Kategorie: Verlinkt

  • Dortmunder Griechen

    Eine spannende Ausstellung sieht SZ-Kritiker Max Florian Kühlem im Hoesch-Museum in Dortmund: Drei Monate tauchten die Fotografen Jürgen Spiler und Thomas Strenge im Jahr 1976 in das Leben der griechischen Gastarbeiter-Community ein. Die Fotos sollten damals ursprünglich bei den Dortmunder „Auslandskulturtagen“ ausgestellt werden, wurden dann aber aus dem Programm genommen, so Kühlem, die Fotos waren dem damaligen Bürgermeister nicht „positiv“ genug.

    Via Perlentaucher

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  • Radikaler Linksliberalismus

    Robert Misiks Plädoyer für einen radikalen Linksliberalismus in den „Blättern“ März 2026 holt mich auf fast unangenehme Art gut ab, fasst der Autor die Kritik an den zwei Polen, zwischen denen ich schwanke, Linksliberalismus und „Linkspopulismus“, Moderation und Radikalität, doch exzellent zusammen.

    Vor allem der laue, gemäßigte, vernünftige Linksliberalismus, man könnte auch sagen „die Ampel“, wird gut getroffen: seine Kapitulation vor den Realitäten, die Erstarrung im Status quo, die Ideenlosigkeit.

    Ich würde meine derzeitige Positionierung zwar nicht als linkspopulistisch bezeichnen, erkenne die Kritik aber wieder, etwa den Hang zur Vereindeutigung der Welt, den ich in den zahllosen Ismen erkenne, die sich alle gegenseitig bewirken sollen. Schlimmer noch ist die regressive Linke, die Anträge gefühlt nur noch zum Zweck des anschließenden Insta-Reels beschließt.

    Misik weiter:

    Der Königsweg wäre so etwas wie ein »radikaler Linksliberalismus«, wenn es denn so etwas gäbe.

    Und das ist in der Tat die Frage: Gibt es so etwas? Wie sähe das aus? Sicher nicht wie eine „Ampel plus“, schon alleine, weil ein radikaler Linksliberalismus, wie ich ihn verstehe, nicht durch Parteien vertreten werden könnte, die Repräsentanten in Parlamente schicken. Repräsentation ist Teil des Problems, vielleicht sogar der Kern. Wie ich gerne sage, sollte man in der Begriffskopplung „repräsentative Demokratie“ (oder besser: „demokratische Repräsentation“) einfach weniger Repräsentation wagen. Gewissermaßen echte Bürgerräte (ohne Zufallselement).


    Titelbild: Beaumont Machine for Digging Tunnels in Soft Rock,1867. Aus Grands Tunnels et Railways Metropolitains , Les Nouvelles Conquêtes de la Science

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  • Verlinkt: Jenseits der Gleichstellung

    Wir sollten mit dem Herumdoktern an den Symptomen aufhören und uns der Krankheit selbst zuwenden: der gegenseitigen Unverträglichkeit von Parlamentarismus und weiblicher Freiheit.

    Jenseits der Gleichstellung von Antje Schrupp, erschienen in der aktuellen Ausgabe der „Blätter“ …, die mich ja mit ihrer glühenden Verehrung der Repräsentation mitunter auch anstrengen. Umso wohltuender fundierte Repräsentationskritik, wie sie kaum jemand besser beherrscht als Schrupp; allenfalls die zitierte Simone Weil, die, so Antje Schrupp, „1943 in einem Plädoyer für die Abschaffung der politischen Parteien argumentiert[e]“.

    Und was könnte schöner sein?

  • Vernunft

    Die Grundgesetzänderung zur Einschränkung des Asylrechts gegen Ende 1992 begriff er als Ausdruck einer „Mentalität des Wohlfahrtschauvinismus“. Er protestierte dagegen in den Printmedien und in persona als einer der 350.000 Demonstranten am 8. November 1992 in Berlin.

    Jürgen Habermas ist tot.

    Eben erst in Dirk Baeckers Digitalisierung gelesen:

    Bei Jürgen Habermas tendiert alle Kommunikation, gibt man ihr unter Verzicht auf jeden Zwang genügend Zeit, zur »Vernunft«, bei Michel Serres, je nach parasitärem Geschick, zum »Netzwerk« und bei Luhmann, abhängig von produktiven Zufällen, zum »System«.

  • Streik

    Eine Legalisierung des politischen Streiks und Generalstreiks würde also gleichzeitig mit dem Erbe eines faschistisch vorbelasteten Arbeitsrichters aufräumen und den Gewerkschaften ein historisch bewährtes Instrument »wehrhafter Demokratie« an die Hand geben.

