Kategorie: Bücher

  • Peter Watts – Echopraxia

    Die Forsetzung von Blindsight, erneut benannt nach einer merkwürdigen neurologischen Störung – und ein noch unzugänglicherer ‚Hard SciFi‘-Schinken.

    Eindrucksvoll ist, wie ein Buch einen hineinzieht, obwohl man (also: ich) über weite Teile überhaupt nicht versteht, warum die Leute gerade tun, was sie tun. War das gerade die Apokalypse? Warum fliegen die da hin und dann wieder zurück? Was genau macht der Mensch da in der Wüste?

    Watts jongliert erneut waghalsige Ideen über Posthumanismus und absolut fremdartige Aliens und schließt mit einem umfangreichen Anhang, in dem er diese Ideen wissenschaftlich (mit fast 150 Fußnoten!) herleitet. Wirklich eindrucksvoll. Und ich hoffe sehr, dass er diese Reihe fortsetzt.

  • Gerhard Hauptmann – Die Ratten

    Als E-Book gelesen (mehr zum Anlass steht hier), daher kein Foto vom Titelbild. Ein Drama in fünf Akten, uraufgeführt 1911. Es spielt in einer Berliner Mietskaserne und es wird dermaßen breit berlinert, wie man es selbst in Berlin Alexanderplatz nicht zu lesen bekommt. Jetzt würde ich es am liebsten sofort aufgeführt sehen, aber in Bochum läuft es nicht, und nach Wien fahre ich dafür nun nicht.

  • Peter Watts – Blindsight

    Wenn ein Science Fiction-Roman einen Anhang samt Fußnoten hat, wo die Konzepte und Ideen wissenschaftlich erklärt werden, dann befindet man sich im allzu oft freudlosen Subgenre der Hard Science Fiction, in dem der Science-Anteil besonders groß und ausgetüftelt ist und die Fiction sich ihm unterzuordnen hat.

    Peter Watts gelingt mit Blindsight ein immens spannender Beitrag zu diesem Genre. Eine First Contact-Variation, in welcher das Alien nicht nur fremdartig aussieht, sondern sich auch so verhält. Während zum Beispiel das titelgebende Film-Alien unzweifelhaft feindselig ist, ist das in Blindsight lange Zeit überhaupt nicht klar. Garniert wird die Geschichte mit einer gehörigen Portion Transhumanismus und Meditationen über Bewusstsein, Intelligenz und Evolution. High Concept, nicht leicht zu lesen, aber sehr gut.

  • Isaac Asimov – Das Foundation-Projekt (Band 5)

    Asimovs Foundation-Bücher erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit unter Science Fiction-LeserInnen. Schon als ich vor einigen Jahren einen Ausschnitt des unerhört langen Zyklus gelesen habe, war mir nicht klar, warum das so ist. Die Schreibe hebt sich kaum vom Groschenroman-Niveau ab, die Science Fiction ist nicht mehr als ein Hintergrundsetting (was nicht schlimm sein muss, siehe Ursula Le Guin) und die Kernidee der Psychohistorik, einer Art Sozialmathematik, mit der sich die Zukunft von Gesellschaften vorhersagen lässt, fand ich nur mäßig interessant.

    In der Stadtbücherei fand ich einige Bände des Zyklus und habe mit Band 5 den ältesten ausgeliehen, der – so scheint mir – unmittelbar vor dem Teil spielt, den ich früher schon gelesen habe. Im Mittelpunkt steht Hari Seldon, Erfinder der Psychohistorik und sein Ringen um deren Vollendung. Dafür muss er Attentatsversuche abwehren, um politische und finanzielle Unterstützung werben und selbst ein politisches Amt bekleiden. Das liest sich auch alles so banal, wie es klingt. Es geht mitunter um Schnauzbärte, Limonade, Geburtstagsfeiern und die Logistik beim Bezug von Laborräumen. Dennoch habe ich die fast 500 Seiten zügig gelesen. Irgendwas ist schon dran am Foundation-Zyklus.

  • Gregor Maurach – Seneca, Leben und Werk

    Entliehen aus der Stadtbücherei Bochum. Eine umfassende Einführung in die nur lückenhaft bekannte Biografie eines der großen Stoiker der Antike. Den größten Teil widmet Maurach aber Philosophie und Texten Senecas – natürlich auch jenen, die man nicht kennt, wenn man sich vorwiegend für die stoischen Schriften interessiert und schon deshalb lohnenswert.

    Nicht immer leicht lesbar aufgrund der zahllosen in den Fließtext eingeklammerten Anmerkungen und Verweise, aber locker genug geschrieben, um die rund 240 Seiten schnell wegzulesen.

  • China Miéville: Der Weber

    Die Fortsetzung von Die Falter – und nicht ganz so gut. Der Weber konzentriert stärker auf wenige Protagonisten, liefert weniger Perspektiven auf die Stadt New Crobuzon und ihre Welt und lässt ausnahmslos alle Personen moralisch äußerst fragwürdige Entscheidungen treffen – was sie wissen und worunter sie leiden, körperlich wie seelisch – letztlich mündet alles in eine große Katastrophe.

    Moral und Recht sind dann auch die Grundfragen, die die Geschichte sich am Schluss plötzlich zu verhandeln entscheidet. Das wirkt etwas arg angeflanscht und ist vermutlich der Hauptgrund, weshalb Miéville seit jeher im Ruf steht, ein politischer Fantastik-Autor zu sein.

