• Bernd Drücke – Anarchismus Hoch 3

    Der dritte Band von Gesprächen des Koordinationsredakteurs der Graswurzelrevolution, Bernd Drücke, mit Protagonistinnen und Protagonisten des Anarchismus.

    Das Vorgänger-Buch Anarchismus Hoch 2 hatte mir glaube ich mehr gegeben. Dieses hier hat ein wenig zu sehr den Charakter der Zweitverwertung von Gesprächen aus der Zeitung.

    Gespenstisch muten aber die Gespräche zur alten Lucke-AfD oder zur damaligen Situation in der Ukraine an; teils hochaktuell, teils wie aus dem letzen Jahrhundert. Das Buch ist von 2016.

  • Rosemary Sutcliff – Galahad

    Die Fortsetzung von Merlin und Artus und ich hatte vollkommen andere Erinnerungen – vor allem atmosphärisch – daran. Stattdessen erneut die kindgerechte Aufarbeitung von dem alten Sagenschmarrn. Immerhin, hinterher bei Wikipedia & Co. den Hintergrund der Gralslegende nachzulesen, ist milde interessant.

  • Walter Benjamin – Zur Kritik der Gewalt

    Harte Kost, die ich sicher noch mindestens ein weiteres Mal hätte lesen müssen, um ein hinreichendes Verständnis zu erreichen. Dafür interessierte mich das Thema dann doch nicht genug. Das Nachwort von Marcuse ordnet die diversen Essays und Themen immerhin gut ein und schnürt sie ein wenig zu einem Gesamtpaket.

  • Klassiker: Frog Eyes – The Golden River (2006)

    Von all den Alben aus der seltsamen Nullerjahre-Kanada-Connection vielleicht noch vor das Beste. Ein entrückter Märchenerzähler inmitten dieses scheppernd krachenden Trios, das seinen Irrsinn Song für Song irgendwie doch immer wieder in diese spezielle verstörend poppige Richtung treibt, ohne ihn dort jemand wirklich einzuhegen. Großartig!

  • Rosemary Sutcliff – Merlin und Artus

    An den dreibändigen Schuber zur Artus-Sage hatte ich gute Erinnerungen – viel bessere sogar als an den Herr der Ringe-Schuber. Gelesen habe ich das ziemlich sicher schon mit zehn, in einem Alter also, als mich die überaus blutigen Rittergeschichten schwer begeistert haben.

    Heute lesen sich die Geschichten ein wenig wie so ein Samstagmorgen-Cartoon: Zu Beginn kommt meist jemand in den Saal der Tafelrunde gestürmt, irgendein Abenteuer entfaltet sich, am Ende entpuppt sich die böse Fee Morgana (starke Gundel Gaukeley-Vibes) als heimliche Strippenzieherin.

    In einer Nachbemerkung geht die Autorin auf die historischen Quellen der Sagen ein; fand ich interessant:

    So geht die erste Geschichte, die von Vortigern und Merlin, von Uther und Igraine und vom leuchtenden Drachen am Himmel erzählt, auf die Geschichte Britanniens von Geoffrey von Monmouth zurück.
    Sir Gawain und der Grüne Ritter basiert auf einer mittel-englischen Dichtung.
    Geraint und Enid geht auf ein altes walisisches Buch zurück, das The Mabinogion heißt.
    Die Quelle von Sir Gawain und die häßliche Dame ist eine mittelalterliche Ballade.
    Der erste Teil von Percivals Abenteuern knüpft an eine andere frühenglische Dichtung an.

    Weiterlesen werde ich sicher, denn an den zweiten Band, Galahad, in dem der heilige Gral gesucht wird, habe ich ganz besonders gute Erinnerungen.

  • zeitfern

    a state of enthralled and transcendent boredom, of the type that Wallace had made it his mission to describe.

    Patricia Lockwood: Where be your jibes now?

    one of my signature talents, then as now, is for never knowing when something is based on Hamlet

    Die Grundüberlegung Adornos ist schnell genannt: Im Äquivalententausch, der in spätkapitalistischen Gesellschaften seine Vollendung findet, wird systematisch das Nichtgleiche wertidentisch gesetzt.

    Jochen Hörisch: Das «nicht», Das Zu Spät Kommt
  • Daniel Loick – Anarchismus zur Einführung

    Ja, was soll ich sagen? Ich kann nicht anders als zu Themen, die mich interessieren, immer mehr und mehr zu lesen. Das ist bei einer politischen Philosophie, die ausgesprochenen Wert auf Praxis legt, ein wenig absurd. Gleichwohl ist das Buch sehr gut, gibt einen breiten Überblick, setzt sich kritisch mit dem Thema auseinander und legt viele mögliche Spuren zum (jaja …) Weiterlesen.

  • Cormac McCarthy – The Road

    Von irgendwoher sprang mich The Road an, ich glaube, es war die Verfilmung auf Mubi. Ich habe den Film aber bereits gesehen und verspürte keinerlei Bedürfnis es noch einmal zu tun. Also das Buch, welches mich sowohl durch seine Schönheit wie durch seinen Schrecken in dem Entschluss bestärkte; die Schönheit in McCarthys Prosa und das absolute Grauen, welches er beschreibt.

  • Klassiker: Guider von Disappears (2011)

    Am schönsten sind Bands, von denen man nicht das geringste weiß, außer, dass sie dieses eine Album gemacht haben. Disappears fallen in die Ära, in der ich noch akribisch Pitchfork gelesen habe, um anschließend den jeweils aktuellen Filesharingdienst zu konsultieren. Vermutlich kommen sie aus New York.

    Auf Guider praktizierten sie die bestmögliche Form von Rockmusik, die gerne als treibend bezeichnet wird; versehen mit stoischem Krautrock-Beat und veredelt durch das exaltierte Shouting, das in seiner Intensität doch eigenartig monoton bleibt. Am schönsten an dieser dreißigminütigen Platte (davon fünfzehn allein der Schlusstrack) ist vielleicht sogar der melodiöse Bass.

  • Jana Costas – Im Minus-Bereich

    Dieses Buch hat Wolfgang M. Schmitt im Salon des Die neuen Zwanziger-Podcasts vorgestellt und mich zum Kauf angeregt.

    Die Autorin und Professorin für Personal, Arbeit und Management Jana Costas hat sich für diese ethnografische Studie einem Reinigungsteam am Potsdamer Platz angeschlossen und schildert die Dramen der Würde, wie sie den grundlegenden sozialen Zusammenhang beschreibt:

    Sie sind so sehr mit ihren je eigenen Dramen der Würde beschäftigt, dass sie es unterlassen, sich zusammenzuschließen, sich über den von ihnen geschaffenen Mehrwert klarzuwerden und mit vereinten Kräften für Anerkennung, höhere Löhne oder bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen.

    Und noch pointierter:

    Reinigungskräfte streben nicht danach, zu so etwas wie einer Klasse an und für sich zu werden – im Gegenteil: Sie arbeiten aktiv dagegen an.

    Also keinesfalls lediglich eine Managementstudie, sondern eine sehr wertschätzende und zugewandte Beschreibung. Unbedingt lesenswert.