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  • 16.1.19: Grünkohl und „Titans“

    Heute nahm ich an Arbeitskreissitzungen im Haus der Wirtschaft in West-Berlin teil. 70er-Jahre-Bausubstanz am Ernst-Reuter-Platz kaum zehn Minuten von meinem Noch-Wohnort entfernt.

    Die Mittagspause verbrachten wir in der Kantine der nahegelegenen Bundesbank (wo ich vor rund vier Jahren ein gefühltes Kilo Kleinstgeld in Scheine wechselte) und wo ich – das ist tatsächlich etwas besonderes – Grünkohl aß. Nicht so gut wie selbstgemacht, was gut ist, weil es heißt, dass der selbstgemachte gut ist.

    Danach fuhr ich dann noch ins Büro und fand zwei schreckenerregende Mails im Postfach vor, die mich aber erstaunlich unaufgeregt zurückließen. Anschließend erledigte ich noch ein paar wichtige Sachen mit dem Chef, damit sie morgen bereits erledigt sind. Gut.

    Und eben schaute ich die erste Folge von Titans bei Netflix. DC will jetzt offenbar auch „grittty“ Serien wie Daredevil, Jessica Jones etc. Aber ich fand’s nicht schlecht. Abgesehen von Dick „Robin“ Grayson weiß ich nicht, wer die Leute sind, was es eher noch interessanter macht. Von DC habe ich nur wenig gelesen und wenn dann Batman.

  • 8.1.19: Fahrrad und Habeck

    Selbst bei Regen und in (zu warmer) Regenhose: Ich mag die morgendlichen Radfahrten zur Arbeit, denn sie bieten Gelegenheit zu ein wenig Bewegung bei frischer Luft und Tageslicht. Am Wochenende war ich zweimal zwei kleine Runden laufen und nahm irrigerweise an, das könnte ich morgens vor der Arbeit fortsetzen. Gestern stellte ich dann das Offensichtliche fest: Es ist bis mindestens acht Uhr noch viel zu dunkel.

    Und was mir auffiel: Ungewöhnlich viele Leute scheinen mit dem Rad unterwegs zu sein – im Januar, bei Regen. Radfahren findet Verbreitung und das trägt zum Sicherheitsgefühl bei, wenn man nicht einer von sehr wenigen Radfahrern im Straßenverkehr ist.


    Seit gestern denke ich über Robert Habecks Entscheidung, Twitter und Facebook zu verlassen nach. Was ich interessant finde: Sein erster Ausrutscher ereignete sich kurz vor der Bayernwahl: „Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern“. Konsequenzen auf das Wahlergebnis lassen sich nicht feststellen. Bündnis 90/Die Grünen haben ihren Stimmenanteil mehr als verdoppelt.

    Wenn aber selbst eingestandene Fehler trotz der unerbittlichen Fehlerkultur gegenüber Politikern keine negativen Folgen haben: Liegt es nicht nahe anzunehmen, dass sämtliche Anstrengungen in den sozialen Medien abgesehen vom Applaus der eigenen Aktivisten und der Kritik politischer Gegner keine Konsequenzen haben? Daher glaube ich, dass Habecks Entscheidung folgenlos bleiben wird. Das Wahljahr wird für die Grünen aber ohnehin ein schwieriges.

    Das Argument, er würde sich damit Debatten entziehen, geht aus meiner Sicht auch fehl. In den sozialen Medien finden keine politischen Debatten statt. Politische Debatte ohne Willensbildung – also Entscheidungen, Beschlüsse – ist sinnlos, unpolitisch. Wer Debatte will, muss derzeit noch in Parteien gehen – oder sich für funktionierende Online-Beteiligungsverfahren einsetzen (oder beides).


    Ein interessanter Artikel heute von An Xiao Mina – mit vielen lesenswerten Verlinkungen: The death of consensus, not the death of truth.

    The world as a whole and the West in particular is moving from a world of broadcast-based consensus to what scholar Penny Andrews has called digital dissensus

    Dabei war der Dissens ja immer da; Politik beginnt überhaupt erst da, wo kein Konsens möglich ist, wo also entschieden werden muss. Digitale Medien machen den Dissens, die Uneinigkeit, die andere Seite nur sichtbar(er).