    Nichtsdestotrotz ist diese Geschichte die beste, die ich von ihm kenne. Völlig unbekümmert greift er sämtliche Punk-Varianten (ob Cyber, Steam oder Diesel) auf, verwirkt sie mit Magie und erschafft mit New Crobuzon eine lebendige und faszinierende Megalopolis.

  • China Miéville: Die Falter

    Der erste von zwei Bänden von Miévilles Geschichte aus der Fantasy-Metropole New Crobuzon und ein weiteres Buch nach Hyperion/Endymion, das ich seit über zehn Jahren nicht mehr gelesen habe – von dem mir aber überraschend viele Szenen und Schilderungen im Gedächtnis geblieben sind. Es ist einfach bis heute sehr gut (und sehr gut übersetzt). Den Nachfolgeband Der Weber gibts hier verbloggt.

  • Dan Simmons – Endymion

    Die Fortsetzung von Hyperion und mit 1.300 Seiten erneut ein ziemlicher Brocken. Während Hyperion bei der letzten Lektüre ziemlich gelitten hat, war Endymion so, wie ich es in Erinnerung hatte: Ein nahezu perfekter Abenteuer-Roman im Science Fiction-Gewand. Simmons schreibt hier einfach spannend und das macht auch beim erneuter Lektüre noch Spaß. Die katholische Kirche inklusive Papst, Kardinälen, Schweizer Garde und allem ornamentalen Beiwerk zu einem interstellaren Imperium auszubauen – natürlich als Antagonist – klingt wahnsinnig, funktioniert aber ausgezeichnet. Kapitel aus dieser Perspektive waren mir oft die liebsten; etwa so unterhaltsam wie Vader und der Imperator in Star Wars.

  • Frank Stauss: Höllenritt Wahlkampf

    Frank Stauss ist ist ein gewiefter Wahlkämpfer der Agentur Butter, der zahlreiche Wahlkämpfe für die SPD geführt hat. In Höllenritt Wahlkampf schildert er einige der eindrucksvollsten Kampagnen seiner Karriere.

    Interessant war das vor allem bei den Wahlen, die ich als Sozialdemokrat und Wahlkämpfer mehr oder weniger aktiv miterlebt habe. Etwa die vorgezogenen Neuwahlen von 2005, bei denen ich, wenige Monate zuvor noch Praktikant in der Kreisgeschäftsstelle, im Wahlkampfteam des örtlichen Bundestagsabgeordneten mitgearbeitet habe.

    Oder die Berliner Abgeordnetenhauswahl von 2011, in der ich so intensiv wie nie zuvor und danach nie wieder, den Kandidaten unterstützt habe.

    Oder die desaströse Wahl von 2009, in der ich hauptamtlicher Mitarbeiter in der Parteizentrale – dem Willy Brandt Haus – war.

    Stauss kann von Berufs wegen sehr gut schreiben, schildert Wahlkämpfe so spannend, wie sie mindestens für die Mitwirkenden sind und liefert viele Einblicke in Kampagne, Planung, KandidatInnen und Themensetzung.

    Am eindrucksvollsten fand ich das abschließende Kapitel, das er dem aufkeimenden Populismus widmet. Seine Analyse ist – wiederum seiner Profession geschuldet – messerscharf. Seine Schlussfolgerungen können heute zwar als bekannt vorausgesetzt werden, aber er schreibt sie so prägnant nieder, wie ich sie selten vorfinde. Ein Kapitel, welches man im Grunde monatlich immer wieder lesen sollte.

  • Bücher 2018

    Anstatt mich auf externe Dienste wie Goodreads zu verlassen, habe ich 2018 erstmals einigermaßen konsequent alle gelesenen Bücher verbloggt und mit den Kategorien Bücher/2018 versehen.

    So kann ich hier auch viel Aufwand die Liste aller in 2018 gelesenen Bücher hinzaubern (nämlich mittels des feinen Category Posts Widget von WordPress), die folgt am Schluss.

    Highlights des vergangenen Lesejahres waren zweifellos Die Hauptstadt von Robert Menasse (der nun allerdings gerade damit von sich reden macht, einen nicht unwichtigen Teil des Romans, den er auch schon in anderen, nicht-literarischen Kontexten verbreitet hat, erfunden zu haben) sowie Unterleuten von Juli Zeh. Beides Leihgaben der geschätzten Kollegin bk.

    Im von mir geschätzten Science Fiction-Genre hat mich Tom Hillenbrands Hologrammatica positiv überrascht, Walkaway von Cory Doctorow musste hohen Erwartungen genügen, was ihm gelang.

    Mehr als in früheren Jahren (und daran will ich 2019 verstärkt anknüpfen), habe ich Bücher einfach mal nochmal gelesen. Das war besonders erfreulich bei allem von Ursula Le Guin (The Left Hand of Darkness, The Dispossessed), bei Banks‘ Consider Phlebas und bei Orwells 1984 (allerdings erstmals auf englisch gelesen). Hyperion hat allerdings etwas gelitten.

    Was politische Literatur betrifft, haben mich weder die Interviewreihe Anarchismus hoch 2 noch Mouffes linker Populismus nennenswert begeistert. Einzig Arendts Bändchen Die Freiheit, frei zu sein war inspirierend, ohne sich sprachlich unnötig selbst zu verkomplizieren. In diesem Jahr will ich endlich mehr Arendt lesen.