Alle Beiträge von WolfW

Links am Sonntag – 23. November 14

I’m Terrified of My New TV: Why I’m Scared to Turn This Thing On — And You’d Be, Too“The TV boasts a “voice recognition” feature that allows viewers to control the screen with voice commands. But the service comes with a rather ominous warning: “Please be aware that if your spoken words include personal or other sensitive information, that information will be among the data captured and transmitted to a third party.” Got that? Don’t say personal or sensitive stuff in front of the TV.”

Bitte keinen Journalismus | Mit anderen Worten“Früher hatte ich zwei Berufe: Werber und Journalist. Heute nur noch einen: Werber. Nicht weil ich kein Journalist mehr wäre. Sondern weil Journalismus immer mehr zur Werbung wird. Fünf Gründe dafür.”

Erstaunlich unspektakulär | überschaubare Relevanz“Eine Belästigung ist alles, was ich mit einem Menschen mache, das ihn belästigt. Ich gebe anderen nicht vor, was sie belästigt, sondern ich muss sie fragen, und wenn sie es mir sagen, nehme ich es zur Kenntnis, und diskutiere nicht drüber, ob sie sich nicht vielleicht täuschen und in Wahrheit völlig unbelästigt sind.”

 

Unsere Verfassungspflicht, Katholizismus auszuhalten“Verfassungsrecht bewährt sich dort, wo es darum geht, dem Anderen Anerkennung und Entfaltungsspielraum zu verschaffen, dem Anderen im Gegensatz zum Eigenen. Freiheit für das Eigene, für uns selbst und für das, was wir alle gut finden, ist billig zu haben. Aber das Andere, das von uns aus gesehen Außenliegende, das braucht robusten verfassungsrechtlichen Schutz, damit es nicht von uns passend gemacht und plattgewalzt und aus dem Weg geräumt wird, zu unserem eigenen Schaden. Das kann die Kunst sein, die wir nicht verstehen. Oder die Presse, die uns lästig wird. Oder die Wissenschaft, die unsere Gewissheiten erschüttert. Oder einfach mein kleines individuelles Ich mit meinen komischen Meinungen, Gewissensregungen, Intimitätswünschen. All das schützen wir, indem wir uns verfassungsrechtlich binden. Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, in der lauter Sachen gedeihen, die uns fremd sind.”

The Last Revolution of the Inter-Network  “At the conclusion of the last revolution, the 1% will pull the ladder up behind them. They’ll be satisfied that human labor is no longer required to sustain their world. Optimization will be complete. “

Links am Sonntag – 26. Oktober 14

500beine | Studio Glumm“Schon Mitte der Achtzigerjahre dokterte Lonnie, vielseitig talentiert, an einem Groß-Roman, einem Sittengemälde mit dem ebenso treffenden wie bombastischen Arbeitstitel Der Patientenplanet.”

Apple’s Health App: Where’s the Power?“The Health app is literally dangerous, specifically to people dealing with/in recovery from eating disorders and related obsessive-compulsive behaviors. Obsessive weight tracking and calorie counting are classic symptoms. These disorders literally kill people. A lot of people.”

8 Ways ‘Liberal Democracies’ Are Structurally Violent“In order to experience Western society as generally non-violent you have to be in a very specific structural position. In simple terms, in order to buy this shit you really have to be a cisgender, heterosexual, middle class, white, male citizen of a Western country.”

Weekend Read: The Imminent Decentralized Computing Revolution“A mega-trend is brewing that could make bureaucratic hierarchies, middlemen and gatekeepers everywhere obsolete including social networks, banks, stock exchanges, electronic voting systems and even governments. It’s called decentralized computing, and it could fundamentally transform the way we connect to and exchange value on the Internet.”

Links am Sonntag: 12. Oktober 2014

Kollaps des Kaputtalismus“Und es mag verwundern oder nicht – die lebendigste und klügste neomarxistische Szene gibt es derzeit in den USA. Wobei diese Szene in zwei Gruppen zerfällt: In ältere marxistische Wissenschaftler wie den Wirtschaftsgeographen David Harvey, dessen aktualisierte Marx-Lektüre beispielsweise auf Youtube schon mehr als eine Viertelmillion Zuseher fand und der allein in den vergangenen sechs Jahren sechs Bücher herausgebracht hat; und in junge, hippe Linke um die linke Zeitschrift “Jacobin” und Kulturjournale wie “n+1″, ein Kreis, deren prominentester Vertreter etwa der Starliterat Benjamin Kunkel ist, der vor zehn Jahren mit seinem Roman “Unentschlossen” beinahe über Nacht zur literarischen Sensation wurde.”

Notiz an mich: Lesen.

[priv] Wir wollen doch alle nur dasselbe – “Die Menge der Menschen, die im Netz “leben” (abgegrenzt von denen, die es “nur” nutzen, es aber nicht als einen essentiellen Teil ihres sozialen Lebens wahrnehmen), ist bei weitem nicht nur auf persönlicher Ebene in diversen Zwistigkeiten und Kämpfen verstrickt, sondern auch politisch, gesellschaftlich nicht auf einer Linie.”

Why people believe things you don’t believe - “once you realize how difficult it is to identify your own incorrect beliefs you can better empathize with people on the fringe, because they are stuck in the same predicament. They are just as trapped in their own war rooms, most of the time unaware that the map they use is, as psychologist Daniel Gilbert once said, a representation and not a replica.”

Das geht in eine ähnliche Richtung wie der immer noch beeindruckende Text “How Politics Makes Us Stupid“.

