• Donnerstag, 14. Juli 2022: Mühsamer Versuch einer Rückkehr zum Alltagsbloggen

    Vor Wochen habe ich bei Startnext ein Projekt zur Gründung eines Kollektivbetriebs für Haushaltshilfe unterstützt. Die haben nun tatsächlich ihre 12.500 € eingeworben, mein (geringer) Anteil eingeschlossen. Das freut mich tatsächlich sehr und ich bin gespannt wie es weitergeht.

    Angegrillt nennt man das wohl. Vier Würstchen und eine halbe Zucchini auf unserem Lotus-Grill auf dem Balkontisch. Schmeckte tatsächlich überraschend gut nach Grill und wenn wir das Ding häufiger in Betrieb nehmen würden, kämen wir vermutlich auch besser damit zurecht. Das ist dann auch der Plan für den weiteren Sommer (wie im letzten Jahr und dem Jahr davor auch schon).

  • Ray Bradbury – Zen in der Kunst des Schreibens

    Ray Bradbury hat schon als Kind tausend Worte pro Tag geschrieben, mit 18 seine ersten Kurzgeschichten verkauft und seitdem jeden Morgen eine Geschichte begonnen zu schreiben – und oft vollendet.

    Und trotzdem ist dieses Buch nicht einschüchternd und erdrückend, sondern auf erstaunliche Weise fröhlich, augenzwinkernd und geprägt von Leichtigkeit.

    Zur Sache geht es dann in dem letzten Kapitel – nach dem diese deutsche Übersetzung benannt ist -, welches Zen tatsächlich mehr spielerisch als ernsthaft aufgreift. „Kreativtechniken“, wie es der Titel erwarten lässt, gibt es in diesem Buch auch, aber nur wenige.

  • Thibault Jehanne – Farol

    Was für ein tolles Konzept:

    This remarkable album takes a collection of sounds gathered approaching the 25 Abril bridge in Lisbon, Portugal. Traffic, wind, the vibrations of the structure—and synthesizes them into a long-form work.

    Field Recordings are Music, Material, and Method

    Natürlich gekauft bei Bandcamp.

  • Eduard von Keyserling – Wellen

    Einfach immer lesen was Herr Buddenbohm empfiehlt, so einfach ist das. Wellen habe ich an einem Sonntagnachmittag weggelesen. Eine sehr schöne Geschichte.

  • Jeff VanderMeer – Annihilation

    Wie angekündigt habe ich Annihilation schon wieder gelesen (vermutlich zum vierten Mal, zuletzt erst im Dezember), Anlass ist die angekündigte Besprechung des Werks im empfehlenswerten Science Fiction-Podcast Sprawl Radio.

    Was mir bei dieser Lektüre auffiel, war der Bezug zum exzessiven, sinnlosen Schreiben. Darauf kam ich, weil ich zur Zeit wieder in so ein Journaling/immer ein Notizbuch dabeihaben-Rabbithole gefallen bin. In Annihilation schreiben immer alle, der Crawler schreibt einen endlosen, alttestamentarischen Sermon auf die TunnelTurmwand, die Notizbücher der Expeditionen vergammeln in mannshohen Haufen, zugleich lesen wir den Report der Biologin. Das passt dann vielleicht auch irgendwie zu dem exzessiven Schreiben Richard Seymours in The Twittering Machine.

  • Daikan

    Heute hatte der Youtube-Algorithmus einen lichten Moment. Nicht nur schickte er mir ein betörendes Standbild aus Schnee und Eis in die Timeline, hinter diesem verbarg sich überdies auch hervorragendes Ambient-Brummen von der Art, wie sie mir besonders gefällt. (bei Discogs für nur knapp unter 40 EUR zu haben. Auf CD. *schnaufend abwink*)

    Zu Daikan weiß die Wikipedia:

    It contains one hour-long track recorded at the 2000 European Media Arts Festival in Osnabrück, Germany.

    Daran überrascht vor allem, dass es in Osnabrück ein Festival gibt (gab?), und dann auch noch dieses.

    Bei dem Standbild handelt es sich um die Fotografie von einer der Grönlandfahrten von Alfred Wegener.

  • Joseph Conrad – Heart of Darkness

    Sagenhaft, wie gut der Film im Verhältnis zum Buch ist und wie gut das Buch eigentlich auch ist, aber wenn Kurtz als Schädel mit einem schwarzen Loch anstelle eines Gesichts auf der Leinwand erscheint, dann ist jegliche weitere Filmgeschichte vollkommen irrelevant. Morgen gucke ich „Heart of Darkness“, eine Dokumentation zu „Apocalypse Now“.

    Und weil ich den Eindruck habe, dass Jeff vanderMeer’s „Annihilation“ vielleicht auch ein ideller Nachfolger von „Apocalypse of Darkness“ sein könnte, werde ich das auch wieder lesen. Habe ich beim ersten Mal ja auch binnen eines Tages geschafft.

  • Kim Stanley Robinson – The Ministry for the Future

    Kim Stanley Robinson beschreibt in The Ministry for the Future, wie die Menschheit mit dem Klimawandel umgeht. Das Buch ist eine Art fiktionale Dokumentation, die zwischen den sporadischen romanhaften Erzählungen der beiden Protagonisten aus Sitzungsprotokollen, Augenzeugenberichten namenloser Ich-Erzähler und Infodumps zu ökonomischen Konzepten und Glaziologie besteht.

    Ehe es besser wird, wird es schlimmer. Und besser nur, wenn dafür harte politische Entscheidungen auf globaler Ebene getroffen werden. Schilderungen, wie die zustande kommen, nehmen großen Raum in dem Buch ein. Das trägt zu seinem immensen Realismus bei, was mir gefallen hat.

    Dann allerdings gab es einen wirklich großartigen Schlusspunkt in der Erzählung, bei dem ich überzeugt war, dass nach dem Umblättern ein langer Anhang oder ähnliches beginnen würde. Allerdings geht die Geschichte danach noch sehr lange weiter und wurde eher ermüdend und zäh.

  • Judith Hermann – Nichts als Gespenster

    Gut, aber nicht so gut wie Sommerhaus, später. Waren die Figuren, Szenen und Geschichten dort so minimal wie möglich gezeichnet, ohne Skizzen zu sein, arbeitet Hermann hier mit vielen breiten Pinselstrichen.

  • Friedhelm Schäffer, Oliver Nickel – Die Lebensgeschichte des Ferdinand Matuszek

    Diese Art von Büchern, die Lebensgeschichten von Zwangsarbeitern wie Ferdinand Matuszek und anderen Opfern des Dritten Reichs festhalten, ist unendlich wichtig.

    Matuszek wurde nach Ostwestfalen (wo ich aufwuchs) verbracht, so dass ich einige der Orte kenne; das war zugegebenermaßen auch der Grund für die Lektüre.

    Das Buch ist aber auch ganz ohne „Lokalkolorit“ eine wichtige und gute Aufarbeitung der Zwangsarbeit in Deutschland, von der es auch in meinem familiären Umfeld oft hieß, sie hätten es ja gut gehabt.