Bücher im Jahr 2025

Zuletzt 2021 habe ich offenbar die Bücher des Jahres verbloggt, damals noch mit chicen Sternchenbewertungen. So diszipliniert war ich in diesem Jahr nicht, habe nicht alles verbloggt und werde hier vermutlich einige Titel vergessen haben. Sei es drum.

Die einzige Science Fiction in diesem Jahr – neben der erneuten Lektüre von Peter Watts‘ Blindsight – war Lyneham von Nils Westerboer. Es gefiel mir sehr gut, was für SciFi in Langform inzwischen ungewöhnlich ist.

Sehr gut unterhalten wurde ich von Sally Rooneys Conversations with Friends und Normal People. Gleiches galt für Der Leopard von Giuseppe Tomasi Di Lampedusa. Ich las auch einem plötzlichen Interesse an David Lynch geschuldet ein Buch von ihm über ihn. Auch las ich Dramen von Ibsen: Erst Die Wildente, dann Ein Volksfeind, dann alle übrigen des Bandes.

Einer Empfehlung von Wolfgang M. Schmidt im Podcast Die neuen Zwanziger ist es zu verdanken, dass ich Die Holländerinnen von Dorothee Elmiger mit großem Genuss las. Sicher das erste und letzte Mal, dass ich eine spätere Buchpreisträgerin lesen würde.

Mehr von Judith Hermann lesen wollte ich und begann mit Daheim, woran sich Lettipark anschloss. Sie zählt für mich zu den herausragenden Stimmen in der deutschsprachigen Literatur – direkt hinter Marlen Haushofer, von der ich die Novellen Wir töten Stella und Das fünfte Jahr las, jedoch zu bloggen vergaß. Zu Haushofer gab es eine hörenswerte Lange Nacht beim Deutschlandfunk Kultur.

Im Juni begann ich, veranlasst durch Celine Nguyen, endlich mit Proust: Auf dem Weg zu Swann, Im Schatten junger Mädchenblüte und auch Die Welt der Guermantes las ich in diesem Jahr, letzteren bloggte ich offenbar nicht.

Das Gesamtwerk von Thomas Bernhard erwarb ich in einem ansehnlichen Schuber: Frost, Verstörung und Das Kalkwerk gehörten zum besten, das ich in diesem Jahr las.

ë von Jehona Kicaj eint mit Zwischen Hass und Haltung von Derviş Hızarcı, wie beide Bücher die gesellschaftliche Normalität und Realität von Einwanderung und Migrationsgeschichte erhellen. Große Empfehlungen.

Zu den politische(re)n Büchern des Jahres zählte natürlich Die Abgehobenen von Michael Hartmann, eine fundierte Elitenkritik und zweifelsfrei ein Grundlagenwerk. Für The Persuaders von Anand Giridharadas brauchte ich lange, aber allein wegen des Kapitels über Anat Shenker-Osorio lohnte es sich dann doch. Eine Lektion für alle, die brav das Sprüchlein aufsagen, es sei ja schon viel erreicht worden.

Lutz Niethammers Faschismuserfahrungen im Ruhrgebiet als Ergebnisbericht eines Oral-History-Projekts müsste noch viel mehr Beachtung finden, dafür hatte ich leider keine Zeit. Gleiches gilt für das kürzlich beendete We Slaves of Suriname von Anton de Kom. Takeover von Timothy W. Ryback überwältigte mit Detailwissen. Sinn als Grundbegriff bei Niklas Luhmann von Prof. Dr. Rainer Schützeichel überforderte mich. Agnes Callards Open Socrates bot einige gute Einsichten in das Denken und in die Politik:

Each of us envisions ourselves as a kind of house, and inside that house is a special being—we call it “a mind,” and it has the power to figure out answers to questions.

Simon Reynolds‘ Retromania las ich offenbar in diesem Jahr ohne bleibende Erinnerung. Millenium People von J.G. Ballard fand ich sterbenslangweilig. Careless People von Sarah Wynn-Williams über das Innenleben von Facebook kann man als warnendes Beispiel lesen, so man noch eines braucht. Man kann es aber auch lassen. Arthur Koestlers exzellentes Darkness at Noon ist offenbar einer von nur wenigen Re-reads in diesem Jahr. M Der Sohn des Jahrhunderts begann ich, brach ich aber aus irgendwelchen Gründen ab.


Titelbild: Read Books on Practical Navigation, Jean de Bosschère, 1921. Public Domain Image Archive

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