Frisch und Fruchtig

Es gibt sie noch, die richtig guten Plattenbesprechungen: Hier macht Lennart Brauwers nicht nur auf das jüngste Album der Fontaines D.C., „Dopamine Chamber“ gekonnt Appetit, sondern auch auf deren Gesamtwerk. Das Interview mit Bilderbuch die ich wegen ihres etwas betulich anmutenden Namens immer ignoriert habe, sträflich, wie sich herausstellt, ist ebenfalls sehr gut.
Vor fast zwei Jahren kurz verlinkt, heute wiederentdeckt: Die Favourite Records des Popblogs mit der Gruppe Die Verlierer. Wie groß diese Liste ist, wie geil (Deutsch)punk war und ist, ohne zu stagnieren. Nur eine Auswahl:
Frisch Und Fruchtig von Phosphor werde ich wohl auf Vinyl erwerben.
„Studentenmusik“ ist in manchen Kreisen ja ein gern gebrauchtes Schimpfwort , aber wenn ein Student mit seinem Professor aufgrund eines Die Nerven – Tshirts bondet und daraufhin eine Band gründet, der Professor selbst mal in The Robocop Kraus gespielt hat und dadurch ein Song wie „Ich bin ein Außenseiter dieser Republik“ entsteht: hey, her mit der Stundenten-Professoren-Musik!
Believe The Hype: Schluma & Die Zweiten
Yup, her damit.

Gestern habe ich erneut den BespokeSynth installiert und anhand dieses Tutorials zu nutzen begonnen. Die Hoffnung auf eine ähnlich chaotisch randomisierbaren Tracker wie Jeskola Buzz könnte sich erfüllen.
Aus dem heutigen 9punkt:
Was tun angesichts gewalttätiger Proteste (in Frankreich) und immer größerem Zulauf zu extremistischen Parteien in Europa? Vielleicht mehr Bürgerbeteiligung wagen, schlägt Philipp Bovermann in der SZ vor und verweist auf erfolgreiche Beispiele in New York, Britannien und Taiwan. „Die Herrschaft der Lautesten, die Verfechter der repräsentativen Demokratie fürchten, ist auf der Ebene der politischen Willensbildung längst etabliert. Medial existiert eine gefährlich überdrehende Basisdemokratie, ein Mangel an Delegation – von dem die Politik umgekehrt zu viel hat. Das passt nicht zusammen. Deshalb das ‚Die da oben‘-Gefühl der Entkoppelung.“
Weiter geht es mit interessanten Ausführungen zu Marina Weisbands Projekt Aula.

Es fiel der Entschluss, die frühen Modest Mouse zu hören, also bis zur, jedoch nicht einschließlich der Moon & Antarctica, die zwar auch sehr gut ist, die aber den Beginn der modernen Modest Mouse darstellt. Zum Zwecke der Vollständigkeit war dafür die Interstate 8-EP zu erwerben, die ich in meiner Erinnerung wohl mal zu alten Filesharing-Tagen besaß, nun aber nicht mehr digital vorfand. Die EP erschein am 6. August 1996, also knapp das dreißigjährige Jubiläum verpasst.

Das bislang letzte Studioalbum von Björk, womit diese Reihe, in der ich an jedem Monatsersten ein Björk-Album erwarb, endet. Sie wird fortgesetzt, soviel steht fest, mit Éliane Radigue.
Immer mal wieder schaue ich dieses Video, bei dem man Jeff Mills zuschauen kann, wie er (knieend!) einen Roland TR-909 bedient. Er behandelt die Drum Machine als das, was sie ist: ein Musikinstrument, und er beherrscht es virtuos und meisterhaft.

Bei mir steht schon seit über zwei Jahren ein Nachfolgemodell des Instruments herum, das Mills bedient. Es hat unfassbar viele Funktionen und Features, die sich mit arkanen Tastenkombinationen und verschachtelten Menüs erreichen lassen. Diverse Versuche, es auch nur im Ansatz zu beherrschen, gab ich auf.
Am heutigen ersten Urlaubstag startete ich einen neuen Versuch und bin einmal mehr zuversichtlich. Allerdings weiß ich auch, dass ich unweigerlich alles wieder vergessen werde, wenn ich nicht weitermache und übe. Aus den Youtube-Kommentaren:
The true art of knowing your gear inside out.

Parts & Labor machten hymnischen Noiserock mit Synths, die kein Beiwerk, sondern wesentlicher Teil der Instrumentierung waren. Das gefiel mir:
(18 Jahre her …)
Bandcamp Daily, das empfehlenswerte redaktionelle Portal des Musikdistributors, feiert ihr neues Album, das offenbar nach zehnjähriger Auszeit (man kriegt ja nichts mehr mit) entstanden ist, gehörig ab:
Set of All Sets is a triumph on an epic scale. A culmination and expansion of Parts & Labor’s established aesthetic, the record is a galaxy of sound, a maximalist ode to the constant futures previously mapped out by the band.
Cool, und ungehört gekauft. Natürlich bei … Bandcamp.
Gewalt hätte ich mir ja angeguckt, wäre das Konzert in der Zeche Carl nicht wegen zu geringem Zuspruch im Vorfeld abgesagt worden.
Wasser auf meine Mühlen, dass man im Troglodyten-Ruhrgebiet zwar generischen Provinzstudentenpunk, der auf asi tut, und klischeetriefendsten Bauern-Metal von und für Ü40-Bandshirt-Spießer haben möchte und haben kann bis der Pathologe kommt, wirklich gute Musik und tatsächlich interessante Bands jetzt aber nicht so wirklich gefragt sind.
Guter Rant drüben bei Krach und so … und leider wahr: Ich war seit meinem Umzug ins Ruhrgebiet 2019 so selten bei Konzerten, dass ich das an zwei Händen abzählen könnte. Zu Gewalt wäre ich aber bestimmt wahrscheinlich vielleicht gegangen.
Direkt in Bochum scheint wirklich selten was zu sein, darüber hinaus bekomme ich es mangels Kenntnis selten mit, und falls ja, wäre meine Willenskraft, mich abends mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthinzubegeben und anschließend wieder zurück, sicher gering ausgeprägt.
Aber das ist mein persönliches jämmerliches Problem, daher die Frage: Wo liest man von interessanten (interessanten!) Konzerten im Ruhrgebiet?