Use of Weapons ist wohl das anspruchsvollste Culture-Buch. Man muss nicht lange googlen, bis man auf den erzählerischen Trick stößt und ich gestehe: Ich habe es beim Lesen nicht so richtig kapiert.
Inhaltlich habe ich das Buch schon verstanden, aber sehr wahrscheinlich wäre der emotionale impact der Geschichte deutlich wichtiger, wüsste man, was Banks da versucht.
Spaß macht Use of Weapons trotzdem. So wie jeder Eintrag in die Culture, Banks‘ post-scarcity space opera mit den unterhaltsamsten KIs der Science Fiction.
Das öffentliche Leben wird immer weiter heruntergefahren und ich bin gespannt, was überhaupt noch los ist, wenn ich Montag wieder arbeite.
Die Gesundheit meiner Ohren stand heute im Vordergrund, als ich in einer Hörprüfkabine (siehe Abbildung) Zahlen und einsilbige Worte nachsprechen musste. Die Ergebnisse sind … erwartungsgemäß.
Und sonst? Habe ich mich für die Kommunalwahl im September (fingers crossed, Corona) als Wahlhelfer gemeldet. Angestoßen durch den jüngsten Journaleintrag der Kaltmamsell.
Was war heute noch lesenswert?
Race and Class – ich freue mich immer über Einblicke in die mir fremde aber interessante Welt der Pen und Paper-Rollenspiele.
Slack – Vom Nutzen und Schaden von Fettpolstern – Stefan Kühl hat jüngst den sehr instruktiven (und dank des Hosts Andreas Hermwille auch unterhaltsamen) Podcast Der ganz formale Wahnsinn zum Thema Organisationssoziologie gemacht. Regelmäßig schreibt er aber auf für den guten alten Sozialtheoristen-Blog.
Weil das Geisterspiel Arminia – Osnabrück ausfällt, schaue ich nachher den FilmParasite.
Eine eindrucksvolle autobiografische Erzählung von der Kindheit und Jugend des Autors in bitterer Armut und von seinem trinkenden und prügelnden Vater, dem titelgebenden Mann seiner Klasse.
Das Buch wurde vielfach wohlwollend rezipiert, weil es eine Lebensrealität darstellt, die in der Politik, in den Medien und in der Literatur kaum Gehör finde. Das trifft mit aller Wucht zu und ist alles andere als banal.
Zwei Dinge haben mich betroffen gemacht: Das Buch spielt nicht in den sechziger oder vielleicht siebziger Jahren, auch wenn die Schilderungen auf mich mitunter den Eindruck erweckten. Vielmehr ist der Autor wenige Jahre jünger als ich, verbringt seine Kindheit also nur leicht versetzt zu mir in den späten Achtziger, frühen Neunziger Jahren, nur eben unter völlig anderen Bedingungen.
Zweitens: Das Buch spielt in Kaiserslautern und schildert diese Stadt, zumindest einzelne Straßen und Viertel, völlig anders als in meinem naiven Bild vom wohlhabenden Südwesten der Republik,
Ein Buch, welches ich als sehr überragend in Erinnerung habe, das mich jetzt beim erneuten Lesen aber wenig begeistert hat.
Science Fiction, die künstliche Intelligenz thematisiert, mag ich ja sehr und Abaitua entwickelt einige faszinierende Ideen. Vielleicht liegt es daran, dass mir der Neuigkeitswert fehlt. Denn die Story als solche, die ist schon sehr seltsam aufgebaut mit einem Perspektivwechsel im letzten Drittel.
Ursula K. Le Guin left us with a wealth of stories and universes, but my favorite might be her Hainish cycle. I recently read, or re-read, every single novel and short story in the Hainish universe from beginning to end, and the whole of this story-cycle turned out to be much more meaningful than its separate parts.
Ist das hier die Resterampe? Keineswegs, das hier sind vor allem die zwei besten Hiphop-Alben des Jahrzehnts – beides allerdings keine Überraschungen für Kenner des Genres, nehme ich stark an.
Triclops! – Helpers On The Other Side
Aber beginnen wollen wir mit den einzigen Vertretern härterer [[Musik]] in dieser Auflistung, Triclops!, von denen ich nicht das geringste weiß, außer, dass sie vollkommen überdrehten Progrock mit Punk-Einschlag, oder umgekehrt machen.
Was soll ich hierzu groß schreiben? Ein Meisterwerk. Man muss dieses Album hören und nochmal hören und nochmal und immer wieder hören. Es ist brillant und berührend.
Das erste Run The Jewels-Album hingegen war vermutlich keine lyrische Offenbarung, aber in Sachen Produktion und Reimkunst für meinen begrenzten Rap-Horizont eine Offenbarung. Außerdem das beste, wenn es um Motivation und Antrieb geht.
Achja, Radiohead. The King of Limbs ist für mich so etwas wie ihr Zen-Album, was vor allem die Live-Darbietung von Songs wie Bloom spüren ließ. Die From the Basement-Aufnahmen haben mir ungemein geholfen, das Album wirklich schätzen zu lernen.
Und dann war da noch Separator, der die Tradition überirdisch guter Schlusssongs fortsetzt – und den ich ohne Weiteres in die Top10-Radiohead-Songs einreihen würde:
Spontan aus dem Regal gezogen, weil mich interessierte, wie dieser Fauser schrieb und gut unterhalten worden. Ab der zehnten schummrigen Bar mit zwielichtigen Typen drin wurde es nur ein wenig monoton.
