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Walkaways sind Menschen, die angesichts ihrer Überflüssigkeit in der spätkapitalistischen Überflussgesellschaft rund fünfzig Jahre in der Zukunft in die Wildnis ziehen, um dort in techno-anarchistischen Communities mit 3D-Druck, algorithmischen Decision Making-Tools und GIT-versionierten Open Source-Anleitungen für Hausbau und alles, was das Leben lebenswert macht, leben. Ein tolles und hochinteressantes Setting.

Wirklich Science Fiction wird Walkaway aber erst, als sich herausstellt, dass in einer der Walkaway-Siedlungen (einer selbstverwalteten Universität) Technologie entwickelt wurde, mit der man den menschlichen Geist digitalisieren kann. Ewiges Leben also. Post-Humanismus. Das mögen aber die Zotta-Reichen nicht – so eine Art ein Prozent vom einen Prozent. Zotta ist (musste ich nachschlagen) eine ähnliche Steigerung wie Mega oder Giga. Nur eben noch mehr. Daraus ergibt sich also der Konflikt, der den größten Teil des Buches prägt.

Doctorow hat zahllose Ideen, die er alle in die Geschichte einflechten muss und wenn das nur heißt, dass jemand sie erwähnt. Daraus ergibt sich, dass die Protagonisten oft unfassbar intelligente Unterhaltungen führen, die ebenfalls oft aus riesigen Infodumps bestehen. Tell, don’t show ist hier das Motto. Und außer klug Daherreden und dem namensgebenden Weggehen (walk away) tun die Leute auch nicht viel. Sie wissen, dass sie jederzeit andernorts wieder neu anfangen können. Interessant und spannend zu lesen ist das aber allemal. Eine Empfehlung.

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