Wolf Witte

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Politik der Öffentlichkeit zuführen | Komplexität abschichten | Ambient, Drone & Noise

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Microblogging

  • Woah, es gibt den Stop Making Sense-Film von den Talking Heads bei Arte! Den hab‘ ich aus irgendwelchen absurden Gründen noch nie gesehen, dabei lief das Album schon zuhause als ich Kind war.

    https://www.arte.tv/de/videos/128800-000-A/talking-heads-stop-making-sense

  • „mehr Chaos“, „wenig Anlass zu Optimismus“, „wenig Anlass zur Freude“, „Problem für die Demokraten“ – die deutsche Publizistik muss selbst nach diesem Jahrhundertwahlergebnis warnen, mahnen und nörgeln. Klar: Nichts ist sicher, alles ist ungewiss. Das galt und gilt aber ebenso für die Rechte und für die Autoritären. Müsste man nach diesem Wahljahr eigentlich wissen.

  • Herrlich, wenn man so erfrischt und knallwach ankommt.

alles Kurze →

  • Partei ohne Politik

    Diese Darstellung eines „MrWissen2Go“ von funk, dem Netzwerk von ARD und ZDF, tut, was nahezu alle tun, die über Politik in Deutschland sprechen; sie lassen sie auf einen Kreis von ca. zehn bis zwölf Menschen zusammenschnurren: machtbewusste Berufspolitiker mit langer parteipolitischer Karriere. Hier ist es ausschließlich Lars Klingbeil, der für alles Schlechte steht, was die magische Fantasiepartei „Nova“ beheben soll. Aber ist er wirklich repräsentativ für Menschen, die sich politisch involvieren?

    Es lohnt sich kaum, die verschiedenen Vorschläge des Beitrags genauer zu untersuchen: Vieles wird schon praktiziert, wurde bereits probiert oder widerspricht der Funktionsweise demokratischer Repräsentation. Im Grunde wäre „Nova“ eine Partei ohne Politik drumherum; unverbindliches Wünsch-dir-was und ärgerlicher Unsinn mit erstaunlicher Wirkung: Es hat sogar jemand eine Fantasiehomepage für die erfundene Partei gebaut.

    Eine Partei, die fast das ganze NOVA-Paket umgesetzt, ist En Marche!: Mitmachen ohne Parteibuch, 2017 rund die Hälfte der Kandidaten aus der Zivilgesellschaft und „weder links noch rechts“. Das Ergebnis war eine Partei, die ganz auf ihren Gründer zugeschnitten ist und an der Basis kaum Substanz hat.

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  • Petitionen des Bundestags im November

    Am 4. November 2026 hat der Petitionsausschuss dem Bundestag 17 Sammelübersichten mit Beschlussempfehlungen zu 542 Petitionen vorgelegt. Davon:

    ✅ 13 entsprochen (2,4 %)
    🟡 52 teilweise entsprochen (9,6 %)
    ↗️ 131 der Bundesregierung überwiesen – als Material o. Ä. (24,2 %)
    📎 2 den Fraktionen zur Kenntnis / an Länder & EU (0,4 %)
    ❌ 67 nicht entsprochen (12,4 %)
    ⚪ 277 ohne weitere Begründung abgeschlossen – vereinfachtes Verfahren (51,1 %)

    🔗 Alle 17 Sammelübersichten im DIP:
    https://dip.bundestag.de/suche?term=zu+Petitionen&f.wahlperiode=21&f.datum.start=2026-11-04&f.datum.end=2026-11-04&rows=25

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  • lesen heißt fliehen: der Plan

    Bei der Erstellung eines Handapparats unbedingt wiederlesenswürdiger Bücher war meine erste Idee, eine „Bücherliga“ durchzuführen, bei der jedes gelesene Buch gegen jedes andere antreten muss und sich durch Punktvergabe dann eine Rangliste herausschält. Dabei stellte sich heraus, dass das bei 530 Büchern nicht weniger als 140.185 Begegnungen erfordert hätte, wenn ich die Liga wirklich zuendegespielt hätte. Absurd.