  • 28.12.18: Fontopa und Eurane

    (Zuerst stand da Europa und Fontane, aber ich bin ja ein Freund des schlichten Sprachwitzes

    Verrichtungen dieses Tages: Wir haben einen Schrank gekauft (der im Februar geliefert wird). Und Lebensmittel für den Rest des Jahres.


    Drei Geographen sprechen sich im Blog der London School of Economics für ein Europa der Städte und Regionen aus:

    Often the real differences in the quality of life and the types of challenges and problems faced by Europe’s populations are not found across national borders but between regions, villages and cities or between rich and poor quarters of a town. And the rich quarters of Europe are all more similar to each other than to the poorer areas that are nearer to them.


    Bei der Georg-August-Universität Göttingen kann man sich durch Theodor Fontanes 67 Notizbücher klicken – nicht nur eingescannte Seiten, sondern auch Transkriptionen und sogar XML-Code. Sehr eindrucksvoll.

  • 27.12.2018: Nur ein paar Links

    Es gibt also gute Gründe, skeptisch zu sein gegenüber der mal suggestiven, mal disziplinierenden Macht von Geschichten. Nicht umsonst hat sich Thomas Bernhard zum „Geschichtenzerstörer“ stilisiert. Wenn er „in der Ferne irgendwo hinter einem Prosahügel die Andeutung einer Geschichte auftauchen“ sähe, dann schieße er sie ab.

    ltrtr.de | via Buddenbohm

    Beim DLF Kultur gibt es Bernhards Kalkwerk derweil als Hörspiel. Noch traue ich mich nicht.


    Micro.blog reiht sich in die Vielzahl an Diensten ein, die Social Networks anders und besser machen wollen. Ich bin dort zwar auch vertreten, habe aber bislang nicht so richtig verstanden, was genau dort anders und besser sein soll. Brad Enslen erklärt hier einiges in seinem Beitrag The Case for Moving Your Social Network to Micro.blog. Interessant:

    As the name Micro.blog implies the primary thing you can do on it is write short form posts like Twitter and Facebook.  But you can also post long form posts just like you would on a conventional blog, just keep typing and when you hit 280 characters in a post a Title Field appears and you are long form posting – effortlessly.  There is no friction or barriers between you and just writing.


    Der geschätzte Popblog präsentiert seine Alben des Jahres. Auf der 1: Eine Band aus Essen („und doch nur zugezogen“) mit ungooglebarem Namen. Und Überraschung! Es gab was Neues von Beak>>. Gleich gekauft.

  • 26.12.18: Auf der Erzbahntrasse

    Um mal wieder in Bewegung zu kommen und um die angenehm trockene Kälte zu nutzen sind wir heute rund zehn Kilometer auf der Erzbahntrasse vom Westpark bis Wanne-Eickel spaziergewandert – von dort zurück mit der Straßenbahn.

    Industrie, „Natur“ (eigentlich ist hier alles Kulturlandschaft) und Ortschaften prägen den Weg in schnellem Wechsel, dazu einige abenteuerliche Brücken – nichts für Leute mit Höhenangst – und viele sportive Radfahrer.


    The exiles fight back: Hayek, Popper and Schumpeter formulated a response to tyranny

  • 25.12.18: Vom Bünde nach Bochum

    Die heutige Bahnfahrt führte von Bünde über Bielefeld nach Bochum, erneut alle Verbindungen minutengenau pünktlich.

    Im ICE ab Bielefeld stieß ich zu Eva, die aus Göttingen kam. Wir haben es zuvor hinbekommen, für unabhängig voneinander gebuchte Fahrten benachbarte Plätze zu reservieren – höchste Bahnreisendenkunst.

    Sehr schön und eindrucksvoll: 99 Good News Stories You Probably Didn’t Hear About in 2018

    For the last 12 months, the global media has been focused on a lot of bad news. But there were other things happening out there too: conservation successes, huge wins for global health, more peace and tolerance, less war and violence, rising living standards, some big clean energy milestones, and a quiet turning of the tide in the fight against plastic. Stories of human progress, that didn’t make it into the evening broadcasts, or onto your social media feeds.

