Alle Beiträge von WolfW

Links am Sonntag – 26. Oktober 14

500beine | Studio Glumm“Schon Mitte der Achtzigerjahre dokterte Lonnie, vielseitig talentiert, an einem Groß-Roman, einem Sittengemälde mit dem ebenso treffenden wie bombastischen Arbeitstitel Der Patientenplanet.”

Apple’s Health App: Where’s the Power?“The Health app is literally dangerous, specifically to people dealing with/in recovery from eating disorders and related obsessive-compulsive behaviors. Obsessive weight tracking and calorie counting are classic symptoms. These disorders literally kill people. A lot of people.”

8 Ways ‘Liberal Democracies’ Are Structurally Violent“In order to experience Western society as generally non-violent you have to be in a very specific structural position. In simple terms, in order to buy this shit you really have to be a cisgender, heterosexual, middle class, white, male citizen of a Western country.”

Weekend Read: The Imminent Decentralized Computing Revolution“A mega-trend is brewing that could make bureaucratic hierarchies, middlemen and gatekeepers everywhere obsolete including social networks, banks, stock exchanges, electronic voting systems and even governments. It’s called decentralized computing, and it could fundamentally transform the way we connect to and exchange value on the Internet.”

Links am Sonntag: 12. Oktober 2014

Kollaps des Kaputtalismus“Und es mag verwundern oder nicht – die lebendigste und klügste neomarxistische Szene gibt es derzeit in den USA. Wobei diese Szene in zwei Gruppen zerfällt: In ältere marxistische Wissenschaftler wie den Wirtschaftsgeographen David Harvey, dessen aktualisierte Marx-Lektüre beispielsweise auf Youtube schon mehr als eine Viertelmillion Zuseher fand und der allein in den vergangenen sechs Jahren sechs Bücher herausgebracht hat; und in junge, hippe Linke um die linke Zeitschrift “Jacobin” und Kulturjournale wie “n+1″, ein Kreis, deren prominentester Vertreter etwa der Starliterat Benjamin Kunkel ist, der vor zehn Jahren mit seinem Roman “Unentschlossen” beinahe über Nacht zur literarischen Sensation wurde.”

Notiz an mich: Lesen.

[priv] Wir wollen doch alle nur dasselbe – “Die Menge der Menschen, die im Netz “leben” (abgegrenzt von denen, die es “nur” nutzen, es aber nicht als einen essentiellen Teil ihres sozialen Lebens wahrnehmen), ist bei weitem nicht nur auf persönlicher Ebene in diversen Zwistigkeiten und Kämpfen verstrickt, sondern auch politisch, gesellschaftlich nicht auf einer Linie.”

Why people believe things you don’t believe - “once you realize how difficult it is to identify your own incorrect beliefs you can better empathize with people on the fringe, because they are stuck in the same predicament. They are just as trapped in their own war rooms, most of the time unaware that the map they use is, as psychologist Daniel Gilbert once said, a representation and not a replica.”

Das geht in eine ähnliche Richtung wie der immer noch beeindruckende Text “How Politics Makes Us Stupid“.

Now, “Voyager”: in praise of the Trekkiest “Trek” of all“On Voyager, female authority was assumed and unquestioned; women conveyed sexual power without shame and anger without guilt. Even more so than Buffy, which debuted two years later, it was the most feminist show in American TV history.”

Ich fand Voyager damals ja eher doof, weil es nach DS9 einen Schritt zurück zum alten episodenhaften Erzählen darstellte. Außerdem fand ich den Kniff mit dem in den Delta(?)-Quadranten geschleudert werden ziemlich billig. Und die Crew blieb für meinen Geschmack auch nach der ersten Staffel ziemlich fad. Aus heutiger Sicht finde ich das, was der verlinkte Text beleuchtet aber sehr bemerkenswert.

Links am Sonntag – 05.10.14

In The Dark Knight, why didn’t they just paint the Joker as the scapegoat? – “The new legal order constructs a new narrative under which it subsumes the powers of superhero, rendering him superfluous, and relegates chaos to the asylum, where it is relabelled madness. The new order is opposed by the terrorist, who manifests as the repressed truth that there is no moral spectrum at all, there is only power. Bane is pure power, as is the social order. The only opposition to power is destruction.”

Die Autorität der Gestrigkeit | Journelle – ” Wie gesagt, zuweilen ersehne ich den Untergang des Feuilltons oder zumindest den vollständigen Verlust der Autorität, mit der diese Leute ihre persönliche und gestrige Meinung reflektieren.”

