Links am Sonntag – 16.02.14

FreeSpeechMe: The new Anti-Censorship and Secure Domain Resolving Namecoin-Based Plug-in
„Namecoin is a Bitcoin derivative that allows you to register names and data into a public blockchain. It bypasses going through central agencies that can take down your websites by removing the DNS entry.“

Die Nerven mit neuem Album: Ventil im Stahlbad – taz.de
„Tatsächlich gibt es im deutschsprachigen Pop ein Vakuum, eine Generation nach Tocotronic. Eine Sphäre, die Ja, Panik inzwischen verlassen haben, um zur Konsens-Band zu werden. Anwärter sind Bands wie Trümmer aus Hamburg, Messer aus Münster oder eben Die Nerven.“

Gute Bands mit guten Namen.

Die Meinungen

Man findet sich dann also in der höchst albernen Situation wieder, niederzuschreiben, dass man sich mit jemandem, der sich für homophob und diesen Sachverhalt für gut so erklärt, in keiner Weise befassen werde, diesem Menschen und seinem Pamphlet nicht die geringste Aufmerksamkeit zukommen lassen wolle. Man ärgert sich fast ein wenig über jede Verlinkung, jeden share und jeden Artikel über dieses Machwerk, weil dadurch die Aufmerksamkeit und die Klicks auf eben jenen Artikel und damit einhergehend die Werbeeinnahmen des verantwortlichen Presseorgans immer höher geschraubt werden.

Zugleich ist man zutiefst überzeugt vom hohen Gut der Meinungsfreiheit und des gesellschaftlichen Diskurses. Auch solche Meinungen müssen geäußert werden dürfen und ob man damit einverstanden ist oder nicht, spielt dabei nicht die geringste Rolle. Dann muss ihnen widersprochen werden dürfen. Und in der Summe oder über die Zeit hinweg entsteht dabei ein neuer gesellschaftlicher Sachstand. Idealerweise. Irgendwie.

Man vergegenwärtigt sich, dass es gut ist, mit anderen Meinungen als den eigenen konfrontiert zu werden. Die einem zwangsläufig nicht gefallen werden, weil es nicht die eigenen sind. Aber nur durch Konfrontation mit anderen Meinungen, mit dem Ausbruch aus der Filterblase bekommt man Denkanstöße, wird herausgefordert, hinterfragt sich, oder: widerspricht. Nur so ist dieser Diskurs schließlich möglich.

Man wird durch einen Blick auf die Leserkommentare unter dem in Rede stehenden Artikel daran erinnert, wie anstrengend das ist. Die ganze Selbstgerechtigkeit, Gehässigkeit, auch Dummheit. Anschließend schilt man sich ob der eigenen Arroganz. Und ertappt sich dabei, mehr sich selbst zu widersprechen als den anderen.

Links am Sonntag – 09.02.14

Friedrich Forssman: Warum es Arno Schmidts Texte nicht als E-Book gibt„Muß man eigentlich noch etwas gegen E-Books sagen? Müssen sie einem nicht womöglich leid tun, die albernen Dateien, die gern Bücher wären, es aber niemals sein dürfen? Ja, das muß man, und nein, das müssen sie nicht, sie sind ein Unfug, ein Beschiß und ein Niedergang.“

Guter rant.  Alles richtig, wenn man ehrlich ist.

Tim Berners-Lee: we need to re-decentralise the web (Wired UK)„I want a web that’s open, works internationally, works as well as possible and is not nation-based“

Yep!

Die große Hartz-Illusion„Das bedeutet: Im Jahr 2003 hätte die Lohn- und Fiskalpolitik schon wieder expansiver werden müssen, statt noch mehr zu kürzen. Dann wäre den Deutschen und den Europäern viel Leid erspart worden.“

Lügen wollen.„Der neue, bisher eigentlich nicht unanständig wirkende FDP-Vorsitzende Christian Lindner nimmt die Einladung seiner APO-Kollegen von Bild in dem Artikel an und warnt denn auch verschwurbelt davor, den reichen Griechen auch noch Geld hinterher zu werfen. Ein einziger Tag in Griechenland könnte ihn heilen. Ein einziger Tag in Athen, an dem er sieht, wie Menschen in Autos übernachten, an Suppenküchen oder mit chronischen Krankheiten nach kostenloser Gesundheitsversorgung anstehen. Ein einziger Tag in einer Wohnung, in der eine Mutter versucht, ihre Familie warm zu bekommen, indem sie Möbel verbrennt – und dann die ganze Nacht wach sitzt um zu kontrollieren, dass ihre Kinder nicht an Rauchgasen ersticken.“

Im „Gefällt mir“-Universum„Facebook funktioniert nicht, weil es mehr Kommunikationsmöglichkeiten bietet, sondern weil es sie reduziert.“

Musik kuratieren richtig gemacht

Was mir ja derzeit immer sympathischer wird, ist der Musikdienst Bandcamp. Immer sympathischer deshalb, weil sie ihre Plattform in letzter Zeit verstärkt ausbauen und um Funktionen anreichern, die sie zum vielleicht besten Ort im Web zum Entdecken und Erwerben von Musik machen.

