Kategorie: Musik

  • Die Zehnerjahre musikalisch Part III

    Menomena – Mines

    In dieser Ausgabe bündle ich alles, was man unter Indiepop/-rock einsortieren kann. Eine Sparte, die ich in den vergangenen Jahren immer mehr vernachlässigt habe, die ich aber in den ersten paar der Zehnerjahre obsessiv gehört habe – vor allem die fünf Alben dieser Auflistung.

    Menomena klangen immer ein wenig mechanistisch, so als würden sie am Reißbrett komponieren. Ich meine mal gelesen zu haben, dass sie dafür sogar irgendeine Software programmiert haben.

    Auf Mines und bsonders mit dem unten vorgestellten munter sprudelnden Song TAOS haben sie diese Strukturbetonung hervorragend konterkariert.

    Suuns – Images Du Futur

    Tolle, düster wabernde Psychedelic-Popper. Seitdem komplett aus den Augen verloren, aber mindestens die Hälfte der Songs auf der Images… waren HITS:

    Lower Dens – Nootropics

    Aber kein Hit war größer als Brains! Und Lower Dens sind zudem die einzige hier aufgeführte Band, die ich aktiv weiterverfolgt habe. Erst in diesem Jahr haben sie mit The Competition sehr gut nachgelegt.

    Disappears – Guider

    Das hier ist nicht nur Indierock mit der Betonung auf Rock, sondern die krautigste Variante davon, die mir in den letzten zehn Jahren untergekommen ist. Wunderbar:

  • Die Zehnerjahre musikalisch Part II

    Die Nerven – Out

    Gab es eine bessere Zeit für deutschen Indierock als die vergangenen zehn Jahre? Allein die Namen: Die Nerven, Messer, Gewalt, Die Heiterkeit, Karies, Schuben, Pisse. Und wie sie alle klingen: Noisig, rauh, sperrig. Und manchmal so gut wie Sonic Youth zu ihren seligen Sonic Nurse-Zeiten. Die Nerven schaffen das nämlich; mit ihrem Album Out. Erklärt mich nur für verrückt, es ist so.

    Ich bin mir außerdem absolut sicher, dass ich von keiner dieser Bands jemals erfahren hätte, wenn es den Blog Monarchie und Alltag nicht gäbe. Eine der wichtigsten Quellen guter Musik der vergangenen Jahre.

    Messer – Die Unsichtbaren

    Wir machen direkt weiter mit den tollen deutschen Bands mit guten Namen. Messer sind ein wenig poppiger als die übrigen oben genannten. Das liegt vor allem an den Texten und der Stimme von Hendrik Otremba. Die Unsichtbaren war für mich ein Meilenstein, danach habe ich ein wenig das Interesse verloren. Auch hier sei wieder auf Monarchie & Alltag und ihr lesenswertes Interview mit Otremba hingewiesen.

    Die Heiterkeit – Pop & Tod I+II

    Eine tollere Stimme als die von Stella Sommer gibt es nicht. Und einen tolleren deutschsprachigen Song als Komm mich besuchen gab es in vielen Jahren nicht.

    SchnAAk – Wake up Colossus

    SchnAAk kommen zwar auch aus Deutschland, haben aber mit den übrigen Bands hier nur sehr wenig zu tun. Sie singen auf englisch und sind einerseits sperriger als beispielsweise Die Nerven, gleichzeitig aber auch poppiger als Messer – zumindest wenn man die Platte etliche Male gehört hat. Rumholzen, wie es SchnAAk viel und gerne tun, können viele. So wie SchnAAk können es nur SchnAAk. Eigentlich kann es für mich nur ein Album dieses Jahrzehnts geben und das ist Wake up Colossus von SchnAAk.

    Anders als bei den anderen Platten dieser Liste weise ich bei SchnAAk ausdrücklich auf deren Bandcamp-Seite hin: Hier gibt es Wake Up Colossus zum mehrmaligen Probehören und natürlich zum digitalen Erwerb.

  • Die Zehnerjahre musikalisch Part I

    Bis letzte Woche war mir gar nicht so richtig bewusst, dass ja bald dieses Jahrzehnt endet. Damit deckt mein heißgeliebtes last.fm-Profil, das ich seit 2004 mein Eigen nenne, erstmals ein kalendarisches Jahrzehnt ab.

