Kategorie: Bücher

  • Gregor Maurach – Seneca, Leben und Werk

    Entliehen aus der Stadtbücherei Bochum. Eine umfassende Einführung in die nur lückenhaft bekannte Biografie eines der großen Stoiker der Antike. Den größten Teil widmet Maurach aber Philosophie und Texten Senecas – natürlich auch jenen, die man nicht kennt, wenn man sich vorwiegend für die stoischen Schriften interessiert und schon deshalb lohnenswert.

    Nicht immer leicht lesbar aufgrund der zahllosen in den Fließtext eingeklammerten Anmerkungen und Verweise, aber locker genug geschrieben, um die rund 240 Seiten schnell wegzulesen.

  • China Miéville: Der Weber

    Die Fortsetzung von Die Falter – und nicht ganz so gut. Der Weber konzentriert stärker auf wenige Protagonisten, liefert weniger Perspektiven auf die Stadt New Crobuzon und ihre Welt und lässt ausnahmslos alle Personen moralisch äußerst fragwürdige Entscheidungen treffen – was sie wissen und worunter sie leiden, körperlich wie seelisch – letztlich mündet alles in eine große Katastrophe.

    Moral und Recht sind dann auch die Grundfragen, die die Geschichte sich am Schluss plötzlich zu verhandeln entscheidet. Das wirkt etwas arg angeflanscht und ist vermutlich der Hauptgrund, weshalb Miéville seit jeher im Ruf steht, ein politischer Fantastik-Autor zu sein.

    Nichtsdestotrotz ist diese Geschichte die beste, die ich von ihm kenne. Völlig unbekümmert greift er sämtliche Punk-Varianten (ob Cyber, Steam oder Diesel) auf, verwirkt sie mit Magie und erschafft mit New Crobuzon eine lebendige und faszinierende Megalopolis.

  • China Miéville: Die Falter

    Der erste von zwei Bänden von Miévilles Geschichte aus der Fantasy-Metropole New Crobuzon und ein weiteres Buch nach Hyperion/Endymion, das ich seit über zehn Jahren nicht mehr gelesen habe – von dem mir aber überraschend viele Szenen und Schilderungen im Gedächtnis geblieben sind. Es ist einfach bis heute sehr gut (und sehr gut übersetzt). Den Nachfolgeband Der Weber gibts hier verbloggt.

  • Dan Simmons – Endymion

    Die Fortsetzung von Hyperion und mit 1.300 Seiten erneut ein ziemlicher Brocken. Während Hyperion bei der letzten Lektüre ziemlich gelitten hat, war Endymion so, wie ich es in Erinnerung hatte: Ein nahezu perfekter Abenteuer-Roman im Science Fiction-Gewand. Simmons schreibt hier einfach spannend und das macht auch beim erneuter Lektüre noch Spaß. Die katholische Kirche inklusive Papst, Kardinälen, Schweizer Garde und allem ornamentalen Beiwerk zu einem interstellaren Imperium auszubauen – natürlich als Antagonist – klingt wahnsinnig, funktioniert aber ausgezeichnet. Kapitel aus dieser Perspektive waren mir oft die liebsten; etwa so unterhaltsam wie Vader und der Imperator in Star Wars.

  • Frank Stauss: Höllenritt Wahlkampf

    Frank Stauss ist ist ein gewiefter Wahlkämpfer der Agentur Butter, der zahlreiche Wahlkämpfe für die SPD geführt hat. In Höllenritt Wahlkampf schildert er einige der eindrucksvollsten Kampagnen seiner Karriere.

    Interessant war das vor allem bei den Wahlen, die ich als Sozialdemokrat und Wahlkämpfer mehr oder weniger aktiv miterlebt habe. Etwa die vorgezogenen Neuwahlen von 2005, bei denen ich, wenige Monate zuvor noch Praktikant in der Kreisgeschäftsstelle, im Wahlkampfteam des örtlichen Bundestagsabgeordneten mitgearbeitet habe.

    Oder die Berliner Abgeordnetenhauswahl von 2011, in der ich so intensiv wie nie zuvor und danach nie wieder, den Kandidaten unterstützt habe.

    Oder die desaströse Wahl von 2009, in der ich hauptamtlicher Mitarbeiter in der Parteizentrale – dem Willy Brandt Haus – war.

    Stauss kann von Berufs wegen sehr gut schreiben, schildert Wahlkämpfe so spannend, wie sie mindestens für die Mitwirkenden sind und liefert viele Einblicke in Kampagne, Planung, KandidatInnen und Themensetzung.

    Am eindrucksvollsten fand ich das abschließende Kapitel, das er dem aufkeimenden Populismus widmet. Seine Analyse ist – wiederum seiner Profession geschuldet – messerscharf. Seine Schlussfolgerungen können heute zwar als bekannt vorausgesetzt werden, aber er schreibt sie so prägnant nieder, wie ich sie selten vorfinde. Ein Kapitel, welches man im Grunde monatlich immer wieder lesen sollte.

