Wolf Witte

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Politik der Öffentlichkeit zuführen | Komplexität abschichten | Ambient, Drone & Noise

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Gesehen: TÁR von Todd Field

Cate Blanchett ist natürlich grandios, so wie dieser Film auch zu weiten Teilen hervorragend inszeniert ist. Aber: Hochkultur und Kunst als Ort neoliberalen Wettbewerbs, intriganter Machtspiele und erbarmungsloser Leistungsschau habe ich nach Filmen wie Whiplash oder auch Black Swan ein bißchen über.

Es wirkt fast, als solle bloß niemand auf die Idee kommen, künstlerisches Schaffen könne auch abseits von Wertschöpfung stattfinden. Was sie im Fall der Filmindustrie ja tatsächlich kaum tut.

Mal ein Sprachmodell eine Liste von Filmen, in denen Kunst Spaß macht, kompilieren lassen:

Kunst im Alltag, ohne Verwertungsabsicht

  • Paterson (Jim Jarmusch, 2016): Ein Busfahrer schreibt Gedichte in ein Notizbuch, ohne jeden Gedanken an Veröffentlichung. Fast schon das Gegenprogramm zu Tár.
  • Maudie (Aisling Walsh, 2016): Die Malerin Maud Lewis malt in ihrer winzigen Hütte in Nova Scotia einfach weiter, weil es sie glücklich macht.
  • Herb & Dorothy (Megumi Sasaki, 2008, Doku): Ein Postangestellter und eine Bibliothekarin sammeln jahrzehntelang Konzeptkunst vom kleinen Gehalt, aus reiner Begeisterung, und verkaufen nie etwas.

Dilettantismus als Glück

  • Ed Wood (Tim Burton, 1994): Der „schlechteste Regisseur aller Zeiten“ und seine Truppe, voller Liebe zum Filmemachen.
  • Abgedreht / Be Kind Rewind (Michel Gondry, 2008): Videothekenangestellte drehen Hollywoodfilme mit Pappe nach, am Ende macht das ganze Viertel einen Film zusammen.
  • Son of Rambow (Garth Jennings, 2007): Zwei Jungs drehen ihren eigenen Actionfilm mit Camcorder.
  • Waiting for Guffman (Christopher Guest, 1996): Kleinstadt-Laientheater probt ein Musical zum Stadtjubiläum. Mockumentary, sehr warmherzig.

Gemeinsam Musik und Bühne machen

  • Sing Street (John Carney, 2016): Dublin 1985, Schüler gründen eine Band, weil es das Leben erträglicher macht.
  • Buena Vista Social Club (Wim Wenders, 1999): Alte kubanische Musiker spielen, weil sie es lieben.
  • Rhythm Is It! (2004, Doku): Berliner Schulkinder tanzen mit den Philharmonikern Le Sacre du printemps. Hochkultur mal als Ermöglichung statt Auslese.
  • Topsy-Turvy (Mike Leigh, 1999): Die Entstehung von Gilbert & Sullivans Mikado, mit viel Liebe zum Handwerk und zum kollektiven Probenprozess.

Kunst als Prozess und Begegnung

  • Visages Villages (Agnès Varda & JR, 2017): Eine alte Filmemacherin und ein junger Fotograf fahren durch Frankreich und kleben riesige Porträts von Dorfbewohnern an Wände.
  • Rivers and Tides (Thomas Riedelsheimer, 2001): Andy Goldsworthy baut Land Art aus Eis, Blättern und Steinen, die die Natur wieder verschluckt. Konsequenter lässt sich Kunst abseits von Wertschöpfung kaum zeigen.
  • Le Mystère Picasso (Henri-Georges Clouzot, 1956): Man schaut Picasso einfach beim Malen zu, Bild um Bild, verwirft, übermalt, spielt.