    Allerdings habe ich in den vergangenen Jahren zumindest gefühlt immer weniger vor allem neue Musik gehört und erworben, so dass ich erst befürchtete, überhaupt keinen Rückblick auf diese zehn Jahre hinzubekommen.

    Das hat sich natürlich als Unsinn herausgestellt. Mit diesem Beitrag eröffne ich folglich meinen Rückblick auf ein Jahrzehnt Musik. Insgesamt dürften rund zwanzig Künstler und Alben zusammenkommen, die es vorzustellen lohnt. Alles andere erschiene mir exzessiv.

    Simon Pyke – Slow Glow I

    Ein Genre, was ich im vergangenen Jahrzehnt viel und gerne gehört habe, ist die funktionstüchtige Rausch- und Knarzmusik, die gemeinhin Ambient genannt wird. Nun ist diese Art von Musik nicht außerordentlich anspruchsvoll in der Produktion. Ich mag beispielsweise die Musik von Mantle, die monotoner nicht sein könnte – nahe dran an einfachem weißen Rauschen, wie man es sich von einer App vorspielen lassen kann.

    Simon Pyke gelingt es hingegen, seinem ohnehin schon exzellent klingenden Brummen eine minimale Prise an Pop-Sensitivität hinzuzufügen. So wenig, dass man es ignorieren kann und gerade so viel, dass es auffällt, wenn man richtig hinhört.

    Liars – WIXIW

    2001 und 2002 entdeckte ich – dank Filesharing und dem damals noch hochinstruktiven Onlinemag Pitchfork – zwei überragende Debütalben, nämlich Turn On The Bright Lights von Interpol und They Threw Us All in a Trench and Stuck a Monument on Top von Liars.

    Beide Bands und Alben wurden auch mit Blick auf ihre unverkennbaren Post-Punk-Vorbilder rezipiert und so entdeckte ich (wiederum dank Pitchfork) auch Bands wie Joy Division, Buzzcocks, Gang of Four und Wire. Vor allem Wire. Das war musikalisch eine tolle Zeit.

    Interpol wurden für mich schon ab ihrem zweiten Album uninterssant, Liars aber hörten nicht auf, sich neu zu erfinden und interessant zu bleiben, mal mit dem Blocksberg-Konzeptalbum They Were Wrong, So We Drowned, mal mit ihrer Trommel-Huldigung Drum’s Not Dead.

    Ihren kreativen Höhepunkt erreichten sie für meinen Geschmack aber mit den Alben Sisterworld und WIXIW: Opulent produzierter Artrock, krautig, elektronisch, exaltiert.

    Four Tet – There Is Love in You

    Kieran „Four Tet“ Hebden kenne ich seit dem Album Pause, welches wie ich gerade sehe, nicht aus den späten Neunzigern, sondern von 2001 ist. Irgendwann jedenfalls zwischen Pause und There Is Love In You wurde ich gewahr, dass Four Tet sich als DJ und Producer und nicht lediglich als einer dieser Schlafzimmertüftler versteht. Wirklich verstanden habe ich das aber erst mit dem 2010er-Album There Is Love On You und dem fulminanten Neunminüter Love Cry.

    L’Orange: The Orchid Days

    Die bedeutendste Quelle für den Erwerb digitaler Musik wurde für mich im Laufe der letzten zehn Jahre die Plattform Bandcamp. Nicht nur, weil das Angebot wuchs, da immer mehr Künstler, Bands und vor allem Labels ihre Vorzüge entdeckten, sondern weil Bandcamp immer besser darin wurde, sein Angebot zu kuratieren und zugänglich zu machen – etwa durch Blogposts, Radioformate und dezente Social Networking-Funktionen wie die Möglichkeit, anderen Nutzern der Plattform zu folgen.

    Jedenfalls muss ich durch irgendeine dieser Funktionen circa 2014 das Hiphop-Label Mello Music Group und dessen Produzenten L’Orange entdeckt haben, der bevorzugt pre-1950s Jazz und Soul sampelt. The Orchid Days ist L’Orange pur, aber seine etlichen Kollaborationen mit MMG-Rappern sind ebenfalls ganz wunderbar.

    beak> – >>

    Es gibt nur wenige neuere Bands, denen ein Krautrock-Sound zugeschrieben wird, wie er mir zusagt. Meistens will ich dann nur Can hören. Beak> ist eine der wenigen Ausnahmen. Der Gruppe um Geoff Barrow von Portishead gelingt der richtige, treibende aber repetitive Rhythmus – angereichert mit klangvollem Georgel und recht unambitioniertem Gesang, was sich weitaus besser anhört, als es sich hier … anhört.

