This is a shockingly understaffed clinic. I don’t understand why the syndics don’t request some more postings from the Medical Federation, or else cut down the number of admissions; some of these aides and doctors are working eight hours a day!
Heute Abend wärmer als gestern. Draußen nur Vögel, besonders Krähen, keine Menschen, anders als am Wochenende.
Wie schläft der Kanzler? Wo speist der kommende Fraktionsvorsitzende? Wer leitet bald die Büros? Wer reinigt sie?
Die Nachbarschaft ist drinnen, oder unterwegs, beschäftigt oder erschöpft. Keine Zusammenkunft keine Zusammenheit, kein Gespräch am Nachbarzaun oder von Balkon zu Balkon. Ohnehin nie. Keine Einladung zum Abendessen oder zum Grillen. Macht sowas überhaupt noch jemand?
Die Einordnungen der Korrespondenten und Berichterstatterinnen. In der Partei regt sich Unmut. Der Arbeitnehmerflügel sei unterrepräsentiert.
Ich versuche zu verorten, wo die Bäume, die ich von meinem Platz aus sehe, in der Nachbarschaft stehen. Früher standen hier mehr. Früher stand hier eine Schule. Sicher klang es hier anders.
Sie alle sprechen, verhandeln, schreiben jetzt gerade. Die Maschinerie rattert nicht, sie rechnet. Kühl. In Berlin, Düsseldorf, München, Frankfurt. In ICEs und Airports. E-Mails und Slidedecks. Die Verbände und die Tarifpartner. Parteimitglieder suchen ihre Logindaten.
Jetzt ein Motorengeräusch in der Ferne. Sicher von der Elsa-Brändström. Oder doch von der Hattinger, wo jetzt eine Straßenbahn auch so klingt, als käme das Geräusch aus der entgegengesetzten Richtung. Alles täuscht.
Verträge, Features, Kommentare, Newsletter, Briefings. Niemand glaubt ernsthaft, dass irgendjemand glaubt, es würde etwas besser werden.
Warum ist bloß kein Mensch da? Jetzt sind doch die guten Abende. Morgen wird die SPD entschieden haben. Dann noch wenige Tage, bis die neue Bundesregierung ins Amt kommt. Welcher Unterschied sollte schon spürbar sein?
Die meisten haben nicht einmal eine Idee, was es sein könnte, das besser werden sollte. Die naheliegende Antwort – das Leben der Menschen – scheint zu abwegig, abgeschmackt, fast religiös.
Retromania entlieh ich, weil Alexander Matzkeit in seinem Beitrag Das Ende der Hyper-Stasis? darauf und auf den von Reynolds geprägten Begriff eben jener Hyper-Stasis (in der deutschen Übersetzung Hyperstase) verwies. Schon die Einleitung seines Textes holte mich in meinen momentanen Themen außerordentlich gut ab:
Alles beschleunigt, aber nichts verändert sich. Das ist das dominante Zeitgefühl der Postmoderne, spätestens seit Beginn des neuen Jahrtausends. Die Krisen mögen zunehmen, die Computerchips kleiner werden, aber wann war das letzte Mal, dass wir in der nördlichen Hemisphäre wirklich das Gefühl hatten: Oh, das ist neu, und das wird alles verändern?
Reynolds zeichnet die Popgeschichte minutiös entlang ihrer Verweise, Bezüge, Referenzen, Zitate nach und spitzt diese Entwicklung auf seine These zu, wonach Originalität und Innovation zuletzt und vor allem im neuen Jahrtausend (das Buch ist aus 2011) weitgehend unter die Räder gekommen sei.
Ich finde dieses Auftürmen von Nerdwissen – ähnlich wie bei Monolithic Undertow – immer leicht anstrengend, weil es sich in meiner unfairen Bewertung um unnützes Wissen handelt, was natürlich Unsinn ist. Aber Retromania nimmt für mich eben erst nach rund 350 Seiten Gestalt an, wenn Reynolds seiner akribischen Geschichtsforschung den theoretischen Unterbau hinzufügt. Hier werden zahlreiche hochinteressante Verweise auf Essays und Theoretiker gezogen, erst hier fällt auch der Begriff der Hyperstase.
Interessant ist hier etwa das Argument, wonach musikalische Innovation sich in den vergangenen Jahren mehr in Technologie – von MP3 bis Spotify – ausgedrückt hätte als in der Musik selbst. Das knüpft an meinen Eindruck an, wonach Innovation in der gesamten Gesellschaft inzwischen ausgelagert ist in den digitalen Raum, während die Lebenswelten im langen zwanzigsten Jahrhundert verharren dürfen und sollen. Die aktuellen politischen Debatten illustrieren dies eindrucksvoll.
Interessant ist aber auch dieser Absatz, der mich unangenehm klar beschreibt:
Es ist kein Zufall, dass atmosphärische Instrumentalmusik in den letzten fünf Jahren in den über Blogs vermittelten Szenen in Europa und Nordamerika immer populärer wurde. Diese Gruppen lehnen ihre Musik an den Space Rock der 60er und 70er, New Age und Library Music an. Eine ganze Generation ist in Erscheinung getreten, die das Gefühl hat, nichts zu sagen zu haben; sie macht Musik, bei der es weder darum geht, sich von inneren Zwängen frei zu machen, noch gegen soziale Beschränkungen zu rebellieren.
