Wir alle leben in Parallelgesellschaften

Hannah Beitzer in der Süddeutschen: Der Rückzug ins Private muss aufhören

Es gibt in Deutschland nicht nur eine Kluft zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen oder Pegida und Anti-Pegida. Sondern zwischen allen möglichen gesellschaftlichen Gruppen und Schichten. Die meisten umgeben sich gerne mit Menschen, die ähnliche politische Einstellungen, ähnliche Werte, einen ähnlichen Bildungsabschluss, ähnliche Lebensentwürfe haben.

(Via Kaltmamsell)

Das ist in der Tat eine Perspektive, die man in Berlin besonders leicht einnehmen kann. Oft genügt es, um zwei Ecken zu Biegen und sich in einem völlig anderen Kiez – mit deutlich anderer Bewohnerschaft – zu befinden.

Bleibt die Frage, was es dann eigentlich noch ist, das “Deutschland” zusammenhält. Und mich beschäftigt seit einiger zeit die Idee, dass das Kollektiv der “Versichertengemeinschaft” (innerhalb der wohlfahrtsstaatlichen Sozialversicherungen) die inzwischen wirkmächtigste Klammer dieses Landes ist.

Darum die Angst vor der “Einwanderung in die Sozialsysteme”. Darum das obszöne Saldieren von soll und haben, nutzen und last der Immigration.

Nutznießer der bundesdeutschen Wohlfahrtsstaates zu sein gehört sicher zu den größten Privilegien des Planeten und gerade die, die noch am meisten davon profitieren, verteidigen ihn mit äußerster Inbrunst.

Der Wohlfahrtsstaat des 20. Jahrhunderts war eine politische Form zur gerechten Verteilung wachsenden Wohlstandes. Was wir vielleicht in naher Zukunft benötigen ist eine Form des friedlichen Ausgleichs von sinkendem Wohlstand.

Links am Sonntag – 11.01.15

Islamisierung als Kampfbegriff « starke-meinungen.de“Die Parole von der „Islamisierung“ ist nicht bloß eine falsche Behauptung, nicht bloß eine Übertreibung. Sie ist der Versuch, die demokratische Ordnung, das „System“, zu delegitimieren, weil sie die „Islamisierung“ nicht stoppt oder sie gar fördert. So wurde die Parole von der „Verjudung“ von den Nazis verwendet.”

Elf Thesen zu feministischem Aktivismus heute | Aus Liebe zur Freiheit“Politik ist heute nur noch in der ersten Person möglich, denn die repräsentative Politik ist kraftlos geworden. Deshalb ist die Zugehörigkeit zu Parteien oder Verbänden kein Ersatz für individuelle Beteiligung und Aktionismus.”

Die Neunziger sind zurück“Geschichte wiederholt sich nicht. Sagen Historiker. Doch wenn man mal genauer hinschaut, gibt es Muster und Parallelen in der jetzigen xenophoben, islamophoben und rassistischen Debatte, die sehr an die Vorgänge am Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger Jahre erinnern.”

Links am Sonntag – 23. November 14

I’m Terrified of My New TV: Why I’m Scared to Turn This Thing On — And You’d Be, Too“The TV boasts a “voice recognition” feature that allows viewers to control the screen with voice commands. But the service comes with a rather ominous warning: “Please be aware that if your spoken words include personal or other sensitive information, that information will be among the data captured and transmitted to a third party.” Got that? Don’t say personal or sensitive stuff in front of the TV.”

Bitte keinen Journalismus | Mit anderen Worten“Früher hatte ich zwei Berufe: Werber und Journalist. Heute nur noch einen: Werber. Nicht weil ich kein Journalist mehr wäre. Sondern weil Journalismus immer mehr zur Werbung wird. Fünf Gründe dafür.”

Erstaunlich unspektakulär | überschaubare Relevanz“Eine Belästigung ist alles, was ich mit einem Menschen mache, das ihn belästigt. Ich gebe anderen nicht vor, was sie belästigt, sondern ich muss sie fragen, und wenn sie es mir sagen, nehme ich es zur Kenntnis, und diskutiere nicht drüber, ob sie sich nicht vielleicht täuschen und in Wahrheit völlig unbelästigt sind.”

 

Unsere Verfassungspflicht, Katholizismus auszuhalten“Verfassungsrecht bewährt sich dort, wo es darum geht, dem Anderen Anerkennung und Entfaltungsspielraum zu verschaffen, dem Anderen im Gegensatz zum Eigenen. Freiheit für das Eigene, für uns selbst und für das, was wir alle gut finden, ist billig zu haben. Aber das Andere, das von uns aus gesehen Außenliegende, das braucht robusten verfassungsrechtlichen Schutz, damit es nicht von uns passend gemacht und plattgewalzt und aus dem Weg geräumt wird, zu unserem eigenen Schaden. Das kann die Kunst sein, die wir nicht verstehen. Oder die Presse, die uns lästig wird. Oder die Wissenschaft, die unsere Gewissheiten erschüttert. Oder einfach mein kleines individuelles Ich mit meinen komischen Meinungen, Gewissensregungen, Intimitätswünschen. All das schützen wir, indem wir uns verfassungsrechtlich binden. Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, in der lauter Sachen gedeihen, die uns fremd sind.”

