Musik im Jahr 2025

Der Satz Ich höre kaum noch neue Musik hat ein wenig den Klang von Wir schauen ja nicht mehr fern. Dabei liegt mir snobistisches Herabschauen fern, ich habe nur einfach keine Zeit: Musik wurde und wird zwischen den zahlreichen Medienarten und Zeitvertreiben zerrieben.

Auch fehlen mir die verlässlichen Quellen und Kanäle: Pitchfork macht inzwischen zu viele komische Sachen, Quietus ist selbst mir zu underground, einst sehr gute Blogs wie Auf ein neues… publizieren seit zehn Jahren nicht mehr, die Algorithmen von Spotify oder – in meinem Fall – Tidal bringen mir nichts.

Es war das erste Jahr komplett ohne last.fm, den Account löschte ich vor rund einem Jahr nach zwanzigjährigem Bestehen. Das Archiv habe ich zurzeit in einer sehr umständlich zu handhabenden CSV-Tabelle, in der ich aber jeden Morgen schaue, was ich in den zwanzig Vorjahren so hörte.

Die Hoffnung, dabei vergessene Perlen wiederzuentdecken, hat sich durchaus erfüllt; heute zum Beispiel den irren Stomper Celebrate The Body Electric (It Came From An Angel) von Ponytail:

Lordalía?

Dennoch erreichte mich 2025 gute neue Musik. Zu nennen ist hier als erstes Virgin von Lorde, einer Künstlerin, die mir mit ihrem seltsamen Namen geläufig war, von der ich zuvor aber keinen Ton gehört hatte. Zu Virgin schrieb ich:

Elektronisch, mit einer kühlen Grundstimmung unter zahlreichen rauschhaften, gleißend-hellen, schwärmerischen Momenten, Passagen, Melodien und Hooks.

Das stimmt nach wie vor.

Dann gab es natürlich Lux von Rosalía, das sich ohnehin in aller Munde befindet. Ich erwarb das Album auf Schallplatte, weil ich auch in diesem Jahr den Versuch unternahm, mehr Vinyl zu hören. Manches bloggte ich. Mich überzeugte das Video zu Berghain sofort:

Konzerte? Fehlanzeige

Radiohead haben in diesem Jahr erstmals seit neun Jahren wieder Konzerte gegeben. Ich habe versucht, ein Ticket zu ergattern und scheiterte. So wohnte ich auch in diesem Jahr keinerlei Konzert bei, was schade ist.

Schön war, dass ich gefühlt alle Radiohead-Konzerte am nächsten Morgen bei YouTube hätte nachschauen können und das beim allerersten auch tat. Dass Leute zu so einem Konzert gehen, um es komplett abzufilmen, stimmt mich aber auch ein wenig traurig.

Technik

Als interessante Neuerung des Musikhörens im ausklingenden wie im neuen Jahr habe ich es endlich geschafft, die Applikation Plex auf meiner Diskstation – einem Network Attached Storage (NAS) – zu installieren, um so verbesserten Zugriff auf die Mediendateien zu erhalten – bevorzugt die Musik.

Und siehe da: Das funktioniert alles viel schneller und auch verlässlicher als mit der grobklotzigen alten Audio-App, die der Hersteller Synology liefert. 2026 wird also endlich mal wieder meine umfangreiche digitale Sammlung durchgehört werden.


Titelbild: Lapland drum, Filippo Buonanni, 1722. Aus: Gabinetto Armonico pieno d’istromenti sonori, Public Domain Image Archive

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