Wolf Witte

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Politik der Öffentlichkeit zuführen | Komplexität abschichten | Ambient, Drone & Noise

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Kurz notiert

  • Per Änderungsantrag fordern SPD, Grüne und CDU die Verwaltung auf, die Angelegenheit neu zu prüfen.

    60 Parkplätze weniger: Stadt Bochum soll Planung für Straßenumbau neu prüfen

  • „Ich finde die Stadtbild-Debatte grundsätzlich nicht verkehrt. Falsch wird sie, wenn man sagt: Das liegt allein an der Migration. Man kann nicht über diese Probleme sprechen, ohne auch über Wohnungsnot, Armut, neuartige Drogen und Obdachlosigkeit zu sprechen. Die soziale Schere geht auseinander.“

    Navid Kermani: „Langsam müssten auch wir wissen, was auf dem Spiel steht“

  • Zuvor hatte unter anderem Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig die CDU scharf attackiert. „Mein Mitgefühl gilt Bärbel Bas“, schrieb die SPD-Landeschefin am Morgen auf der Plattform X.

    Dachte, bei „X“ seien nur Nazis.

  • Die bepflanzten Holzboxen mit Sitzmöglichkeiten sind Geschichte – und machen wieder Platz für Autos.

    Pflanzkübel blockierten Parkplätze in Bochumer Stadtteilzentrum – jetzt sind sie weg

  • Heute habe ich AntennaPod vom Smartphone gelöscht, nachdem ich ein Backup der Bibliothek erzeugt habe (so viel Vorsicht muss sein). Podcasts zu hören nahm einfach zu viel Zeit in Anspruch, ohne für mich hinreichend Sinn zu stiften.

    Das gilt insbesondere für die diversen polit-journalistischen Formate, die ich gerne hörte. Das Wissen darum, was Merz, Klingbeil, Reiche und dergleichen wem gesagt haben, wer wann was wusste und nicht angerufen hat etc. hat für mich als Bürger dieses Gemeinwesens nüchtern betrachtet nicht den geringsten Wert jenseits von Unterhaltung und dem Gefühl, gut informiert zu sein (ohne es zu sein).

    Natürlich gab es noch viele andere Formate, die ich gerne hörte und vielleicht baue ich mir beizeiten auch einfach eine neue Liste an Podcasts auf, die ich in Zukunft hören werde. Einstweilen möchte ich es aber einfach mal ganz ohne probieren.

  • Veröffentlicht ist die Öffentliche Bekanntmachung des Entwurfs der Haushaltssatzung für das Haushaltsjahr 2027 im Amtsblatt 41/2026 vom 12. Oktober 2026, auf den Seiten 1285 bis 1292 (ab Seite 10 der PDF-Datei). Die Seiten wurden als Bild eingescannt, daher greifen Suchen unter Umständen nicht. Zur Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger heißt es abschließend:

    Gegen den Entwurf können Einwohner oder Abgabepflichtige vom 12.10.2026 an innerhalb einer Frist von vierzehn Tagen Einwendungen erheben. Die Einwendungen sind in Textform an die Stadt Bochum – Amt für Finanzsteuerung, 44777 Bochum (oder Finanzsteuerung@bochum.de) zu richten, bzw. können mündlich bei der vorgenannten Stelle zu Protokoll gegeben werden. Über die Einwendungen beschließt der Rat in öffentlicher Sitzung.

  • Unter anderem wird der Pilotbetrieb von KI-Werkzeugen wie MAKI (Massenverfahrensassistenz mithilfe von KI), EMIL (Erkenntnismittelassistent), ALeKS (Anonymisierungs- und  Leitsatzerstellungs-Kit zur smarten Veröffentlichung von Gerichtsentscheidungen) und GSJ (Generatives Sprachmodell der Justiz), welche die Anwenderinnen und Anwender unterstützen sollen, vorbereitet.

    Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage 8735 vom 10. September 2026 KI-generierte Schriftsätze und steigende Eilverfahren – Wie stark sind die Sozialgerichte
    in Nordrhein-Westfalen belastet? (PDF)

  • Fontane selbst beschrieb die Handlung ironisch:

    „Zum Schluß stirbt ein Alter und zwei Junge heiraten sich; – das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht.“

    So ist es und ich würde lügen, behauptete ich, dass die Lektüre sich nicht eher zäh gestaltete, oder – positiv gewendet – nicht beim Einschlafen half. Ich würde gerne besser verstehen, warum zu jener Zeit – vor ja lediglich vier Generationen – so geschrieben und gelesen wurde.

    Das Gewicht des Romans liege nicht auf der Handlung, sondern auf den vielfältigen Dialogen, die die gesellschaftliche Wirklichkeit zur Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert offenbaren, heißt es in der Wikipedia. Das finde ich schlüssig: Der Widerstreit zwischen dem Konservativen und dem Progressiven (hier der Sozialdemokratie) ist sicher ein roter (pun intended) Faden des Romans.

