veröffentlichung. Fast schon das Gegenprogramm zu Tár.
- Maudie (Aisling Walsh, 2016): Die Malerin Maud Lewis malt in ihrer winzigen Hütte in Nova Scotia einfach weiter, weil es sie glücklich macht.
- Herb & Dorothy (Megumi Sasaki, 2008, Doku): Ein Postangestellter und eine Bibliothekarin sammeln jahrzehntelang Konzeptkunst vom kleinen Gehalt, aus reiner Begeisterung, und verkaufen nie etwas.
Dilettantismus als Glück
- Ed Wood (Tim Burton, 1994): Der „schlechteste Regisseur aller Zeiten“ und seine Truppe, voller Liebe zum Filmemachen.
- Abgedreht / Be Kind Rewind (Michel Gondry, 2008): Videothekenangestellte drehen Hollywoodfilme mit Pappe nach, am Ende macht das ganze Viertel einen Film zusammen.
- Son of Rambow (Garth Jennings, 2007): Zwei Jungs drehen ihren eigenen Actionfilm mit Camcorder.
- Waiting for Guffman (Christopher Guest, 1996): Kleinstadt-Laientheater probt ein Musical zum Stadtjubiläum. Mockumentary, sehr warmherzig.
Gemeinsam Musik und Bühne machen
- Sing Street (John Carney, 2016): Dublin 1985, Schüler gründen eine Band, weil es das Leben erträglicher macht.
- Buena Vista Social Club (Wim Wenders, 1999): Alte kubanische Musiker spielen, weil sie es lieben.
- Rhythm Is It! (2004, Doku): Berliner Schulkinder tanzen mit den Philharmonikern Le Sacre du printemps. Hochkultur mal als Ermöglichung statt Auslese.
- Topsy-Turvy (Mike Leigh, 1999): Die Entstehung von Gilbert & Sullivans Mikado, mit viel Liebe zum Handwerk und zum kollektiven Probenprozess.
Kunst als Prozess und Begegnung
- Visages Villages (Agnès Varda & JR, 2017): Eine alte Filmemacherin und ein junger Fotograf fahren durch Frankreich und kleben riesige Porträts von Dorfbewohnern an Wände.
- Rivers and Tides (Thomas Riedelsheimer, 2001): Andy Goldsworthy baut Land Art aus Eis, Blättern und Steinen, die die Natur wieder verschluckt. Konsequenter lässt sich Kunst abseits von Wertschöpfung kaum zeigen.
- Le Mystère Picasso (Henri-Georges Clouzot, 1956): Man schaut Picasso einfach beim Malen zu, Bild um Bild, verwirft, übermalt, spielt.
Klingt verlockend:
Da die Zeitungen dazu schweigen, ist es ausgerechnet dem katholischen Filmdienst vorbehalten, ausführlich auf die Wiederaufführung von Ken Russells aufwändig restauriertem und erstmals ungeschnitten gezeigtem kleruskritischem Klassiker „The Devils“ von 1970 hinzuweisen. Der Film hat eine geradezu legendäre Zensurgeschichte und sorgte damals für Skandale bis in höchste Reihen der katholischen Kirche.
Die Filmdienst-Besprechung, gefunden beim Perlentaucher.
Es gibt sie noch, die richtig guten Plattenbesprechungen: Hier macht Lennart Brauwers nicht nur auf das jüngste Album der Fontaines D.C., „Dopamine Chamber“ gekonnt Appetit, sondern auch auf deren Gesamtwerk. Das Interview mit Bilderbuch die ich wegen ihres etwas betulich anmutenden Namens immer ignoriert habe, sträflich, wie sich herausstellt, ist ebenfalls sehr gut.

Eins meiner größeren Probleme beim Bloggen: Ich vergesse, was ich geschrieben habe und was ich daran anknüpfend eigentlich noch schreiben wollte.
Das liegt auch daran, dass ich Kategorien und Schlagworte eher lax und wenn, dann pflichtschuldig vergebe: Die sinnfreien Fallback-Kategorien Allgemein und Uncategorized haben 109 bzw. 483 Beiträge. Das müsste mindestens zum Teil auch einer der diversen Umzüge und Artikelimports von sonstwo geschuldet sein. Ich habe aber auch verschwindend wenig Lust, mich hier um die „Bürokratie“ zu kümmern – das mache ich schon bei der Arbeit zur Genüge (und weiß darum eigentlich, dass es sich lohnt); hier möchte ich reibungsarm losschreiben und niederschwellig veröffentlichen.
Ein wenig habe ich mich nun aber doch wieder gekümmert, und Einstiegsseiten zu den Themen Gelesenes, Bewegtbild und Musik angelegt; das legt noch nicht die Themen der eher essayistischen Beiträge offen, aber ein Anfang ist gemacht.
Titelbild: Alphonse Bertillon: Synoptic Table of Physiognomic Traits: Eyes, ca. 1909. The Metropolitan Museum of Art, gemeinfrei (CC0), via Public Domain Review.