Wolf Witte

Wolf Witte
Wolf Witte
@wolfwitte@wolfwitte.de

Politik der Öffentlichkeit zuführen | Komplexität abschichten | Ambient, Drone & Noise

1.250 Beiträge
35 Folgende

Kategorie: Software

  • Parlamentsdaten öffnen: parlamente.org und der Parlamentsspiegel

    In einem bemerkenswerten Akt der Verwaltungskooperation haben die Landesparlamente aller Bundesländer mit https://www.parlamentsspiegel.de/ ein gemeinsames Informationssystem aller Beratungsvorgänge und Dokumente eingerichtet. Der Bestand umfasst gut eine Million Vorgänge und knapp 2,5 Millionen Dokumente in 153 Sachgebieten. Das Suchfeld nimmt Begriffe mit logischen Verknüpfungen an, etwa „Gesetz || Gesetzgebung“. Eine zuschaltbare Worterweiterung findet auch abgewandelte Wortformen.

    Parlamentsspiegel: Exzellentes Suchportal mit nur einem Nachteil

    Die Filtermöglichkeiten umfassen den Zeitraum, Vorgangstypen (Anfrage, Antrag, Bericht, Beschlussempfehlung, Debatte, Gesetzgebung, Sonstiges, Vorschrift, Wahl), die Beschränkung auf einzelne Landesparlamente, Sachgebiete in acht Themenbereichen von „Staat / Politik / Verwaltung“ bis „Finanzen / Vermögen“ und Urheber getrennt nach Fraktionen und Körperschaften und nach Personen, mit eigenem Namensfeld und Namenserweiterung.

    parlamente.org: Das Push-Medium für parlamentarische Vorgänge

    Kurz: Der Parlamentsspiegel ist ein hervorragendes Angebot, er hat nur einen Nachteil: Pull statt Push. Ich muss für eine Recherche vorbeischauen und aktiv suchen. Das mag für zahlreiche Nutzungsformen ausreichen, ich benötige bei der Arbeit hingegen Feeds, die abonnierbar sind und automatisch gefiltert und anderweitig verarbeitet werden. Darum habe ich https://parlamente.org/ in erster Linie als Unterstützung meiner Arbeit gebaut: Das Tool holt sich die Dokumente aller sechzehn Landtage, des Bundestags und des Europäischen Parlaments, bereitet sie auf und erzeugt für jedes Parlament einen RSS-Feed.

    Die Quellen sind durchaus vielfältig. Einige Landtage betreiben eigene RSS-Feeds, die werden lediglich durchgeschleift, viele tun das (zu meinem Leidwesen und Unverständnis) aber auch nicht, so dass ich hier andere Lösungen finden musste.

    In einigen Fällen habe ich einen Newsletterdienst abonniert, von Claude Code entworfene Skripte lesen die Mails aus. Der Bundestag, das EU-Parlament, und der sächsische Landtag betreiben offene Schnittstellen. Sehr speziell sind Berlin und Brandenburg: Hier wird der XML-Vollexport, welcher mutmaßlich auch den Parlamentsspiegel speist, öffentlich angeboten und von parlamente.org einmal am Tag eingelesen – das hätte ich am liebsten bei allen Landtagen.

    ArtParlamenteWie
    Offene Schnittstelle (API)Bundestag, EU-Parlament, SachsenBundestag: DIP-API mit Schlüssel. EU: EP Open Data API v2 (JSON-LD, CC BY 4.0). Sachsen: die offene JSON-Schnittstelle hinter EDAS, liefert den gesamten Bestand.
    XML-Vollexport (PARDOK-Format)Berlin, BrandenburgOffene Opendata-Dateien der Parlamente (pardok-wp19.xml, exportWP8.xml), werden komplett eingelesen.
    RSS-Feed (direkt)Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-VorpommernOffene Drucksachen-Feeds der Landtage. Sie tragen nur das Neueste, ohne Rückblick.
    NewsletterNRW, Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Hamburg, Bremen, Sachsen-Anhalt, SaarlandDie Infodienste der Landtage verschicken Mails, die von Skripten ausgelesen werden.

