Gestern so

Gestern so

Die WAZ über die Situation an der Erich Kästner Gesamtschule, an der ich auf dem Weg zur Arbeit auch vorbeifahre:
Dass es rund um die EKS zu Schulzeiten durchaus mal chaotisch wird, ist auch im Rathaus bekannt. Allein wegen regelmäßiger Meldungen der Bogestra über die zugeparkte Haltestellen, wegen derer die Busse häufig auf der rechten Fahrspur halten müssen. Der Außendienst der städtischen Verkehrsüberwachung habe daraufhin öfter vor Ort kontrolliert, allerdings keine Verstöße festgestellt, so die Stadt. Man wolle aber am Ball bleiben.
Das ist die mit Abstand lächerlichste kommunalpolitische Formulierung des beginnenden Jahres. Fahre ich um 7:20 da vorbei, ist noch nichts los. Fahre ich um halb acht vorbei, ist die Hölle los. Würde ich zehn Minuten später da lang fahren, würde ich nicht fahren, sondern vor lauter Chaotik absteigen und schieben. *Deshalb biege ich in solchen Fällen vorher ab in die Stiepeler Straße (wo mich die PKW zwar wegen begrenzter Sicht aufgrund der Hügelkuppen eigentlich nicht überholen können, es aber natürlich trotzdem versuchen. Wahnsinn).
An dem Interview der Süddeutschen Zeitung mit dem Soziologen Steffen Mau ist vieles bemerkenswert: die Wortschöpfung des Polarisierungsunternehmers, oder die der Affektpolitik.
Am interessantesten fand ich den Befund, wonach die schwindende Loyalität der Wählerschaft für Parteien “ein riesiges Problem” sei: Wenn sich Parteien immer weniger auf Stammwähler verlassen könnten, so Mau, desto stärker müssten sie Affektpolitik betreiben, also eine über Emotionalisierung gesteuerte Politik.
Die armen, verunsicherten Parteien geben ihre Ambition auf, die Agenda zu setzen und ihre Kernfunktion, den öffentlichen Raum zu strukturieren.
Das heißt ja nichts anderes, als dass souveränere, rationaler agierende Wähler zu irrationaleren, immer getriebener agierenden politischen Organisationen führen; dass also Repräsentation, in der man den Menschen echte Selbstverwaltung und Demokratie bislang nicht zutraute, zum Auslaufmodell geworden ist.
An dem Interview der Süddeutschen Zeitung mit dem Soziologen Steffen Mau ist vieles bemerkenswert: die Wortschöpfung des Polarisierungsunternehmers, oder die der Affektpolitik.
Am interessantesten fand ich den Befund, wonach die schwindende Loyalität der Wählerschaft für Parteien “ein riesiges Problem” sei: Wenn sich Parteien immer weniger auf Stammwähler verlassen könnten, so Mau, desto stärker müssten sie Affektpolitik betreiben, also eine über Emotionalisierung gesteuerte Politik.
Die armen, verunsicherten Parteien geben ihre Ambition auf, die Agenda zu setzen und ihre Kernfunktion, den öffentlichen Raum zu strukturieren.
Das heißt ja nichts anderes, als dass souveränere, rationaler agierende Wähler zu irrationaleren, immer getriebener agierenden politischen Organisationen führen; dass also Repräsentation, in der man den Menschen echte Selbstverwaltung und Demokratie bislang nicht zutraute, zum Auslaufmodell geworden ist.
FFF Leipzig und Leipzigs Agrarkollektive versammelten am Freitag 200 Personen zu einer Demonstration um die Innenstadt. Sie fordern die Agrarwende und grenzten sich vom Rechtsextremismus ab.
Bücher: The Female Man by Joanna Russ 📚
Wirklich radikal feministische Science Fiction. (Leider) zeitlos und sehr sehr gut.
Damit hätte sich die Lokalpresse doch beschäftigen können (kann sie natürlich immer noch): Auf www.agrar-fischerei-zahlungen.de lassen sich Informationen zu Zahlungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik und der Gemeinsamen Fischereipolitik der Europäischen Union recherchieren. Da kann man unter Gemeinde auch einfach Bochum eingeben und erhält die hier ansässigen Begünstigten.
Demnach hat etwa Herr Hermann Appelbaum im EU-Haushaltsjahr 2022 13.153,55 € EGFL-Basisprämie, 1.951,80 € EGFL-Umverteilungsprämie, 6.390,01 € EGFL-Greening-Prämie und 455,22 € Erstattung nicht genutzter Mittel der EGFL-Krisenreserve. Macht in Summe 21.950,58 €.
Die Spannweite ist groß: Achim Heinrichs erhielt in Summe 67.201,64 €, Henning Große Lembeck hingegen 5.455,69 €.
Das sind wohl bemerkt EU-Begünstigungen. Dieselprämien und Ähnliches aus Bund und Ländern tauchen in dieser Betrachtung nicht auf und all das ist politischer Wille und legitim. Die Überschriften schreiben sich dennoch regelrecht von allein.
ich bin nicht, also bin ich
Was ich stets begrüße, ist Kritik am Framing des Narrativs (am Narrativ des Framings).
Ich kann keine Tafel Schokolade kaufen, ohne dass mir auf der Rückseite die Geschichte der Firma erzählt wird.
So Peter Brooks im Gespräch mit ZEIT Online. Er ist Urheber des Buches „Seduced by Story“ und spricht überdies von einer „sinnlosen Aufwertung des Geschichtenerzählens“. Toll!
Mein Unbehagen gegenüber Storytelling und Narrativen rührt aus dem diesem innewohnenden Sophismus, der mit Sprache manipuliert, schmerzhafte Wahrheiten vermeidet, stets auf Auflösung und Denouement abzielen.
Systeme lassen sich nicht erzählen. Verfahren auch nicht. Rechtsprechung ist keine Story, Gesetzgebung auch nicht. Wenn Systeme erzählt werden, dann um sie zu simplifizieren: Wirtschaft als Kapitalismus, Politik als Demokratisierung (Prozess) und nicht als Demokratie (Zustand).
Bücher: Translation State by Ann Leckie 📚
Der wohl vierte Teil aus Leckies Imperial Radch Saga. Kurzweilig und gut.