Seit jeher erlaubte Bandcamp das Streamen sämtlicher gehosteter Songs. Unbegrenzt, soweit ich weiß. Die Preispolitik ist fast immer fair; etliche Künstler geben ihre Musik auch kostenlos (oder zu Mindestpreisen frei). Von den Verkaufserlösen behält die Plattform laut Wikipedia 15 Prozent ein, ab Einnahmen von mehr als 5.000 US-Dollar noch 10 Prozent.

Follower-Prinzip


Das war alles schon immer so. Neu hinzugekommen sind Funktionen, wie man sie aus den so genannten social media kennt: Man hat ein Profil, das die erworbenen Alben sowie die persönliche Wishlist darstellt (mit der Möglichkeit eigener Reviews). Man kann Künstlern wie auch anderen Nutzern der Seite folgen und sieht seit Kurzem im Music Feed deren jüngste Anschaffungen, Reviews, Wishlist-Ergänzungen etc. Empfehlungen von Leuten, denen es sich zu folgen lohnen mag, erhält man unter Angabe der Übereinstimmungen in den jeweiligen Musiksammlungen.

Neben all dem Follower-Zeugs, das mir bereits jetzt außerordentlich viel Freude bereitet, ist die Startseite des Dienstes ein besonderes Schmankerl, wird hier doch das Buzzword Curation (Beispiel-Link) überaus ansprechend umgesetzt: Bandcamp Weekly ist ein wöchentlicher Podcast, der mehr ist als einfach nur als Stream, sondern die jeweils gespielten Songs so darstellt, dass man sie direkt der Wunschliste hinzufügen, oder käuflich erwerben kann. Das Fan Spotlight weiter unten präsentiert ausgesuchte Nutzer (und Gäste) mit deren Reviews. Das war der Ort, an dem ich begonnen habe, Leuten zu folgen – und von wo aus ich etliche Alben erworben habe.

Relativ jung ist die mobile App von Bandcamp, die allmählich um all diese Funktionen angereichert wird: Seit dem letzten Update kann man auch dort den Music Stream und Bandcamp Weekly anhören, von Beginn an ließen sich sämtliche erworbenen Titel und Alben in der App streamen.

Die Konkurrenz: Soundcloud

Ja, das ist der Vergleich, der sich wohl geradezu aufdrängt, bei dem Bandcamp für mich aber auf ganzer Linie gewinnt. Das fängt bei der Präsentation der Musik an: Ich habe der Darstellung von Songs als Waveforms mit dieser in-Track-Kommentarfunktion im my favorite part!!!!!1-Stil noch nie viel abgewinnen können, so technisch ausgereift es sein mag. Ich will die Musik hören, nicht betrachten oder lesen.

Nicht zuletzt deshalb wirkt Bandcamp auf mich insgesamt liebevoller, wärmer und zugleich weniger technisch und kühl als Soundcloud. Und was mich besonders anspricht, ist, wie Bandcamp den Fokus auf Alben (oder EPs) legt, wo bei Soundcloud scheinbar stets der einzelne Track im Fokus steht. Jedenfalls hatte ich oft Schwierigkeiten, sämtliche Songs eines Albums zu finden oder zu hören, wenn es bei Soundcloud verfügbar gemacht worden sein soll. Und nicht zuletzt kann ich mir den Kram bei Bandcamp dann auch kaufen – ob und wie das bei SC möglich ist, erschließt sich mir nicht.

Wobei ich letztlich überhaupt kein Problem mit Soundcloud habe. Ich nutze es selten, weil es nicht zu mir zu passen scheint. Bandcamp schon. Schlussendlich sind alle Konkurrenzangebote zu Amazon, Spotify, itunes und wie sie alle heißen, zu begrüßen. Hoffen wir nur, dass Bandcamp nicht irgendwann von so jemandem aufgekauft wird.