Now, “Voyager”: in praise of the Trekkiest “Trek” of all“On Voyager, female authority was assumed and unquestioned; women conveyed sexual power without shame and anger without guilt. Even more so than Buffy, which debuted two years later, it was the most feminist show in American TV history.”

Ich fand Voyager damals ja eher doof, weil es nach DS9 einen Schritt zurück zum alten episodenhaften Erzählen darstellte. Außerdem fand ich den Kniff mit dem in den Delta(?)-Quadranten geschleudert werden ziemlich billig. Und die Crew blieb für meinen Geschmack auch nach der ersten Staffel ziemlich fad. Aus heutiger Sicht finde ich das, was der verlinkte Text beleuchtet aber sehr bemerkenswert.

Links am Sonntag – 05.10.14

In The Dark Knight, why didn’t they just paint the Joker as the scapegoat? – “The new legal order constructs a new narrative under which it subsumes the powers of superhero, rendering him superfluous, and relegates chaos to the asylum, where it is relabelled madness. The new order is opposed by the terrorist, who manifests as the repressed truth that there is no moral spectrum at all, there is only power. Bane is pure power, as is the social order. The only opposition to power is destruction.”

Die Autorität der Gestrigkeit | Journelle – ” Wie gesagt, zuweilen ersehne ich den Untergang des Feuilltons oder zumindest den vollständigen Verlust der Autorität, mit der diese Leute ihre persönliche und gestrige Meinung reflektieren.”

In Search of Manhattan’s Last Remaining Skybridges | Scouting NY: “I love Manhattan’s skybridges, the kind that connect two buildings over busy streets. They’ve always reminded me of a future New York as imagined in the early 1900s, a time when it seems everyone expected the city’s thoroughfares to ascend with the tallest skyscrapers.”

21 Books That Changed Science Fiction And Fantasy Forever “Speculative fiction is the literature of change and discovery. But every now and then, a book comes along that changes the rules of science fiction and fantasy for everybody. Certain great books inspire scores of authors to create something new. Here are 21 of the most influential science fiction and fantasy books.”

Doomed “Our intention in using Bandcamp for this compilation is to get new and local heavy music out to as many people as possible at no charge. Because Bandcamp limits the number of free downloads to 200, we will periodically purchase more. Please do not feel obligated to pay for this compilation in any way. Instead, redirect your dollars to the bands themselves. Click individual tracks for relevant links to support the bands. Thank you for making this thriving scene possible!”

tv

Was auch nervt: Die ständige Kasteiung der deutschen fernsehlandschaft, die keine Serien HBOschen Ausmaßes bzw. so gut wie gar nichts hinbekommt.

Halten wir fest: das deutsche Fernsehen ist mit meinem Geschmack und (mutmaßlich) dem meiner “Peer Group” schwerlich bis gar nicht kompatibel. Drum schau ich in der Regel kein tv. Aber: das ist egal, denn niemand kann mir erzählen, dass allein der amerikanische Markt (und vielleicht der dänische, schwedische…) nicht schon genug Material bereithält. Selbst der kaputteste serienjunkie kann nicht soviel tv schauen wollen.

Darüber hinaus hat das alles nicht das geringste mit der sog. Haushaltsabgabe (ehemals GEZ) zu tun. Die ist nämlich für vortreffliche Rundfunksendungen vom WDR 5 Politikum über hr2 der Tag bis ihn zum kompletten Programm des Deutschlandfunk bestens angelegt.

Also: Glotze aus, nicht nörgeln, Radio podcast App an.

Annihilation | Authority | Acceptance

Ein Buch, welches ich so zügig gelesen habe wie schon lange keines mehr (ca. 26 Std.) ist übrigens Annihilation von Jeff VanderMeer. Die Rundschau vom Standard brachte mich auf den Geschmack. Das, was dabei aus dem Genremix am meisten heraussticht, ist ein zwar sanfter, jedoch ausdauernd beunruhigender Horror.

Der Bachfolgeband in der als Trilogie angelegten Geschichte heißt Authority, und VanderMeer gelingt damit ein beeindruckend umfassender Perspektivwechsel: Hauptfiguren werden Nebenfiguren, der settingwechsel könnte totaler nicht sein. Nie war man vorher soweit drin und dann soweit draußen. Authority ist länger, hat auch manche Längen, setzt den Horror pointierter, aber dafür nachhaltiger ein und setzt sogar die eine oder andere humorvolle Note.

Und das tollste: der dritte Band, Acceptance, wird schon am 02. September erscheinen.

Was an Debatten jeder Art ermüdend ist

Wenn als Reaktion auf einen meinungsstarken Text reihenweise Reaktionen im Stile von “Die theoretischen Gedanken sind nicht falsch”, “fast richtig” oder auch “alles richtig” reagiert wird, so als hätte jemand eine Matheaufgabe zu lösen versucht, die man dann objektiv bewerten könnte.

Die übersteigerte Form davon sind diese “Endlich wieder Qualitätsjournalismus”-Leserkommentare auf Meinungsstücke in eher massenmedial / journalistischen Publikationen. Diese unverhohlene Einstellung, “guter” Journalismus könne nur solcher sein, der der eigenen Gesinnung entspricht…

Eine Neigung, unbedingt “Recht haben” zu müssen, sich nur unter Leuten zu bewegen, die ebenfalls “Recht haben” und alle angehen – und im Kontext “Social Media” gerne auch regelrecht vernichten – zu müssen, die nicht “Recht haben”: Woher kommt die? Ist das kulturell erlernt?