Verlinkt: Höfliche Konter

Es braucht die argumentative Auseinandersetzung. Ein mehr oder weniger gelungenes Meme (»Haters gonna hate«, »You put the ass in Hass«) ist darauf keine Antwort. Schnippische, überhebliche Counterspeech, wie sie die Initiative »No Hate Speech« mit ihrer Memesammlung vorschlägt, bestätigt nur die Überzeugten beider Seiten. Sie läßt das geschlossene Weltbild und die Argumentation der Vereinfacherinnen und Populisten nur argumentförmiger, rationaler erscheinen.

Quelle: Höfliche Konter bei fxneumann

Verlinkt: Aufschrei der Normalitären: Zeigen die Österreichischen Präsidentschaftswahlen, wie eine neue Konfliktlinie entsteht?

Die althergebrachte Ordnung der Dinge gerät damit zum ersten Mal ernsthaft ins Wanken – eine Ordnung, die bisher hieß: der gesunde weiße Mann schafft an, hat das Sagen, gestaltet die Welt; die gesunde weiße Frau ist zu Diensten, wichtig, aber untergeordnet und vor allem verschieden; sexuelle Minderheiten gibt es nicht oder sie bleiben unsichtbar oder sie dienen dem Normalen; religiöse Minderheiten jenseits des Christentums gibt es seit dem Holocaust in West- und Mitteleuropa nicht mehr in nennenswerter Zahl; Kinder sind zu züchtigen und zur Ordnung zu erziehen; die Nicht-Weißen führen eine Randexistenz; auch um Behinderte kümmert man sich nicht.

All das ändert sich – für viele viel zu langsam, im historischen Vergleich aber sehr schnell. In dieser neuen Welt muss sich mit einem Mal zurechtfinden, wer eine ganz andere Welt gewohnt war und dazu eine symbolische Ordnung, die seit jeher die alte Normalität stabilisiert.

Quelle. Via

Verlinkt: Kulturpragmatismus

In Abgrenzung zu begeisterter Zukunftsgläubigkeit und resignierter Vergangenheitsverklärung zeichnet sich der Kulturpragmatismus durch die Fähigkeit aus, die eigene Bewertung der Welt und ihrer Entwicklung nicht so wichtig zu nehmen. Kulturpragmatiker sind neugierig, wo Pessimisten und Optimisten (so oder so) meinungsstark sind. Sie stellen die Frage nach einem grundlegenden Verstehen von Entwicklungen vor die eigene Einschätzung über deren Folgen. Denn sie glauben, dass die Welt (und das Verstehen ihrer Entwicklung) interessanter ist als die eigenen Meinungen und Bewertungen.

Gefällt mir. Quelle. Via

Abgeordnetenhauswahl: Wer kandidiert hier eigentlich?

Rund drei Monate vor dem wahrscheinlichen möglichen Termin der Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus ist es natürlich höchste Eisenbahn, sich mit den Direktkandidaten zu befassen, die um meine Stimme buhlen. Nicht, dass ich auch nur eine Podiumsdiskussion, einen Infostand, oder ein Hüpfburg & Würstchenfest verpasse.

Gesagt getan. Ich bin vor einer Weile umgezogen und es ergab sich noch kein Erfordernis, mich mit der Frage zu befassen in welchem Wahlkreis ich eigentlich wohne. Hier helfen die Webseite der Landeswahlleiterin und ihre schönen Wahlkreiskarten weiter. Die Antwort lautet demnach in meinem Fall Wahlkreis Drei (Südliches Moabit, Hansaviertel, Großer Tiergarten).

Mein Ziel war, die KandidatInnen der fünf derzeit im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien zu identifizieren, ihren Accounts bei Twitter und Facebook sofern vorhanden zu folgen und die RSS-Feeds ihrer Websites zu abonnieren. Denn wenn ich frühzeitig vom nächsten Würstchenfest erfahre, dann doch wohl auf mindestens einem dieser Kanäle!

CDU:

Um es vorwegzunehmen, denn ich wusste das bis heute echt nicht und war und bin erschüttert: Bei mir kandidiert offenbar Frank Henkel! Der Innenhenkel höchstselbst. Nicht, dass diese Information auf irgendeiner der CDU-Seiten – Land, Kreis, oder Moabit – auffindbar gewesen wäre; fündig wurde ich letztlich auf der Wikipedia-Seite zum Wahlkreis laut der er auch schon 2011 die Direktwahl vergeigt hat. Überhaupt scheint die CDU ihre KandidatInnen etwas verschämt zu verbergen, aber damit steht sie nicht alleine da.