Links am Sonntag – 02. Februar 14

Der gute Systemadministrator Wolfgang MichalVielleicht wird uns also der Patriotismus Edward Snowdens eines Tages enttäuschen. Vielleicht müssen wir erkennen, dass er zuallererst ein guter Amerikaner ist, der es ganz und gar ehrlich meint, wenn er sagt, dass er sich auch jetzt noch als NSA-Mitarbeiter fühlt.“

Immer ist alles so kompliziert.

Ende der MärchenstundeUnbequeme Wahrheiten“ sind nämlich ganz einfach: die bequemsten. Denn was so tut, als würde das niemand hören wollen, wollen natürlich (fast) alle hören: nämlich dass Fleisch essen nicht nur in Ordnung, sondern viel moralischer und „nachhaltiger“ ist und Vegetarier und Veganer, die allen auf den Sack gehen, die eigentlich Bösen sind.

Bei uns ist ja auch inzwischen der Entschluss gefallen, auf Fleisch zu verzichten.  Das praktizieren wir immerhin schon seit einer Woche. Es erfordert ein wenig mehr Disziplin bei der Rezepteplanung, ist ansonsten aber keine große Sache.

Von der schwer erträglichen Bigotterie des Schnöselbezirks„Man lässt Luxusartikel für die Luxusbewohner des Bezirks zu Luxuspreisen von Billigjobbern verkaufen, die hierfür wahrscheinlich jeden Morgen anderthalb Stunden aus Marzahn-Hellersdorf anreisen, wo die Spaghetti beim Discounter im gleichgroßen Pack 39 Cent kosten und die von dem Fünfer für die schwarzen Spaghetti von Oil & Vinegar ihre Familie für einen Tag sattkriegen (müssen).“

Wenn sich sowas wenigstens nur auf den Schnöselbezirk beschränken würde – gemeint ist natürlich der Prenzlauer Berg.

The Greater Promise of a Blockchain “ Our society is too complex to manage centrally. But even if this is ignored, it will not matter. This change is inevitable. The industrial age necessitated hierarchy: monolithic centres of power exercising inordinate amounts of control. Our information age does not.“

Die Bitcoin-Enthusiasten schreiben immer so mitreißend.

“Businesses are Swimming in Money”: More Profit Protection Will Not End the Recession“ Rather than invest in plant and equipment, businesses are primarily using their funds to repurchase their own stocks in order to boost management earnings and ward off hostile take-overs, pay dividends to stockholders, and accumulate large cash and bond holdings.

Cutting taxes, deregulation, attacking unions and slashing social programs will only intensify these very trends.  Time for a new understanding of our problems and a very new response to them.“

Die Angst vor dem eigenen Scoop „Es nutzt nichts, die Presse- und Rundfunkfreiheit im Grundgesetz stehen zu haben. Es bedarf auch Journalisten und Fernsehmachern, die wissen, wie man mit dieser Freiheit umgeht. Ein Snowden-Interview ist keine Derrick-Folge, die man gerne noch ans schwedische Fernsehen verticken möchte, sondern ein solches Interview hat eine politische Dimension, die nicht nur für deutsche Fernsehzuschauer interessant ist, sondern weltweit von Interesse ist.“

Why Bitcoin Matters – NYTimes.com„Bitcoin gives us, for the first time, a way for one Internet user to transfer a unique piece of digital property to another Internet user, such that the transfer is guaranteed to be safe and secure, everyone knows that the transfer has taken place, and nobody can challenge the legitimacy of the transfer. The consequences of this breakthrough are hard to overstate.“

Noch ein Grundlagentext zu Bitcoin

Automatisch zusammengedingste Pinboard-Bookmarks der letzten Tage

last.fm-Beta integriert Spotify

Gerade gesehen: last.fm sind in der aktuellen Beta (soweit ich weiß nur für Subscriber) mit tiefer Spotify-Integration am Start. Mehr dazu hier. Was soweit ichs überschauen kann noch fehlt ist die Möglichkeit, Songs, Alben oder Künstler von dort aus direkt als oder in Playlists zu speichern.

Möglicherweise verabschiedet sich last.fm damit endgültig von seinem löchrigen Streaming-Angebot und integriert mit Spotify den Branchenprimus. Und wenn sie diese Funktion nur für Subscriber verfügbar machen würden, gäbe es sogar wieder einen kleinen Anreiz ein solcher zu werden oder zu bleiben. Meine jüngste dreimonatige Phase als zahlender Kunde ist bald wieder vorbei und so wirklich lohnt sich das derzeit nicht.

Ob das mein zaghaftes Vorhaben, mich verstärkt meiner Musiksammlung zu widmen und Spotify zu kündigen beeinflusst, muss sich noch herausstellen.