    Stattdessen fragte ich das System, welche Bücher derzeit am besten zu meinen Themen und Vorlieben passen. Die Antwort fand ich … nicht schlecht:

    Werkzeug: Gesellschaft, Demokratie, Macht (18)

    1. Luhmann: Soziale Systeme
    2. Luhmann: Die Gesellschaft der Gesellschaft
    3. Luhmann: Macht
    4. Baecker: 4.0 oder Die Lücke, die der Rechner lässt
    5. Weber: Politik als Beruf
    6. Tocqueville: Über die Demokratie in Amerika
    7. Shklar: Über Ungerechtigkeit
    8. Achen/Bartels: Democracy for Realists
    9. Crouch: Postdemokratie
    10. Manow: (Ent-)Demokratisierung der Demokratie
    11. Selk: Demokratiedämmerung
    12. Möllers: Freiheitsgrade
    13. Mau/Lux/Westheuser: Triggerpunkte
    14. Ostrom: Was mehr wird, wenn wir teilen
    15. Graeber/Wengrow: Anfänge
    16. Benjamin: Zur Kritik der Gewalt
    17. Mühsam: Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat
    18. Frankfurt: Bullshit

    Technik und Gegenwart (4)
    19. Zuboff: The Age of Surveillance Capitalism
    20. Semsrott: Gegenmacht
    21. Kidder: The Soul of a New Machine
    22. Plurality

    Geschichte (4)
    23. Niethammer: Faschismuserfahrungen im Ruhrgebiet
    24. Zweig: Die Welt von gestern
    25. Clark: The Sleepwalkers
    26. Ryback: Takeover

    Schreiben (3)
    27. McPhee: Draft No. 4
    28. Le Guin: Steering the Craft
    29. Ahrens: How to Take Smart Notes

    Haltung (4)
    30. Marc Aurel: Selbstbetrachtungen
    31. Montaigne: Essays
    32. Pessoa: Buch der Unruhe
    33. Shunryu Suzuki: Zen Mind, Beginner’s Mind

    Literatur, deutschsprachig (10)
    34. Bernhard: Korrektur
    35. Haushofer: Die Wand
    36. Frisch: Stiller
    37. Frisch: Tagebuch 1946–1949
    38. Uwe Johnson: Jahrestage
    39. Kafka: Der Prozeß
    40. Musil: Der Mann ohne Eigenschaften
    41. Fontane: Der Stechlin
    42. Kraus: Die letzten Tage der Menschheit
    43. Wolfgang Welt: Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe

    Literatur, international (6)
    44. Melville: Bartleby, the Scrivener
    45. Orwell: Essays
    46. Kertész: Roman eines Schicksallosen
    47. Koestler: Darkness at Noon
    48. Conrad: Herz der Finsternis
    49. McCarthy: The Road

    Science-Fiction (11)
    50. Le Guin: The Dispossessed
    51. Le Guin: The Left Hand of Darkness
    52. Banks: Use of Weapons
    53. Gibson: Neuromancer
    54. Strugatzki: Picknick am Wegesrand
    55. Lem: Solaris
    56. Watts: Blindsight
    57. Chiang: Exhalation
    58. Butler: Parable of the Sower
    59. Miéville: The City & the City
    60. Robinson: The Ministry for the Future

    Knapp nicht dabei: Tucholsky (Schloß Gripsholm), Thomas Mann (Zauberberg), Judith Hermann (Sommerhaus, später), Max Goldt, Heinrich Mann (Der Untertan), Arendt, Le Guin (Always Coming Home), Martine (A Memory Called Empire) und Dune.

    Eine gute Mischung aus Pflicht, Erwartbarem, Überraschungen und Zumutungen.: Ohne Zauberberg und Judith Hermann geht so eine Liste natürlich nicht. Außerdem muss sie noch etwas reduziert werden. Das mache ich vielleicht doch selbst …


    Titelbild: Foto: Thomas Smillie, Smithsonian Institution, 1890–1913. Public Domain, über Public Domain Image Archive / Smithsonian Libraries and Archives.