  • Wie Deutschland aus der Wirtschaftskrise findet – und wie nicht, verspricht der Untertitel dieses Bandes, das seinem Autor zur Zeit erfreuliche Reichweite in der Publizistik zwischen Podcasts und Zeitungen einbringt. Der Ökonom schließt an eine eindrückliche und sehr aktuelle Analyse der Wirtschaftspolitik von Ampel und Merz I sein Programm einer geplanten Marktwirtschaft an.

    Das ließt sich alles schlüssig, kenntnisreich und durchdacht. Mein Unbehagen schöpft sich – ähnlich wie bei Isabella Webers antifaschistischer Wirtschaftspolitik1 – aus dem Eindruck, dass wieder ein Policyvorschlag eines Autoren oder einer Autorin durch das System der Massenmedien geschleust wird, ohne spürbaren Impact in der Politik der Gesellschaft haben zu werden, so wie schon viele vor ihm.

    Wenn Tom Krebs politische Scheindebatten und sogar eine „Politiksimulation“ (S. 301) beklagt, dann beleuchtet er ein Problem, welches ja nicht nur der aktuellen Regierung anzulasten ist, sondern struktureller Art ist. Nun ist es als Ökonom nicht seine Aufgabe, aber die Politikwissenschaft scheint dazu auch nicht imstande zu sein und das fängt schon bei der Problembeschreibung an. Ich würde sie mit zwei Worten einleiten: demokratische Repräsentation.


    1) Vielleicht tue ich Weber damit sogar Unrecht, bei deren Buchvorstellung in Berlin höherrangige Vertreter:Innen von SPD, den Grünen und der Linkspartei vertreten gewesen sein sollen. Es scheint das Buch der Stunde für den linksliberalen Flügel zu sein, ähnlich wie „The Tyranny of Merit“ von Michael J. Sandel Olaf Scholz‘ „Respekt“-Wahlkampf beeinflusst haben soll.

  • Vielleicht die Königsdisiplin des Sartori-Kriteriums: Wie verausgabt mein Gemeinwesen sein Budget? Plan für dieses Wochenende: Den Bochumer Haushalt verstehen. Bonuspunkte für eine sinnvolle Darstellung / ein Dossier.

  • Audionaut is a free, open-source multitrack audio editor that Claude and other AI agents can control via MCP.

  • Alben? Kein Problem, aber auf neun Filme komm‘ ich nicht (via)

  • In so far as it hampers the British war effort, British pacifism is on the side of the Nazis, and German pacifism, if it exists, is on the side of Britain and the U.S.S.R.

    No, Not One

  • I think this weekly commentary is only likely to be of value if I can make it from an anti-fascist rather than imperialist standpoint and avoid mention of subjects on which I could not conscientiously agree with current Government policy.

    A memo about using the name George Orwell on-air 15.10.42

  • Andy Burnham hat in seiner (erstaunlich wenig beachteten?) Rede auf dem Labour-Parteitag bemerkenswerte Dinge gesagt. Mit einem Jahrzehnt Erfahrung an der Spitze von Greater Manchester ist der Machtverlust der Kommunen ein Teil dessen, was seit den 1980ern verloren ging. Das will er rückgängig machen:

    „So, for the first time, we will have a national energy plan and we will bring back local democratic control through a stronger role for mayors and local leaders.“

    „Mayors will have new powers to hold water companies to account, with tougher consequences for those which repeatedly fail.“

    Bezogen auf leerstehende Wohnungen:

    „We will give councils the power to take control of them and bring them back into the public housing stock.“

    Als Anspruch an seine Amtszeit formuliert er:

    „Driving power out of Whitehall and into every postcode of Wales, Scotland, Northern Ireland and England and closing divides between people and places.“

    Whitehall ist eine Straße in London, an der sich zahlreiche Regierungsgebäude befinden. Natürlich will er die Zentralregierung nicht auflösen, aber wohl doch die Gewichte umverteilen.

    Hierzulande sparen derweil die Kommunen für Rheinmetall, um es mal stark zu überspitzen.

  • Die Deutsche Kinemathek hat ihr kostenfreies Streamingangebot um eine weitere Auswahl an Filmen aktualisiert. Unter dem Motto Risky Business werden unter anderem gezeigt

    • Invisible – Illegal in Europa von Andreas Voigt
    • Ein Blick – und die Liebe bricht aus von Jutta Brückner
    • Der Versuch zu leben von Johann Feindt
    • Das höchste Gut einer Frau ist ihr Schweigen von Gertrud Pinkus

    Das Leben ist voller Risiken. Die Filmgeschichte auch. Neun Filme aus unserem Archiv ergänzen das Thema »Risky Business« des Filmerbe-Festivals Film Restored. Sie zeigen riskante Autofahrten, Glücksritter*innen und Spieler*innen, gefährliche Liebe sowie den persönlichen Einsatz von Menschen, die Widerständen trotzen.