In Search of Manhattan’s Last Remaining Skybridges | Scouting NY: “I love Manhattan’s skybridges, the kind that connect two buildings over busy streets. They’ve always reminded me of a future New York as imagined in the early 1900s, a time when it seems everyone expected the city’s thoroughfares to ascend with the tallest skyscrapers.”

21 Books That Changed Science Fiction And Fantasy Forever “Speculative fiction is the literature of change and discovery. But every now and then, a book comes along that changes the rules of science fiction and fantasy for everybody. Certain great books inspire scores of authors to create something new. Here are 21 of the most influential science fiction and fantasy books.”

Doomed “Our intention in using Bandcamp for this compilation is to get new and local heavy music out to as many people as possible at no charge. Because Bandcamp limits the number of free downloads to 200, we will periodically purchase more. Please do not feel obligated to pay for this compilation in any way. Instead, redirect your dollars to the bands themselves. Click individual tracks for relevant links to support the bands. Thank you for making this thriving scene possible!”

tv

Was auch nervt: Die ständige Kasteiung der deutschen fernsehlandschaft, die keine Serien HBOschen Ausmaßes bzw. so gut wie gar nichts hinbekommt.

Halten wir fest: das deutsche Fernsehen ist mit meinem Geschmack und (mutmaßlich) dem meiner “Peer Group” schwerlich bis gar nicht kompatibel. Drum schau ich in der Regel kein tv. Aber: das ist egal, denn niemand kann mir erzählen, dass allein der amerikanische Markt (und vielleicht der dänische, schwedische…) nicht schon genug Material bereithält. Selbst der kaputteste serienjunkie kann nicht soviel tv schauen wollen.

Darüber hinaus hat das alles nicht das geringste mit der sog. Haushaltsabgabe (ehemals GEZ) zu tun. Die ist nämlich für vortreffliche Rundfunksendungen vom WDR 5 Politikum über hr2 der Tag bis ihn zum kompletten Programm des Deutschlandfunk bestens angelegt.

Also: Glotze aus, nicht nörgeln, Radio podcast App an.

Annihilation | Authority | Acceptance

Ein Buch, welches ich so zügig gelesen habe wie schon lange keines mehr (ca. 26 Std.) ist übrigens Annihilation von Jeff VanderMeer. Die Rundschau vom Standard brachte mich auf den Geschmack. Das, was dabei aus dem Genremix am meisten heraussticht, ist ein zwar sanfter, jedoch ausdauernd beunruhigender Horror.

Der Bachfolgeband in der als Trilogie angelegten Geschichte heißt Authority, und VanderMeer gelingt damit ein beeindruckend umfassender Perspektivwechsel: Hauptfiguren werden Nebenfiguren, der settingwechsel könnte totaler nicht sein. Nie war man vorher soweit drin und dann soweit draußen. Authority ist länger, hat auch manche Längen, setzt den Horror pointierter, aber dafür nachhaltiger ein und setzt sogar die eine oder andere humorvolle Note.

Und das tollste: der dritte Band, Acceptance, wird schon am 02. September erscheinen.

Was an Debatten jeder Art ermüdend ist

Wenn als Reaktion auf einen meinungsstarken Text reihenweise Reaktionen im Stile von “Die theoretischen Gedanken sind nicht falsch”, “fast richtig” oder auch “alles richtig” reagiert wird, so als hätte jemand eine Matheaufgabe zu lösen versucht, die man dann objektiv bewerten könnte.

Die übersteigerte Form davon sind diese “Endlich wieder Qualitätsjournalismus”-Leserkommentare auf Meinungsstücke in eher massenmedial / journalistischen Publikationen. Diese unverhohlene Einstellung, “guter” Journalismus könne nur solcher sein, der der eigenen Gesinnung entspricht…

Eine Neigung, unbedingt “Recht haben” zu müssen, sich nur unter Leuten zu bewegen, die ebenfalls “Recht haben” und alle angehen – und im Kontext “Social Media” gerne auch regelrecht vernichten – zu müssen, die nicht “Recht haben”: Woher kommt die? Ist das kulturell erlernt?

Links am Samstag

Manche schon was älter und also gut abgehangen:

Klauspolitik » Blog Archive » Seid fruchtbar und spaltet euch. – “Was in der Politik passiert, passiert im wirklichen Leben. Was in einer Partei passiert, passiert im Grunde genommen gar nicht.”

