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  • last.fm 2019

    Wie an jedem letzten Tag des Jahres lasse ich auch heute das vergangene Musikjahr Revue passieren und nutze dafür mein Profil bei last.fm. Zu den älteren musikalischen Jahresabschlüssen geht es hier.

    In diesem Jahr habe ich sehr unerwartet (den Anlass erinnere ich tatsächlich nicht mehr) nach vielen Jahren Guided by Voices wiederentdeckt. Und wenn man erst mal anfängt, die unzähligen Alben voll mit sehr vielen Songs, Songskizzen und Songfragmenten zu hören, dann kommt auch schnell eine stattliche Zahl zustande.

    Früher hörte ich bevorzugt die etwas geschliffeneren GbV mit Songs wie The Best of Jill Hives oder Useless Inventions. In diesem Jahr lernte ich die Beatles des LoFi erst richtig kennen und schätzen und hörte die Alben Bee Thousand und Alien Lanes exzessiv.

    Ebenfalls eine Wiederentdeckung nach langer Zeit: DJ Shadow. Der veröffentlichte dieses Jahr etwas neues, was mir zwar nicht gefiel, aber Anlass gab, die Endtroducing und vor allem die noch etwas ältere Kollektion früher Singles Preemptive Strike viel zu hören. Wahre Sampling-Meisterschaft.

    Und die dritten im Bunde, was die Rückbesinnung auf Vergangenes betrifft, sind die Talking Heads. Für die gilt zwar nicht, dass ich sie lange nicht gehört hätte, aber zumindest habe ich mich 2019 besonders auf die drei Alben More Songs about Buildings and Food, Fear of Music und Remain in Light konzentriert- vor allem das wirklich herausragend gute letztgenannte.

    Aus dem vielen Ambient, den ich in diesem Jahr gehört habe, sei ganz besonders die Kollektion Kankyō Ongaku: Japanese Ambient, Environmental & New Age Music 1980​-​1990 hervorgehoben und von ihr der klösterliche Zen-Track Ishiura; nicht umsonst mein meistgehörter Titel 2019:

    Aus der Abteilung indierock geht die Krone an Fontaines D.C. aus Irland. Die hinterließen zwar keinen so bleibenden Eindruck wie Shame im vergangenen Jahr, sehen aber immerhin so aus wie Oasis Mitte der Neunziger:

    Groß war die Freude in Kreisen, die sich noch für Noise Rock interessieren, über Black Midi: Kaum adoleszente Herren, die scheinbar mühelos an die alten Albini-Bands anknüpfen. Mich haute es nicht so wahnsinnig um, aber BMBMBM ist schon ein verteufelt guter Track:

    Und hier nun also mit unumstößlicher Genauigkeit die Top50 der meistgehörten Bands und Künstler im Jahr 2019:

    1Guided by Voices464
    2Talking Heads219
    3Tortoise183
    4DJ Shadow164
    5The Caretaker140
    6Billie Eilish100
    7Beak>94
    8Autechre89
    9Broadcast63
    10Cocteau Twins63
    11Lower Dens63
    12Talk Talk62
    13Radiohead60
    14Fontaines D.C.57
    15Ben Rath49
    16Lali Puna48
    17Matthijs Kouw45
    18Monolyth & Cobalt45
    19Run the Jewels45
    20Stereolab44
    21Øjerum43
    22Simon Pyke43
    23Daniel K. Böhm42
    24OG Keemo39
    25Richard Ginns39
    26Sun Ra38
    27Clinic37
    28black midi36
    29Blur34
    30Die Heiterkeit34
    31Georgia Anne Muldrow34
    32Kim Gordon34
    33Moss Covered Technology34
    34Autistici & Justin Varis32
    35Kendrick Lamar32
    36The Notorious B.I.G.32
    37The Volume Settings Folder32
    38Aphex Twin31
    39Ian Nyquist31
    40Ms. Lauryn Hill31
    41Cicely Irvine30
    42Mantle30
    43OFFTHESKY30
    44Joy Division29
    45Bill Seaman28
    46Die Nerven28
    47Kummer26
    48Daniel W J Mackenzie25
    49Grimes25
    50Lake Mary25

    Es folgen die Top20 der meistgehörten Songs und Titel:

    1Ishiura (abridged)Toshi Tsuchitori16
    2Born Under Punches (The Heat Goes On) – 2005 RemasterTalking Heads15
    3The Great Curve – 2005 RemasterTalking Heads14
    4Boys in the Better LandFontaines D.C.13
    5Crosseyed and Painless – 2005 RemasterTalking Heads13
    6Allé SauvageBeak>12
    7bmbmbmblack midi12
    8The Dao Is Achieved Through DisciplineMatthijs Kouw12
    9The Goldheart Mountaintop Queen DirectoryGuided by Voices11
    10TeiscoBeak>10
    11Too RealFontaines D.C.10
    12Buzzards and Dreadful CrowsGuided by Voices10
    13Hot FreaksGuided by Voices10
    14Tractor Rape ChainGuided by Voices10
    15The Being-within-form Is The Mother Of The Myriad ThingsMatthijs Kouw10
    16Houses in Motion – 2005 RemasterTalking Heads10
    17Once in a Lifetime – 2005 RemasterTalking Heads10
    18all the good girls go to hellBillie Eilish9
    19when the party’s overBillie Eilish9
    20wish you were gayBillie Eilish9
  • Wandern in Bochum-Weitmar

    Es hat mehr den Charakter eines Spaziergangs, weil man nicht erst irgendwo hinfahren muss, um loszugehen, sondern einfach die Wohnung verlässt. Und es verblüfft mich immer wieder aufs Neue, wie viel Feld, Wald und Wiesen wir hier im Umkreis haben.

  • Podcasts 2019

    Bis in den Mai diesen Jahres hielt ich eine ziemlich strenge Podcast-Routine ein, die auch, aber nicht ausschließlich darin bestand, jeden Morgen (zum Frühsport und -stück) die Sendungen Hintergrund und Europa Heute des Deutschlandfunks, den Podcast Der Tag derselben Sendeanstalt sowie das WDR5 Politikum zu hören. Das hatte ich bis dahin auch drei bis vier Jahre so eingehalten, ein liebgewonnenes Ritual, das ich recht spontan aufgegeben habe. Vielleicht passt es nach dem Umzug nach Bochum einfach nicht mehr in den Tagesablauf, vielleicht war der Informationswert auch einfach zu niedrig (niedrig war er auf jeden Fall, aber das ist ein eigenes, schwieriges Thema).

    Jedenfalls habe ich mir seitdem zu eigen gemacht, nur noch Sendungen zu hören, von denen mich das Thema tatsächlich interessiert. Gerade heute bin ich dabei auf drei für mich neue Podcasts gestoßen, die mich sehr begeistert haben:

    Sicherheitshalber:  Der Podcast zur sicherheitspolitischen Lage in Deutschland, Europa und der Welt, unter anderem mit dem mir schon länger bekannten Journalisten Thomas Wiegold. Die derzeit aktuelle Folge 15 (Chinas sicherheitspolitische Fähigkeiten und Ambitionen) weist vor allem dank des Gastes Dr. Sarah Kirchberger eine unfassbare Dichte an Information auf und ist hochinteressant – auch wenn man glaubt, sich nicht für Sicherheitspolitik zu interessieren (wie ich), oder interessieren zu müssen.

    Future Ltd Der Science Fiction Podcast: Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich die Stimme und den Namen des Moderators Max v. Malotki zuordnen konnte, tatsächlich kenne ich ihn aber gut vom oben genannten WDR5 Politikum. Hier kann er nach Herzenslust den Nerd raushängen lassen. Seine Hörfunkerfahrung kommt dem Podcast natürlich zugute, aber auch hier machen interessante Gäste wie Sebastian Ko in der Marvel/MCU-Episode den feinen Unterschied.

    Ähnliches gilt für den Indiefilmtalk, der mich mit seiner Folge zur Thematik Künstliche Intelligenz und dem immens kompetenten und interessanten Gast Christoph Dobbitsch überzeugte.

    Was mir dabei gerade auffällt: Die oben genannten Hörfunkprogramme rufen, wenn es um externe Kompetenz geht, immer Hochschulprofessoren oder andere „Experten“ an. Das ist aber anscheinend nicht immer das selbe wie Menschen, die leidenschaftlich für ein Thema brennen (dass es dabei Schnittmengen gibt, beweist wiederum Frau Kirchberger im Sicherheitshalber-Podcast). Aber auch die Zeit macht den Unterschied: Wenige Minuten pro Gespräch wie bei Der Tag oder dem Politikum, oder eine gute Stunde, wenn nicht gar neunzig Minuten?

  • Die hämische Polemik der vollen Flughäfen trotz „Greta-Effekt“

    Sie greift zum Beginn der Sommerferien – zumindest in NRW  – erwartbar um sich, die hämische Polemik der vollen Flughäfen und Staus auf den Autobahnen. Was hat Fridays for Future eigentlich erreicht? Offenbar gar nichts. Und warum liegt da eigentlich noch Müll am Rand der Schulwege (kein Witz, sondern ein Leserkommentar)?