    Offene parlamentarische Daten? Fehlanzeige

    Dieses System ist, darüber will ich nicht hinwegtäuschen, auf feinstem Sand gebaut: Ändert sich die Struktur eines Newsletters oder wird ein PARDOK-Export nicht mehr online gestellt, so bricht dessen Verbindung ab. Solange es einen alternativen Weg gibt, den mir ein Sprachmodell schnell ausbauen kann, mag das handhabbar sein, aber von einem Idealzustand echter offener Daten aller Parlamente in Deutschland (Europa ist hier tatsächlich vorbildlich) sind wir weit entfernt. Diesem Umstand fiel wohl https://kleineanfragen.de/ zum Opfer; die Plattform wurde 2020 abgestellt. Aus der Begründung:

    In den letzten Monaten haben immer mehr Parlamente ihre Parlamentsdokumentation überarbeitet. Leider passierte dies, ohne an stabile URLs oder an offene Daten zu denken. Das hat zur Folge, dass für jedes einzelne der 17 Parlamente immer wieder umfangreiche Änderungen an der Software von kleineAnfragen notwendig sind, um die veröffentlichten Anfragen importieren zu können.

    Auf parlamente.org habe ich mit https://kleineanfragen.parlamente.org/ einen ersten Versuch unternommen, die Funktionalität nachzubauen, allerdings noch mit einigen Reibungen und Unschärfen. Der Parlamentsspiegel bietet eine hervorragende Übersicht kleiner Anfragen, allerdings wie beschrieben: Nur zum Vorbeisurfen und Nachgucken (und nicht für den Bundestag).

    parlamente.org bietet folgende RSS-Feeds an:

    ParlamentFeed
    Bundestaghttps://bundestag.parlamente.org/feed.xml
    Europäisches Parlamenthttps://eu.parlamente.org/feed.xml
    Baden-Württemberghttps://bw.parlamente.org/feed.xml
    Bayernhttps://bayern.parlamente.org/feed.xml
    Berlinhttps://berlin.parlamente.org/feed.xml
    Brandenburghttps://brandenburg.parlamente.org/feed.xml
    Bremenhttps://bremen.parlamente.org/feed.xml
    Hamburghttps://hamburg.parlamente.org/feed.xml
    Hessenhttps://hessen.parlamente.org/feed.xml
    Mecklenburg-Vorpommernhttps://mv.parlamente.org/feed.xml
    Niedersachsenhttps://niedersachsen.parlamente.org/feed.xml
    Nordrhein-Westfalenhttps://nrw.parlamente.org/feed.xml
    Rheinland-Pfalzhttps://rlp.parlamente.org/feed.xml
    Saarlandhttps://saarland.parlamente.org/feed.xml
    Sachsenhttps://sachsen.parlamente.org/feed.xml
    Sachsen-Anhalthttps://sachsen-anhalt.parlamente.org/feed.xml
    Schleswig-Holsteinhttps://sh.parlamente.org/feed.xml
    Thüringenhttps://thueringen.parlamente.org/feed.xml

    Für kleine Anfragen (Probeportal) ist der Bezug dieser Feeds möglich:

    • Alle neuen Kleinen Anfragen: https://kleineanfragen.parlamente.org/feed.xml
    • Nur neue Antworten: …/feed.xml?art=antworten
    • Filter, beliebig kombinierbar:
      • parlament=nrw (die Kürzel wie oben);
      • fraktion=Grüne;
      • q=Windkraft (Suchbegriff).
        Beispiel: https://kleineanfragen.parlamente.org/feed.xml?parlament=nrw&q=Schule&art=antworten
        Am einfachsten: Im Portal eine Auswahl treffen, der Browser bietet den Feed dann für genau diese Auswahl an.