The Last Revolution of the Inter-Network  “At the conclusion of the last revolution, the 1% will pull the ladder up behind them. They’ll be satisfied that human labor is no longer required to sustain their world. Optimization will be complete. “

Links am Sonntag – 26. Oktober 14

500beine | Studio Glumm“Schon Mitte der Achtzigerjahre dokterte Lonnie, vielseitig talentiert, an einem Groß-Roman, einem Sittengemälde mit dem ebenso treffenden wie bombastischen Arbeitstitel Der Patientenplanet.”

Apple’s Health App: Where’s the Power?“The Health app is literally dangerous, specifically to people dealing with/in recovery from eating disorders and related obsessive-compulsive behaviors. Obsessive weight tracking and calorie counting are classic symptoms. These disorders literally kill people. A lot of people.”

8 Ways ‘Liberal Democracies’ Are Structurally Violent“In order to experience Western society as generally non-violent you have to be in a very specific structural position. In simple terms, in order to buy this shit you really have to be a cisgender, heterosexual, middle class, white, male citizen of a Western country.”

Weekend Read: The Imminent Decentralized Computing Revolution“A mega-trend is brewing that could make bureaucratic hierarchies, middlemen and gatekeepers everywhere obsolete including social networks, banks, stock exchanges, electronic voting systems and even governments. It’s called decentralized computing, and it could fundamentally transform the way we connect to and exchange value on the Internet.”

Links am Sonntag: 12. Oktober 2014

Kollaps des Kaputtalismus“Und es mag verwundern oder nicht – die lebendigste und klügste neomarxistische Szene gibt es derzeit in den USA. Wobei diese Szene in zwei Gruppen zerfällt: In ältere marxistische Wissenschaftler wie den Wirtschaftsgeographen David Harvey, dessen aktualisierte Marx-Lektüre beispielsweise auf Youtube schon mehr als eine Viertelmillion Zuseher fand und der allein in den vergangenen sechs Jahren sechs Bücher herausgebracht hat; und in junge, hippe Linke um die linke Zeitschrift “Jacobin” und Kulturjournale wie “n+1″, ein Kreis, deren prominentester Vertreter etwa der Starliterat Benjamin Kunkel ist, der vor zehn Jahren mit seinem Roman “Unentschlossen” beinahe über Nacht zur literarischen Sensation wurde.”

Notiz an mich: Lesen.

[priv] Wir wollen doch alle nur dasselbe – “Die Menge der Menschen, die im Netz “leben” (abgegrenzt von denen, die es “nur” nutzen, es aber nicht als einen essentiellen Teil ihres sozialen Lebens wahrnehmen), ist bei weitem nicht nur auf persönlicher Ebene in diversen Zwistigkeiten und Kämpfen verstrickt, sondern auch politisch, gesellschaftlich nicht auf einer Linie.”

Why people believe things you don’t believe - “once you realize how difficult it is to identify your own incorrect beliefs you can better empathize with people on the fringe, because they are stuck in the same predicament. They are just as trapped in their own war rooms, most of the time unaware that the map they use is, as psychologist Daniel Gilbert once said, a representation and not a replica.”

Das geht in eine ähnliche Richtung wie der immer noch beeindruckende Text “How Politics Makes Us Stupid“.

Now, “Voyager”: in praise of the Trekkiest “Trek” of all“On Voyager, female authority was assumed and unquestioned; women conveyed sexual power without shame and anger without guilt. Even more so than Buffy, which debuted two years later, it was the most feminist show in American TV history.”

Ich fand Voyager damals ja eher doof, weil es nach DS9 einen Schritt zurück zum alten episodenhaften Erzählen darstellte. Außerdem fand ich den Kniff mit dem in den Delta(?)-Quadranten geschleudert werden ziemlich billig. Und die Crew blieb für meinen Geschmack auch nach der ersten Staffel ziemlich fad. Aus heutiger Sicht finde ich das, was der verlinkte Text beleuchtet aber sehr bemerkenswert.

Links am Sonntag – 05.10.14

In The Dark Knight, why didn’t they just paint the Joker as the scapegoat? – “The new legal order constructs a new narrative under which it subsumes the powers of superhero, rendering him superfluous, and relegates chaos to the asylum, where it is relabelled madness. The new order is opposed by the terrorist, who manifests as the repressed truth that there is no moral spectrum at all, there is only power. Bane is pure power, as is the social order. The only opposition to power is destruction.”

Die Autorität der Gestrigkeit | Journelle – ” Wie gesagt, zuweilen ersehne ich den Untergang des Feuilltons oder zumindest den vollständigen Verlust der Autorität, mit der diese Leute ihre persönliche und gestrige Meinung reflektieren.”

In Search of Manhattan’s Last Remaining Skybridges | Scouting NY: “I love Manhattan’s skybridges, the kind that connect two buildings over busy streets. They’ve always reminded me of a future New York as imagined in the early 1900s, a time when it seems everyone expected the city’s thoroughfares to ascend with the tallest skyscrapers.”

21 Books That Changed Science Fiction And Fantasy Forever “Speculative fiction is the literature of change and discovery. But every now and then, a book comes along that changes the rules of science fiction and fantasy for everybody. Certain great books inspire scores of authors to create something new. Here are 21 of the most influential science fiction and fantasy books.”

Doomed “Our intention in using Bandcamp for this compilation is to get new and local heavy music out to as many people as possible at no charge. Because Bandcamp limits the number of free downloads to 200, we will periodically purchase more. Please do not feel obligated to pay for this compilation in any way. Instead, redirect your dollars to the bands themselves. Click individual tracks for relevant links to support the bands. Thank you for making this thriving scene possible!”