    So wird politisches Engagement runtergebrochen auf individuelles Verhalten, das man doch einfach anpassen könnte, wofür man aber zu bequem sei. Es wird entpolitisiert und zu einer moralischen Frage aufgeladen, der kein Mensch standhalten könnte. Und ironischerweise wird die „Klimareligion“ so viel inbrünstiger von den Gegnern der Umweltbewegung praktiziert als von ihren Vertretern.

    Die „Klimareligion“ wird viel inbrünstiger von den Gegnern der Umweltbewegung praktiziert als von ihren Vertretern.

    Die junge Generation, die derzeit for future demonstriert, stellt demografisch eine vernachlässigbare Minderheit dar – das haben wir gerade erst bei der Europawahl wieder gelernt. Genau deshalb sind sie ja so laut. Wären sie eine gesellschaftliche Mehrheit, könnten sie ihren Mehrheitswillen deutlich einfacher realisieren. Auch 20,5 Prozent Grünwähler stellen keine Mehrheit der Wählenden dar, geschweige denn der Bevölkerung.

    Wie war das eigentlich in anderen politischen Bewegungen?

    Die Umweltbewegung war immer auch eine politische Bewegung, eben weil sie die politischen Rahmenbedingungen ändern will, denen individuelles Verhalten unterliegt. Anders geht das nämlich nicht: Würden persönliche Apelle und Aufrufe zum richtigen Verhalten in der Breite funktionieren, könnten wir uns unser politisches System sparen. Darum kämpft FFF dezidiert für politische Veränderungen.

    Politische Zielsetzungen lassen aber abweichendes Verhalten zu. Wenn Unternehmensgründungen gefördert werden, darf man dennoch abhängig beschäftigt bleiben. Wenn Fliegen stärker besteuert würde, dürfte man immer noch fliegen.

    Wie war das eigentlich in anderen politischen Bewegungen? Wurden in der Sozialdemokratie ständig politische Ziele auf individuelles Verhalten reduziert? Wurde vor Kaufentscheidungen recherchiert, ob der Hersteller einen Betriebsrat hat und gute Löhne zahlt?

  • Technologie und Überwachung

    Eine Reihe von Artikeln, Zitaten und Beobachtungen der vergangenen Tage:

    „[T]he more I look around, the more it seems like an American social credit system is springing up around us“ – so Casey Newton im The Interface-Newsletter vom 26. Juni.

    Nur drei von diversen Beispielen, die er nennt:

    • In May, Uber said it would begin to ban passengers with low ratings.
    • The same day the Uber report came out, Susie Cagle profiled PatronScan, a company that aggregates lists of people who have been banned from bars and shares that information with other establishments.
    • Dartmouth researchers this week announced a system for measuring employee performance using a smartphone, fitness bracelet, and custom app.

    Dazu passt, was Adrian Daub in der NZZ über das Netzwerk Nextdoor schreibt:

    Nextdoor heisst die weltweit grösste Nachbarschafts-App. Wenn sich die Menschen gegenseitig helfen, ist dies eine tolle Sache. Doch aus der Hilfe für Nachbarn wird schnell eine Überwachung aller Nichtnachbarn: In San Francisco lässt sich beobachten, wie sich die Stadt in homogene Gruppen auseinanderdividiert.

    Und passt dazu auch, was Benedict Evans hier in einem Twitter-Thread schreibt?

    Sometimes saying that Google or Facebook control what happens on their platforms seems a little like saying that a government controls what happens in a country or a central bank controls an economy. They have levers to channel behavior, but those levers are not precise.

  • Florian Meinel – Vertrauensfrage: Zur Krise des heutigen Parlamentarismus

    Aufgrund einer Besprechung in der ZEIT ungehend erworben (Kindle, daher kein Titelbild), zügig durchgelesen und mit fast 200 Anmerkungen versehen. Ein Buch, mit dem ich mich noch lange beschäftigen werde und eine dringende Empfehlung an alle, die sich für Politik, parlamentarische Demokratie im Allgemeinen und insbesondere die deutsche interessieren. So etwas hätte ich gerne schon in meinem Studium der Politikwissenschaft gelesen.

  • Gewandert: Essen-Holthausen, Baldeneysee, Kruppwald, Essen-Werden

    Rund 16km überwiegend durch Wald und an Wasser, recht große Höhenunterschiede (wenn man brandenburgische Verhältnisse gewohnt ist), erstaunlich viel Natur.

    Eine Route des Hikeline-Wanderführers Ruhrgebiet. Die schönsten Wanderungen im Ruhrgebiet. Verlag Esterbauer 2018.