    Beak> ist im übrigen die einzige hier aufgeführte Band, die ich im Radio entdeckte und zwar bei einer spätabendlichen oder nächtlichen Autofahrt auf Radio1. Das weiß ich noch, weil ich mir ja irgendwie schnell notieren musste, wie die Gruppe eigentlich heißt.

    Fediverse-Reaktionen
  • Gewalt – Deutsch / Nichts in mir ist einer Liebe wert EP

    Nach längerer Zeit mal wieder etwas auf Bandcamp erworben.

  • Past Inside the Present – Portraits of Past Vol​.​I

    Past Inside The Present ist ein Label, welches sich laut Ambient Blog auf „ambient, ethereal soundscapes and minimal music“ fokussiert. Genau meine Kragenweite also.

  • Musik gekauft: The Caretaker – Everywhere at the end of time

    Drauf gestoßen bin ich beim Freitag:

    Everywhere At The End of Time beschreibt über sechs Alben, veröffentlicht zwischen 2016 und 2019 im Abstand von je exakt sechs Monaten, die fortschreitenden Stadien von Alzheimer und Demenz.

    Sehr elegisch auch die Kommentare bei Bandcamp:

    There has never before been a comparable work that is so uniquely human in its message of nostalgia, fear, death, confusion, and loss.

    Ebenda auch ein spannendes Interview mit dem Caretaker höchstselbst, Leyland Kirby – hier über Ballroom-Musik, die er bevorzugt versamplet:

    The ballroom scene in The Shining is amazing as well, where this music appears from nowhere. Many, many years ago, in the late ’90s, it was impossible to find out what Kubrick used. He bought the rights to it, and it wasn’t available on any compilations.

  • Musik gekauft: Fontaines D.C. – Dogrel

    Nachdem ich im Januar bereits die Vorabsingles gekauft habe, ist gestern das Album erschienen (Bandcamp-Link). Gerade der erste Durchlauf im Zug. Melodiöser Indiepunk mit sympatisch-irischem Akzent.

  • Musik gekauft! Always The Same, Never Alike von the volume settings folder

    Gefunden im Januar-Abient-Roundup von Bandamp-Daily und dementsprechend auch bei Bandcamp erworben.

  • Musik gekauft! Kankyō Ongaku: Japanese Ambient, Environmental & New Age Music 1980​-​1990

    Der Titel sagt im Grunde alles. Pitchfork ergänzt:

    “Kankyō ongaku” is Japanese for “environmental music,” and as used here it’s an umbrella term for calm, spacious, and slightly chilly music generally built from synthesizers and sound effects

    Probegehört und erworben bei Bandcamp.

  • 13.1.19: Oum Kalthoum und Talk Talk

    Samstag waren wir zum ersten Mal im Bochumer Schauspielhaus, allerdings nicht zu einem Stück, sondern in den Kammerspielen zu einem Konzert arabischer Musik:

    Die ägyptische Sängerin Oum Kalthoum gilt bis heute als eine der einflussreichsten Musikerinnen der arabischen Welt des 20. Jahrhunderts. Mit ihren Improvisationen versetzte sie ihr Publikum in eine Mischung aus Ekstase und Trance. DIVA – Celebrating Oum Kalthoum ist eine Ode an das Erbe der legendären Sängerin. Der Regisseur Ariel Efraim Ashbel feiert Oum Kalthoum in einem Performance-Konzert mit dem internationalen NRWedding Orchestra for Middle Eastern Music.

    Schauspielhaus Bochum

    Auch wenn uns die Musik nicht so sehr zusagte: Den Musikern des zwanzigköpfigen Ensembles zuzuschauen machte großen Spaß.


    Bei Pitchfork rezensieren sie den Klassiker Spirit of Eden von Talk Talk und vergeben – natürlich – die Höchstwertung. Guter Anlass, mir die Platte für die heutige Heimfahrt herauszulegen (= von der Diskstation aufs Mobiltelefon herunterzuladen).

    Legend holds that when the A&R man at EMI heard it, it brought him to tears—not just because of its tidal beauty, but because he knew it wasn’t going to sell. A hugely successful UK band turned their sound inside out and delivered this whisper of a record, some slow, faint echo of their former synth-pop heartbeat.