• 200403

    Mein Arbeitsplatz der vergangenen und kommenden Wochen.

    Was man dieser Tage halt so tut:

    • Einkaufen
    • Laufen gehen
    • Fernsehen
    • kurz arbeiten

    Ein Text, zu dem ich immer wieder zurückkehre, ist Evernote and the Brain: Designing Creativity Workflows von Tiago Forte. Er erinnert mich an den Wert einer kontinuierlich genutzten Notizenapp – die weniger Pflege im Sinne von Ordnerstrukturen und Taxonomien braucht, als man denkt. Was sie hingegen braucht, ist eine schnelle Suche. Daher bereue ich es, dass ich zwischenzeitlich Evernote den Rücken gekehrt und minderwertige Lösungen erprobt hatte.

    Aber in meine mittlerweile rund 1000 Evernote-Notizen einzutauchen, Ideen zu ergänzen oder auszuformulieren, Querverweise zu finden oder angedachte Ideen weiter zu recherchieren, kommt nahe an den Flow-Zustand. Sehr angenehm und entspannend.

  • 200329

    Morgens um 8 höre ich Rauschmusik von Michael Begg – gefunden beim Ambientblog:

    Begg programmed software “to track live satellite data and transform the stream into ‘meaningful’ musical information.”


    Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein“ von Benjamin Maack habe ich wegen dieser Besprechung bei 54books erworben und heute beendet. Ich könnte nichts besseres dazu schreiben, als es Sophie Weigand dort schon getan hat.

    Vielmehr erzählt er in „Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein“ von mehreren schweren depressiven Episoden, die ihn sowohl in die Psychiatrie als auch in einer akuten Krise auf eine geschlossene Station gebracht haben. Depression bedeutet in seinem Fall vor allem ein Verlust von Empfindungsfähigkeit.


    Und weil sie drüben bei Das war vor Jahren die „Hamburg Years“ von Tocotronic besprechen – also die ersten Alben bis einschließlich K.O.O.K -, habe ich heute immerhin die ersten drei auch gehört. Musik, die inzwischen auch schon ein gutes Vierteljahrhundert alt ist. Und ich bin froh, dass nicht nur ich jede Menge Humor in den frühen Texten erkenne.

    Die Idee war gut, aber unser Laberdrang mal wieder mehr als bereit: Das TOCOTRONIC-Gesamtwerk wollten wir in zwei Podcast-Folgen als THE HAMBURG YEARS (Digital ist besser bis K.O.O.K) und THE BERLIN YEARS (der Rest) präsentieren, aber nach satten DREI STUNDEN waren wir gerade mal mit Es ist egal, aber durchgekommen. Also wird es wohl auf mindestens drei Folgen hinauslaufen und das hier ist die erste.

    s02e04 – Tocotronic: The Hamburg Years
  • vergessene Krisen

    Vor zwei Tagen fabulierte ich sinngemäß davon, dass die aktuelle Krise die Causa Thüringen abgelöst hätte. Die jüngste Folge des Feuer und Brot-Podcasts erinnerte daran, dass tatsächlich Hanau und der endemische Rassismus in Deutschland die vergessene Krise ist. Die Episode ist unbedingt empfehlenswert, weil sie eben auch verdeutlicht, warum gerade mir gerade dieser Fehler unterlaufen kann.

  • 200320

    Die erste Woche nach dem Urlaub war eine Woche im Zeichen des Homeoffice.

    Ich habe die von vielen gelobte TV-Ansprache von Angela Merkel nicht gesehen. Nicht aus Unwillen: Erst habe ich sie verpasst und dann gefühlt so schnell alle Details aus Überschriften und Tweets vermittelt bekommen, dass es keinen Bedarf mehr gab.

    Dass ich aber einmal Ansprachen des Bürgermeisters meiner Heimatstadt mit größter Ernsthaftigkeit verfolgen würde, hätte ich nicht gedacht.

    Überhaupt scheint Ernsthaftigkeit in das politische Geschehen zurückzukehren: Noch vor wenigen Wochen mussten wir uns mit den Eskapaden der Faschisten von der AfD und der illiberalen Leichtmatrosen in Thüringen auseinandersetzen. Es ist bedauerlich, dass es einer Pandemie bedurfte, bis wieder ein anderer Ton herrscht. Ich hoffe, dass sich das auch in Wahlergebnissen niederschlägt und dass wir dafür ordentliche Wahlen abhalten können.

