Es gibt eine seltsame, Welt, in der sich Leute, die allem Anschein nach Mathematiker und/oder Ökonomen sind, mit im weitesten Sinne soziologischen Themen befassen. Ich habe etliche Texte aus dieser Welt auf Wiedervorlage, die ich alle paar Monate noch ein bisschen besser als zuvor (also kaum) zu verstehen versuche.

Ein Zitat:

The moral is that the mere act of saying something publicly can change the world—even if everything you said was already obvious to every last one of your listeners.

Aus einem Vortrag von Scott Aaronson bei einem high-school (!) summer program. Und als dem gleichen Text:

as soon as you say X out loud, the other person doesn’t merely learn X: they learn that you know X, that you know that they know that you know X, that you want them to know you know X, and an infinity of other things that might upset the delicate epistemic balance.

Das finde ich super – vor allem aufgrund der Einfachheit der Ursache (jemand sagt etwas) und dem ganzen Strauß an Wirkungen.

Das schwache Denken üben

„Wir sollten uns im »schwachen Denken« üben.“ Ein Gedanke aus dem Büchlein Zehn Regeln für Demokratie-Retter von Jürgen Wiebicke, der mich sehr anspricht. Damit greift er einen Begriff von Gianni Vattimo auf:

„Fünfhundert Jahre nach Thomas Morus‘ „Utopia“ mögen wir zwar noch den nostalgischen Wunsch nach einem großen Wurf haben, aber die Erfahrung des Zerschellens von großen Erzählungen ist für uns postmoderne Menschen die intensivere.“

Das „starke Denken“ gehöre der Vergangenheit an. Schließlich seien  „die starken Denker von heute, die Identitären und Islamisten ja gerade das Problem„.

Bequem ist das schwache Denken indes nicht:

Jeder sollte sich daher in regelmäßigen Abständen die Kontrollfrage stellen, wann man zuletzt eine alte Überzeugung aufgegeben hat. Wer sich womöglich gar für seinen Meinungsstolz rühmt, hat die Tugend des schwachen Denkens nicht begriffen.

Meinungen und Haltung

Mir gehen Gefühle aller Art in politischen Diskussionen nur noch auf den Geist. Haltung, Fakten und Werte braucht man in der demokratischen Entscheidungsfindung. Eine Haltung ist keine Meinung. Fakten sind nicht beliebig. Und Werte sind keine Gefühle, Gefühle sind keine Werte, auch wenn das gerade so viele durcheinanderwerfen.

Die Unterscheidung von Meinung und Haltung finde ich sehr schön. Meinungen hat man zahllose, Haltungen nur wenige – am besten exakt eine. Meinungen ändern sich ständig, die Haltung kaum. Passend dazu der Kulturpragmatismus.

Gefunden bei Herzdamengeschichten