  • Bücher 2018

    Anstatt mich auf externe Dienste wie Goodreads zu verlassen, habe ich 2018 erstmals einigermaßen konsequent alle gelesenen Bücher verbloggt und mit den Kategorien Bücher/2018 versehen.

    So kann ich hier auch viel Aufwand die Liste aller in 2018 gelesenen Bücher hinzaubern (nämlich mittels des feinen Category Posts Widget von WordPress), die folgt am Schluss.

    Highlights des vergangenen Lesejahres waren zweifellos Die Hauptstadt von Robert Menasse (der nun allerdings gerade damit von sich reden macht, einen nicht unwichtigen Teil des Romans, den er auch schon in anderen, nicht-literarischen Kontexten verbreitet hat, erfunden zu haben) sowie Unterleuten von Juli Zeh. Beides Leihgaben der geschätzten Kollegin bk.

    Im von mir geschätzten Science Fiction-Genre hat mich Tom Hillenbrands Hologrammatica positiv überrascht, Walkaway von Cory Doctorow musste hohen Erwartungen genügen, was ihm gelang.

    Mehr als in früheren Jahren (und daran will ich 2019 verstärkt anknüpfen), habe ich Bücher einfach mal nochmal gelesen. Das war besonders erfreulich bei allem von Ursula Le Guin (The Left Hand of Darkness, The Dispossessed), bei Banks‘ Consider Phlebas und bei Orwells 1984 (allerdings erstmals auf englisch gelesen). Hyperion hat allerdings etwas gelitten.

    Was politische Literatur betrifft, haben mich weder die Interviewreihe Anarchismus hoch 2 noch Mouffes linker Populismus nennenswert begeistert. Einzig Arendts Bändchen Die Freiheit, frei zu sein war inspirierend, ohne sich sprachlich unnötig selbst zu verkomplizieren. In diesem Jahr will ich endlich mehr Arendt lesen.

  • Gelesen: Dirk Baecker – 4.0 oder Die Lücke die der Rechner lässt

    Dirk Baecker aktualisiert seine Thesen zur nächsten Gesellschaft in der zugänglichsten Form, die mir bislang untergekommen ist. Über 26 Thesen hinweg untersucht Baecker verschiedene Einrichtungen und Formen der Gesellschaft, über ihre Strukturform (das Netzwerk), ihre Kulturform (die Komplexität), diverse Funktionssysteme wie Politik und Wirtschaft bis hin zu eher speziellen Formen wie dem Sport, der Gesundheit und dem Witz.

    Dabei werden stets die vier großen Medienepochen der Sprache (in der Stammesgesellschaft), der Schrift (in der Antike), des Buchdrucks (moderne Gesellschaft) und der digitalen Medien (die nächste Gesellschaft) miteinander verglichen. Hier von einer soziologischen Vogelperspektive zu sprechen, ist schon fast eine Untertreibung. Orbital wäre angemessener.

    Baecker lässt aber keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass es sich um Thesen handelt. Auch als Leser denkt man durchweg ‚Könnte sein, muss aber nicht‘. Der zugrundelegende Gedanke, dass Netzwerke zunehmend Funktionssysteme als gesellschaftsprägende Strukturen ablösen, hat aber seinen Reiz. Erst heute kam mir der Gedanke, wie ungewöhnlich zum Beispiel der Wiedereintritt von Friedrich Merz in die höchste Ebene der Politik nach einem Jahrzehnt ist. Gut erklärbar ist er hingegen durch die Stabilität von Netzwerken wie dem des „Andenpakts“ und persönlicher Beziehungen zu Personen wie Schäuble, Oettinger etc.

  • Gelesen: Classic Science Fiction Stories


    Kurzgeschichten sind das ideale Format des science fiction-Genres, das ist eine Binse.

    Zugleich hing immer dem Klischee an, scifi altere schlecht. Dafür sprechen Werke wie Asimovs Foundation, Stranger in a Strange Land, oder The Moon is a harsh Mistress, die mir alle nicht zusagten, auch weil sie so altbacken wirken.

    Diese Reclam-Ausgabe vereint ein gutes dutzend stories, von denen keine nach 1970 erschienen ist – und sie sind alle gut, viele sogar sehr gut.

    Natürlich spielen viele von ihnen mit Ideen, die damals sicher noch originell sind, es heute aber nicht mehr wären. Aber genau diese Pionier-Stellung ist spürbar und bereitet beim Lesen Freude.

  • Mal lesen: Saul Friedländer

    https://twitter.com/HistoryNed/status/1055900396856770563

  • Gelesen: Anarchismus hoch 2 von Bernd Drücke (Hg.)

    Interviews und Gespräche mit interessanten Protagonistinnen, Publizisten, Aktivistinnen des Anarchismus. Darunter etwa Antje Schrupp, Konstantin Wecker, Gerhard Seyfried. Ein schönes Buch.