Autor: Wolf

  • Judith Hermann – Wir hätten uns alles gesagt

    Judith Hermann, von der ich erst letztes Jahr ihre Kurzgeschichtenbände Sommerhaus, später und Nichts als Gespenster las, hielt 2022 die Frankfurter Poetikvorlesungen unter dem Titel Wir hätten uns alles gesagt. Vom Schweigen und Verschweigen im Schreiben. Daraus ist dieses Buch entstanden, welches mich – viel zu spät natürlich – darin bestärkt, nun wirklich alles von Judith Hermann zu lesen.

    Ich weiß nicht genau, was diese Poetikvorlesungen sind und in welchem Verhältnis das Buch zu ihnen steht. Hermann erzählt mit der ihr eigenen Stimme Geschichten persönlicherer Art, gibt gelegentlich kleine Einblicke in ihre Art des Schreibens und alles daran ist großartig.

    Schreiben heißt Zeigen und es heißt Verbergen.

  • Uwe Johnson – Mutmassungen über Jakob

    Nach dreihundert Seiten – so lang sind die Mutmassungen – hatte ich in den Jahrestagen gerade einmal begonnen, mich zu orientieren. Mutmassungen über Jakob hat inhaltlich und was die Figuren betrifft Überlappungen mit den Jahrestagen; heute würde man sagen, beide spielen im Johnson-verse.

    Mutmassungen über Jakob ist ein nahezu unzugängliches Buch, das sich mir kaum erschloss. Ich habe irgendwann aufgegeben, es zu verstehen, und ausschließlich wegen seiner Sprache gelesen:

    Er blieb so vorgestützt, reglos starrte er aus seiner Schräge auf seine Hände, in denen das Blut arbeitete. »Soll einer sich selbst versäumen über einem Zweck«: sagte seine Stimme selbstwillig fragend zäh bis zum letzten Laut.

    Holger Helbig, Inhaber der Uwe Johnson-Professur an der Universität Rostock, erklärt das Werk hier ein wenig:

  • while it’s warm by Ayami Suzuki & Leo Okagawa

    while it’s warm, a collaboration between Leo Okagawa and Ayami Suzuki is a slow and careful mix of electronics, vocal, guitar, and field recording from everyday life.

    Natürlich gekauft bei Bandcamp.

  • Rick Rubin – The Creative Act: A Way of Being

    Eine Sammlung esoterischer Kalendersprüche und Banalitäten, die gerade genug interessante Gedanken enthält, dass man das Buch nicht weglegt. Insgesamt dennoch ärgerlich.

  • Uwe Johnson – Jahrestage

    Den ersten Band hatte ich eigens verbloggt, ehe ich merkte, dass die vier Bände fortlaufend seitennummeriert sind, es sich also um ein Werk handelt.

    Wenn gilt: Je niedergeschlagener nach dem Durchlesen, desto besser das Buch, dann war dieses sehr sehr gut. War es ja auch. Einmal mehr fällt es mir schwer, etwas dazu zu sagen, ohne den Umfang, die Detailtiefe zu preisen. Darum belasse ich es vorerst einfach bei der Höchstwertung und schreibe nach der erneuten Lektüre mehr dazu.

  • Bernd Drücke – Anarchismus Hoch 3

    Der dritte Band von Gesprächen des Koordinationsredakteurs der Graswurzelrevolution, Bernd Drücke, mit Protagonistinnen und Protagonisten des Anarchismus.

    Das Vorgänger-Buch Anarchismus Hoch 2 hatte mir glaube ich mehr gegeben. Dieses hier hat ein wenig zu sehr den Charakter der Zweitverwertung von Gesprächen aus der Zeitung.

    Gespenstisch muten aber die Gespräche zur alten Lucke-AfD oder zur damaligen Situation in der Ukraine an; teils hochaktuell, teils wie aus dem letzen Jahrhundert. Das Buch ist von 2016.

  • Rosemary Sutcliff – Galahad

    Die Fortsetzung von Merlin und Artus und ich hatte vollkommen andere Erinnerungen – vor allem atmosphärisch – daran. Stattdessen erneut die kindgerechte Aufarbeitung von dem alten Sagenschmarrn. Immerhin, hinterher bei Wikipedia & Co. den Hintergrund der Gralslegende nachzulesen, ist milde interessant.

  • Walter Benjamin – Zur Kritik der Gewalt

    Harte Kost, die ich sicher noch mindestens ein weiteres Mal hätte lesen müssen, um ein hinreichendes Verständnis zu erreichen. Dafür interessierte mich das Thema dann doch nicht genug. Das Nachwort von Marcuse ordnet die diversen Essays und Themen immerhin gut ein und schnürt sie ein wenig zu einem Gesamtpaket.

  • Klassiker: Frog Eyes – The Golden River (2006)

    Von all den Alben aus der seltsamen Nullerjahre-Kanada-Connection vielleicht noch vor das Beste. Ein entrückter Märchenerzähler inmitten dieses scheppernd krachenden Trios, das seinen Irrsinn Song für Song irgendwie doch immer wieder in diese spezielle verstörend poppige Richtung treibt, ohne ihn dort jemand wirklich einzuhegen. Großartig!

  • Rosemary Sutcliff – Merlin und Artus

    An den dreibändigen Schuber zur Artus-Sage hatte ich gute Erinnerungen – viel bessere sogar als an den Herr der Ringe-Schuber. Gelesen habe ich das ziemlich sicher schon mit zehn, in einem Alter also, als mich die überaus blutigen Rittergeschichten schwer begeistert haben.

    Heute lesen sich die Geschichten ein wenig wie so ein Samstagmorgen-Cartoon: Zu Beginn kommt meist jemand in den Saal der Tafelrunde gestürmt, irgendein Abenteuer entfaltet sich, am Ende entpuppt sich die böse Fee Morgana (starke Gundel Gaukeley-Vibes) als heimliche Strippenzieherin.

    In einer Nachbemerkung geht die Autorin auf die historischen Quellen der Sagen ein; fand ich interessant:

    So geht die erste Geschichte, die von Vortigern und Merlin, von Uther und Igraine und vom leuchtenden Drachen am Himmel erzählt, auf die Geschichte Britanniens von Geoffrey von Monmouth zurück.
    Sir Gawain und der Grüne Ritter basiert auf einer mittel-englischen Dichtung.
    Geraint und Enid geht auf ein altes walisisches Buch zurück, das The Mabinogion heißt.
    Die Quelle von Sir Gawain und die häßliche Dame ist eine mittelalterliche Ballade.
    Der erste Teil von Percivals Abenteuern knüpft an eine andere frühenglische Dichtung an.

    Weiterlesen werde ich sicher, denn an den zweiten Band, Galahad, in dem der heilige Gral gesucht wird, habe ich ganz besonders gute Erinnerungen.