Familienfeier in der Stadt mit dem Herzzentrum. Kurpark, Umgehungsstraße. Die seltsame Abwicklung westdeutscher Mittelstädte; kein Ver- oder gar Zerfall, aber auch kein … Fortschritt.
In Dortmund dann langes Warten auf den Schienenersatzverkehr an einem Busbahnhof von unwirklicher, müllverwehter Tristesse.
Dort auch die unangenehme Gemeinschaftsbildung wartender Menschen, die sich stets gegen jemanden – Busfahrer, Servicemitarbeiter – zu richten droht.
What finally clicked and allowed me to move forward, at least so far, was surprisingly simple: I had to find ways to allow myself to be terrible.
Und:
Ultimately the magic bullet for me to start writing for real is to realize that no matter what I do, someone will dislike it.
write.as versteht sich als eine Indieweb/Fediverse-Alternative zu Medium. Ich habe einfach mal den Full Feed aller write.as-Blogs abonniert. Noch nicht zuviel und jede Menge neuer, oft interessanter Content von mir unbekannten, oft anonymen Leuten.
Nils Westerboer wurde bereits für Athos 2643 mit dem deutschen Science-Fiction-Preis geehrt und sein jüngstes Werk gefällt mir sogar noch besser.
Es ist Science Fiction, die den großen, epischen Wurf nicht scheut, und zugleich das Kunststück vollbringt, eine Kleinfamilie in den Mittelpunkt ihrer Geschichte zu setzen und sie zu großen Teilen aus kindlicher Perspektive zu erzählen, ohne dabei zu nerven, sondern stets mitzureißen.
Westerboers Stil ist auf eigentümliche Weise deutsch, was wahrscheinlich nur heißt, dass der Text erkennbar nicht übersetzt wurde, sondern den unverkennbaren Stil des Autors unverfälscht scheinen lässt. Zum Stil zählen auch die wunderbaren Namen; von Orte, Lebewesen, die oft in einem seltsamen Scifi-Italienisch gehalten sind. Sehr schön fand ich das.
Zu guter Letzt strotzt die Geschichte nur so vor guten und spannenden Ideen aus den Bereichen Wissenschaft, Gesellschaft, Philosophie und Politik. Science Fiction im besten Sinne also.
Wie ich sehe, hat inzwischen auch der große Dietmar Dath Lyneham hymnisch besprochen:
Ein Meilenstein hiesiger Science-Fiction: In dem Roman „Lyneham“ schickt Nils Westerboer die auf und an der Erde gescheiterte Menschheit ins kosmische Exil.
Nils Westerboer zu kennen, verdanke ich dem Podcast Sprawl Radio; in einer der jüngeren Folgen sprechen die beiden Hosts mit Westerboer über Lyneham.
Wie ich dem Dissect-Podcast entnehmen kann, ist Kendrick Lamars Album To Pimp a Butterfly vor zehn Jahren erschienen. Damals fuhr ich ein paar Mal an einem Tag von Berlin nach Bielefeld und zurück und hörte das Album auf Dauerrotation. Jetzt, beim erneuten Durchhören, ist da immer noch der Eindruck überwältigender Kreativität, kaum eine Minute, in der ich nicht staunend da sitze und denke ‚Wie war das nur möglich?‘.
Die neue Ausgabe von the html review ist online. Kunst im Netz, wie ich sie mir wünsche. Ebenso wie ubuweb, die haben ihren Auftritt in geschätzt zwanzig Jahren nicht verändert. Dort habe ich mir einen Portraitfilm über Eliane Radigue für später rausgelegt.
Das ZDF bringt außerdem endlich die Serie Die Affäre Cum Ex in der Mediathek, auf die Wolfgang M. Schmidt große Stücke hält:
Das jetzige weltpolitische Desaster sei voraussehbar gewesen, behauptet Jürgen Habermas in einem längeren Essay für die SZ, ist aber zu vornehm, auf die entsprechenden Stellen in seinem Werk hinzuweisen. Europa wirft er vor, durch die Unterstützung der Ukraine in eine Position der Schwäche geraten zu sein.
Liest man Habermas‘ Text, so irritiert der Widerspruch, dass man einerseits alles hätte wissen können, andererseits aber die Zukunft offen ist:
Einerseits sei „schwer zu verstehen“, warum Europa nicht vorausgesehen habe, wie die Demokratie in den USA erschüttert würde.
Andererseits sei „noch völlig unklar“, wie die libertäre Abschaffung der Politik mit Trumps Politikstil einhergehen kann.
Die gegenwärtige Zukunft ist unklar, die gegenwärtige Vergangenheit war hingegen vorhersehbar. Das ist schon irritierend schlicht und vor allem langweilig. Vielleicht lässt es sich auf dieses Zitat zuspitzen:
Für einen halbwegs aufgeklärten Zeitgenossen meiner Generation war der selbstzufriedene Triumph über die Einheit des Westens und das Wiederaufleben der schon totgesagten Handlungsfähigkeit der Nato gespenstisch.
Habermas wird in diesem Jahr 96, entspricht also mindestens mental dem demografischen Durchschnitt unserer Seniorenrepublik. Halbwegs aufgeklärt ist hierzulande jeder, der Schulbildung genossen hat. Obige Annahme wird also durch die bundesrepublikanische Realität widerlegt. Gespenstisch sind allenfalls die mäandernden Ausführungen des einstigen Großgelehrten, denen die Süddeutsche so unnötig viel Platz einzuräumen bereit ist.