    Bochum hat jetzt jedenfalls ein Ansammlungsverbot verfügt.


    Noch nie gehört hatte ich von dem Magazin DRECK. Dabei kommt es aus Bielefeld. Nach 32 Jahren Pause ist jetzt die sechzehnte Ausgabe erschienen, das ist doch was. Mehr erfährt man beim Altpapier (ganz unten), bestellen kann man es hier. Und ich werde es bestellen, also nicht drängeln und nicht zuviel auf einmal, bitte.

  • 200315

    Heute habe ich mir endlich Zeit genommen, mein Comixology-Archiv herunterzuladen. 118 Bände, davon gut ein Drittel Saga und ein Drittel The Walking Dead – alles gekauft vor allem in der Zeit, als ich ein iPad und die entsprechende App benutzte, also circa 2010 bis 2018.

    Beunruhigend: Marvel und CD-Content ist da gar nicht bei. Hatten die eigene Apps? Bei Marvel habe ich einige Zeit deren Unlimited-Flatrate genutzt, das wurde dann aber zu einem derartigen Overkill, dass ich schnell das Interesse verloren habe.

    Apropos Marvel: Ist die aktuelle Ruhephase was Marvel-Filme betrifft, nicht herrlich erholsam? Dass der anstehende Black Widow-Film wegen Corona nun abzusaufen droht, ist allerdings sehr bedauerlich.

    Ein großes Vergnügen war die jüngste Episode des Reflektor-Podcasts, in dem Jan Müller von Tocotronic sich mit Musikern sämtlicher Stilrichtungen ausführlich unterhält. Seinen Gesprächspartner Stephan Mahler kannte ich nicht, seine Musik aber umso besser. Mahler war (und ist) nämlich umtriebiger Deutschpunk-Schlagzeuger, der für Slime, vor allem aber für diverse Jens Rachut-Bands wie Angeschissen und Dackelblut trommelte.

    Morgen geht die Arbeit wieder los. Seien wir gespannt.

  • 200312

    Wenig irritiert derzeit so sehr wie der Umgang von Fußballclubs mit dem Coronavirus:

    Wir haben ein besonderes Angebot unseres Präsidenten für euch: Hans-Jürgen Laufer wird morgen zwischen 12 und 14 Uhr drei Fangruppen (max. 5 Personen) mit unserem T1-Bulli und einer Kiste @krombacher besuchen.
    Schickt uns eine Mail an spieltach@arminia.de und bewerbt euch.

    DSC ArminiaBielefeld (@arminia) March 12, 2020

    Man fragt sich: Warum? Warum bleibt ihr nicht einfach zu Hause und macht einfach gar nichts? Auch ich bin froh, dass das Spiel morgen stattfindet, meine Welt würde aber auch nicht zusammenbrechen, wenn es das nicht täte. Selbst wenn der Spielstand annulliert würde und Bielefeld nicht aufsteigt (keine Ahnung, ob das ein denkbares Szenario ist), würde ich das verkraften und denke, das kriegt mit etwas Mühe auch jeder andere hin.

    Wir jedenfalls haben das mit dem zu Hause bleiben und nichts tun am heutigen letzten Urlaubstag ziemlich lange hingekriegt, jedenfalls ab 9:00 Uhr – vorher war hier nämlich ein Elektriker, der eine Deckenlampe fachgerecht montiert hat. Damit ist unser Umzug sozusagen abgeschlossen.

    Außerdem habe ich heute etwas gemacht, was ich schon viel öfter hätte tun sollen: ein Buch einfach nicht weitergelesen. The Outside von Ada Hoffmann ist eine mittelmäßige Space Opera, die sich auf höchst ungruselige Weise Lovecraft-Elementen bedient. Die autistische Wissenschaftlerin als Hauptfigur hat leider keine darüber hinausgehende Persönlichkeit. Und da mir der Kindle die verbleibende Lesedauer bei rund vier Stunden taxierte, beschloss ich, dass mir die Zeit dafür zu schade ist.