Aber Westdeutschland der achtziger Jahre in diesen hard boiled-Stil geschrieben zu lesen macht schon Spaß. Es fallen Sätze wie „Ich stellte mich in einen Tchibo und las die Zeitung“ und das ist natürlich sehr sehr schön.
In dieser Ausgabe bündle ich alles, was man unter Indiepop/-rock einsortieren kann. Eine Sparte, die ich in den vergangenen Jahren immer mehr vernachlässigt habe, die ich aber in den ersten paar der Zehnerjahre obsessiv gehört habe – vor allem die fünf Alben dieser Auflistung.
Menomena klangen immer ein wenig mechanistisch, so als würden sie am Reißbrett komponieren. Ich meine mal gelesen zu haben, dass sie dafür sogar irgendeine Software programmiert haben.
Auf Mines und bsonders mit dem unten vorgestellten munter sprudelnden Song TAOS haben sie diese Strukturbetonung hervorragend konterkariert.
Aber kein Hit war größer als Brains! Und Lower Dens sind zudem die einzige hier aufgeführte Band, die ich aktiv weiterverfolgt habe. Erst in diesem Jahr haben sie mit The Competition sehr gut nachgelegt.
Das hier ist nicht nur Indierock mit der Betonung auf Rock, sondern die krautigste Variante davon, die mir in den letzten zehn Jahren untergekommen ist. Wunderbar:
Dass sie neulich diesen Pilzinfektionsklamauk so abgefeiert haben, nehme ich den Gebrüdern vom Future Ltd.-Podcast ja schon ein wenig übel. Aber in ihrer jüngsten Folge haben sie es dennoch erneut geschafft, mir ein Buch schmackhaft zu machen. Und wie recht sie hatten!
Ich versuche erst gar nicht, den Inhalt wiederzugeben. Aber vielleicht helfen Vergleiche, was den Wow-Faktor betrifft: Recursion zog mir ungefähr in dem Maße die Schuhe aus, wie Inception. Oder der erste Matrix-Teil. Oder Ted Chiangs Story of Your Life, der von mir oft gewürdigten Vorlage des Arrival-Films.
Überhaupt, Chiang … wenn man Crouch liest, und ich kannte ihn vorher überhaupt nicht, dann nimmt man eine gewisse Verwandtschaft zu Ted Chiang war: Beide sind Meister darin, große SciFi-Konzepte zu erdenken und in ihren Konsequenzen durchzudeklinieren. Crouch ist aber der bessere Storyteller. Chiang ist halt oft doch etwas fad. Nicht umsonst kleidet er einige seiner Short Stories in pseudo-journalistische Formate.
Recursion ist jedenfalls die beste SciFi, die ich seit vielen Jahren gelesen habe und Anwärter für mein persönliches Buch des Jahres. Und am Future Ltd.-Podcast werde ich nie wieder zweifeln.
Gab es eine bessere Zeit für deutschen Indierock als die vergangenen zehn Jahre? Allein die Namen: Die Nerven, Messer, Gewalt, Die Heiterkeit, Karies, Schuben, Pisse. Und wie sie alle klingen: Noisig, rauh, sperrig. Und manchmal so gut wie Sonic Youth zu ihren seligen Sonic Nurse-Zeiten. Die Nerven schaffen das nämlich; mit ihrem Album Out. Erklärt mich nur für verrückt, es ist so.
Ich bin mir außerdem absolut sicher, dass ich von keiner dieser Bands jemals erfahren hätte, wenn es den Blog Monarchie und Alltag nicht gäbe. Eine der wichtigsten Quellen guter Musik der vergangenen Jahre.
Wir machen direkt weiter mit den tollen deutschen Bands mit guten Namen. Messer sind ein wenig poppiger als die übrigen oben genannten. Das liegt vor allem an den Texten und der Stimme von Hendrik Otremba. Die Unsichtbaren war für mich ein Meilenstein, danach habe ich ein wenig das Interesse verloren. Auch hier sei wieder auf Monarchie & Alltag und ihr lesenswertes Interview mit Otremba hingewiesen.
Eine tollere Stimme als die von Stella Sommer gibt es nicht. Und einen tolleren deutschsprachigen Song als Komm mich besuchen gab es in vielen Jahren nicht.
SchnAAk kommen zwar auch aus Deutschland, haben aber mit den übrigen Bands hier nur sehr wenig zu tun. Sie singen auf englisch und sind einerseits sperriger als beispielsweise Die Nerven, gleichzeitig aber auch poppiger als Messer – zumindest wenn man die Platte etliche Male gehört hat. Rumholzen, wie es SchnAAk viel und gerne tun, können viele. So wie SchnAAk können es nur SchnAAk. Eigentlich kann es für mich nur ein Album dieses Jahrzehnts geben und das ist Wake up Colossus von SchnAAk.
Anders als bei den anderen Platten dieser Liste weise ich bei SchnAAk ausdrücklich auf deren Bandcamp-Seite hin: Hier gibt es Wake Up Colossus zum mehrmaligen Probehören und natürlich zum digitalen Erwerb.