
Der Text 1776 oder die Vereinigten Staaten als Avantgarde von Winfried Thaa in den aktuellen Blättern verstärkte einen Eindruck, den ich in der Vergangenheit schon mal gelegentlich hatte: dass es lohnenswert sei, sich mit der amerikanischen Verfassungstradition auseinanderzusetzen, beispielsweise den sogenannten Federalist Papers.
Ich verstehe mich und äußere mich gerne als Kritiker des repräsentativen Moments der repräsentativen Demokratie, weil ich glaube, dass sie nicht mehr die richtige Antwort auf die Frage ist, und in der Folge ihre Nebenkosten, etwa Elitenbildung, überwiegen. Insbesondere durch Philip Manows (Ent-)Demokratisierung der Demokratie glaubte ich, Repräsentation als Überbleibsel von Aristokratie entlarvt zu haben.
Zwar räumt auch Thaa ein:
Die Amerikanische Revolution dagegen steht unter dem Verdacht, lediglich der Klassenherrschaft der sklavenhaltenden Großgrundbesitzer und der reichen Kaufleute der Ostküste eine moderne politische Form gegeben zu haben.
Das kratzt aber lediglich an der Oberfläche der modernen Repräsentationsdiskussion, die sich offenbar auch fruchtbar mit der Französischen Revolution und deren Vordenkern auseinandergesetzt hat.
Auf der Suche nach der richtigen Lektüre erwarb ich dann – antiquarisch, wie so ein KI‑Hersteller – The Debate on the Constitution der Library of America: Federalist and Antifederalist Speeches, Articles and Letters During the Struggle over Ratification: schlanke zweitausend Seiten, die zuende zu lesen ich keine Wetten annehmen würde.