Kriegsführung ist der Einsatz von Körpern gemäß Strategie und Taktik. Schmerz, Leid und Tod sind eingepreist. Die Realität ist sicherlich noch schlimmer, aber schlicht nicht darstellbar.
Lohnt sich bei meinem spärlichen Filmkonsum und meiner leichten Unterhaltbarkeit kaum, aber zum Zwecke der Vollständigkeit:
Im Kino
Sechsmal war ich in diesem Jahr in der Kinemathek (Superman sah ich dort sogar zweimal). Marvel ist inzwischen, was Filme betrifft, immerhin wieder hit and miss. Mehrmals saß ich dieses Jahr in leeren oder nahezu leeren Kinosälen.
Thunderbolts* ★★
28 Years Later ★★★⯪
One Battle After Another ★★★★⯪
Superman ★★★★
The Fantastic 4: First Steps ★★★★⯪
In der Glotze
Sah ich gute Filme, dann waren die im Regelfall nicht aus diesem Jahr. Für House of Dynamite wäre ich aber sicher auch ins Kino gegangen. Film des Jahres, wenn man mich fragt. Filme bei Apple TV sind wie Gorge oder Lost Bus auf seltsame Art ungut.
Die erste Staffel der Serie Pluribus war wie eine exzellente Kurzgeschichte von Ted Chiang oder James Tiptree Jr.: ein innovatives Science Fiction-Konzept, das entfaltet wurde, bis es Story ergab. Diese wurde wiederum auf höchstem Niveau geschrieben, gespielt und gefilmt. Erfreulich, dass Vince Gilligan solche Freiheiten eingeräumt wurden und er Risiken eingehen kann.
So zählt Pluribus sicher zum besten, was TV und auch Kino mir in diesem Jahr zu bieten hatten. Das Kinojahr rekapituliere ich allerdings immer erst im Folgejahr und an den Wertungen anderer, die das besser können als ich.
Der italienische Widerstand im von den Deutschen besetzten Rom. Ein achtzig Jahre alter Film, der Widerstand, Glaube, Opferbereitschaft und Autorität in einer Weise erzählt, die mindestens umwerfend ist, wenn sie nicht sogar aus der Bahn wirft.
Maledetti! Maledetti!
Sarete schiacciati nella polvere come dei vermi!
Mio Dio che cosa ho detto ?
Grandios und sicher der Auftakt meiner Auseinandersetzung mit Roberto Rossellini.
Zu sehen in der Arte Mediathek, noch bis zum 31. März 2026.
Was für ein bedrückender, beeindruckender Film. Zudem ein Debüt. Wie es die Tradition will, wurde ‚Im Haus meiner Eltern‘ zu nachtschlafender Zeit ins lineare Programm gesetzt, wie Heike Hupertz bemängelt. Man findet ihn in der ZDF-Mediathek.
Einer soll erklären, ob er einfach nur so weitermachen möchte, bis er nicht mehr da ist. Die übrigen müssen das nicht, dabei tun sie es auch. Es gibt in dem gesamten Film keine Kinder.
Jens Brock kam ohne jegliche Vorerfahrung durch Zufall zu seiner ersten Schauspielrolle: Der Filmemacher Tim Ellrich sah ihn während der Vorbereitungen für einen autobiografisch geprägten Film auf einer Parkbank in Berlin sitzen und machte in mehrfacher Hinsicht eine große Ähnlichkeit Brocks mit seinem Onkel aus. Er sprach Brock an und besetzte ihn schließlich in der zentralen Rolle dieses an Schizophrenie erkrankten Familienmitglieds.
Frank Swinnerton Contemplating, From the Tight Little Isle, The Two Classes of Prigs Developed by Prohibition; Those Who Accept and Those Who Rebel. Ralph Barton, 1922. Public Domain Image Archive
Nach achtundvierzig Jahren versucht Star Wars klarzustellen, dass das Imperium nicht lediglich das finstere Reich eines bösen Zauberers ist, sondern ein autoritäres, faschistisches Regime.
Das ist endlich mal kein redemption arc für ein Jüngelchen, dass von der dunklen Seite verführt wurde, weil er in Natalie Portman verliebt ist. Hier gibt es nur Karrieristen, Befehlsausführer, Bürokraten, Mitläufer und Gewaltmenschen.
Nach der ersten Staffel dachte ich, wie schade es sei, dass Andor im Star Wars-Universum spielt. Zu gut sei der Stoff für das fade Disney-Franchise. Staffel zwei gibt sich nur so wenig Mühe wie nötig, um klarzustellen, dass die Erzählung in das universe passt.
Mehr denn je fällt auf: Es geht bei Star Wars stets und ausschließlich um Menschen; nicht nur im Imperium, dessen Fremdenfeindlichkeit hier merkwürdig runtergedimmt wird, sondern auch in der Rebellion. Vertreter:innen anderer Völker sind, von seltenen Ausnahmen abgesehen, Hintergrundfiguren mit dem Charakter von Muppets und subalternen Kreaturen.
So wenig Science Fiction war ein Star Wars-Stoff auch noch nie: Die Welten, die hier besucht werden, könnten auch Städte auf irgendeinem fiktiven Erdenrund sein. Man reist und funkt mühelos und zeitlos hin und her. Es gibt eine französische Resistance-Welt mit Menschen im Stil der 1940er, Technologie kann immer genauso viel oder wenig, wie es der Plot bedarf: Droiden und Flugtaxis auf der einen, Fernsehschirme und primitive Kameraüberwachung auf der anderen Seite.
Am meisten beeindruckt hat mich die Ausstattung von Andor: Fast jedes Set, jede Location, sah absolut fantastisch aus. Ich bin nicht mehr in der Lage, reale Sets von CGI zu unterscheiden. Besonders Coruscant sieht endlich so aus, wie ich es mir seit Lektüre der Timothy Zahn-Bücher vor über dreißig Jahren gewünscht habe. Gerne mehr davon – und am liebsten in einem originellen Stoff, außerhalb von Franchises.
Heute gelernt: Der RBB hat ein „Heimatjournal“, natürlich mit dem Moderationsroboterzombie Ulli Zelle, und sie haben ihn in meinem Kiez aus dem Bulli geschmissen: „Ulli Zelle ist im Westfälischen Viertel unterwegs„
Wie verschnarcht, betulich und provinziell dieser Sender Berlin präsentiert, lässt mich jedes Mal aufs Neue fassungslos zurück.
The Culture, a fictional interstellar utopian society from author Iain M. Banks is being adapted for television for the first time, to come to life exclusively on Prime Video
Quelle. Verflixt nochmal, muss ich mir doch wieder den Amazon-Kram anschaffen.
Arrival ist gut, aber die zugrundeliegende Kurzgeschichte Story of your Life von Ted Chiang finde ich besser. Das Dilemma natürlich: Da ich die Geschichte schon kannte, konnte mich der Plot-Twist nicht mehr überraschen. Dennoch fand ich deren persönlichere und reduziertere Version wesentlich bewegender.
Neben vielem anderen gefiel mir an Arrival aber die Musik von Jóhann Jóhannsson. So dass ich heute erstmal seit fast schon immer einen Soundtrack erwarb.