Ein bisschen Schminke für die CDU – “Die Junge Union hat keinen Kontakt zur Jugend, die Frauenvereingung nicht zu den Frauen, schon gar nicht zu jüngeren, die Mittelstandsvereinigung nicht zum Mittelstand. Diese Vereinigungen waren damals und sind heute erst recht reine innerparteiliche Karrierenetzwerke. um ihre Führungsmitglieder in die Spitzengremien der CDU, in die Parlamente und in Regierungspositionen zu befördern. Sie haben außerhalb der Partei keinerlei Bedeutung.”

Krautreporter am Start – “Dass progressiver Online-Journalismus sich irgendwas designen oder programmieren lassen muss, ist 2014 eine verheerende Illusion, ein kostspieliger Mythos, esoterische Selbstverwirklichung-durch-Laien-Typographie-und-Programmierung, ja schon fast eine kollektive Branchen-Zwangsstörung.”

Feuilleton vs Onkelz: Guter Pop, böser Pop – ” Das Problem mit den Böhsen Onkelz war und ist jedoch nicht die temporär problematische politische Einstellung. Die Frankfurter Band diente und dient vielmehr als Stellvertreter für das Proletariat und dieses ist, wie der Bildungsbürger zu wissen meint, rassistisch, prollig und dumm. Gute Voraussetzungen also, um sozialchauvinistisch vom Leder ziehen zu können und mit den Böhsen Onkelz bzw. ihrer Anhängerschaft als Projektionsfläche den Hass auf das kulturlose Gesindel auszuleben. Übrigens ein Phänomen, das sich im linken Milieu öfter beobachten lässt. Gute (Pop-)kultur versus schlechte (Pop-)kultur, wir gegen die, der engagierte Student gegen den unpolitischen Arbeiter.”

VersoBooks.com – “Public power is losing legitimacy. A mutual suspicion has developed between the authorities and the citizen.”

Richtig oder falsch? – “Grundrechte sind in erster Linie Abwehrrechte gegen den Staat, die den einzelnen schützen, wenn Mehrheiten übergriffig werden – wenn etwa einzelne abweichende und fremde Vorstellungen davon haben, wie sie ihr Leben führen wollen. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes, das das französische Burkaverbot bestätigt, dreht dieses Verhältnis um: Plötzlich soll es ein Recht darauf geben, in einem “das Zusammenleben erleichternden Raum der Begegnung” zu leben – und dieses Recht schlägt die Religionsfreiheit und die Handlungsfreiheit von Frauen, die Burka tragen.”

“Liquid Friesland”

Die (der CDU nahestehende) Konrad Adenauer Stiftung hat die Liquid Feedback-Instanz im Landkreis Friesland, “Liquid Friedland”für gescheitert erklärt und die genannten Zahlen sind, so sie stimmen, in der Tat bedrückend:

“Von den 82.967 bei Kommunalwahlen 2011 stimmberechtigten Bürgern über 16 Jahre haben sich lediglich 552 Bürger überhaupt registriert. Selbst wenn man nur die ca. 43.000 Wähler der letzten Kommunalwahlen zum Vergleichsmaßstab heranzieht, bleibt diese Zahl verschwindet gering.

In den acht Gemeinden des Landkreises gibt es 202 ehrenamtliche Ratsmitglieder, aber nur 367 Bürger haben sich bei LiquidFriesland im ersten Jahr nach der Eröffnung des Portals am 11. November 2012 wenigstens einmal an einem dort diskutierten Thema beteiligt oder einer Abstimmung teilgenommen. Seit Anfang 2014 standen überhaupt nur noch sechs Themen zur Abstimmung, bei denen als höchste Beteiligung 32 Stimmen registriert wurden. Seit Mitte April 2014 ist auf der Plattform überhaupt keine Aktivität mehr festzustellen.”

In seinem  Evaluierungsbericht aus Juni 2013 wendet der Landkreis die  90-9-1-Regel auf die Aktivität an:

“Die Beteiligung an Abstimmungen in Friesland ist ein weiterer Beleg   für die von Wissenschaftlern bereits am Beispiel zahlreicher Internet-Communities gezeigten 90-9-1-Regel (vgl. Nielsen, Jakob:  Participation Inequality: Encouraging More Users to Contribute, 9.10.2006). Demnach generiert (nur) ein Prozent der Nutzer den meisten Inhalt, weitere neun Prozent interagieren mit diesem Inhalt und neunzig Prozent sehen sich den Inhalt lediglich an, ohne zu interagieren.

