Schlagwort: Zitat

  • so als ob es anders sein könnte

    Man kann die „Realität der Massenmedien“ deshalb nicht begreifen, wenn man ihre Aufgabe in der Bereitstellung zutreffender Informationen über die Welt sieht, und daran ihr Versagen, ihre Realitätsverzerrung, ihre Meinungsmanipulation mißt – so als ob es anders sein könnte.

    Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien. 2., erweiterte Auflage. Opladen: Westdeutscher Verlag 1996, S. 173 f.

    Fediverse-Reaktionen
  • Aus Luhmanns „Realität der Massenmedien“

    Man kann ja die Grenzen (und damit die Einheit) einer Handlung oder eines Handelnden weder sehen noch hören. [..] Das macht zugleich die Funktion der Massenmedien in ihrem Beitrag zur kulturellen Institutionalisierung des Handelns verständlich

    Und weiter:

    Im gleichen Zuge wird das Interesse an Personen reproduziert. [..] Gerade in Zeiten, die ihre Zukunft als abhängig von Handlungen und Entscheidungen erlebt, nimmt die Orientierung an Personen offenbar zu.

    Daher vielleicht die überschießende Faszination für Dinge, die „Merz“, „Reiche“ oder „Spahn“ tun.

  • Le Guin über Tiptree Jr.

    Excellent writers (James Tiptree Jr. among them) have said that they see the action of the story as they write it, exactly like a film, so their use of the present tense is a kind of imaginary eyewitness reporting.

    Die große Ursula K. Le Guin über James Tiptree Jr. in Steering The Craft. Tiptree war das Pseudonym, unter dem Alice Sheldon schrieb, die andere große Autorin der Fantastik.

  • Klinken von Türen

    Der Algorithmus spült uns Reels zu, in denen Autor:innen weinend Gedankenstriche aus ihren Texten entfernen, um nicht mit einer Maschine verwechselt zu werden. Robin Walter verwendet das Satzzeichen in Kleine Gnade dagegen in Anlehnung an Emily Dickinson – als Klinken von Türen, die in Räume außerhalb des Gedichts führen.

    Aus dem Editorial der jüngsten edit.

  • Anodyne for his love

    Mir ist das larmoyante Genörgel über KI-Content in Weblogs ja eher zuwider, aber wenn es um Bilder geht, macht es mir wirklich mehr Spaß, mir durch freies Assoziieren ein Bildchen aus dem Public Domain Image Archive (oder anderen freien Bilddatenbanken, die es sicher auch gibt) zu erklicken, als sich etwas generieren zu lassen.

    Das obige The Wave jedenfalls ist von W. T. Horton, aus dem Jahr 1898 und erschienen in A Book of Images, an dem Horton gemeinsam mit William Butler Yeats arbeitete.

    Es ist zu lesen, dass Horton von Yeats in der dritten und vierten Strophe von dessen Gedicht ‚All Souls’ Night‘ (Allerseelennacht) als Geist beschworen wird:

    Horton’s the first I call. He loved strange thought
    And knew that sweet extremity of pride
    That’s called platonic love,
    And that to such a pitch of passion wrought
    Nothing could bring him, when his lady died,
    Anodyne for his love.

    Als Geist beschworen zu werden, erscheint mir jedenfalls als lohnenswertes Ziel. Sicher werde ich in so manchem Trainingsdatensatz der Zukünfte herumspuken.

    William Butler Yeats:

    By Alice BoughtonWhyte’s, Public Domain, Link
  • Angst und Kapitalismus

    I tend to think that most fears about A.I. are best understood as fears about capitalism.

    Transcript: Ezra Klein Interviews Ted Chiang

    Denn, so Chiang weiter, die meisten unserer Ängste, wenn es um Technologien geht, lassen sich am besten als Ängste vor der Art verstehen, wie der Kapitalismus sie gegen uns verwenden wird.

    Gedanken, die auf den ersten Blick klug wirken mögen (weshalb sie ja beispielsweise von Jason Kottke geteilt werden). Das erreicht der von mir sehr geschätzte Ted Chiang, indem er das Gefühl Angst dem gesellschaftlichen Großkonzept Kapitalismus gegenüberstellt. Das als Taschenspielertrick zu bezeichnen, mag zu weit führen, redlich finde ich es aber auch nicht – vom Technologiebegriff ganz zu schweigen. Podcasts, WordPress, Fediverse: alles Technologie.

    Ander gesagt: Den Satz „Angst vor der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist in Wahrheit Angst vor dem Sozialismus“ würde man aus guten Gründen für hochgradig albern halten.

  • Verlinkt: Claude Code Won’t Fix Your Life

    Every few years, a new tool launches that promises to solve the fundamental problem of being a disorganized person with too many ideas and not enough follow-through. The Getting Things Done revolution of the early 2000s spawned an entire ecosystem of apps and methodologies. Evernote was going to be the external hard drive for your mind. Roam Research would finally let you think in graphs instead of hierarchies. Notion would be the all-in-one workspace that replaced everything else. Obsidian (and yes, I use and love Obsidian, so lump me in there) would give you local-first ownership of your knowledge base.

    Und jede dieser Stufen habe ich mitgemacht, darum kann ich die Aussage von JA Westenberg bestätigen: ohne Friktion und ohne Mühe und ohne Überwindung entsteht nichts.

    Obsidian ist aber natürlich super ☺️

    Fediverse-Reaktionen
  • keine Mehrheit

    Petitionen bringen nichts:

    Die Petition für einen Untersuchungsausschuss, die von der Lübecker Initiative Hafenstraße ’96 auf den Weg gebracht und von 10.000 Menschen unterzeichnet wurde, findet im Landtag keine Mehrheit.

    taz.de: Mord verjährt nicht

  • Wie oft man das wohl noch erklären muss

    Seit den 1980er Jahren ist die Beteiligung der Beschäftigten an den Gewinnen aus der Produktivität und Rentabilität der Unternehmen verschwunden.

    taz: „Das System ist gekippt“

  • Pulsaren

    Komme ich zur Super-Nova, so ist er längst bei den Pulsaren.

    Max Frisch – Tagebuch 1966-1971