Ein schönes, dichtes Essay von rund 50 Seiten Länge, auf das ich durch die hervorragende Besprechung des jüngsten „Marvel“-Films von Wolfgang M. Schmitt stieß.
Quent rechnet hart und fundiert mit der Art ab, wie sich moderne Politik lagerübergreifend vollzieht. Die Spannung besteht in dem, was dadurch ausgeschlossen ist und möglich wäre.
Ihre Fortsetzung des grandiosen Parable of the Sowers widmet Butler vorrangig der Earthseed-Religion, die ihre Hauptfigur Lauren Olamina gewissermaßen stiftet und der sie zur Verbreitung verhilft. Gekleidet wird das in eine tragische, oft schmerzhafte Geschichte aus Verlust und Niederlage, die über alle Maßen gelungen ist.
Allein, die vielen über das Buch verteilten Earthseed-Verse sind wirklich alle außerordentlich naiv und schlicht. Auch vermag die Idee einer „rationalen Religion“, die die Menschheit zu ihrer Destiny among the stars führt, ihre Abwegigkeit nicht abzuschütteln.
Warum eigentlich Religion? Weil nur sie die nötige Langlebigkeit an den Tag legt, um entsprechend langfristige Ziele zu verfolgen, lässt Butler ihre Olamina sagen. Das klingt plausibel: Weltreligionen wie Katholizismus, Islam und Buddhismus sind vor allem alt und über ihr langes Leben hinweg nahezu unbewegt. Aber sie verfolgen auch alle keine realweltlichen Ziele oder Zwecke. Geht es darum, so sind gerade die Systeme überlegen, die sich vermeintlich kurzfristigen Horizonten bewegen: Demokratie, Marktwirtschaft, Wissenschaft.
Das ist wohlbemerkt keine Kritik an der Parabel der Talente. Es spricht im Gegenteil für das Buch, dass man so über sie nachdenken kann.
Von Sprints schrieb ich schon vor einem Jahr mit großer Begeisterung. Jetzt haben sie endlich ihren grandiosen Output auf Vinyl gepresst und ich habe ihn erworben: Versand irgendwann im … März? OK, immerhin wird das dann eine schöne Überraschung. Bis dahin habe ich den Kram immerhin in der Bandcamp-App und als MP3.
Es lässt sich leider nicht leugnen: Radiohead ist meine Lieblingsband. Vergangenes Jahr auf Rang 1, dieses Jahr auf 3 mit dem Offshoot The Smile auf der 1. Dabei fand ich deren Album gar nicht so besonders gut – aber einzelne Songs schon, die ich entsprechend häufig gehört habe.
Recht spät im Jahr entdeckte ich das Album And In The Darkness, Hearts Aglow von Weyes Blood, das mir sehr gut gefällt und somit die Tradition hervorragender Sängerinnen fortsetzt, die ich seit einigen Jahren pflege. Nennenswert ist überdies das selbstbetitelte Album der Gruppe Die Nerven.
Ich habe in diesem Jahr ausweislich meines last.fm-Profils sogar etwas mehr Musik gehört als im Vorjahr. Auch achte ich längst nicht mehr so pedantisch wie früher darauf, dass auch wirklich jeder abgespielte Song protokolliert wird, beispielsweise wenn ich Schallplatten höre.
Und nun – wie auch schon in den Jahren 2021, 2020, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010 und 2009 – mit unumstößlicher Genauigkeit die Top50 der meistgehörten Bands und Künstler im Jahr 2022:
Zwei Agenten verfeindeter Fraktionen in einem temporalen Krieg beginnen einen heimlichen Briefwechsel und verlieben sich ineinander. Die Novelle wurde mit Preisen überhäuft, erhält exzellente Bewertungen, eine Verfilmung soll in der Mache sein, allein … ich fand sie sterbenslangweilig.
Zu poetisch ist die Prosa, zu vage sind die Figuren gezeichnet, zu monoton die Abfolge von Brief auf Brief, als dass mich diese Geschichte in irgendeiner Weise mitgenommen hätte. Was schade ist, denn konzeptionell ist das alles ganz hervorragend.
Begonnen am 20. März, also habe ich rund sieben Monate für 1150 Seiten gebraucht. Dabei sind sind ca. 250 Notizen in Obsidian entstanden, was für meine Verhältnisse wenig ist; ich habe mich absichtlich gebremst. Die nun zu verlinken und in den Graphen einzubetten wird ein großer Spaß.
Und wozu das alles? Um Gesellschaft besser verstehen und beschreiben zu können natürlich. Ob das gelungen ist, wird die Zeit zeigen. Fünf Sternchen gibt es allein schon dafür, dass ich das Monstrum überhaupt durchgelesen habe.
Mehr Sound Design als bloßes Ambient-Rauschen; mitunter ertönen gar Streicher (Instrumente!). Eine sehr vielfältige Platte, die ich schon erworben habe, ehe der erste Probedurchlauf vorüber war – natürlich bei Bandcamp.
Bethan Kellough creates sound worlds that weave together instrumental materials, sound design and ambisonic field recordings. Her composition ‘Aven’ is based on a recording made in Iceland in 2015, which features the booming sound of underground geothermal activity escaping to the surface through a small shaft.
Die Fortsetzung von A Memory Called Empire und leider nicht so gut. Zuviel Prosa in einer sich eher im Schneckentempo fortbewegenden Story, auch das eindrucksvolle Worldbuilding des ersten Bandes wird hier eher stiefmütterlich behandelt, zuviele Entscheidungen des Imperiums Teixcalaan wirken erstaunlich abwegig – um nicht zu sagen: dumm.
Es bewahrheitet sich also, was Mehrteiler und Serien in der Fantastik allzuoft ausmacht: abnehmende Qualität. Daher besinne ich mich auf meinen Vorsatz zurück, nur noch in sich geschlossene Bücher des Genres zu lesen. Ausnahme natürlich: Die Culture.
Seit Jahrzehnten vorhergesagt, macht er sich langsam und mit zunehmender Dringlichkeit bemerkbar: Der demographische Wandel. Ich fand das Thema immer in gewisser Weise langweilig, weil das Geburtenraten und Alterung ja eher Randbedingungen der Gesellschaft als ein handhabbares politisches Problem sind.
Dabei wurde sicher auch immer auf die realen politischen Probleme hingewiesen, die sich aus diesem Wandel ergeben. Stefan Schulz, dessen Redaktionsschluss ich vor Jahren schon gerne gelesen habe, und dessen Podcastaktivitäten mich ebenfalls seit Jahren begleiten, tut das jedenfalls und zwar auf denkbar originelle Weise.
Es geht in diesem Buch nicht um die Rente, verspricht Schulz in der Einleitung, und er gibt auch niemandem Schuld. Er ergeht sich aber auch nicht in Predigten, wie ich sie noch aus der SPD kenne, wonach man das Älterwerden als „Schatz“ begreifen oder lediglich als Problem der Pflegeversicherung auffassen müsse. Zu den interessantesten Ideen, das nur als ein Beispiel von vielen, zählt für mich das Verschwinden der Jugend(kultur) resp. ihr Kolonisierung durch die Älteren.