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  • Gelesen: „Log Off“ von Katherine Cross

    Wieder so ein zu Buchform aufgeblasenes Essay, was dadurch für meinen Geschmack unangenehm schwafelig und mäandernd wird. Cross ist sicher sehr klug und kundig, aber mit einem Buch wie Log Off tut sie sich meiner Meinung nach keinen Gefallen, zumal es keine nennenswerte politische Theorie erkennen lässt, der es für den Untertitel Why Posting and Politics (Almost) Never Mix aber bedürfte.

    Trotzdem enthält es einige treffende Zitate, etwa wenn es darum geht, schon wieder irgendwelche Demos zu organisieren:

    Even under these new conditions, social media will remain good at summoning lots of warm bodies to a particular location

    … ohne eine Idee davon zu haben, wofür eigentlich. Forderungen? An wen?

    But it remains quite terrible at helping people decide what comes next.

    … so dass

    one Spring or Colour Revolution or Occupy movement after another yielding no meaningful change or, worse, far-right governments and dictatorships.

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  • Verlinkt: Das Ich im Antwortautomaten

    Just lernte ich, dass es eine Luhmann-Tagung 2026 in Dubrovnik gab, von der Gunnar Sohn gar nicht mal so sehr berichtet, sondern direkt anhand eines dort referieten Textes in medias res geht: Das Ich im Antwortautomaten: Luhmann und die generative KI nach der Tagung in Dubrovnik.

    Bücher enthalten bereits formulierte Sätze. Ein Sprachmodell erzeugt auf eine konkrete Eingabe hin neue Vorschläge aus statistisch erlernten Zusammenhängen.

    Der Text ist sehr dicht, ausführlich und lesenswert und ich bin ein bißchen ratlos, warum mir sein Blog bislang zwar bekannt war, ich es (es heißt schließlich das Blog) aber erst jetzt bewusst wahrnehme.

    Natürlich mache ich meine vollständige Podcastabstinenz und meine voranschreitende Social Media-Entsagung dafür verantwortlich, wegen der ich nämlich erstens mehr schreibe (nicht nur, aber überwiegend in dieses Blog), dadurch mehr Freude habe und womöglich auch mehr Blogs wahrnehme. Der Vorsatz, weniger zu lesen, geht durchaus in eine ähnliche Richtung.

    Passend dazu schrieb ich vor zwei Jahren, dass ich „vor fast zehn Jahren“ Niklas Luhmanns Zettelkasten in der Bielefelder Kunsthalle bewunderte. Die Bilder datieren auf den 19. Juli 2015:


    Und als schönes Kontrastprogramm dieser Rückblick auf das Buch „RIOT GRRRL REVISITED“, inzwischen in dritter Auflage erschienen:

    Einen der berüchtigtsten Punkrock-Momente aller Zeiten bescherte Donita Sparks ihren Fans beim Reading Festival 1992. Die L7-Sängerin fühlte sich vom Publikum derart gegängelt, dass sie kurzerhand ihren benutzten Tampon auf der Bühne entfernte und ins Publikum warf.

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  • Mau und Nachtwey zum Parteienverbot

    So sehr ich ein Verfahren zur Prüfung eines Verbots der „Alternative für Deutschland“ durch das Bundesverfassungsgericht befürworte, weil das Instrument nun einmal zur Verfügung steht und es nicht tragbar wäre, es nicht zur Anwendung gebracht zu haben, so sehr interessieren mich auch die Argumente derjenigen, die es zumindest kritisch sehen.

    Zu ihnen zählt offenbar Steffen Mau, der sich im Rahmen des 70. Jubiläums der »Blätter« am 3. Oktober auf einem Podium mit Tamara Tischendorf und Oliver Nachtwey zurückhaltend äußerte, ohne es grundsätzlich abzulehnen.

    Neben den bekanntermaßen hohen Hürden bei langer Verfahrensdauer verwies Mau auf den fehlenden Rückhalt in der Bevölkerung, die ein Verbot mehrheitlich und weit über die AfD-Wählerschaft hinaus ablehne. Auch bezweifelte er die Durchsetzbarkeit, wenn eine Partei mit über 40 Prozent aus den Parlamenten entfernt und ihre Strukturen aufgelöst werden müssten.

    Diese Gefahr einer schweren Legitimationskrise teilt auch Nachtwey, der aber mit dem Beispiel Weimar dagegenhält: Dort sei über ein NSDAP-Verbot so lange nur geredet worden, bis es nicht mehr durchsetzbar war.