    Eine OPML-Datei unter https://parlamente.org/opml.xml bietet 20 Feeds in zwei Ordnern:

    • Parlamente: alle 18, alphabetisch, jeder mit eigenem Namen und eigener Website. Inoreader und andere Reader legen sie deshalb als getrennte Feeds an, nicht als einen.
    • Kleine Anfragen: neue Anfragen und neue Antworten.

    Titelbild: Diliff, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

    Fediverse-Reaktionen
  • „Kommunikation mit Obsidian Vaults“

    Jemand hat Niklas Luhmanns Text „Kommunikation mit Zettelkästen“ von 1981 (PDF) ins Englische übersetzt. Bob Doto hat dazu wiederum einen Text geschrieben, der ihn in Bezug zur Kommunikation mit Sprachmodellen setzt.

    Ich fand Florentine Dömges‘ weite KI-Definition sehr schön, die sie im Kontextfenster-Podcast äußerte. Schon gedruckte Bücher und natürlich auch Institutionen jeglicher Art seien eine Form künstlicher Intelligenz. Mit besonderer Plausibilität lässt sich das vom Zettelkasten sagen, zum Beispiel beim Überraschungsmoment (Doto: „Information requires surprise, so let the zettelkasten surprise you.“).

    Mein Obsidian kommt einem Zettelkasten nur bedingt nahe, aber die Funktion der zufälligen Notiz schätze ich sehr. Mit ihr gelingen mitunter Einstiege für spannende Kreuzfahrten durch den Vault.

    Fediverse-Reaktionen
  • Mein Vibecoding-Projekt: Der Ratskompass Bochum

    Ich hatte hier noch gar nichts darüber geschrieben, weil das Projekt ständig im Fluss ist, aber weil es das noch eine ganze Weile bleiben wird, kann ich genausogut jetzt darüber schreiben.

    Vor einigen Wochen begann ich, mit Claude und n8n die API des Ratsinformationssystems der Stadt Bochum anzuzapfen (von der ich peinlich lange nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt) und Inhalte für eine WordPress-Instanz zu generieren. Daraus ist der Ratskompass entstanden, der inzwischen recht verlässlich zu neuen Ratsunterlagen automatisch Zusammenfassungen und zu anstehenden Terminen des Rates und der Ausschüsse Ankündigungen schreibt und veröffentlicht.

    Das ist längst mehr als nur eine Fingerübung, sondern eine Selbstermächtigung meines Umgangs mit prinzipiell offenen Daten und deren Verarbeitung, über die ich noch immer tagtäglich staune. Nichts davon hätte ich vor einem halben Jahr gekonnt.

    Der Ratskompass ist dabei weit davon entfernt, zu leisten, was lokalpolitischer Journalismus können müsste. Aber im schlechtesten Fall schafft er eine niedrigere Zugangshürde zur formalisierten Bochumer Lokalpolitik neben dem PDF-Friedhof und im besten Fall lässt sich auf Grundlage dieser atomisierten Einzelbeiträge zu einzelnen Unterlagen etwas noch Besseres bauen.


    Titelbild: „Voyages Were Made Preferably by Air-Ships.“ Camille Flammarion, 1894. Aus: Omega: the Last Days of the World.

    Fediverse-Reaktionen
  • KI doch endlich für was gut

    Wolf Wofl Wlof Wlfo Wfol Wflo oWlf oWfl olWf olfW ofWl oflW lWof lWfo loWf lofW lfWo lfoW fWol fWlo foWl folW flWo floW
  • Installiert: Zen

    Gibt’s ja sogar für Linux: Mein Browser: Zen

    (Erwarte bei sowas irgendwie immer Mac-only)


    Update vom 15. Januar: Deinstalliert: Zen

  • testing sunvox

    Um in alten Jezkola Buzz-Erinnerungen zu schwelgen: Sunvox