  • 24.12.18: heiliger Abend

    Der Bünder Stadtteil Ennigloh in strahlendem Sonnenschein.

    Vor Jahren löste ich bei einer Kollegin Entsetzen aus, als ich sagte Weihnachten sei für Kinder. Aber genauso wird der Heilige Abend hier gehandhabt. Ein paar kleine Geschenke werden überreicht, Würstchen mit Kartoffelsalat kredenzt, aber kein Schnickschnack. Finde ich gut so.

    Das gute Wetter nutzend, habe ich am Nachmittag noch einen kleinen Spaziergang in der Gegend unternommen.

    Facebook hat ein Projekt namens Common Ground auf Eis gelegt, welches den zivilisierten Diskurs fördern sollte:

    It would have altered News Feed rankings to boost posts that were commented, liked or shared by people across different political ideologies. It would also have also downplayed comments that led to vitriolic discussions.

    Das wären aus meiner Sicht nicht die schlechtesten Ideen gewesen – obwohl man sich fragen kann, wie sinnvoll es ist, den Unzulänglichkeiten des Algorithmus mit noch mehr Algorithmus zu begegnen. Gestoppt wurde das Feature offenbar, weil Facebook Kritik von konservativer Seite befürchtete:

    Kaplan raised concerns when Facebook research revealed that conservative users tended to be more polarized than their left-leaning counterparts. In trying to mitigate that polarization, Kaplan argued, Facebook would have disproportionately hurt conservative voices.

  • 23.12.18: Tristesse owl

    In Ostwestfalen ist es trüb, nass und kalt, wie so oft zu Weihnachten. Das obige Foto entstand auf dem Weg zum griechischen Restaurant heute Mittag – also dem Weg vom Auto zur Eingangstür.

    Stichwort Auto: https://bielinski.de/2018/12/das-deutsche-auto

    Harald Schmidt hat eine Serie geschrieben und darüber mit dem Deutschlandfunk gesprochen. Unbedingt hören wegen des Satzes, der für ihn die Digitalisierung in Deutschland besser zusammenfasst als jeder andere (jenes Interview mit Peter Altmaier hatte ich auch gehört).

    It’s radical to realize that we don’t have to believe our thoughts. Thoughts are just stories.

    Manchmal kann es Twitter noch, nämlich meinen Hang zum merkwürdigen Humor bedienen. Über diesen Tweet habe ich schallend gelacht:

    „wie viele ramones braucht man, um eine glühbirne zu wechseln?“ – „vier!“— siemers (@siemers) 21. Dezember 2018

  • Resonanz und Politik

    In der jüngsten Sendung der Reihe Sein und Streit bei Deutschlandfunk Kultur stieß ich auf den Jenaer Soziologen Hartmut Rosa, der darin als Theoretiker der „Resonanz“ vorgestellt wird:

    Resonanz, darunter versteht er eine Form der Begegnung zwischen Menschen oder zwischen einem Menschen und der Welt, die von Emotion, der Erfahrung von Selbstwirksamkeit und von Transformation geprägt ist.

    Im Audiobeitrag wird das klarer, wenn er erklärt, eine Begegnung oder Diskussion sei resonant, wenn sie im Wissen um die Möglichkeit erfolgt, dass sie einen selbst, die eigenen Überzeugungen oder Meinungen ebenso verändern könne, wie man selbst das Gegenüber und dessen Überzeugungen verändern kann (und wohl auch will).

    Derartige Begegnungen sind im (medialen) Alltag tatsächlich rar. In politischen Talkshows (dieses Beispiel führt Rosa selbst an) gilt als Verlierer, wer nachgibt. In den sozialen Netzwerken trifft oft das selbe zu – wobei interessant ist, warum das so ist; ist das Talkshow-Verhalten hier eingeübt? Macht die Öffentlichkeit den Unterschied – ob im TV oder im Netz? Oder die Flüchtigkeit und Anonymität der Begegnung?

    Und beim eigentlichen Thema der Sendung, den Protest- und Widerstandsbewegungen kann von einem Diskurs oder argumentativen Austausch ja überhaupt nicht gesprochen werden.