    Gangbare Wege seien Mau zufolge der Entzug des passiven Wahlrechts bei Personen aus verfassungsfeindlichen Netzwerken. Außerdem sollte die staatliche Parteienfinanzierung für Parteien bzw. Landesverbände entfallen, die gerichtsfest als verfassungsfeindlich eingestuft sind.

    Keine Punkte, bei denen ich mich endgültig überzeugen lasse und sage „Dann doch nicht“, aber bedenkenswert. Allerdings halte ich es vor diesem Hintergrund nach wie vor für fraglich, ob es überhaupt zu einem Verbotsverfahren der Gesamtpartei kommt.

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  • Sitzungswoche in Bochum: 3. bis 6. November 2026

    Diese Woche tagen in Bochum acht Gremien. Drei davon sind Etatsitzungen: Die Ausschüsse für Kultur und für Sport beraten ihre Haushaltsansätze für 2027 vor, der Betriebsausschuss die für die Schulgebäude. Die Bezirksvertretungen geben in ihren Anhörungen ihre Stellungnahmen zum Haushaltsentwurf ab. Alle Sitzungen sind öffentlich, die Tagesordnungen stehen verlinkt.

    Dienstag, 3. November

    Ausschuss für Kultur und Tourismus (Etat), 14:00 Uhr. Haushaltsansätze 2027 für Stadtbücherei, Musikschule, Museum, Stadtarchiv und den übrigen Kulturbereich, dazu die Anschubfinanzierung für einen Betreiber der Markthalle im Haus des Wissens und ein Antrag zur Aufarbeitung der Kunst im öffentlichen Raum. Tagesordnung

    Bezirksvertretung Bochum-Nord, 15:30 Uhr. Anhörung zum Haushalt 2027 mit einem Änderungsantrag von SPD und CDU, außerdem Anträge zu den Harpener Teichen, zu den Grummer Teichen und zu einer Arbeitsgruppe „Gerthe-Mitte“. Tagesordnung

    Mittwoch, 4. November

    Bezirksvertretung Bochum-Südwest, 14:00 Uhr. Anhörung zum Haushalt 2027, vier Anregungen zum selben Flächentausch an der Weitmarer-Holz-Straße und der Beschluss, dass ein Teil der Nevelstraße keine Fahrradstraße wird. Tagesordnung

    Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschuss, 15:00 Uhr. Drei überplanmäßige Ausgaben (Bürgerservice, Soziales, Jugendamt), die neue Parkgebührenordnung, der Neubau des Feuerwehrhauses Langendreer und der Bericht über das Zins- und Schuldenmanagement 2025. Tagesordnung

    Bezirksvertretung Bochum-Ost, 16:00 Uhr. Anhörung zum Haushalt 2027 mit einem Änderungsantrag von SPD und Grünen, Stellungnahmen zu Feuerwehrhaus, Parkgebühren und E-Scootern sowie fünf neue Anfragen, darunter zum Geh- und Radweg an der Höfestraße, dessen Sanierung seit fast fünf Jahren beschlossen ist. Tagesordnung

    Donnerstag, 5. November

    Beirat „Leben im Alter“, 14:00 Uhr. Konstituierende Sitzung: Wahl des Vorsitzes, Entsendung in die Fachausschüsse und die Vorstellung der neuen Leitung des Amtes für Soziales. Tagesordnung

    Betriebsausschuss für die Eigenbetriebe, 15:00 Uhr. Haushaltsansätze 2027 für die schulischen Gebäude und der Bericht zum Bauprojektcontrolling für das zweite Quartal. Tagesordnung

    Freitag, 6. November

    Ausschuss für Sport, Bewegung und Freizeit (Etat), 14:00 Uhr. Haushaltsansätze 2027 der Sportförderung, ein Kunstrasenspielfeld an der Feenstraße in Riemke, der Sachstand der Sportstättenbedarfsplanung und die Schließzeiten des Sportparks Lohrheide. Tagesordnung

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  • Gelesen: Hawaii von Cihan Acar