Schon an der 90-9-1-Regel ist zu erkennen, dass ein System wie LiquidFriesland keine Repräsentativität anstreben kann (was auch nie beabsichtigt war). Vielmehr ließe sich die These aufstellen, dass die 90-9-1-Regel auch auf die Bürgerbeteiligung an sich zu übertragen ist.”

Sind mal wieder ein paar Links fällig (14.06.14)

Sechs übellaunige Bemerkungen zu Krautreportern | Christoph Kappes - “Crowdfunding, in diesem exzessiven und professionellen Maß wie bei Krautreporter betrieben monetarisiert soziale Beziehungen zu Gunsten derjenigen, die ökonomische Ziele verfolgen.”

Wem gehört mein digitaler Zwilling?“Die Idee unsere digitalen Zwillinge als unser Eigentum sehen zu wollen ist naiv und auch nicht zielführend. Denn die Kontrolle, die über den Eigentumsbegriff erzwungen werden soll, läuft in den meisten Fällen ins Leere: “Meine Daten gehören mir, Faceboogle!” rufen wir, worauf Faceboogle nur antwortet: “Ok, cool. Aber wenn Du meinen Dienst nutzen willst, dann müsstest Du mir Nutzungsrechte an den Daten geben.” Wir gewähren die Nutzungsrechte und alles ist wie zuvor.”

Feynsinn » Wählt was ihr wollt“Die Konservativen, deren Wähler sich für Juncker entschieden haben wollen, sind jetzt gegen Juncker. Die Spezialdemokrateninnen und ihre Grünen Pfosten hingegen, deren Wählerinnen und Wähler® gegen Juncker waren, sind jetzt für Juncker und effektiv gegen Schulz, der inzwischen selbst für Juncker ist.”

Why Germany Dominates the U.S. in Innovation“But the fairy tale that the U.S. is better at radical innovation than other countries has been shown in repeated studies to be untrue. Germany is just as good as the U.S. in the most radical technologies.”

David Graeber: “Spotlight on the financial sector did make apparent just how bizarrely skewed our economy is in terms of who gets rewarded” – Salon.com“Well, the casual explanation is always consumerism. The idea is always that given the choice between four-hour days, and nine or ten-hour days with SUVs, iPhones and eight varieties of designer sushi, we all collectively decided free time wasn’t really worth it.”

- taz.de“Sozialmissbrauch, so wird insinuiert, findet auf Seiten der Wanderarbeiter statt. Mit der Realität hat diese Sicht auf die Dinge allerdings wenig zu tun. Es gibt noch eine andere Art, wie die Sache mit dem Sozialmissbrauch zu sehen ist. Die nimmt jene Unternehmen in den Blick, die durch sozialen Missbrauch an Wanderarbeitern Profit machen; Unternehmen, die in Deutschland ansässig sind.”

1984 contra Google « starke-meinungen.de“Google ist eine Bibliothek. Eine unfassbar große, unfassbar leicht zu bedienende, „universell zugängliche“ Bibliothek. Warum gilt für sie, was für keine andere Bibliothek außerhalb der Welt von „1984“ gilt? Warum gibt es für Google eine Pflicht zum Vergessen?”

“Recht auf vergessen”: EuGH-Urteil stärkt Bezahlarchive der Presse und schafft Zwei-Klassen-Öffentlichkeit“Deswegen findet die Mehrheit der deutschen Presseverlage ein für die Presse- und Meinungsfreiheit schlechtes Urteil nicht schlecht: Weil es auf Kosten der Öffentlichkeit den Index von Google und jeder anderen noch kommenden großen Suchmaschine abwertet und die kostenpflichtigen Datenbanken der Presseverlage aufwertet.”

Mit Bibel und Kanone – Freundlichkeit im Journalismus”Ich traf neulich eine Schulfreundin, die ein hohes Tier bei den Sozialdemokraten geworden war. Ich sagte: “Berufspolitikerin! Warum tust du dir das an?” Sie dachte kurz nach und sagte: “Ich kann Leute über den Tisch ziehen, ich kann Indiskretionen verbreiten, Fallen stellen, Dummköpfe im eigenen Lager ausbremsen, Gegner ärgern – und das alles, damit am Ende das Richtige passiert. Ich kann das Böse tun im Auftrag des Guten.””