Urbane Fiktionen

Der bestenfalls mittelmäßige Film ‚Dredd‘ hat mich mal wieder daran erinnert, wie sehr ich futuristische (und zumeist dystopische) Visionen von Städten mag. Ebenso wie in Blade Runner, Das fünfte Element, der planetenweiten Hauptstadt Coruscant aus Star Wars und natürlich Metropolis.

Städte sind die Zuspitzung einer komplett menschengemachten Umwelt und des vollständigen Ausschlusses der Natur. Totale Kultur, wenn man so will. Sie sind damit natürlich immer auch Motiv menschlicher und technologischer Hybris (deshalb ist die entsprechende Fiktion so oft dystopisch). Städte sind auch Ausdruck von Organisation, Struktur und Kontrolle (und vor allem deren Scheitern: wieder Dystopie).

Souverän verlieren

Wollte Monika Simshäuser wirklich Schaden von der Partei abwenden, hätte sie ihr diese Berichterstattung ersparen und dennoch antreten sollen. Es ist zunehmend weniger zu ertragen, wie man sich nur noch gegenüber vorher gesicherten Mehrheiten und am liebsten ohne Gegenkandidaten zur Wahl stellen mag.

Eindrücke wie die vom zweistündigen „Beratungswirrwarr hinter verschlossenen Türen“ erhärten dann das Bild einer SPD, das bei uns längst alle Alarmglocken schrillen lassen sollte. Die Folge ist Ernüchterung.

RSS neu konzipieren

Ich kann mich nur noch vage daran erinnern, wie ich – 2005 oder 2006? – das Konzept rss durchdrungen habe: frei flottierende Inhalte, losgelöst von Webseiten, deren Layouts und auch Urhebern(!), frei rekombinierbar, filterbar und in beliebiger Kombination durchsuchbar.

Das Tool of Choice war seit jeher natürlich der Google Reader, den ich seit jeher nicht nur täglich, sondern quasi ständig nutze und zwar auch in beruflichen Zusammenhängen. Da bricht also richtig was weg, obgleich ich zuverlässig bin, dass sich mein setup komplett reproduzieren lässt.

Worauf es aus meiner Sicht ankommt, ist, dass nicht nur der Versuch unternommen wird, eine ebenbürtige „App“ herzustellen, die den Reader möglichst vollumfänglich ersetzt, sondern, dass das Konzept rss bedeutend erleichtert wird. Denn die Tatsache, dass man es (bis heute) durchdringen können muss, ist ein Problem.

Ich habe den ‚Mark all as read‘-Button bis heute nie angetastet. Feeds lesen hieß für mich immer mitten im Strom stehen und den Druck spüren. Anders als etwa bei Twitter, wo man vom Strom erdrückt würde, sich nur ans Ufer setzen und einen Zeh reinhalten kann. Ein neues rss muss den vollen Druck entfalten können, um zugleich vollkommen niederschwellig zu sein. Man muss Feeds so einfach abonnieren können, wie man Kram bei Facebook oder Twitter macht.

Wer von Open Access spricht, muss aus meiner Sicht die freie Verfügbarkeit, rekombinierbarkeit, Möglichkeit zur Filterung, Durchsuchbarkeit und Einbettung in frei zu wählende Kontexte mitdenken. Der Überschuss an Möglichkeiten, der sich daraus ergibt, war für mich die befreiendste Erfahrung, die ich bis heute mit dem sog. Social Web machen konnte. Es ist schlichtweg fantastisch.

Verlinkt: Protestbewegungen und Gesellschaftstheorie

Ohne Gesellschaftstheorie kann Empörung selten Kontinuität entwickeln. Doch der heute in vielen Empörungsgemeinschaften vorhandene Anti-Intellektualismus verhindert oft jede Anstrengung zur theoretischen Durchdringung der Verhältnisse oder empfindet derartige Versuche als unzulässige Einmischung oder Bevormundung.

Via Wolfgang Michal: warum sind moderne Protestbewegungen so kurzatmig?