Sowohl bei der Kaschnitz als auch bei Andersch wird der Schock noch Choc geschrieben
Nach einem Spaten greifen und dann

Sowohl bei der Kaschnitz als auch bei Andersch wird der Schock noch Choc geschrieben
Nach einem Spaten greifen und dann

Bücher: Okkultes Denken by Nick Land 📚
Der liebe Dietmar und der nette Philipp schreiben über den bösen Nick. Denn Nick Land sehne sich nach einer »Aufladung des Denkens mit einer dunklen Energie«, so Philipp Theisohn im das Buch abschließenden Schriftwechsel mit Dietmar Dath.
In diesen wohligen Grusel angesichts der vermeintlichen Düsternis von Lands Schreiben erschöpft es sich dann aber auch (und auch ich bin auf den faulen Zauber reingefallen). Denn Nick Land kann nicht nur nicht schreiben, er kann auch nicht denken. Beispielhaft dafür steht die Banalität im bösen bösen Essay The Dark Enlightening, wonach die Gründungsdokumente der USA nicht das Wort Demokratie enthielten (sondern Republik). Das ist richtig, aber an der Stelle geht es doch erst richtig los mit den interessanten Fragen. Die aber werden nicht gestellt. So verbleibt Langeweile.
„Nur so ist es zu erklären, daß die Sozialdemokratie in ihrer praktischen Betätigung sich vollständig in der seichten Atmosphäre des bürgerlichen Parlamentarismus verlieren, daß die kleine und kleinlichste Tagespolitik das geistige Milieu ihrer ganzen Propaganda werden konnte.“
Rudolf Rocker – Sozialdemokratie und Anarchismus

Blut gespendet
On 4chan, groups of trolls are watching livestreams of municipal courtrooms and then creating non-consensual nude imagery of women who take the witness stand. This month, nonconsensual nude deepfakes were spotted at the top of Google and Bing search results. Deepfake creators are taking requests on Discord and selling them through their websites.
„I tend to think that most fears about A.I. are best understood as fears about capitalism“
Ted Chiang

Jahrelang ist die durchschnittliche Lebenszeit, die pflegebedürftige Menschen in Einrichtungen der Altenhilfe verbringen, stabil geblieben. Das ist nicht mehr so: Seit 2019 sind die Verweildauern in der stationären Altenhilfe kontinuierlich gesunken, so das Ergebnis einer bundesweiten Erhebung des Deutschen Caritasverbandes.
Und mit zugehaltener Nase etwas zu wählen, um etwas anderes zu verhindern, ist – siehe USA, siehe Frankreich – weder besonders attraktiv, noch eine Dauerlösung.
Um den Wert von Grundrechten zu kapieren, muss man den Versuch, diese Björn Höcke zu entziehen, nur mal umkrempeln: Gerade Staatsfeinde brauchen sie.
Es ist eindrucksvoll, nach den Essays von Ursula Le Guin die Texte von Nick Land zu lesen. Auf der einen Seite klare Sprache, der man das Verstandenwerdenwollen abnimmt, die sich zu realen Problemen in der wahren Welt verhält; auf der anderen Seite sich selbst genügender menschenabgewandter Text, der nichts bezeichnet und nichts bedeutet.
Lands Essays werden in dem Band Okkultes Denken von Dietmar Dath und Philipp Thelsohn zusammengefasst, auf den ich im Die neuen Zwanziger Podcast stieß (genauer: dessen „Salon“, wo Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt Bücher und Texte vorstellen). Land gilt als einer der Vordenker des Dark Enlightenment oder auch der Neo-Reaktion, jenen Denkschulen, die auf für mich unbestimmte Art in den USA herumwabern und die neue Rechte beeinflussen. Mich damit zu beschäftigen, schien lohnenswert.
Es war zweifelsfrei innovativ und avantgardistisch, schon 1992 mit Begriffen Cyber, Hyper, Techno und Matrix auf eine Weise zu hantieren, die heute kaum noch cringe-frei möglich ist. Diese ganze Maschinen-Science Fiction überdies noch mit Philosophie, Kybernetik, Psychoanalyse und so etwas wie Systemtheorie zu verklumpen, kann man kreativ nennen. Aber: Es bedeutet alles nichts.
Man muss The Twittering Machine von Richard Seymour als die prägnanteste Diagnostik unserer Zeit betrachten:
We are, abruptly, scripturient – possessed by a violent desire to write, incessantly
Dieses obsessive Schreiben, die Produktion von Semantik um ihrer selbst willen – nicht erst in diesem Jahrhundert und nicht erst in den sozialen Medien (Bücher sind soziale Medien) – ist, was Land betreibt. Okkultes Denken endet mit einem „Korrespondenzessay“ der beiden Herausgeber, das den eigentlich lohnenden Teil des Buches ausmachen soll, wenn ich Schulz und Schmidt richtig verstanden habe. Darauf bin ich sehr gespannt.