    Bochum liest ein Buch – und ich habe es aus Versehen an einem Vormittag weggelesen. Das war so eigentlich nicht gedacht, spricht aber zweifelsfrei für „Hawaii“ von Cihan Acar. Ich empfehle es und die Stadt fängt mit ihren Aktivitäten auch erst noch an, dem Veranstaltungsplan zufolge nämlich am 4. November. Es können sich also alle getrost mehr Zeit nehmen als ich:

    Gemeinsam lesen, diskutieren und nachdenken: Das ermöglicht „Eine Stadt liest ein Buch“ erstmals auch in Bochum. Ein Leseerlebnis, das die ganze Stadt zusammenbringt – egal ob in Buchclubs, Cafés, der Volkshochschule, Stadtbüchereien, Literaturkreisen oder online.

    Bochum liest ein Buch
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  • lesen heißt fliehen: ein Vorsatz

    Schon vor einer Weile habe ich mit mir selbst vereinbart, dass ich Bücher, die ich gerne lesen möchte, einfach beschaffe, ohne mir über Geld oder Platz im Regal Gedanken zu machen. Wobei Beschaffen auch die Stadtbücherei oder Unibibliothek umfassen kann, ebenso wie Booklooker oder antiquariat.de.

    Den Regelfall stellt aber der Kauf dar, mal in der Buchhandlung, mal beim Verlag, oft auch als ebook beim großen A. Das heißt auch, dass Lesen bei mir viel Zeit in Anspruch nimmt und oft hadere ich damit, schließlich ist auch Lesen eine – vermeintlich edlere – Form der Weltflucht:

    Später werde ich wissen, daß Viel-Lesen ein Narkotikum ist, mit dem man die Kanäle verstopft, aus denen die eigenen Gedanken kommen sollten.

    Der Laden von Erwin Strittmatter

    Das notierte ich schon am 1. Januar 2023. Daher treffe ich hiermit den Vorsatz, mir bis Jahresende einen „Handapparat“ unbedingt erneut lesewürdiger Bücher auf Grundlage der hier verbloggten Werke anzulegen und diesen im nächsten Jahr einfach erneut zu lesen (oder es zu lassen). Es werden keine weiteren Bücher erworben. Entleihbare Bücher werden in der Bücherei mit Blick auf die jeweils relevante Frage quergelesen, aber nicht entliehen.

    Ein Luxusproblem? Ja, so wie das ehrenamtliche Publizieren an sich.


    Titelbild: Albert Robida: „The Automatic Library“, 1894. Illustration zu Octave Uzannes „The End of Books“, Scribner’s Magazine. Gemeinfrei, via Public Domain Image Archive.

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  • Gelesen: Marlen Haushofer – Die Wand

    Es freute mich, in Daniela Strigls Nachwort zu lesen, dass Marlen Haushofer eine Schwäche für utopische Romane und Science Fiction-Kolportage hatte. Schließlich ist auch die titelgebende Wand ein Science Fiction-Motiv, das jedoch, kaum, dass es in die Handlung eintritt, diese in radikalsten Realismus umschlagen lässt: das Wetter, die Jahreszeiten, die Nahrungsmittelversorgung, die Tiere. Vor allem die Tiere, die ohne jede Disneyfizierung zu echten Figuren der Erzählung werden.

    Wie es Haushofer gelingt, die Gleichförmigkeit ohne Monotonie zu erzählen – geradezu als Spannung ohne Spannung -, das beeindruckt auch erzählökonomisch. Wusste sie von Beginn an, wie die Geschichte enden müsste? Ich glaube, ja. Umso mehr erstaunt, wie – und wie wenig – sie die Erzählung darauf hinauslaufen lässt.

    Auch aus Strigls Nachwort:

    Bemerkenswert ist auch die besondere Aufmerksamkeit, die das Kultbuch anlässlich seines 60. Geburtstags in französischen Medien erhielt: Die Bloggerin Maureen Wingrove alias Diglee hatte Die Wand 2019 in einer Wühlkiste entdeckt und eine begeisterte Empfehlung publiziert – das Buch war im Nu vergriffen, die Neuauflage ein Bestseller und Haushofer als literarische Größe in Frankreich durchgesetzt.

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