Gelesen: Robert Menasse – Die Hauptstadt

Die Art von Buch, die sich wie Schwerstarbeit anfühlt. Also für den Autoren. Für mich als Leser war Die Hauptstadt – trotz vieler Hauptfiguren, nicht markierter wörtlicher Rede, vieler europäischer Sprachen und Ausführungen zu zahllosen Themen – außerordentlich flüssig zu lesen.

Alles ist hier Geschichte. Die Figuren bestehen aus der Geschichte ihrer Herkunft oder ihrer Väter und Großväter, die EU-Kommission ist Geschichte, derer sie sich bürokratisch-schwerfällig zu erinnern versucht, Europa selbst ist Geschichte. Das ist nichts abwegiges und verleiht allen Personen, Orten und Institutionen besondere Plastizität. Aber es ist eben auch vollkommen frei von Zukunft (und darum vielleicht umso treffender).

Was stört – und zwar nicht von ungefähr: Es gibt einen Kriminalfall in dieser Geschichte, der in eine hanebüchene Räuberpistole mündet, wie man sie eher in Dan Brown-Geschichten und/oder besonders schlechten „Tatort“-Filmen vermutet. Ich hoffte bis zum Schluss gegen alle Evidenz, dass das eine Finte oder Einbildung der Figuren sei. Sollte das zu den satirischen Einsprenkseln des Romans gehören, hat es sich mir absolut nicht erschlossen.

Davon ab: Bitte gerne lesen.

Gelesen: Ursula K. Le Guin – The Telling

59921Nach The Left Hand of Darkness und The Dispossessed ein weiterer Band aus Le Guins Hainish Zyklus.

Am interessantesten an Le Guins Science Fiction finde ich, dass die SciFi-Motive in ihren Erzählungen komplett in den Hintergrund rücken; ohne, dass das Genre verleugnet wird, oder man den Eindruck bekommt, es wäre der Autorin eigentlich peinlich. Das Ekumen ist ein loser Verbund von Welten, die vor sehr langer Zeit von Menschen besiedelt wurden und seitdem ihre Herkunft vergessen haben. Die kommen ursprünglich von der Welt Hain und auch die Erde ist eine dieser Kolonien.

Grundmotiv des Hainish Zyklus ist die Wiederentdeckung dieser Welten durch Hain, die Kontaktaufnahme und Integration in das Ekumen. In jedem Band und auf jeder Welt wird ein bestimmtes soziales, antropologisches Thema durchgespielt. Le Guin schreibt daher weniger Science als vielmehr Social Fiction.

The Telling nun lässt sich am ehesten mit Religion oder Tradition in Verbindung bringen. Vorbild war (wie ich nach der Lektüre gelesen habe) China zur Zeit des Großen Sprung nach vorn. Hier ist es die Welt Aka, auf der die Tradition erbarmungslos von einem zentralistischen Weltstaat verfolgt und ausgemerzt wird. Einschließlich Bücherverbrennungen, Arbeitslagern und Steinigungen. Nur im Verbogenen besteht das alte Wissen fort. Dieser Konflikt Tradition vs. Moderne wird im Verlauf der Novelle ausgerollt – und zwar über weite Teile leider recht plump. Schließlich ist Moderne nicht per se mit autokratischer Gewaltherrschaft verknüpft. Erst zum Ende hin wird auch die traditionelle Denkweise (mit der Le Guin unverkennbar sympathisiert) ein wenig problematisiert.

Gelesen: William Burnett, Dave Evans – Designing Your Life: Build a Life that Works for You

Manchmal lese ich aus Versehen ein Buch aus der Kategorie Self Help. Designing Your Life habe ich aus irgendwelchen Gründen mal gekauft, aber nicht zuende gelesen. Vermutlich wegen der vielen Assignments, die man erledigen soll. Die habe ich auch bei diesem – dem Komplettismus geschuldeten -Zuendelesen nicht gemacht, aber das Buch trotzdem ’nicht unerfreulich‘ gefunden. Nicht ausgeschlossen, dass ich es nochmal zur Hand nehme, wenn ich den Eindruck habe, dass es hilft.