Nach kurzer Scrollerei fand ich auf Henkels Homepage ausschließlich Senatorencontent; sein Wahlkreis scheint ihn nicht zu interessieren. Einen Feed gibt es dort nicht. Bei Twitter ist er nicht. Immerhin bin ich jetzt sein „Fan“ bei Facebook, obwohl er diesen Account auch weit überwiegend als Senator betreibt – mutmaßlich betreiben muss aufgrund der Trennung von Amt und Mandat.

Alles falsch! Wie ich einer heute eingegangenen Postwurfsendung entnehmen darf, kandidiert hier ein gewisser Florian Schwanhäußer. Auf seiner Homepage geht er allerdings ausschließlich seinem Hauptberuf, dem Immobilienverkauf und -kauf nach. Ein Twitterprofil hat er, bei Facebook unterhält er ein Standardprofil zum anfreunden.

Und nochmal, weil es so grotesk ist: Ich finde weder auf der Seite der CDU Mitte, der CDU Moabit, noch der CDU Tiergarten eine Information über diese Kandidatur. Ein Profil von Schwanhäußer auf der Mitte-Seite habe ich ergoogelt, auf dem seine aktuelle Kandidatur aber ebenfalls nicht steht.

SPD:

Man wundert sich zunächst für ein paar Sekunden angesichts der vollmundigen Ankündigung auf der Wahl2016-Seite vom Kreisverband, laut der man dort Informationen findet, obwohl da gar nichts steht. Bis man kapiert, dass man oben ins vertikale Menü zu klicken hat. Die drei Punkte einfach nochmal unten zu verlinken geht wohl nicht. Update: Inzwischen geändert. Lesen die mit? Immerhin werden die KandidatInnen aller Wahlkreise in Mitte dann klar verlinkt. Eine Karte würde nicht schaden. Wer kennt schon seine Wahlkreisnummer?

Bei „meinem“ sozialdemokratischen Direktkandidaten Thomas Isenberg, zugleich Verteidiger des Wahlkreises, gibt es hingegen keinen Grund zu meckern: Facebook, Twitter und RSS-Feed vorhanden, alles per Button von der Startseite aus verlinkt.

Die Grünen:

Das ist die vernünftige – und völlig naheliegende – Art, seine KandidatInnen zu präsentieren. Kann doch nicht so schwer sein! Verhältnismäßig schwer fällt es hingegen Tilo Siewer, sich im Netz zu präsentieren. Scheinbar nicht bei Twitter, bei Facebook nur ein Standardprofil mit dem man sich „befreunden“ muss und den Feed finden höchstens Fachkundige, wenn sie in den Quelltext der Seite schauen. Erkennbar verlinkt wird er nämlich nicht.

Die Linke:

Was die Auffindbarkeit der KandidatInnen betrifft, übertrifft die Linke sogar die Grünen. Auch hat die Direktkandidatin im Wahlkreis 3 im Grunde alles richtig gemacht, was Verlinkungen in die sozialen Medien betrifft. Allerdings gibt sich Anisa Fliegner auf ihrer Homepage überhaupt nicht als Wahlkreiskandidatin zu erkennen. Der letzte Artikel datiert allerdings auch auf den 21. Januar, von daher…

Piratenpartei:

Ist vielleicht unfair, aber zum Schluss hatte ich keine Lust mehr, zehn Minuten oder mehr nach der Information zu suchen, wie die Kandidatin/der Kandidat überhaupt heißt. Beim Henkel mag es sogar länger gedauert haben, aber von der einstmaligen „Internetpartei“ erwarte ich wesentlich mehr Zugänglichkeit. Kurz: Ich weiß nicht wer kandidiert, ob jemand kandidiert und habe auch keine Lust zu fragen.

Bonus! FDP und AfD:

Genau das selbe wie bei den Piraten, macht aber nix.

Musik gekauft: Autechre – elseq 1 – 5

autechre-elseq-1-5Im hauseigenen Store erworben.

Vier Stunden und zehn Minuten Musik, die ohne Vorankündigung im Netz veröffentlicht wurde. Sie wird niemals auf Vinyl erscheinen – manche Stücke sind zu lang, um auf eine Plattenseite gepresst zu werden. „Jede Generation muss sich eine eigene Vorstellung davon machen, was ein Album ist“, meint Rob Booth. „Uns ist die Erzählung am Wichtigsten, das Tonträgerformat ist da eher eine Limitierung.“

via taz.de

Dazu das Doppelalbum von Die Heiterkeit und die neue Swans-Platte soll auch zwei Stunden umfassen. Ein Trend?