Gelesen: Emil Herz – Denk ich an Deutschland in der Nacht

Die Vorbesitzerin dieses Buches erhielt es vor einigen Jahren antiquarisch aus Amsterdam. Im Umschlag ist der ursprüngliche Besitzer vermerkt, er lebte im Kibbuz Dovrat in Israel. Die Auflage dieses Buches ist von 1952, möglicherweise war er deutscher Emigrant, geflohen vor den Nazis. Sein Name legt dies nahe.

Emil Herz leitete den Ullstein Buchverlag in Berlin, bis er 1934 gezwungen wurde, die Stelle zu verlassen, woraufhin er auswanderte und in die USA gelangte. „Eines Tages stand unser jüngster Sohn Arthur in Uniform vor uns, um Abschied zu nehmen“, so Herz im Prolog des Buches. Die bitte des Sohnes: Herz möge das Haus der Vorfahren Steg aus seiner Erinnerung wieder auferstehen. „Der in so ernster Stunde geäußerte Wunsch war mir Gebot.“

Denk ich an Deutschland in der Nacht ist die Geschichte des Hauses Steg, eine fünf Generationen und zweihundert Jahre überspannende Saga, die jüdisches Leben in Deutschland, deutsche Geschichte aus Sicht deutscher Juden und jüdische Erfolge auf Gebieten wie Wissenschaft, Politik und natürlich Literatur in den Blick nimmt.

Da ist „das ungestüme Begehren, als nützliches Glied aufzugehen in die deutsche Allgemeinheit“, das Ausgeliefertsein gegenüber den oft antisemitischen und selten judenfreundlichen Gesinnungen der jeweiligen Herrscher, Monarchen oder Regierungschefs. Auch liefert Herz spannende Einblicke in das aufstrebende Verlagsgeschäft um und nach 1900, in dem er führend tätig war.

Das Buch endet mit einem Gedenken all jener, die der Vernichtung nicht entkommen konnten und  einem Zitat aus dem biblischen Buch Ezechiel, in dem die Toten wiederauferstehen.

Und siehe, da rauschte es, als ich weissagte; es regte sich, und die Gebeine kamen wieder zusammen.

Odem kam in sie und sie wurden wieder lebendig und sie richteten sich auf ihre Füße. Es war ihrer eine unabsehbare Menge.

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