  • Gerade staunend gelernt: Die CDU hat eine Theoriezeitschrift namens »Die politische Meinung«. Markus Linden zitiert in den Blättern aus Hans-Joachim Veens Beitrag Beziehungskrise zum »Normalbürger. Wie die Volksparteien revitalisiert werden können aus dem Jahr 2018:

    Veen plädierte […] für stärkere »Impulse von unten nach oben« sowie für ein angepasstes, Zukunftsthemen wie KI stärker umfassendes »Design der Parteivereinigungen«. Vom Wert der »Orts- und Kreisebene« ist dabei die Rede und bereits vom Erfordernis eines stärkeren Fokus auf »Normalbürger«. Veen warnte zugleich – ganz antitotalitäre Schule – vor den Gefahren verschiedener »Formen von ›plebiszitärem Cäsarismus‹«. Stattdessen käme es auf differenzierte und vielfaltsoffene Organisation an.

  • Ich habe eine eigentümliche Schwäche für Tanzszenen in Filmen, beispielsweise in Bande à part oder Climax. Deshalb wurde ich prompt hellhörig, als Margaret Qualley bei ihren Closet Picks aus der Criterion Collection als erstes den mir völlig unbekannten Film Beau Travail (Der Fremdenlegionär) von Claire Denis empfahl, und zwar insbesondere wegen einer abschließenden Tanzszene.

    Der Film ist aber auch völlig unabhängig davon großartig; ein einzigartiger Blick auf Männlichkeit durch das Schema des Soldatischen. Tom van der Linden bespricht den Film auf seinem Youtube-Kanal Like Stories of Old, ich empfehle aber, bei Interesse zuvor den Film zu sehen. Erinnert wurde ich daran, wieder und vor allem mehr belle hooks zu lesen:

  • Endlich auch ‚Beau Travail‘ gesehen.

  • Ich bin jetzt auch wieder bei Instagram, um ein wenig vom anhebenden Landtagswahlkampf mitzubekommen. Selbstverständlich unterhält niemand aus dem Kreis der Bochumer Kandidatinnen und Kandidaten ein auffindbares Profil im Fediverse. Wäre ja auch Unsinn: Weitgehend unreflektiert bleibt schließlich, dass die Linkspartei Berlin digital vollkommen unsouverän, nämlich auf Instagram und Tiktok gewonnen haben dürfte. Ferat Koçak soll seine Verlautbarungen sogar auf „X“ verbreitet haben. Schlimm. Aber morgen ist ja erster Sonntag im Monat, da dürfen sie dann auch „auf die gute Seite wechseln„. Passend dazu:

    Fritz B. Simon lenkt immer wieder den Blick darauf, dass Moralismus eine Machtstrategie ist: Jede öffentlich ausgetragene „Moralismus-Olympiade“, ob es nun um die Forderung nach dem Ausschluss Israels vom ESC gehe oder um die Frage, ob man noch Müllermilch trinken dürfe, sei ein Kampf um politischen Einfluss jenseits von Parteipolitik.

    Nina Apin in der taz über den Essay „Moralisieren: Waffe im Kulturkampf“ von Fritz B. Simon, der (interessant!) dabei Luhmanns Systemtheorie zur Anwendung bringe, so Apin.

    Ebenfalls in der taz (und dort im großem „literataz“-Teil) bespricht Hanno Rehlinger Philip Manows „Spaltungs­-linien – Europas Parteien­systeme und die De­konsolidierung des Nationalstaats“, das ich mit großem Interesse gelesen habe:

    Dieses Paradigma diene, so Manow, vor allem der „bürgerlichen Linken“, die „faktisch-praktisch einverstanden mit den spätkapitalistischen Verhältnissen scheint, die sie so grundlegend zu kritisieren glaubt“.

    Nicht einverstanden ist Tom Krebs, dessen Buch Kapital und Krise ich gerade lese (nach wohlwollender Besprechung im Salon der Neuen Zwanziger). Ob er sich mit dem Zitat „Die Gewerkschaften müssen mehr Marx wagen“ einen Gefallen tut, bleibt abzuwarten. Viel mehr nerven mich jedoch Sätze wie „Auch die Ampel hat wirtschaftspolitische Fehler gemacht“, weil sie der Rahmung des Richtigmachens zuspricht, die wiederum ein politisches Verständnis ausdrückt, welches nicht das meine ist. Keine Regierung wird keine Fehler machen.


    Titelbild: Frederick Burr Opper: „The Fin de Siècle Newspaper Proprietor“, in: Puck, Bd. 35, Nr. 887 (1894). Quelle: Public Domain Image Archive. Gemeinfrei.

  • Auch in Mecklenburg-Vorpommern hätte man Politik besser erklären müssen, so geäußert im DLF-Magazin. Wann hat eigentlich je jemand gesagt, dass man das jetzt aber richtig gut erklärt hat? Das Verstehensgefälle zwischen der Politik der Gesellschaft und ihrer Umwelt lässt sich nicht nivellieren.

  • Gestern schrieb ich an der Fauna, während dieser seltsame Film über Giraffen lief:

    Die Verrichtung der Arbeit versetzt die Fauna in Stillschweigen. Nicht lediglich Schweigen: Stillschweigen. Schweigen findet unter Anwesenden statt, die gemeinsam mit- und füreinander schweigen. Stillschweigen findet im Geheimen und Verborgenen statt. Es wird gewahrt. Bei jedem Verstoß droht Entdeckung.

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