    Und was war heute stattdessen lesenswert?

    • Christina Dongowski schreibt hier für das www-mag kundig in Sachen demokratischer Initiativen.
    • Die (in unserem Viertel leider fast inaktive) Nachbarschaftsplattform nebenan.de bietet Kommunen ein Organisationsprofil kostenlos an. Ich bin zwar keine Kommune, fand das aber interessant.
  • 200311

    Heute keine Verrichtungen, sondern ein weitgehend fauler Urlaubstag. Aber wir haben eine Hühnersuppe gekocht, also so richtig mit Suppenhuhn. Das war gut.

    Außerdem habe ich gestern nach längerer Pause mal wieder die Singles von Sun Ra gehört und war von der stilistischen Vielfalt beeindruckter als je zuvor. Das war schon wirklich gute Musik.

    Ebenfalls nach langer Pause höre ich mal wieder das Radiofeature Bandcamp Weekly. Das funktioniert immer noch besser, als alle Spotify-Algorithmen es vorgeben zu können. Ein Hoch auf DJ-Kultur, gute radio-hosts und menschliche Kuration im allgemeinen.

    Heute gelesen, oder für die Lektüre rausgelegt:

    Und gleich gucke ich einen Film. Stay tuned.

  • Massimo Pigliucci – Die Weisheit der Stoiker

    Schon wieder ein Buch durch, ich hab halt Urlaub.

    Massimo Pigliucci ist mir in den vergangenen Jahren schon des Öfteren als ein moderner Protagonist des Stoizismus untergekommen, völlig zufällig stieß ich auf sein Buch in der Bochumer Stadtbücherei – und bin sehr angetan.

    Nicht nur, weil Pigliucci den antiken Vordenkern – allen voran Epiktet – gerne auch mal widerspricht, wenn es darum geht, ihre Philosophie zu modernisieren. Auch kontrastiert er verschiedene Gedanken mit moderneren Denker*innen, beispielsweise Hannah Arendt.

    Der wohl wichtigste Beitrag dieses Bandes besteht aber darin, den oft unterschätzten oder unterschlagenen sozialen Charakter des Stoizismus hervorzuheben. Wer Stoizismus wahrhaftig praktizieren will, ist kein abgeschiedener Eigenbrötler, sondern stellt sich in den Dienst der Allgemeinheit und seiner Mitmenschen.

  • 200310

    Der erste Urlaubstag zuhause, mit diversen Alltagsverrichtungen wie Großeinkauf und Wäsche waschen und – anders als im Hotel – selbst kochen.

    Während einer Busfahrt aus Wattenscheid nach Weitmar knipste ich ein paar mal aus dem Fenster, weil das Wetter so vortrefflich zur Gegend passte. Und ich mag Regen!

    Außerdem hörte ich endlich das schöne neue Album der Gruppe Die Sterne und fand mich besonders von dem Titel Du musst gar nix angesprochen.

    Better Call Saul unternimmt in Episode 4 die zu erwartenden Verästelungen. Sicher die beste TV-Serie, die es derzeit zu sehen gibt.

    Disney+ werde ich hingegen vorerst ignorieren – zumindest, bis es dort neuen Marvel-Content gibt. The Mandalorian interessiert mich nicht, weil mich Star Wars nicht mehr interessiert.

  • Georg Büchner – Dantons Tod

    Ein Drama in vier Akten, welches zudem umfangreiches Vorwissen der französischen Revolution erfordert? Keine leichte Kost, an der ich mich allein wegen dieser Intervention von Richard Herzinger beim Perlentaucher versuchte.

    Ohne Kenntnis der Personen und der Hintergründe macht das wirklich nicht viel Sinn. Aber Büchner malt die Grausamkeit der Zeit und ihrer Protagonisten schon mit sehr breitem Pinselstrich, etwa das Plädoyer des St. Just für einen blutigen Fortgang der Revolution:

    „Soll überhaupt ein Ereignis, was die ganze Gestaltung der moralischen Natur, das heißt der Menschheit, umändert, nicht durch Blut gehen dürfen?“

    Natürlich nicht, möchte man entgegnen. Das ist schließlich der Zweck von Kultur und Zivilisation. Aber das dürften auch heute noch einige deutlich anders sehen.