    Fediverse-Reaktionen
  • 7.4.19: Zeche Hannover und Zettelkasten

    Diese Fotos sind von der Zeche Hannover bzw. vom LWL Industriemuseum, welches sich dort befindet. Erneut dieses Ruhrpott-typische Nebeneinander von Industrie, Natur, Kulturlandschaft und Ortschaften. Schön.


    Bei Heise unternehmen sie „erste Exkursionen“ in Luhmanns digitalisierten Zettelkasten – also den Teil, der bereits digitalisiert ist:

    „Zwar ist erst ein Bruchteil der Zettel vollständig in das Portal eingepflegt, die Verfolgung der so entscheidenden Zettelverweise führt sehr bald in noch unerschlossenes Gebiet.“

    Und wenn man da so einen digitalisierten Zettel zwischen all den Metadaten und Verweisangeboten sieht – das ist ganz ganz groß. Ein wunderbares Digitalisierungs-Projekt und ein Lichtblick neben all der ernüchternden Netzpolitik.

  • Christian Fuchs, Paul Middelhoff – Das Netzwerk der Neuen Rechten

    Als E-Book gelesen (erstmals seit längerem mal wieder) und daher kein Titelfoto. Fuchs und Middelhoff fügen viele Bausteine, von denen man in den vergangenen Jahren schon mal gehört hat, und einige mehr zu einem Gesamtbild zusammen – ähnlich der von der Neuen Rechten verfolgten „Mosaikstrategie“.

    Es scheint in diesen Kreisen zum guten Ton zu gehören, erstmal ein Heftchen zu verlegen, wenn man etwas werden will. Die Zahl der genannten Titel und Verlage mutete mir jedenfalls beinahe absurd an. Generell entsteht das Bild eines relativ kleinen Kreises von Aktivisten, die aber unheimlich viel produzieren, was die Bewegung eher einem Scheinriesen gleichen lässt.

    Wer sie lenkt, wer sie finanziert und wie sie die Gesellschaft verändern lautet der Untertitel des Bandes. Der Anspruch wird in jeder Hinsicht erfüllt, Leser.innen erhalten einen hervorragenden und kompakten Einblick in das titelgebende Netzwerk.

    Die Frage der Finanziers der Neuen Rechten ist ja momentan sehr aktuell; Fuchs und Middelhoff stoßen bei ihren Recherchen auf einen schwerreichen Hamburger Reeder. Aktuell soll zudem ein Duisburger Milliardär verdeckte Geldflüsse veranlasst haben. Wer angesichts dessen noch Hoffnungen hegt, die AfD würde einen wie auch immer gearteten „Volkswillen“ vertreten, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen.

  • 29.3.19: Dinge getan

    Der Höllenstern, er brennt wieder.

    Seit einer Woche sind wir nun schon so richtig in Bochum und haben das Undenkbare geschafft, nämlich diese deutlich kleinere Wohnung in kurzer Zeit wohnlich einzurichten.

    Heute habe ich ein Fahrrad nach Bielefeld gebracht, einen Lyrikband aus der Stadtbücherei ausgeliehen und zum ersten Mal in diesem Jahr und überhaupt zum ersten Mal auf dem neuen Bochumer Balkon gesessen.

    Selten lese ich Rezensionen einer Inszenierung, die mir Lust auf das jeweilige Stück machen. Heute schon:

    Andrea Breth verlässt das Burgtheater in Wien mit einer Inszenierung von Hauptmanns „Ratten“, die den Rezensenten den Angstschweiß auf die Stirn treibt.

    Nachtkritikerin Gabi Hift kommt völlig zerschlagen aus der Vorstellung. Aber gesehen hat sie „einzigartige, nie dagewesene Kreaturen. Kein Klischee, nirgends. Auch keine Nachahmung echter Menschen. Was bei Andrea Breth passiert – und sie dürfte die Einzige sein, die diesen Prozess noch katalysieren kann – ist die Erschaffung von künstlichen Kreaturen aus Text und Geist und der Lebenssubstanz von Regisseurin und Schauspieler*innen.

    Das Stück, Die Ratten, habe ich in der Stadtbücherei leider nicht gefunden – später aber digital gelesen.


    Ich lese auch vom Programmprozess der Grünen und von der Losung Bündnispartei und mir fällt auf: Die einzigen Parteien, denen derzeit ein Wille zur Regierung unterstellt werden kann, sind die Union und die Grünen. Die FDP will nicht regieren, die SPD will nicht regieren, tut es aber trotzdem, bei der Linken wissen wir nicht, ob sie wollte, wenn sie könnte, sie kann aber schon seit vielen Jahren nicht und die AfD würde sicher wollen, sie kann, darf und wird aber nicht.


    Diese Love, Death + Robots-Sache bei Netflix ist sehr sehr gut. Wired dazu hier.