    Klingt nach einem sinnvollen Programmpunkt für die Sozialdemokratie: Wer die Demokratie retten will, sollte den politischen Streik legalisieren

  • „… was Theweleit schon vor rund fünfzig Jahren beschrieben hat“

    In ‚Männerfantasien‘ argumentiert er, dass militarisierte Männlichkeit häufig eine Abwehr von Verletzlichkeit ist. Bedrohlich wirkt dabei das, was kulturell mit dem Weiblichen verbunden wird – etwa Emotionalität oder Ambivalenz -, weil manche Männer darin eine Gefahr für ihre eigene Kontrolle erleben.“

    So der Perlentaucher über ein Gespräch des Soziologen Alexander Yendell mit Melanie Mühl von der FAZ.

    Den Theweleit musste ich ob seines Umfanges letztes Jahr zurück in die Stadtbibliothek bringen, ehe ich ihn durchgelesen hatte. Zeit, ihn weiterzulesen.

  • Aus der Verweisstruktur des Netzes wird eine Extraktionslogik. Texte werden nicht mehr gelesen, sondern ausgebeutet, ihr Kontext verschwindet im Antwortformat.

    Leitmedium: Das drohende Ende von Open-Source-Projekten durch LLMs am Beispiel von Tailwind CSS

  • Babylon 5 auf YouTube

    Thomas Gigold schreibt:

    Warner Bros. Discovery veröffentlicht ab sofort jede Woche eine Episode von Babylon 5 im englischsprachigen Original kostenfrei auf YouTube.

    Der Pilotfilm und die nachfolgenden ersten beiden Epsioden sind bereits online.

    Das war von kurzer Dauer. Der Pilotfilm ist weg, weitere Folgen finde ich nicht. Soviel dazu.

    Babylon 5 war in den Neunzigern ebenso sehr nachmittägliches Scifi-Serienvergnügen wie Star Trek. Ich bin gespannt, ob die Serie meinen Erinnerungen – und auch ihrem ausgezeichneten Ruf – standhält beziehungsweise entspricht.

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  • Anodyne for his love

    Mir ist das larmoyante Genörgel über KI-Content in Weblogs ja eher zuwider, aber wenn es um Bilder geht, macht es mir wirklich mehr Spaß, mir durch freies Assoziieren ein Bildchen aus dem Public Domain Image Archive (oder anderen freien Bilddatenbanken, die es sicher auch gibt) zu erklicken, als sich etwas generieren zu lassen.

    Das obige The Wave jedenfalls ist von W. T. Horton, aus dem Jahr 1898 und erschienen in A Book of Images, an dem Horton gemeinsam mit William Butler Yeats arbeitete.

    Es ist zu lesen, dass Horton von Yeats in der dritten und vierten Strophe von dessen Gedicht ‚All Souls’ Night‘ (Allerseelennacht) als Geist beschworen wird:

    Horton’s the first I call. He loved strange thought
    And knew that sweet extremity of pride
    That’s called platonic love,
    And that to such a pitch of passion wrought
    Nothing could bring him, when his lady died,
    Anodyne for his love.

    Als Geist beschworen zu werden, erscheint mir jedenfalls als lohnenswertes Ziel. Sicher werde ich in so manchem Trainingsdatensatz der Zukünfte herumspuken.

    William Butler Yeats:

    By Alice BoughtonWhyte’s, Public Domain, Link
  • Angst und Kapitalismus

    I tend to think that most fears about A.I. are best understood as fears about capitalism.

    Transcript: Ezra Klein Interviews Ted Chiang

    Denn, so Chiang weiter, die meisten unserer Ängste, wenn es um Technologien geht, lassen sich am besten als Ängste vor der Art verstehen, wie der Kapitalismus sie gegen uns verwenden wird.

    Gedanken, die auf den ersten Blick klug wirken mögen (weshalb sie ja beispielsweise von Jason Kottke geteilt werden). Das erreicht der von mir sehr geschätzte Ted Chiang, indem er das Gefühl Angst dem gesellschaftlichen Großkonzept Kapitalismus gegenüberstellt. Das als Taschenspielertrick zu bezeichnen, mag zu weit führen, redlich finde ich es aber auch nicht – vom Technologiebegriff ganz zu schweigen. Podcasts, WordPress, Fediverse: alles Technologie.

    Ander gesagt: Den Satz „Angst vor der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist in Wahrheit Angst vor dem Sozialismus“ würde man aus guten Gründen für hochgradig albern halten.